Nach der Geburt können verschiedene Beschwerden auftreten, darunter Taubheitsgefühle in den kleinen Zehen und Blasenprobleme. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für diese Symptome und gibt einen Überblick über Behandlungsmöglichkeiten und präventive Maßnahmen.
Einführung
Die Zeit nach der Geburt ist eine Phase großer körperlicher Veränderungen. Während sich der Körper von der Schwangerschaft und der Entbindung erholt, können verschiedene Symptome auftreten. Taubheitsgefühle in den kleinen Zehen und Blasenprobleme sind zwar nicht die häufigsten, aber dennoch relevante Beschwerden, die die Lebensqualität der betroffenen Frauen beeinträchtigen können.
Taubheitsgefühl in den kleinen Zehen
Mögliche Ursachen
Taubheitsgefühle (Hypästhesie) in den Zehen, insbesondere den kleinen Zehen, können verschiedene Ursachen haben:
Nervenschädigungen: Empfindungsstörungen in den Beinen, Füßen und Zehen sind häufig auf Probleme der Wirbelsäule und gereizte Nerven zurückzuführen. Ist ein Nerv am Rückenmark oder im Verlauf des Beines geschädigt, kann es zu Taubheit im Bein kommen.
Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule (LWS): Drückt eine Bandscheibe eine Nervenwurzel zusammen, kann es zu Empfindungsstörungen kommen.
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Ischias: Schmerzen, die vom Ischiasnerv ausgehen, können von Taubheit im hinteren Bereich des Beins begleitet werden.
Polyneuropathie: Taubheitsgefühle gelten als typisches Symptom für eine Polyneuropathie, eine Erkrankung des peripheren Nervensystems. Diese tritt zum Beispiel häufiger bei Menschen mit Diabetes mellitus als sogenannte diabetische Polyneuropathie auf. Dabei ist die Empfindsamkeit der Füße deutlich vermindert, sodass es unbemerkt zu Verletzungen kommen kann.
Falsches Schuhwerk: Zu enges Schuhwerk oder das ständige Tragen von High-Heels können Taubheitsgefühle in den Zehen begünstigen.
Morton Neurom: Eine Verdickung der Nerven im Mittelfuß kann neben Taubheit vor allem in den Zehen zu Schmerzen führen.
Fehlstellungen: Fehlstellungen der Beine oder Füße können zu einem falschen Gangbild und Fehlbelastungen führen, welche wiederum Taubheitsgefühle in Zehen oder dem Fuß auslösen können.
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Tarsaltunnelsyndrom: Im Bereich des Innenknöchels verläuft der Tarsaltunnel. Er wird vom Nervus tibialis (Schienbeinnerv) durchzogen. Entsteht zu viel Druck, kommt es zu Empfindungsstörungen im Fuß und mitunter zu seitlichen Fersenschmerzen.
Muskelverhärtungen: Ein Taubheitsgefühl im Oberschenkel kann unter anderem auf eine verhärtete Muskulatur des Oberschenkels oder im Bereich der Leiste zurückgeführt werden.
Diagnose
Um die Ursache für das Taubheitsgefühl herauszufinden, wird der Arzt folgende Informationen erfragen:
- Wann ist das Taubheitsgefühl zum ersten Mal aufgetreten?
- Hält die Hypästhesie seitdem an oder verschwindet sie zwischendurch wieder?
- Tritt die Hypästhesie ein- oder beidseitig auf?
- Ist das Taubheitsgefühl nach einem bestimmten Vorfall aufgetreten?
- Gibt es Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus?
