L-Carnosin und Multiple Sklerose: Eine Betrachtung aktueller Studien

Aminosäuren sind die Bausteine der Proteine und somit essenziell für Wachstum, Erhaltung und Reparatur aller Zellen. Sie setzen sich aus einer Amino- und einer Carbonsäuregruppe zusammen und werden in essentielle und nicht-essentielle Aminosäuren unterteilt. Während nicht-essentielle Aminosäuren vom Körper selbst synthetisiert werden können, müssen essentielle Aminosäuren über die Nahrung aufgenommen werden. Im Kontext der Multiplen Sklerose (MS) rücken bestimmte Aminosäuren und Nährstoffe in den Fokus, da sie potenziell den Krankheitsverlauf beeinflussen können.

Orthomolekulare Medizin und Mikronährstoffe

Die orthomolekulare Medizin setzt auf die individuell richtige Dosierung von natürlichen, im Körper vorkommenden Wirkstoffen, um die Gesundheit zu erhalten und Krankheiten zu behandeln. Der Begriff „orthomolekular“ bedeutet „die richtigen Moleküle“ und bezieht sich auf Mikronährstoffe als Voraussetzung für intakte Zellfunktionen, einen reibungslosen Stoffwechsel und die Leistungsfähigkeit des Organismus. Ein Mangel an Mikronährstoffen oder eine Dysbalance kann viele Erkrankungen verursachen und beeinflussen.

Mitochondrien: Kraftwerke der Zelle

Mitochondrien, die "Kraftwerke" der Zellen, produzieren Adenosin-Tri-Phosphat (ATP), die Hauptenergiequelle für zelluläre Prozesse. Jede Körperzelle besitzt etwa 1.500 Mitochondrien, insgesamt also 180-190 Trillionen. Sie wandeln Sauerstoff, Zucker und Phosphor in ATP um und regulieren wichtige Stoffwechselvorgänge, einschließlich der Hormonproduktion und der Synthese von Hämoglobin. Eine gezielte Labordiagnostik und Therapie können hier beinahe grenzenloses Potential bergen.

Stress, NO-Gas und oxidativer Stress

Stress, sei er emotional oder körperlich, kann den Zellstoffwechsel massiv stören. Unter Stress produzieren die Zellen Stickstoffmonoxid (NO), dessen Wirkung im menschlichen Organismus lange Zeit unbekannt war. Bei chronischen Entzündungen entsteht ein "NO-Gaskrieg", der zu oxidativem Stress führt. Freie Sauerstoffradikale reagieren mit NO-Gas und bilden Peroxinitrit, was einen biochemischen Circulus vitiosus auslöst.

Mikronährstoffe zur Unterstützung der Mitochondrien

Zur Neutralisierung von Schadstoffen stehen den Mitochondrien verschiedene Entgiftungssubstanzen zur Verfügung, mit denen über 3.000 Industriegifte neutralisiert werden können. Die Mitochondrien übertragen den Spin von Photonen auf Wasserstoffionen, was die Zellleistung beeinflusst. Eine Mikro- und Makronährstofftherapie spielt daher bei chronischen Erkrankungen eine wichtige Rolle.

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Multiple Sklerose: Die Rolle von Nutrazeutika

Bei der Multiplen Sklerose (MS) können sich durch eine fortschreitende Schädigung von Nerven Probleme in verschiedensten Bereichen des Körpers entwickeln. Um dem entgegenzuwirken und die Lebensqualität zu verbessern, werden neben medikamentösen Therapien auch häufig Nahrungsergänzungsmittel bei MS eingesetzt. Der Fokus lag dabei auf den möglichen Vorteilen einer Nahrungsergänzung für die Symptomkontrolle und Verzögerung eines Krankheitsschubs.

Studienergebnisse zu Nahrungsergänzungsmitteln bei MS

Eine Analyse von 40 klinischen Studien ergab, dass der Ernährungszustand von MS-Patienten und der Ausgleich von Mangelzuständen den Krankheitsfortschritt beeinflussen können. Häufig wurde ein Mangel an Vitamin A, B12 und D3 festgestellt. Viele Nahrungsergänzungsmittel zeigten antioxidative und entzündungshemmende Effekte.

