Die klinische Neurologie ist ein medizinisches Fachgebiet, das sich mit der Diagnose und Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems befasst. Dazu gehören das Gehirn, das Rückenmark, die peripheren Nerven und die Muskeln. Die Klinik für Neurologie Köln-Merheim sichert beispielsweise die Versorgung neurologisch kranker Erwachsener.
Einführung in die Neurologie
Neurologische Erkrankungen können sich durch eine Vielzahl von Symptomen äußern, darunter Lähmungen, Gefühls-, Seh- und Sprachstörungen sowie Änderungen der Orientierung oder des Bewusstseins. Anfallartige Ereignisse gehören zu den häufigsten Gründen für die Konsultation von Notärzten oder die Vorstellung in Kliniknotaufnahmen. Bei vielen Attackenformen ermöglichen die anamnestischen Angaben dem Notarzt bereits eine Verdachtsdiagnose oder zumindest eine Zuordnung zu einer bestimmten klinischen Disziplin. Es ist wichtig, dass Neurologen über breite differenzialdiagnostische Kenntnisse verfügen, um verschiedene Anfallsleiden zu erkennen und zu behandeln.
Die Klinik für Neurologie Köln-Merheim
In Köln-Merheim befindet sich eine renommierte Klinik für Neurologie unter der Leitung von Prof. Dr. med. Diese Klinik bietet eine umfassende Versorgung für Patienten mit neurologischen Erkrankungen. Die Neurologische Klinik Köln-Merheim beteiligt sich zudem an einem Projekt zur integrierten Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Schlaganfall und ist von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft und Deutschen Schlaganfall-Hilfe als Überregionale Stroke Unit 2024 re-zertifiziert worden.
Wichtige Informationen zur Klinik:
- Chefarzt: Prof. Dr.
- Adresse: Krankenhaus Köln-Merheim, Klinik für Neurologie, Ostmerheimer Str.
- Erreichbarkeit: Die Ambulanz ist aufgrund der großen Zahl von Anrufen möglicherweise nicht immer sofort telefonisch zu erreichen.
Schwerpunkte der Neurologie
Die Neurologie umfasst ein breites Spektrum an Erkrankungen und Behandlungen. Einige der wichtigsten Schwerpunkte sind:
Lesen Sie auch: Umfassendes Facharztwissen Neurologie
- Schlaganfall: Die Neurologische Klinik Köln-Merheim ist als Überregionale Stroke Unit zertifiziert und bietet eine spezialisierte Versorgung für Schlaganfallpatienten.
- Epilepsie: Die Klinik für Neurologie & Klinische Neurophysiologie behandelt verschiedene neurologische Erkrankungen des Gehirns, des Rückenmarks, der peripheren Nerven und Muskeln und verfügt über eine Epilepsy Care Unit.
- Multiple Sklerose (MS): Prof. Gold hat langjährige Erfahrung in der klinischen Versorgung von MS-Patienten und in der Grundlagenforschung zur Verbesserung spezifischer Immuntherapien für MS.
- Parkinson-Syndrome: Die Klinik für Neurologie & Klinische Neurophysiologie behandelt verschiedene Formen von Parkinson-Syndromen.
- Myasthenia Gravis: Mehrere Publikationen befassen sich mit der Myasthenia Gravis, darunter Studien zu Risikofaktoren für myasthenische Krisen, Therapieansätzen und der Rolle der Thymektomie.
- Tumore des Nervensystems: Die Klinik für Neurologie & Klinische Neurophysiologie diagnostiziert und behandelt Tumore des Nervensystems.
- Erkrankungen des Rückenmarks und der peripheren Nerven: Die Klinik für Neurologie & Klinische Neurophysiologie behandelt auch Erkrankungen des Rückenmarks und der peripheren Nerven in Armen und Beinen.
Diagnostische Möglichkeiten
Die Klinik für Neurologie und Klinische Neurophysiologie verfügt über umfangreiche diagnostische Möglichkeiten und arbeitet eng mit anderen Abteilungen zusammen, insbesondere der Klinik für Radiologie und der Klinik für Kardiologie. Zu den diagnostischen Verfahren gehören:
- Anamnese: Eine detaillierte Anamnese ist der erste Schritt zur Identifizierung der Anfallsentität.
- Körperliche und neurologische Untersuchung: Eine umfassende körperliche und neurologische Untersuchung ist unerlässlich.
- 12-Kanal-EKG: Ein 12-Kanal-EKG gehört zur obligatorischen Basisdiagnostik von Anfällen.
- Stehtest (kurzer Schellong-Test): Bei Ohnmachtsanfällen wird ein Stehtest empfohlen, um frühzeitig eine orthostatische Hypotension zu erkennen.
- Bildgebende Verfahren: Die enge Zusammenarbeit mit der Klinik für Radiologie ermöglicht den Einsatz moderner bildgebender Verfahren zur Diagnose neurologischer Erkrankungen.
