Kinesiologie und Epilepsie: Eine Betrachtung von Erfahrungen und Hintergründen

Die Kinesiologie ist eine ganzheitliche Methode, die darauf abzielt, Gesundheit zu verbessern, Stress abzubauen, die Leistungsfähigkeit zu erhöhen und Blockaden zu lösen. Sie basiert auf der Annahme, dass alle Erfahrungen eines Menschen im Nervensystem und im Zellgedächtnis gespeichert sind. Im Kontext von Epilepsie, einer neurologischen Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist, stellt sich die Frage, ob und wie Kinesiologie unterstützend wirken kann. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen einer Kinesiologin mit einer Patientin mit Epilepsie, erörtert neurobiologische Hintergründe und betrachtet die Anwendung von Kinesiologie im Allgemeinen kritisch.

Eine Fallstudie: Kinesiologische Behandlung einer Patientin mit Epilepsie

Eine 44-jährige Hausfrau mit selbstständiger Nebentätigkeit suchte eine Kinesiologin auf, um sich ausbalancieren zu lassen. Die Patientin litt unter Ängsten, die sie am Wiedereinstieg ins Berufsleben hinderten, und befand sich in einer Ehekrise, die durch ihre vermeintliche Erfolgslosigkeit und den damit verbundenen Geldmangel verursacht war. Im Alter von drei Jahren wurde bei der Patientin Epilepsie diagnostiziert, die mit Orfiril (Valproinsäure) eingestellt war. Seit zwei Jahren hatte sie keinen Anfall mehr gehabt.

Anamnese und Therapieansatz

Die kinesiologische Austestung ergab eine "Angst vor Erfolg", die die Patientin von ihrem Vater übernommen hatte, der ebenfalls erfolglos geblieben war. Die Kinesiologin wandte daraufhin Entkopplungsmechanismen aus der Psychokinesiologie an. Aufgrund der Epilepsie-Diagnose verzichtete sie auf andere Verfahren, um das Nervensystem nicht zu überstimulieren.

Unerwartete Reaktionen und Abbruch der Behandlung

Nach der ersten Sitzung erlitt die Patientin einen epileptischen Anfall und schlug sich den Kopf auf. In einer zweiten Sitzung wurde das Ereignis besprochen, wobei die Patientin einen Zusammenhang mit Schlafmangel und ihrer Menstruation sah. Erneut wurden Techniken aus der Psychokinesiologie angewendet, jedoch erlitt die Patientin auch nach dieser Sitzung einen Anfall. In der dritten Sitzung wurde deutlich, dass die Anfälle im Zusammenhang mit den kinesiologischen Balancen standen. Daraufhin wurde beschlossen, keine weiteren Balancen anzuwenden, sondern sich auf Gespräche zu konzentrieren. Nach dieser Sitzung kam es zu keinen weiteren Terminen. Einige Wochen später erhielt die Kinesiologin einen Brief von der Patientin, in dem sie sich trotz allem dankbar zeigte und angab, viel für sich erkannt zu haben.

Zusammenfassung und Reflexion der Kinesiologin

Die Kinesiologin befasste sich im Nachgang verstärkt mit den neurobiologischen Hintergründen der Kinesiologie. Sie zitierte Dr. med. Dietrich Klinghardt, der Gefühle als primär elektrische Ereignisse im Nervensystem beschreibt, die sich über den Körper ausbreiten und ihn lebendiger und gesünder zurücklassen, wenn sie adäquat erlebt werden. Unterdrückte Gefühle hingegen können statische elektrische Ladungen im Gehirn aufbauen, die sich über den Hypothalamus entladen und spezifische Kernareale erregen können. Klinghardt beschreibt in seinem "Lehrbuch der Psychokinesiologie" die Behandlung einer Patientin, bei der das Areal des unerlösten seelischen Konflikts (USK) mit dem für die Epilepsie verantwortlichen Herd identisch war.

