Knacken im Kopf: Ursachen, Nervenschmerzen und effektive Behandlungen

Ein knackendes Geräusch im Kopf oder Nacken kann beunruhigend sein. Oftmals sind solche Geräusche harmlos, doch in manchen Fällen können sie auf ernsthafte Probleme hinweisen, insbesondere wenn sie mit Schmerzen oder anderen Symptomen einhergehen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen für Knackgeräusche im Kopf und Nacken, geht auf mögliche Nervenschmerzen ein und bietet einen Überblick über effektive Behandlungsansätze.

Ursachen für Knacken im Kopf und Nacken

Harmlose Ursachen

Leichte Knackgeräusche im Nacken sind meist harmlos und normal. Sie können bis in den Hinterkopf ausstrahlen. Das Knacken entsteht, wenn sich die kleinen Wirbelgelenke verschieben und so ein leichter Unterdruck entsteht. Auch ruckartige Bewegungen können die Ursache sein.

Verspannungen und Blockaden

Das Knacken im Nacken kann auch mit Verspannungen zusammenhängen. Blockaden in der Halswirbelsäule (HWS) sorgen dafür, dass sich die verspannten Haltebänder im Nackenbereich dehnen und dabei ein knackendes Geräusch entsteht. Oft sind zu hohe Spannungen in der Nackenmuskulatur und verhärtete Faszien für Nackenschmerzen verantwortlich.

Knorpelabrieb und Gelenkverschleiß

Knirschen im Nacken, das sich wie Sand anhört und beim Kopfdrehen auftritt, hat häufig andere Ursachen. Das Knirschen im Genick und im Kopf deutet auf Knorpelabrieb und Gelenkverschleiß in der Halswirbelsäule hin. Eine Schädigung der Bandscheiben kann dazu führen, dass sich die Knorpelflächen abnutzen. Das Knirschen in der HWS entsteht, wenn Knochen auf Knochen reiben.

Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)

Eine Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) kann ebenfalls Ursache für Knackgeräusche und Schmerzen im Kopf- und Nackenbereich sein. Bei einer CMD können Probleme und Schmerzen auch in Körperteilen auftreten, die oberflächlich betrachtet nicht mit dem Kausystem bzw. den Kiefergelenken in Verbindung stehen. Dies liegt daran, dass die Gelenke im Kiefer, Kopf und Beckenbereich durch Nerven miteinander verbunden sind. Tritt bei einem Gelenk eine Fehlbelastung auf, kann sich diese Belastung ebenfalls auf andere Gelenke negativ auswirken.

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Nervenschmerzen im Zusammenhang mit Knacken im Kopf

Beeinträchtigung von Nervenbahnen und Gefäßen

Ohne den nötigen Ausgleich können die Muskeln mit der Zeit so viel Druck auf die Halswirbelsäule ausüben, dass Taubheitsgefühle und ein Kribbeln in den Händen spürbar werden. Das ist ein Zeichen dafür, dass Nervenbahnen und Gefäße beeinträchtigt werden.

Trigeminusneuralgie

Die Trigeminusneuralgie ist eine neurologische Erkrankung, die durch plötzliche, extrem intensive Schmerzattacken im Gesichtsbereich gekennzeichnet ist. Die Ursache der Trigeminusneuralgie liegt in einer Fehlfunktion des Trigeminusnervs, einem der größten Hirnnerven. Dieser Nerv ist für die Gesichtssensibilität und die Kontrolle der Kau- und Gesichtsmuskulatur zuständig. Bei einer Reizung des Trigeminusnervs entstehen meist einseitige Schmerzen, die sich bis hin zu den Augen, den Zähnen und dem Kiefer ziehen.

Okzipitalneuralgie

Eine Okzipitalneuralgie ist ein chronisches Schmerzgeschehen im Bereich des Hinterkopfes, das von den Okzipitalnerven ausgeht. Dieser Nervenschmerz zeichnet sich durch stechende bis ziehende Schmerzen in den betroffenen Hautarealen aus, die sich vom oberen Nacken über den Hinterkopf bis zum Scheitel erstrecken können. Starke, anfallsartige Kopfschmerzen, die ähnlich einer Migräne sein können, gehören ebenfalls zu den Symptomen.

Weitere mögliche Symptome und Beschwerden

Neben den bereits genannten Symptomen können im Zusammenhang mit Knacken im Kopf und Nacken auch folgende Beschwerden auftreten:

  • (Chronische) Kopfschmerzen
  • Einseitige Kopfschmerzen/ Migräneattacken
  • Nacken- & Schulterverspannungen
  • Nackensteifigkeit/ Nackenschmerzen
  • Druck auf dem Kopf
  • Gesichtsschmerzen/ Trigeminusneuralgie
  • Taubheitsgefühl im Mund (Zunge, Lippen, Zähne)
  • Tinnitus (Ohrgeräusche)
  • Augenflimmern/ Lichthypersensibilität
  • Schwindel/ Gleichgewichtsstörungen
  • Druck/ Schmerzen hinter den Augen
  • Hörminderung
  • Sehstörungen/ Doppeltsehen
  • Ohrenschmerzen
  • Schlaflosigkeit
  • Taubheitsgefühl in Armen/ Fingern
  • Depressive Verstimmungen
  • Temperaturempfindlichkeit
  • Berührungsempfindlichkeit
  • Gelenkschmerzen/ Rückenschmerzen
  • Unruhe/ Gereiztheit
  • Eingeschränkte Mundöffnung
  • Knacken des Kiefergelenks
  • Pressen oder Knirschen der Zähne
  • Kiefergelenkschmerzen/ Kiefergelenksarthrose
  • Zahnabrasion/ Zahnabnutzung
  • Zahnfleischrückgang
  • Kauschwierigkeiten/ Schluckbeschwerden
  • Zahnlockerung/ Zahnwanderung
  • Schluckbeschwerden
  • Unklare Bisslage der Zähne
  • Schwindel, Benommenheit, Sehstörungen oder sogar Übelkeit und ein allgemein komisches Gefühl im Kopf