- Neurophysiologische Untersuchungen: Die Klinik für Klinische Neurophysiologie bietet verschiedene neurophysiologische Untersuchungen zur Diagnostik von Erkrankungen des Nervensystems an.
Anfallsleiden: Differenzialdiagnose und Vorgehen
Anfallartige Ereignisse stellen eine besondere Herausforderung in der Neurologie dar. Eine systematische Vorgehensweise ist entscheidend, um die Ursache des Anfalls zu identifizieren und eine geeignete Behandlung einzuleiten.
Definition und Beschreibung von Anfällen
Ein Anfall (Attacke) ist definiert als ein relativ umschriebenes Ereignis, bei dem abnorme neurologische oder psychische Symptome auftreten. "Relativ umschrieben" bedeutet, dass weder der Beginn noch das Ende des Anfalls abrupt erscheinen müssen, sondern dass Aufbau und Abklingen der Symptomatik auch graduell erfolgen können. "Abnorm" bedeutet, dass die Symptomatik nicht als normale (physiologische) Reaktion auf bestimmte Umweltbedingungen oder interne Signale verstanden werden kann.
Semiologie und Phasenabgrenzung
Der erste Schritt zur Identifizierung der Anfallsentität ist die genaue und mehrdimensionale Beschreibung des Anfalls. Die Semiologie beschreibt das Muster der aufgetretenen Symptome in den verschiedenen neurologischen oder psychischen Funktionsbereichen. Dabei ist es zweckdienlich, Veränderungen des Bewusstseins, des Verhaltens, der Kognition, der Wahrnehmung, der Motorik, des Affektes und im Vegetativum getrennt zu beschreiben.
Bei der Phasenabgrenzung geht es einerseits darum, zu erfassen, ob bereits vor dem eigentlichen Anfall typische Veränderungen eingetreten sind, die ggf. auf die Anfallsursache hindeuten (präiktale Phase, z. B. Präsynkope oder sensorische Aura vor einem epileptischen Anfall). Andererseits sollen Auffälligkeiten oder Symptome, die sich nach dem Anfall einstellen, beschrieben werden (postiktale Phase, z. B. verzögerte Reorientierung nach einem generalisierten Krampfanfall).
Lesen Sie auch: Klinische Neuroradiologie: Ein Überblick
Differenzierung zwischen epileptischen und nichtepileptischen Anfällen
Aus neurologischer Sicht macht es zunächst Sinn, zwischen epileptischen und nichtepileptischen Anfällen zu differenzieren. Unter dem differenzialdiagnostischen Fokus dieses Kapitels würde es sich anbieten, die nichtepileptischen Anfälle nach ihren jeweiligen Leitsymptomen zu gruppieren (z. B. Ohnmachten, Schwindelformen, plötzliche Stürze usw.).
Hypothesenprüfendes Vorgehen
Bei der Abklärung von Anfällen hat sich darüber hinaus ein hypothesenprüfendes Vorgehen bewährt: danach ist es zumeist möglich, aus den vorliegenden anamnestischen und klinischen Informationen eine Verdachtsdiagnose zu stellen, von der ausgehend dann sowohl weitere stützende Diagnostik als auch solche zum Ausschluss von Differenzialdiagnosen hergeleitet werden kann.
Anamnese: Eigen- und Fremdanamnese
Die Anamnese zielt zunächst einmal darauf ab, eine möglichst genaue Beschreibung des aktuellen Anfalls und ggf. auch früher stattgehabter Anfälle entsprechend der oben aufgeführten Dimensionen zu bekommen. Der Patient und mögliche Anfallszeugen sollten dafür nacheinander interviewt werden. Dabei sollte der Patient (oder der Zeuge) erst einmal ausreichend Gelegenheit bekommen, seine Erinnerungen an das Anfallsgeschehen mit seinen eigenen Worten zu schildern, ohne dass der Untersucher schon gezielt nach bestimmten Kontextmerkmalen oder Symptomen fragt.
Synkopen: Kurzzeitige Ohnmachten
Bei Synkopen handelt es sich um kurzzeitige Ohnmachten (Sekunden bis wenige Minuten), die durch eine globale Drosselung der Hirndurchblutung verursacht werden. Letztere stellt pathogenetisch den gemeinsamen Nenner aller Synkopenformen dar. In ätiologischer Hinsicht bilden die Synkopen jedoch eine sehr heterogene Krankheitsgruppe, wobei eine erste Orientierung die Zuordnung zu einer der beiden großen Subgruppen, der neurogenen und der kardialen Synkopen, bietet.
Kardiale Synkopenursachen
Die folgende Übersicht zeigt die Herzrhythmusstörungen und strukturellen Herzerkrankungen als kardiale Synkopenursachen.
