Die Neurologie an der Universität Bonn, insbesondere die Klinik und Poliklinik für Neurologie unter der Leitung von Professor Thomas Klockgether, spielt eine zentrale Rolle in der neurologischen Versorgung, Forschung und Lehre. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Aspekte dieser Einrichtung, von den angebotenen Spezialitäten und Sprechstunden bis hin zu den aktuellen Forschungsschwerpunkten und Kooperationen.
Einleitung
Die Neurologie befasst sich mit der Vorbeugung, Erkennung, Behandlung und Rehabilitation von Erkrankungen des Nervensystems. Angesichts einer alternden Bevölkerung und der damit einhergehenden Zunahme neurodegenerativer Erkrankungen gewinnt die neurologische Forschung und Versorgung zunehmend an Bedeutung. Die Universitätsklinik Bonn und das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Bonn stellen sich gemeinsam diesen Herausforderungen.
Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Bonn
Das DZNE in Bonn ist ein wichtiger Pfeiler der neurologischen Forschung in Deutschland. Hier werden die Mechanismen neurodegenerativer Erkrankungen erforscht und in klinischen Studien neue Ansätze zur Diagnose und Therapie erprobt. Im Fokus stehen Demenzerkrankungen wie Alzheimer und Bewegungsstörungen wie Parkinson und ALS.
Die Rheinland Studie
Ein besonderes Projekt des DZNE in Bonn ist die "Rheinland Studie", eine auf Jahrzehnte angelegte, bevölkerungsbasierte Studie, die untersucht, welche Faktoren die menschliche Gesundheit bis ins hohe Alter beeinflussen. Mit rund 600 Beschäftigten ist Bonn der größte Standort des DZNE und Sitz des Vorstands und der zentralen Verwaltung.
Die Klinik und Poliklinik für Neurologie am Universitätsklinikum Bonn
Die Klinik und Poliklinik für Neurologie am Universitätsklinikum Bonn bietet ein breites Spektrum an diagnostischen und therapeutischen Leistungen für Patient*innen mit neurologischen Erkrankungen.
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Spezialgebiete und Sprechstunden
Die Klinik bietet spezialisierte Sprechstunden für verschiedene neurologische Erkrankungen an, darunter:
- Allgemeine Neurologie: Anlaufstelle für alle neurologischen Fragestellungen.
- Epileptologie: Diagnostik und Behandlung von Epilepsien.
- Neurologie bei ADHS: Spezialisierte Versorgung von Erwachsenen mit ADHS und neurologischen Begleiterkrankungen.
- Neurologie des zentralen Nervensystems: Behandlung von Erkrankungen des Gehirns und Rückenmarks.
- Bewegungsstörungen: Diagnostik und Therapie von Parkinson-Syndromen, Tremor, Dystonien und anderen Bewegungsstörungen.
- ALS-Sprechstunde: Spezialisierte Versorgung von Patient*innen mit Amyotropher Lateralsklerose (Hinweis: Derzeit keine Neuanmeldungen möglich).
- Botulinumtoxin-Sprechstunde: Behandlung von Dystonien, Spastik und anderen neurologischen Erkrankungen mit Botulinumtoxin.
- Spezialambulanz für Ataxie: Entwicklung, Optimierung und Anwendung datengestützter Ansätze zum besseren Verständnis des Krankheitsverlaufs von spinozerebellären Ataxien.
Diagnostik und Therapie
Die Klinik bietet ein umfassendes Spektrum an diagnostischen Verfahren, darunter:
- Magnetresonanztomographie (MRT): Untersuchung der Hirnmorphologie bei Ataxie und anderen neurologischen Erkrankungen.
- Videobasiertes Instrument zur Ataxie-Bewertung (SARAhome): Ermöglicht eine repräsentativere Bewertung des Schweregrads von Ataxie im häuslichen Umfeld.