Zusätzlich wird eine körperliche Untersuchung durchgeführt, um den betroffenen Bereich genauer zu bestimmen. Je nach vermuteter Ursache können weitere Untersuchungen notwendig sein, wie:
- Computertomographie (CT)
- Magnetresonanztomographie (MRT)
- Dopplersonographie der Gefäße
- Elektroneurographie (ENG)
- Röntgenuntersuchung
- Blutuntersuchung
- Liquoruntersuchung
Therapie
Die Therapie richtet sich nach der jeweiligen Ursache. Ist das Taubheitsgefühl das Begleitsymptom einer bestehenden Grunderkrankung, ist die zielgerichtete Behandlung dieser Krankheit erforderlich. Einige Beispiele sind:
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- Polyneuropathie: Die Therapie hängt von der Form der Erkrankung ab. Eine diabetische Polyneuropathie erfordert vor allem eine optimale Einstellung des Blutzuckers und den kompletten Verzicht auf Alkohol. Liegt ein Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure vor, bessern sich die Symptome unter Umständen, wenn man den Mangel ausgleicht.
- Bakterielle Infektion: Tritt die Hypästhesie infolge einer bakteriellen Infektion (zum Beispiel Borreliose) auf, hilft eine Therapie mit Antibiotika. Wenn das Taubheitsgefühl mit Gürtelrose zusammenhängt, behandelt der Arzt diese zumeist mit dem Wirkstoff Aciclovir.
- Bandscheibenvorfall: Ist ein Bandscheibenvorfall die Ursache der Hypästhesie, besteht die Therapie vor allem darin, die Wirbelsäule zu entlasten - zum Beispiel durch eine Stufenbettlagerung. Um die Schmerzen zu lindern, verabreichen Fachleute mitunter entzündungshemmende Schmerzmittel (zum Beispiel aus der Gruppe der NSAR) oder Glukokortikoide und Mittel zur Muskelentspannung (Muskelrelaxanzien). Um langfristig die Rückenmuskulatur zu kräftigen, empfiehlt sich anschließend eine Physiotherapie.
Blasenprobleme nach der Geburt
Mögliche Ursachen
Blasenprobleme nach der Geburt können vielfältige Ursachen haben:
Schwangerschaft und Geburt: Hormonelle Veränderungen machen das Gewebe weicher, während der Druck des wachsenden Kindes die Blase belastet und die Beckenbodenmuskulatur stark dehnt. Verletzungen während der Geburt können zu dauerhaften Schäden an der Beckenbodenmuskulatur führen.
Überaktive Blase: Akute und besonders chronische Blasenentzündungen können die Blasenwand schädigen und zu einer überaktiven Blase führen. Die Entzündung reizt die Blasenmuskulatur und kann Dranginkontinenz verursachen.
Harninkontinenz: Harninkontinenz beschreibt den unwillkürlichen Urinverlust, bei dem Betroffene die Kontrolle über ihre Blasenfunktion verlieren. Die Symptome reichen von gelegentlichem Harntröpfeln bis hin zu vollständigem Kontrollverlust.
- Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz): Urinverlust tritt bei körperlicher Anstrengung auf. Husten, Niesen, Lachen oder Sport können den unwillkürlichen Harnabgang auslösen.
- Dranginkontinenz: Betroffene verspüren plötzlichen, starken Harndrang und können diesen nicht kontrollieren.
- Mischinkontinenz: Diese Form kombiniert Symptome der Belastungs- und Dranginkontinenz.
- Überlaufinkontinenz: Die Blase kann sich nicht vollständig entleeren, wodurch es zu ständigem Harntröpfeln kommt.
ISG-Blockade: Eine ISG-Blockade kann aufgrund der Nähe des Iliosakralgelenks zu Nerven und Muskulatur im Beckenbereich auch zu Blasenproblemen führen.
Diagnose
Eine präzise Diagnose ist der erste Schritt zur erfolgreichen Behandlung von Blasenproblemen. Dazu gehören:
- Anamnese: Ein ausführliches Gespräch über Ihre Symptome, wann der Urinverlust auftritt und welche Faktoren ihn verstärken.
- Körperliche Untersuchung: Untersuchung des Beckenbodens und der Geschlechtsorgane.