Im Detail wurden folgende Ergebnisse erzielt:

  • Omega-6-Fettsäuren: Ein sehr schwacher Effekt auf die Dauer und den Schweregrad der Erkrankung, jedoch kein Einfluss auf den Behinderungsgrad.
  • Vitamin B7 (Biotin): Verbesserung des Behinderungsgrades und mögliche Verzögerung des Krankheitsfortschritts.
  • Vitamin A: Linderung von Fatigue und Depression, verlangsamter Krankheitsfortschritt und verbesserte Denkleistung (eventuell aufgrund antientzündlicher Effekte). Langfristige Einnahme kann unerwünschte Effekte haben.
  • Coenzym Q10: Positive Auswirkung auf den oxidativen Stress (gemessen anhand von Blutwerten). Klinische Auswirkungen müssen noch untersucht werden.
  • Zitronenverbene (Eisenkraut): Beeinflussung von Entzündungsmarkern im Blut. Klinische Effekte sind bisher nicht untersucht.
  • Acetyl-L-Carnitin (ALC): Keine Verbesserung der Fatigue im Vergleich zu Kontrollsubstanzen.

Zusammenfassende Bewertung

Die Datenlage deutet auf verschiedene mögliche Effekte der Nahrungsergänzungsmittel bei MS hin. Häufig kommt die antioxidative Wirkung der Substanzen zur Sprache: Eine reduzierte entzündliche Aktivität könnte eventuell Effekte auf die Fatigue, eine verbesserte Lebensqualität sowie eine höhere Lebenserwartung bewirken. Die Studienlage ist allerdings noch sehr schwach, da nur wenige Untersuchungen mit geringer Teilnehmerzahl zu einzelnen Nahrungsergänzungsmitteln vorliegen.

Borreliose als Begleiterkrankung bei MS

Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass chronische Infektionen wie Borreliose eine Rolle bei der Entstehung und dem Verlauf von MS spielen könnten. Borreliose ist schwer zu erkennen - und schwer zu behandeln. Julian Douwes erklärt, warum das so ist und warum Borreliose in erster Linie eine klinische Diagnose ist. Labortests können jedoch helfen, die klinische Diagnose der Borreliose zu stellen.

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Diagnostische Herausforderungen bei Borreliose

Eines der größten Probleme bei Diagnose und Therapie einer Borreliose ist das Fehlen wirklich zuverlässiger, aussagekräftiger Labordiagnosemöglichkeiten. Die bestehenden Testverfahren zur Diagnose Borreliose sind leider nur begrenzt aussagekräftig, Ursachen für die Variationsbreite sind u.a. fehlende Standards und die daraus resultierenden Folgen, z.B. der Durchführung (z.B.

Diagnosemethoden bei Borreliose

Neben dem Direktnachweis der Borrelien bzw. deren Antigenstrukturen durch PCR oder Kultur, ist die Borreliose-Serologie das häufigste diagnostische Verfahren. Die üblichen Blutuntersuchungen mit Suchtests auf borrelienspezifische Antikörper korrelieren jedoch häufig nicht mit der Infektion bzw. Erkrankung (z.B. ELISA, EIA, HAT oder IFT). Auch die Titerhöhe korreliert nur unzulänglich mit der klinischen Symptomatik.

  • Direktnachweis: Der einzig bis heute sicher positive Test ist der Direktnachweis der Borrelien in Blut oder sonstigen Punktaten. Fällt der Test positiv aus, hat man sicher Borrelien im Körper. Fällt der Test negativ aus, heißt das nicht, dass man keine Borrelien hat, sondern nur, daß in der Probe keine Borrelien nachweisbar waren.
  • PCR-Test: Um der relativen Unzuverlässigkeit der gängigen Labortests zu entgehen wird zusetzlich der PCR-Test (Polymerase Chain Reaction = Polymerase-Kettenreaktion) benutzt. Er wird durchgeführt, um B. burgdorferi DNA/RNA in Proben zu bestimmen.
  • ELISA-Test: Mit Hilfe des ELISA-Verfahrens wird das Patientenserum auf borrelienspezifische Antikörper untersucht. Die Bewertung der gemessenen Konzentration als positiv oder negativ für B. burgdorferi trifft man im Vergleich zu einer negativen Kontroll-Probe. Falsch positive und negative Ergebnisse kommen jedoch vor und können auf verschiedenen Ursachen beruhen.
  • Lymphozytentransformationstest (LTT): Dieses Testverfahren ermöglicht es, die spezifische Aktivität von Antikörpern zu untersuchen. Mit dem LTT = Lymphozytentransformationstest auf Borrelien werden nicht die Antikörpertiter bzw. deren Vorhandensein bestimmt, sondern die Reaktion des Immunsystems auf Borrelien-Antigene.
  • VCS-Test: Nach dem gleichen Prinzip funktioniert auch der Einsatz bei der Borreliose: Borrelien bilden Endotoxine(Neurotoxine), die bei vielen Patienten Nervenschädigungen auslösen. Besonders empfindlich ist hierbei der Sehnerv.