- CerebNet: Vollautomatische, KI-basierte Methode für die lobuläre Segmentierung des Kleinhirns.
Forschungsschwerpunkte
Die Forschung an der Klinik für Neurologie konzentriert sich auf verschiedene Schwerpunkte, darunter:
- Neurodegenerative Erkrankungen: Erforschung der Ursachen und Entwicklung neuer Therapien für Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson und ALS.
- Spinozerebelläre Ataxien (SCA): Entwicklung von Biomarkern und digitalen Ergebnismessungen zum besseren Verständnis des Krankheitsverlaufs.
- Multiple Systematrophie (MSA) und sporadische Ataxien unbekannter Ätiologie (SAOA): Erforschung der klinischen Entwicklung und Biomarker-Merkmale sporadischer Ataxien.
- Multimodale molekulare Bildgebung in Neurologie und Neuroonkologie: Bildgebung der neurovaskulären Einheit, Bildgebung der dynamischen Veränderungen heterogener Tumorgewebskompartimente, Beurteilung bildgesteuerter Therapiestrategien.
Laufende Forschungsprojekte
- SCAIFIELD-Projekt: Etablierung von Ultrahochfeld-MRT-Biomarkern für Ataxien zur Erkennung früher Krankheitsmanifestationen und zur Überwachung des Krankheitsverlaufs.
- PROFA-Projekt: Erhebung von patientenbezogenen, gesundheitsökonomischen und psychosozialen Daten mit Hilfe einer E-Health-App in Echtzeit, um tiefe Einblicke in das Alltagsleben von Ataxie-Patienten zu gewinnen.
- ESMI-Projekt: Entwicklung des ersten datengestützten Stufenmodells für SCA3, das ein anfängliches asymptomatisches Trägerstadium, gefolgt von einem Biomarker-Stadium und schließlich dem Ataxiestadium umfasst.
- SPORTAX-Register: Erfassung von mehr als 500 Teilnehmern zur Schließung von Wissenslücken über die klinische Entwicklung und Biomarker-Merkmale sporadischer Ataxien.
Kooperationen und Netzwerke
Die Universitätsklinik Bonn und das DZNE arbeiten eng mit anderen nationalen und internationalen Forschungseinrichtungen und Kliniken zusammen. Diese Kooperationen ermöglichen es, Expertise zu bündeln, Synergien zu nutzen und die Forschungsergebnisse schneller in die klinische Anwendung zu überführen.
Beispiele für Kooperationen
- Medical Imaging Center Bonn (MIB): Plattform für den Austausch zwischen Wissenschaft, Klinik, Start-ups, Industrie und Investoren im Bereich medizinische Bildgebung und Künstliche Intelligenz.
- Centrum für Integrierte Onkologie Bonn (CIO Bonn): Zentrum für personalisierte Medizin, das innovative Ansätze in der Krebsbehandlung entwickelt und anwendet.
- Arbeitsgruppe "Global Surgery": Engagement in der medizinischen Versorgung in Krisengebieten, wie beispielsweise im Gazastreifen.
- Zertifiziertes Zentrum für Personalisierte Medizin: Als erstes Zentrum in NRW setzt das Universitätsklinikum Bonn ein Zeichen für die Zukunft der personalisierten Medizin.
- Kooperationen im Bereich der forensischen Radiologie: Ausbau der forensischen Radiologie durch Prof. Daniel Wittschieber, dem neuen Direktor des Instituts für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Bonn (UKB).
Innovationen und Auszeichnungen
Die Universitätsklinik Bonn ist bekannt für ihre Innovationskraft und wurde bereits mehrfach für ihre Leistungen ausgezeichnet.
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Beispiele für Innovationen und Auszeichnungen
- Einsatz von roboter- und KI-assistierten Bronchoskopie-Systemen: Früheres Eingreifen bei Lungenkrebs durch den Einsatz modernster Technologie.