Lesen Sie auch: Gehirnaktivierung mit Kinesiologie

Die Kinesiologin vermutete, dass bei ihrer Patientin ein ähnlicher Fall vorlag und die Ablösung des USK nicht sanft genug erfolgt war, was zu den Anfällen führte. Sie räumte ein, dass sie sich der starken Wirkung der Kinesiologie auf das Nervensystem nicht bewusst gewesen sei.

Neurobiologische Perspektive auf Kinesiologie

Die Kinesiologie geht davon aus, dass der Körper durch Muskeltests Rückmeldung darüber geben kann, was ihm fehlt und wie man dies wieder in Ordnung bringen kann. Diese Vorstellung basiert auf der Annahme, dass alle Erfahrungen im Nervensystem und im Zellgedächtnis gespeichert sind.

Dr. Klinghardt beschreibt Gefühle als elektrische Ereignisse im Nervensystem. Wenn Gefühle unterdrückt werden, können sich statische elektrische Ladungen im Gehirn aufbauen, die sich entladen müssen. Im Falle von Epilepsie könnte eine zu intensive oder unsanfte Bearbeitung von unerlösten seelischen Konflikten (USK) zu einer Überstimulation des Nervensystems und damit zu Anfällen führen.

Es ist wichtig zu betonen, dass diese neurobiologischen Erklärungsansätze innerhalb der Kinesiologie umstritten sind und von der Schulmedizin nicht anerkannt werden.

Kinesiologie: Anwendung, Kritik und Kontraindikationen

Anwendung der Kinesiologie

Die Kinesiologie wird bei einer Vielzahl von Beschwerden und Problemen eingesetzt, sowohl im medizinischen als auch im psychologischen und kognitiven Bereich. Zu den typischen Anwendungsgebieten gehören:

Lesen Sie auch: Ausgeglichenheit durch Kinesiologie

  • Medizinische Anwendungsbeispiele: Entzündungsherde, Störfelder, Schmerzen, toxische Belastungen, Allergien, strukturelle Störungen des Bewegungsapparates, Infektionen, Belastungen durch Erdstrahlen und elektromagnetische Felder.
  • Psychologische und kognitive Anwendungsgebiete: Emotionale Belastungen, seelische Konflikte und Blockaden, Unterstützung einer Psychotherapie, Ängste, Stressmanagement, Suchtprobleme, Lernstörungen.
  • Persönliche Entwicklung: Selbstentfaltung, Coaching, Leistungsoptimierung.

Die Kinesiologie bedient sich verschiedener alternativer Behandlungsmethoden, darunter:

  • Korrekturen der Struktur (Muskelarbeit, Wirbelkorrekturen)
  • Korrekturen der Körperfunktionen (Blutbestandteile, Nebennierenfunktion, Hormone)
  • Emotions-Korrekturen (Altersregression, Stresspunkte drücken, Affirmationen)
  • Energetische Korrekturen (Akupunkturpunkte, Meridianen, Chakren)

Kritik an der Kinesiologie

Die Kinesiologie ist ein wissenschaftlich nicht anerkanntes Diagnose- und Therapieverfahren. Die Wirksamkeit ist nicht belegt. Kritiker bemängeln vor allem:

  • Mangelnde Objektivität: Die diagnostischen Erkenntnisse basieren auf der subjektiven Aussage des Untersuchers und können durch unbewusste Beeinflussung von Patient oder Behandler verfälscht werden.
  • Gefahr von Fehldiagnosen: Es besteht das Risiko, dass Gesunde für krank und Kranke für gesund erklärt werden, was zu unnötigen oder falschen Behandlungen führen kann.
  • Esoterischer Hintergrund: Viele Konzepte der Kinesiologie entstammen esoterischen Vorstellungen und sind wissenschaftlich nicht haltbar.