Stadien der Borreliose

Im Allgemeinen unterscheidet man drei Stadien der Borreliose, wobei die Abgrenzungen zwischen den einzelnen Stadien zum Teil schwierig sind. Für die therapeutischen Maßnahmen ist es wesentlicher, ob es sich um eine frische, akute Infektion handelt (Stadium 1), oder diese in einen chronischen Krankheitsverlauf übergegangen ist (Stadium 2 & 3).

Therapieansätze bei Borreliose

Auch wenn immer wieder Antibiotikaschemata für bestimmte Stadien empfohlen werden, gibt es bisher kaum verläßliche Langzeitbeobachtungen hinsichtlich Wirksamkeit und Nachhaltigkeit. Vor allem bei Rezidiven bzw. persistierenden Infektionen besteht jedoch akuter Handlungsbedarf, wie wir erfahren mußten. Hier haben die Antibiotikabehandlungen, auch wenn sie lange bis sehr lange durchgeführt wurden, versagt, da zu diesem Zeitpunkt die Borrelien schon intrazellulär liegen und daher von Antibiotika nicht mehr erreicht werden können.

Multiple Sklerose Erweiterte Systemische Erkrankung (MSE)

Die Symptome der MSE sind vielgestaltig. Im Laufe des Lebens kumulieren die Auslöser. Beeinträchtigung der Regulation des Immunsystems.

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Ursachen und Auslöser

Im Laufe des Lebens kumulieren die Auslöser. Einzelne Belastungen werden noch überwunden oder kompensiert. Wenn die Regulationssysteme des Körpers überfordert werden, umso mehr nimmt die Symptombelastung zu. Dann läuft der Topf über und der Zusammenbruch (z.B. Erkrankung) ist da.

Symptome der MSE

Die Symptome der MSE sind vielgestaltig. Sowohl die Mastzellaktivierung als auch Erkrankungen, Therapien usw. können einen Beitrag leisten. Zeichen von Entzündung, kognitive Beeinträchtigung (sog. Brainfog), Infektanfälligkeit, Erschöpfung, Schmerzen (z.B. Gelenke, Kreislauf, Nervensystem), Gewichtszunahme u.v.m. sind möglich. Eine detaillierte Anamnese ist wichtig.

Mitochondriale Funktion

Die Mitochondrien sind essentiell. Sie werden von Herz, Lunge und Blutgefäßen bewerkstelligt. Von großer Bedeutung ist auch die Störung der Mikrodurchblutung.

Vegetatives Nervensystem

Eine weitere Rolle spielt das vegetative (autonome) Nervensystem. Es kommt zu einer verschlechterten Anpassung der Organfunktionen an wechselnde Anforderungen.

Hormone

Hormone spielen auch eine wichtige Rolle für die Frau und des Mannes. Es ist wichtig, hormonelle Störungen zu erkennen und zu behandeln.

Immunsystem

Wichtige Impulse für die Immunfunktion sind reduziert. Aktivierende Signale zum Gehirn fehlen. Die mitochondriale Funktion nimmt ab. Des Weiteren verschlechtern sich die Funktionen des vegetativen Nervensystems.

Hypermobilitätssyndrome

Ein weiteres Thema sind Hypermobilitätssyndrome. Das bekannteste ist das Ehlers-Danlos-Syndrom (EDS). Es kommt durch eine Bindegewebsschwäche zu einer Überdehnbarkeit von Gelenken.

Weitere Faktoren

Weitere Faktoren können Umweltschadstoffe sein (z.B. Pestizide usw.). Chronische Inflammation kann zu reduzierter Fruchtbarkeit beitragen.

Entgiftung

Eine Störung der Entgiftung kann durch eine Vielzahl von Faktoren verursacht werden.

Labordiagnostik

Die Labordiagnostik ist in vielen Fällen eine Momentaufnahme.

Therapieansätze

Ziel ist es, die Regulationssysteme des Körpers zu unterstützen, zu bessern oder sogar zu heilen. Wichtig ist die ganzheitliche Sicht.

Die Blut-Hirn-Schranke

Die Blut-Hirn-Schranke (BHS) ist eine Gruppe von Mechanismen, die das Blut von der Gehirnflüssigkeit trennt. Durch die Blut-Hirn-Schranke werden Blutgefäße im Gehirn sehr dicht gegen einen unkontrollierten Übertritt von Stoffen in das Gehirn geschützt. Je nachdem, welcher Teil der BHS beeinträchtigt ist, können daraus andere Störungsbilder entstehen.