- Entdeckung der Anti-Aging-Wirkung von Cannabis: Bonner Forschende klären den Einfluss von Behandlung mit Tetrahydrocannabinol auf den Stoffwechsel-Schalter mTOR.
- Studie zur antidepressiven Wirkung der transkraniellen Magnetstimulation (rTMS): Erforschung neuer Therapieansätze bei Depressionen.
- Entwicklung einer neuen Monitoring-Möglichkeit für seltene Augenerkrankungen (Uveitis): Verbesserung der Diagnostik und Therapie von Uveitis.
- Einsatz des Visual Patient Avatar von Philips: Verbesserung der klinischen Entscheidungsunterstützung im OP.
- Publikationspreis der deutschen Gesellschaft für Dermatochirurgie (DGDC) für Dr. Philipp Jansen: Auszeichnung für die Forschung im Bereich der Erkennung von Hautkrebs-Metastasen in Lymphknoten durch KI.
- UEG Journal Best Paper Award 2023 für Dr. Robert Hüneburg: Auszeichnung für eine Studie zum Einsatz von künstlicher Intelligenz bei der Darmkrebsvorsorge.
- DIVR XR Science Award 2023 für die Psychiatrie des UKB: Auszeichnung für die Nutzung von Virtual Reality (VR) zur Therapie und Diagnostik von psychischen Störungen.
- Innovationspreis Lymphologie für Dr. Jana Schäfer: Auszeichnung für die Forschung im Bereich der Lymphologie.
- Auszeichnung für Dr. Alexander Isaak auf dem Radiologie-Kongress der RSNA: Für seine Forschung zum Broken-Heart-Syndrom.
- ALS-Lotsenkonzept gewinnt Pflegepreis: Auszeichnung für ein Konzept zur Unterstützung von Patientinnen und Patienten mit Amyotropher Lateralsklerose (ALS).
- Kontinenz- und Beckenbodenzentrum zertifiziert: Auszeichnung für die optimale Rundum-Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Inkontinenz.
- SmartContrast reduziert Einsatz von Kontrastmitteln: Die Relios.Vision GmbH, ein Start-up aus der Klinik für Neuroradiologie des Universitätsklinikums Bonn (UKB) und dem Institut für Angewandte Mathematik der Universität Bonn, das die SmartContrast Software entwickelt hat, wurde für das WomenTechEU Programm des European Innovation Council (EIC) ausgewählt.
Weitere Angebote und Unterstützung
Neben der medizinischen Versorgung und Forschung bietet die Universitätsklinik Bonn auch verschiedene Angebote zur Unterstützung von Patient*innen und deren Angehörigen an:
- Familiale Pflege: Informationsgespräche, Pflegetrainings und kostenlose Pflegekurse für Angehörige.
- Seelsorge: Gespräche mit Seelsorger*innen und ein Ort der Ruhe in der Kapelle.
- Sozialdienst: Psychosoziale Betreuung und Unterstützung bei der weiteren Versorgung nach dem Krankenhausaufenthalt.
Kontakt und Erreichbarkeit
Thomas Klockgether Universitätsklinikum Bonn Klinik und Poliklinik für Neurologie
- Adresse: Venusberg Campus 1, 53127 Bonn
- Telefon: 0228 287 15750
- Webseite: neurologie.uni-bonn.de
- Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag, 24 Stunden geöffnet
Die Klinik ist rollstuhlgerecht ausgestattet und bietet einen rollstuhlgerechten Eingang, Parkplatz und WC. Es wird empfohlen, einen Termin zu vereinbaren.
Fallbeispiele und Patientengeschichten
(Anmerkung: Aus Gründen des Datenschutzes können hier keine konkreten Patientengeschichten aufgeführt werden. Die Klinik kann jedoch auf Anfrage anonymisierte Fallbeispiele zur Verfügung stellen, um die Wirksamkeit der angebotenen Behandlungen und Therapien zu veranschaulichen.)
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