Kontraindikationen

Obwohl die Kinesiologie als sanfte Methode gilt, gibt es bestimmte Situationen, in denen Vorsicht geboten ist oder von einer Behandlung abgeraten wird:

  • Akute Erkrankungen: Bei akuten Erkrankungen sollte zunächst ein Arzt aufgesucht werden.
  • Psychische Erkrankungen: Bei schweren psychischen Erkrankungen sollte die Kinesiologie nur in Absprache mit einem Arzt oder Therapeuten eingesetzt werden.
  • Epilepsie: Wie die Fallstudie zeigt, kann die Kinesiologie bei Epilepsie unter Umständen Anfälle auslösen. Eine Anwendung sollte daher nur mit großer Vorsicht und in Absprache mit einem Arzt erfolgen.

Epilepsie: Ursachen, Symptome und Behandlung

Was ist Epilepsie?

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte epileptische Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch eine vorübergehende Störung der elektrischen Aktivität im Gehirn.

Ursachen von Epilepsie

Die Ursachen von Epilepsie können vielfältig sein. Dazu gehören:

Lesen Sie auch: Wissenschaftliche Studien zur Kinesiologie

  • Genetische Veranlagung
  • Fehlbildungen im Gehirn
  • Hirnverletzungen
  • Schlaganfälle
  • Infektionen
  • Stoffwechselstörungen
  • Alkoholmissbrauch oder Drogenkonsum

In vielen Fällen lässt sich jedoch keine eindeutige Ursache finden.

Symptome von Epilepsie

Die Symptome von Epilepsie können sehr unterschiedlich sein, je nachdem, welcher Bereich des Gehirns betroffen ist. Typische Anzeichen sind:

  • Krampfanfälle
  • Zuckungen
  • Kurze Bewusstseinsverluste
  • Plötzliche Verhaltensänderungen
  • Ungewöhnliche Sinneswahrnehmungen
  • Aura (Vorahnung vor dem Anfall)

Behandlung von Epilepsie

Die Behandlung von Epilepsie zielt in erster Linie darauf ab, die Anfälle zu kontrollieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Die wichtigsten Behandlungsmethoden sind:

  • Medikamentöse Therapie: Antiepileptika können bei vielen Patienten die Anfälle vollständig unterdrücken oder zumindest reduzieren.
  • Chirurgische Therapie: In bestimmten Fällen kann eine Operation sinnvoll sein, um den Bereich im Gehirn zu entfernen, der für die Anfälle verantwortlich ist.
  • Neurostimulation: Verfahren wie die Vagusnervstimulation können die Anfallshäufigkeit reduzieren.
  • Ketogene Diät: Eine spezielle Diät mit hohem Fett- und niedrigem Kohlenhydratanteil kann bei einigen Patienten die Anfallskontrolle verbessern.
  • Anfallsselbstkontrolle: Durch das Erkennen von Auslösern und Warnzeichen können Betroffene lernen, Anfälle zu verhindern oder abzumildern.

Alternative Behandlungsmethoden bei Epilepsie

Neben den schulmedizinischen Behandlungsmethoden gibt es eine Vielzahl von alternativen Ansätzen, die von einigen Epilepsie-Patienten genutzt werden. Dazu gehören:

  • Akupunktur
  • Homöopathie
  • Kinesiologie
  • Aromatherapie
  • Hypnose
  • Vitamin- und Enzymtherapien
  • Biofeedback
  • Entspannungstechniken (Autogenes Training, Yoga)

Es ist wichtig zu betonen, dass die Wirksamkeit der meisten dieser Methoden wissenschaftlich nicht belegt ist. Einige können jedoch unterstützend wirken und die Lebensqualität verbessern. Bei der Anwendung alternativer Methoden sollte jedoch immer Vorsicht geboten sein, und sie sollten niemals die schulmedizinische Behandlung ersetzen. Insbesondere bei Epilepsie ist es wichtig, dass alternative Therapien nur in Absprache mit einem Arzt oder Therapeuten eingesetzt werden, da es zu unerwünschten Wechselwirkungen mit Medikamenten kommen kann oder die Anfallshäufigkeit sogar erhöht werden kann.

tags: #kinesiologie #bei #epilepsie