Kinesiologie: Die Verbindung von linker und rechter Gehirnhälfte für mehr Ausgeglichenheit und Leistungsfähigkeit

Einführung

In unserer schnelllebigen Zeit, in der der Begriff "im Hier und Jetzt" fast inflationär gebraucht wird, ist es wichtig, sich der Bedeutung der Verbindung zwischen linker und rechter Gehirnhälfte bewusst zu werden. Die Vergangenheit ist vorüber, die Zukunft ungewiss, und unser gesellschaftliches Wertesystem ist oft linkslastig. Die Sportkinesiologie bietet einen Ansatz, um die geistigen Kompetenzen beider Gehirnhälften zu vereinen und so zu mehr Ausgeglichenheit und Leistungsfähigkeit zu gelangen.

Die Aufgabenverteilung im Gehirn

Das menschliche Gehirn besteht aus zwei Hemisphären, der linken und der rechten, die jeweils unterschiedliche Aufgaben erfüllen.

  • Die linke Gehirnhälfte: Diese wird als die "analytische" Hälfte bezeichnet. Sie denkt logisch, registriert Einzelheiten, verarbeitet Informationen sequenziell, ist planvoll und zukunftsorientiert. Sie analysiert Sprache, Musik und Details von Bildern und ist zuständig für Sprache, Lesen und Rechnen. Sie arbeitet nach Regeln und Gesetzen und konzentriert sich auf einen Punkt. Die linke Gehirnhälfte nimmt Details wahr und denkt in logischen Schritten. Sie verarbeitet verbale und mathematische Informationen und steuert die mündliche Darstellung sowie Grammatik und Wortstellung. Sie ist zuständig für sprachliche und logische Funktionen und verarbeitet Informationen sequenziell und analytisch.

  • Die rechte Gehirnhälfte: Diese wird als die "ganzheitliche" Hälfte bezeichnet. Sie denkt gefühlsmäßig, spontan, kreativ, nimmt Sprache, Rhythmus und Gefühle wahr, assoziiert Erinnerungen und genießt Musik und Bilder als Gesamteindruck. Sie ist zuständig für Körpersprache, Bildersprache und Intuition. Sie ist kreativ und spontan und interessiert sich für Neugier, Spielen und Risiko. Die rechte Gehirnhälfte besitzt den Überblick und verarbeitet Informationen ganzheitlich. Sie kontrolliert die Körpersprache, Mimik und Gestik und steuert Bewegungen und physische Aktivität sowie künstlerische Leistungen und Erlebnisse wie Musik, Zeichnen und Malen. Sie ist zuständig für räumliche und kreative Funktionen und verarbeitet Informationen ganzheitlich und intuitiv.

Die Persönlichkeit ist umso ausgeglichener, je besser die beiden Gehirnhälften vernetzt benutzt werden.

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Die Bedeutung der Vernetzung beider Gehirnhälften

In der westlichen Welt wird oft die linke Gehirnhälfte stärker gefordert als die rechte. Um jedoch exzellente und kreative Denkleistungen zu erbringen, müssen beide Gehirnhälften des Großhirns gut zusammenarbeiten und sich ergänzen. Einige Wissenschaftler vermuten, dass erfolgreiche und kreative Menschen besonders gut zwischen der linken und der rechten Gehirnhälfte kommunizieren können.

Durch Stressfaktoren wie Überreizung und Bewegungsmangel kann es dazu kommen, dass die linke und rechte Gehirnhälfte ihre Zusammenarbeit "aufkündigen". Es entstehen Lernblockaden und die Konnektivität des Gehirns wird beeinträchtigt. Blockaden zeigen sich vor allem in Stresssituationen.

Kinesiologie als Weg zur Harmonisierung der Gehirnhälften

Die Kinesiologie ist eine alternativmedizinische Methode, die auf der Vorstellung basiert, dass gesundheitliche Störungen aus Blockaden im Energiefluss des Körpers resultieren. Sie steht eng mit der Gehirnforschung in Verbindung, da die Steuerung der Muskeln über die beiden Gehirnhälften läuft.

Kinesiologische Bewegungsübungen, auch "Brain Gym" genannt, ermöglichen es, stressbedingte Blockaden zu lösen und die Zusammenarbeit beider Gehirnhälften zu fördern. Diese Übungen sind einfach auszuüben und können in kurzen Arbeitspausen oder während des Lernens durchgeführt werden.

Beispiele für kinesiologische Übungen

  • Überkreuzbewegungen: Man hebt ein Bein an und berührt das Knie gleichzeitig mit der gegenüberliegenden Hand, dann wechselt man. Diese Übung aktiviert gleichzeitig rechte und linke Gehirnhälfte und verbessert den Seh- und Hörsinn. Eine weitere Überkreuz-Übung ist, die linke Hand zum rechten Knie und dann die rechte Hand zum linken Knie zu führen. Im Stehen kann man auch den linken Arm nach vorn und gleichzeitig das rechte Bein nach hinten führen und umgekehrt.

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  • Die liegende Acht: Man fährt mit einem Stift auf einem Blatt Papier mehrfach die Form einer liegenden Acht ab. Alternativ kann man mit den Fingern eine liegende Acht in die Luft zeichnen und die Augen folgen der Bewegung. Diese Übung fördert die Kreativität und den Richtungs- und Raumortierungssinn.

  • Ohrenreiben: Man massiert sanft die Krempe des Außenohrs von innen nach außen. Diese Übung verbessert das Hörverständnis und das Gleichgewicht.

  • Augenkreisen: Man kreist die Augen in beide Richtungen. Dieser einfache Bewegungsablauf bringt beide Gehirnhälften zur Zusammenarbeit und fördert ein flüssigeres Schreiben und das Vorstellen von Zahlen sowie Wörtern.