Lesen Sie auch: Vergleich Neuropsychologie/Neurologie
Neurogene Synkopen
Bei den neurogenen Synkopen gilt es zwei grundlegend verschiedene Mechanismen zu differenzieren. Bei den relativ häufigen vasovagalen Synkopen (Anteil unter den Synkopen: 60-70 %; synonym: Reflexsynkopen, „neurally mediated syncopes“) wird von speziellen medullären Zentren aktiv eine Vagusaktivierung und eine Sympathikushemmung ausgelöst mit der Folge einer Bradykardie oder Asystolie sowie einer peripheren Vasodilatation mit konsekutivem Blutdruckabfall. Bei der selteneren neurogenen orthostatischen Hypotension (Anteil an den Synkopen: <10 %) besteht dagegen eine Insuffizienz des Gefäßsympathikus.
Phasen des synkopalen Prozesses
Unabhängig von der eigentlichen Ursache der Kreislaufdepression lassen sich zunächst einmal auf der Ebene der Hirnperfusion drei Phasen des synkopalen Prozesses unterscheiden: diejenige des Perfusionsabfalls bis zur Schwelle des Bewusstseinsverlustes, die Phase der Minderung der Durchblutung unter diese Schwelle und die Reperfusionsphase.
Symptomatik der Synkope
Erstes Symptom in der präsynkopalen Phase ist oft ein Erleben, das als Unwohlsein, Benommenheit, „ein flaues Gefühl im Kopf“ oder als ungerichteter Schwindel beschrieben wird. Es entwickelt sich dann eine zunehmende körperliche Schwäche und ein Verlust des Realitätsempfindens. Kurz vor der Ohnmacht finden sich häufig auditive Symptome wie Ohrensausen oder Entfernthören oder visuelle Symptome wie Verschwommensehen oder Schwarzwerden vor den Augen. Die synkopale Phase führt beim stehenden Patienten unweigerlich zum Sturz. Die Augenlider sind während der Ohnmacht typischerweise geöffnet, die Bulbi nach oben verdreht. Motorische Phänomene („konvulsive Synkopen“) sind häufig zu beobachten.
Differenzialdiagnose: Synkope vs. Epileptische Anfälle
Um bereits aus der Anamnese eine zuverlässige Verdachtsdiagnose stellen zu können, ist der Einsatz des Sheldon-Scores I hilfreich.
Orthostatische Hypotension (OH) als Synkopenursache
Eine OH als Synkopenursache kann oft schon durch die Basisdiagnostik identifiziert werden. Die Anfallsanamnese zeigt dabei eine Ohnmachtsneigung rasch nach dem Hinstellen. Bei medikamenteninduzierten Formen der OH sind oft Diuretika, andere Antihypertensiva oder trizyklische Antidepressiva anzuschuldigen.
Long-COVID und ME/CFS
Häufig beginnt ME/CFS nach einer Infektionskrankheit. Nach der SARS-Pandemie 2002/2003 entwickelte ein Teil der Erkrankten ME/CFS. Seit Beginn der COVID-19-Pandemie zeigt sich ebenfalls, dass eine Subgruppe nach einer Coronainfektion ME/CFS entwickelt. Viele Betroffene leiden zudem unter ausgeprägten Schmerzen wie Muskel- und Gelenkschmerzen und Kopfschmerzen eines neuen Typus. Hinzu kommen Muskelzuckungen und -krämpfe, massive Schlafstörungen und neurokognitive Symptome wie Konzentrations-, Merk- und Wortfindungsstörungen (oft als „Brain Fog“ bezeichnet) sowie die Überempfindlichkeit auf Sinnesreize. Die genauen Mechanismen der Erkrankung sind bisher noch ungeklärt. Neuere Studien weisen auf eine mögliche Autoimmunerkrankung und eine schwere Störung des Energiestoffwechsels hin.
Weitere Entwicklungen in der Neurologie
Die Neurologie ist ein sich ständig weiterentwickelndes Feld. Aktuelle Forschungsschwerpunkte sind unter anderem:
- RNA-Medizin: Mit RNA-Medizin lassen sich bislang unheilbare Krankheiten behandeln.
- Tragbare Assistenzsysteme für Parkinson-Patienten: Ein Forschungsteam entwickelt neue Ansätze für tragbare Assistenzsysteme, die mit „künstlichen Muskeln“ arbeiten, um Menschen mit Parkinson bei Tremor zu unterstützen.
- Schlaganfallerholung und Outcome: Eine Forschungsgruppe untersucht die Schlaganfallerholung und das Outcome nach einem Schlaganfall.
- Magnetomyographie: Eine Junior-Forschungsgruppe verstärkt die Abteilung für „Neuronale Dynamik und Magnetenzephalographie“ und forscht im Bereich der Magnetomyographie.
tags: #klinische #neurologie #wikipedia