Funktionen der Blut-Hirn-Schranke

Die BHS minimiert die Diffusion aus dem Blutgefäß an den Endothelialzellen vorbei. Efflux-Transporter nutzen die Hydrolyse von ATP, um ihre Substrate über den Konzentrationsgradienten zu transportieren. In den Endothelialzellen des Gehirns ist die Transzytoserate drastisch niedriger als peripheren Geweben. Leukozyten binden über die auf ihrer Oberfläche vorhandenen Adhäsionsmoleküle an die entsprechenden Adhäsionsmoleküle der Endothelzellen. Die Blut-Hirn-Schranke wird unter anderem durch perivaskuläre Zellen reguliert, die Blutgefäße von innen auskleiden.

Dysfunktion der Blut-Hirn-Schranke

Eine BHS-Dysfunktion ist bei manchen Krankheiten gegeben. Bei anderen Störungsbildern ist die BHS vielmehr das Ergebnis des Zusammenwirkens einer Reihe von physiologischen Eigenschaften.

Beeinflussung der Blut-Hirn-Schranke

Die Blut-Hirn-Schranke erschwert es Medikamenten sehr, Ziele im Gehirn zu erreichen. Bei der SHR ist die Blut-Hirn-Schranke durch erhöhte Neuroinflammation und übermäßige Autophagie geschädigt. Während der Infiltration durch Immunzellen und der Bildung von Läsionen ist die Blut-Hirn-Schranke beeinträchtigt. Eine Störung der BHS kann auch Ursache von epileptischen Anfällen sein oder diese fördern. Auch bei Alzheimer bestehen etliche Hinweise auf einen Zusammenhang mit der Blut-Hirn-Schranke.

Vitamin D und Multiple Sklerose

Vitamin D ist für seine Schlüsselfunktion für die Gesundheit bekannt, und bietet Schutz vor einer Vielzahl an Erkrankungen, von Osteoporose, Atemwegserkrankungen, und Alzheimer bis hin zu chronischen Entzündungen und Krebs. Besonders in nördlichen Gebieten gelangt oft nicht genügend Sonnenlicht auf unsere Haut, um uns optimal mit Vitamin D zu versorgen. Vitaminpräparate können hier sinnvoll einem Mangel vorbeugen.

Vitamin D und das Immunsystem

Eine ganz besonders wichtige Rolle spielt Vitamin D im Immunsystem des Körpers. Dieses stützt sich auf zwei Säulen - die angeborene allgemeine Immunabwehr und die spezifische erworbene Abwehr (auch adaptive Immunabwehr). Vitamin D kann auch zur Kommunikation zwischen Immunzellen eingesetzt werden, um im Bedarfsfall schnellstmöglich eine breite Immunabwehr zu aktivieren.

Funktionen von Vitamin D

Vitamin D trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei, hat außerdem eine Funktion bei der Zellteilung - auch von Immunzellen - und jede Immunzelle besitzt einen Rezeptor für Vitamin D an der Zelloberfläche, die dem Informationsaustausch dient. Im Umkehrschluss verringert ein Vitamin-D-Mangel den körpereigenen Schutz vor Krankheitserregern - sprich: Das Immunsystem arbeitet schlechter, wenn der Körper nicht ausreichend mit Vitamin D versorgt ist.

Vitamin D und Autoimmunerkrankungen

Ausgewählte klinische Studien konnten bislang bestätigen, dass verschiedene Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose, Diabetes, Rheuma oder Morbus Crohn eng mit dem Vitamin-D-Spiegel im Blut zusammenhängen. Das liegt vor allem daran, dass Vitamin D eine adäquate Immunreaktion nicht nur fördern, sondern in Ausnahmefällen auch unterdrücken kann - was ein entscheidender Effekt in Bezug auf die Vorbeugung von Autoimmunerkrankungen ist.

Vitamin D-Mangel

In Deutschland steht die Sonne von Oktober bis März nicht hoch genug am Himmel als dass der menschliche Körper eine nennenswerte Menge an Vitamin D bilden könnte. Es dringen nicht genügend UVB-Strahlen durch die Atmosphäre, egal ob es bewölkt ist oder nicht. Über die Ernährung ist es nicht möglich, sich ausreichend mit Vitamin D zu versorgen.

Überdosierung von Vitamin D

Neben dem Mangel ist das andere Extrem das Überdosieren des essenziellen Mikronährstoffs. Dies kann auch schwerwiegende Auswirkungen auf den menschlichen Organismus haben. Zu einer Überdosierung kommt es praktisch nur, wenn Nahrungsergänzungsmittel extrem überdosiert werden oder bei einer falschen Ernährung per Infusion. Auch Krankheiten können ursächlich für eine Vitamin D Überdosierung sein.

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