  • Händefenster: Im Sitzen oder Stehen werden die Fingerspitzen zusammengeführt, sodass die Hände ein Dreieck bilden. Dieses Händefenster wird nach oben links geführt, danach mit den Händen eine liegende Acht in die Luft gezeichnet. Nur die Augen verfolgen die Bewegung der Hände - der Oberkörper bleibt starr. Die Liegende Acht kann den Gedankenstrom stoppen und so für mehr Konzentration sorgen. Durch die Überkreuzbewegung der Augen werden außerdem die rechte und die linke Gehirnhälfte miteinander verknüpft.

  • Dehnübungen: Aus dem Stand heraus wird das linke Bein gebeugt nach vorn gestellt, so, dass das Knie nicht über die Zehen hinausragt. Der linke Arm wird nach vorn gestreckt, der rechte nach hinten. Der Blick ist nach vorn gerichtet. Oder aus dem Stand heraus wird das rechte Bein zuerst Richtung Gesäß geführt, mit der rechten Hand umgriffen und dann im rechten Winkel gedehnt. Aus dem sicheren Stand heraus wird der rechte Fuß am linken Oberschenkel abgestellt. Das rechte Knie zeigt dabei nach außen.

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Brain Gym

Brain Gym umfasst 26 gezielte Bewegungsabfolgen, die Entspannung, Konzentration, Achtsamkeit und Impulskontrolle fördern und gleichzeitig die Nervenverbidungen im gesamten Gehirn stärken. Einige Übungen eignen sich zur Zentrierung des Gehirns, andere zur Förderung von Konzentration, Fokus und der Behebung von Koordinationsproblemen. Denn eine fehlerhafte Zusammenarbeit der rechten und linken Gehirnhälfte, so Dennison, kann leicht zu Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten, Prüfungsangst, Legasthenie und ADHS usw. Brain Gym hilft also dabei, Koordinationsprobleme zu verbessern, sowie Energie- und Lernblockaden aufzulösen.

Achtsamkeitstraining und Meditation

Neben der Kinesiologie kann auch Achtsamkeitstraining und Meditation dazu beitragen, die Zusammenarbeit beider Gehirnhälften zu verbessern. Der Neurowissenschaftler Richard Davidson postuliert sechs voneinander unabhängige Schaltkreise, wobei einer die Fähigkeit der Konzentration und des sich Lösens störender Gedanken abbildet. Hier setzt die Meditation ein. Alle diese Schaltkreise befinden sich kinesiologisch gesehen in der rechten Gehirnhälfte. Diese zu trainieren und damit den Selbstwert zu erkennen und darauf aufzubauen, zeigt die Sportkinesiologie und das Achtsamkeitstraining (Jon Kabat Zinn).

Die Meditation hat vier Ebenen, die durchlaufen werden:

  1. Wahrnehmung der Umwelt (Raum, Geräusche, Gerüche)
  2. Bewusstwerden des unablässigen Stroms von Gedanken und Bewertungen (Metakognition) und emotionalen Impulsen
  3. Beobachtung, wie sich diese inneren Reaktionsebenen wechselseitig beeinflussen und verstärken
  4. Konzentration auf die Atmung (Heben und Senken des Brustkorbs)

Wesentich ist dabei eine innere Haltung, die von Wohlwollen und Akzeptanz geprägt ist. Es geht darum, zunächst einmal alles, was man erlebt, genauso anzuerkennen, wie es ist und dabei auch eigene Widerstände und innere Kämpfe zu bemerken. Die Folge ist mehr Klarheit und Gelassenheit, was in der Regel konstruktive und kreative Lösungen ermöglicht. Heinz et al nehmen an, dass eine solche akzeptierende Haltung besonders wichtig ist, um in Wettkampfsituationen gut mit Störungen umgehen zu können. In dieser Phase sind aus sportlicher Sicht Motivation, Konzentration, Visualisierung, Ruhe, Entstressung und Fokussierung angesagt.

Sportkinesiologie in der Praxis

Die Sportkinesiologie nutzt Übungen, die die Verbindung beider Gehirnhälften ansprechen und die rechte Gehirnhälfte zusätzlich fordern. Im Mannschaftstraining kann dies durch das Nennen des Namens des Mitspielers geschehen, im Einzeltraining durch das Nennen von emotionalen Begriffen.

Ein Beispiel ist das Laufen einer liegenden Acht mit Schwimmnudeln, während man Pässe von der Seite bekommt. Dabei ist es wichtig, den Namen desjenigen zu nennen, der den Ball danach bekommt, bevor man ihn selbst hat.

Die Rolle von Emotionen

Emotionen spielen eine wichtige Rolle bei der Vernetzung beider Gehirnhälften. Die Nennung eines Namens oder das Aussprechen von emotionalen Begriffen kann eine tiefe emotionale Verbindung herstellen und die Zusammenarbeit der Gehirnhälften fördern.

Es ist wichtig, sich der eigenen Emotionen bewusst zu werden und diese nicht zu bewerten. Die ungenügende Leistung beim Sport, wo Wetter, Gegner oder falsche Trainingsanleitung als Ursache angeführt wird, ist Bewertung. Nie ist es die fehlende Fokussierung, Einstellung oder Konzentration.

Klettern als meditative und kinesiologische Sportart

Das Klettern ist ein Beispiel für eine Sportart, die in hohem Maße meditativ und kinesiologisch ist. Jeder Schritt wird bedacht, die Bewegung findet meist überkreuz statt und die physischen Kontaktpunkte werden wahrgenommen. Hinzu kommen das Vertrauen der Sicherungsperson und die Ruhe und der Geruch, die die Natur hergibt.

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