Therapie
Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten für Blasenprobleme nach der Geburt:
Beckenbodentraining: Gezielte Übungen stärken die Beckenbodenmuskulatur und verbessern die Kontrolle über die Blasenfunktion. Das Training umfasst Anspannungs- und Entspannungsübungen, die unter physiotherapeutischer Anleitung erlernt werden.
Verhaltenstherapie: Blasentraining und Toilettentraining helfen dabei, die Blasenfunktion zu normalisieren. Dabei werden feste Toilettenzeiten eingehalten und die Abstände zwischen den Toilettengängen schrittweise verlängert.
Medikamentöse Therapie: Je nach Form der Harninkontinenz können verschiedene Medikamente die Blasenfunktion verbessern. Anticholinergika entspannen die Blasenmuskulatur bei Dranginkontinenz, während Alpha-Blocker bei Männern mit Prostataproblemen helfen können.
Operative Verfahren: In schweren Fällen, wenn konservative Behandlungen nicht ausreichen, können chirurgische Eingriffe notwendig werden.
Prävention
Blasenschwäche vorzubeugen ist in vielen Fällen möglich:
- Beckenbodentraining: Präventives Training stärkt die Beckenbodenmuskulatur und beugt Urinverlust vor.
Zusammenhänge zwischen ISG-Blockade, Blasenproblemen und Taubheitsgefühlen
Eine ISG-Blockade kann indirekt zu Blasenproblemen kommen, da die Blockade Schmerzen und muskuläre Verspannungen im Becken- und unteren Rückenbereich verursachen und so die normale Funktion des Darms beeinträchtigen kann. Da das Iliosakralgelenk in der Nähe von Nerven und Muskulatur im Beckenbereich liegt, kann eine ISG-Blockade auch zu Blasenproblemen führen. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass eine ISG-Blockade direkt zu Taubheitsgefühlen in den kleinen Zehen führt. Taubheitsgefühle in den Zehen sind eher auf Nervenkompressionen oder andere neurologische Ursachen zurückzuführen.
Kaiserschnitt und mögliche Auswirkungen
Ein Kaiserschnitt ist eine Operation, bei der das Baby durch einen Schnitt in die Bauchdecke und die Gebärmutter der Mutter geboren wird. Obwohl der Kaiserschnitt in vielen Fällen medizinisch notwendig ist, kann er auch Auswirkungen auf den Körper der Mutter haben:
Schmerzen: Nach einem Kaiserschnitt sind Schmerzen normal und zu erwarten. Dazu gehören Wundschmerzen, Nachwehen und Blähungsschmerzen.
Chronische Schmerzen: Etwa 20-25% der Frauen entwickeln nach einem Kaiserschnitt chronische Schmerzen im Narbenbereich (CPSP), die auch drei Monate nach der OP noch bestehen.
Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass ein Kaiserschnitt direkt zu Taubheitsgefühlen in den kleinen Zehen oder Blasenproblemen führt. Diese Symptome sind eher auf andere Ursachen zurückzuführen, die bereits erwähnt wurden.
Psychische Faktoren
Ja, in vielen Fällen kann eine ISG-Blockade durch seelische Ursachen beeinflusst oder ausgelöst werden. Einerseits können Stress, Angst oder Depression durch einen erhöhten Muskeltonus, Fehlhaltungen und Bewegungsmangel eine ISG-Blockade begünstigen. Auch Blasenprobleme können durch psychische Faktoren verstärkt werden.
Mythen über Harninkontinenz
Es gibt viele Mythen über Harninkontinenz, die oft zu falschen Vorstellungen und unnötigen Ängsten führen:
- Mythos: "Blasenschwäche betrifft nur Frauen".
- Mythos: "Weniger trinken hilft gegen Inkontinenz".
- Mythos: "Inkontinenz ist eine normale Alterserscheinung".
- Mythos: "Gegen Inkontinenz kann man nichts tun".
Es ist wichtig, diese Mythen zu entkräften und Betroffene zu ermutigen, professionelle Hilfe zu suchen.