Diagnostik

Um die genaue Ursache für Knackgeräusche im Kopf und Nacken sowie damit einhergehende Nervenschmerzen festzustellen, sind präzise diagnostische Methoden unerlässlich. Dazu gehören:

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  • Anamnese und körperliche Untersuchung: Ärzt*innen fragen nach den Merkmalen der Kopfschmerzen, Begleitsymptomen sowie möglichen Auslösern. Bei einer körperlichen Untersuchung von Kopf, Hals, Wirbelsäule und Schulter werden u. a. die Beweglichkeit der Halswirbelsäule, Verhärtungen der Muskulatur, Druckempfindlichkeit oder Schmerzen bei bestimmten Bewegungen überprüft.
  • Bildgebende Verfahren: Um mögliche Ursachen näher abzuklären, werden u. U. bildgebende Verfahren verwendet (Röntgen/CT/MRT). Diese fortschrittlichen radiologischen Methoden ermöglichen es, detaillierte Einblicke in die Knochenstrukturen, Weichteile, Nerven und Gefäße des Gesichts- und Kieferbereichs zu erhalten.
  • Funktionsanalyse: Eine manuelle Strukturanalyse kann Aufschluss über die Funktion der Kiefergelenke geben.
  • Anästhetische Blockade: Eine Option zur Diagnose kann eine anästhetische Blockade des Okzipitalnervens sein. Dabei wird der Nerv durch lokale Betäubungsmittel betäubt. Wenn dadurch eine deutliche Schmerzlinderung erzielt werden kann, liegt mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eine Okzipitalneuralgie vor.
  • Neurologische Untersuchung: Neurolog*innen können die Signalübertragung eines gereizten Nervs mit einer Injektion von Kortison oder Mitteln zur örtlichen Betäubung in Nerven am Hinterkopf oder in Gelenke der Halswirbelsäule blockieren. Nehmen die Kopfschmerzen dadurch ab, so handelt es sich um zervikogenen Kopfschmerz.

Behandlungsansätze

Die Behandlung von Knacken im Kopf und Nacken sowie damit verbundenen Nervenschmerzen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Es gibt eine Vielzahl von Therapieansätzen, die einzeln oder in Kombination eingesetzt werden können:

Konservative Behandlung

  • Physiotherapie & Osteopathie: Eine manuelle Therapie als Teil einer physiotherapeutischen Behandlung besteht in erster Linie aus Massagen, die Blockaden mithilfe von Druck und Dehnung auflösen sollen. Verspannte Muskeln und Sehnen können so gedehnt und entspannt werden. Falls tiefergehende Zusammenhänge zwischen Organsystem und Bewegungsapparat behandelt werden sollen, kann dies auf Wunsch auch mithilfe der Osteopathie oder Akupunktur geschehen.
  • Wärme & Entspannung: Wärme kann verspannte Muskeln und Sehnen lösen. Daher sollte man zunächst versuchen, den Halswirbelbereich zu wärmen. Legen Sie dazu eine Wärmflasche oder ein Körnerkissen in den Nacken. Auch Dehnübungen oder sanfte Massagen können zur Linderung der Beschwerden beitragen.
  • Übungen: Gezielte Übungen, die am besten durch einen erfahrenen Physiotherapeuten erläutert werden, können helfen, HWS Beschwerden zu lindern.
  • Schmerzmittel: Zur Schmerzlinderung können je nach Ursache Schmerzmittel wie Ibuprofen eingesetzt werden.
  • Muskelrelaxanzien: Medikamente, die die Muskeln entspannen und dadurch Schmerzen lindern sollen (Muskelrelaxanzien).
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Bewegung und körperliche Aktivität können eingesetzt werden.
  • Injektionen: Bei besonders starken Schmerzen können Injektionen mit schmerzstillenden Mitteln angezeigt sein. Diese werden entweder direkt in die Wirbelgelenke oder an die aus dem Spinalkanal herausragenden Nerven gesetzt. Die Injektion erfolgt dabei aus Sicherheitsgründen unter Röntgen- oder CT-Kontrolle.
  • Stoßwellentherapie: Die Behandlung mit Stoßwellen hat sich bei HWS Beschwerden als sehr erfolgversprechend erwiesen. Mit einer Stoßwellentherapie können Triggerpunkte für Schmerzempfindungen gezielt aufgelöst sowie Verspannungen und eventuelle Entzündungen reduziert werden. Dies führt zu einer raschen Linderung der Beschwerden.
  • Anpassungen im Alltag: Eigenübungen oder Anpassungen im Alltag können maßgeblich sein.

Operative Behandlung

Eine Operation ist bei HWS Beschwerden nur selten notwendig. Falls sich jedoch mittel- bis hochgradige Lähmungserscheinungen zeigen, könnte es sich um einen zervikalen Bandscheibenvorfall handeln, der in manchen Fällen operativ behandelt werden muss. Bei einer Trigeminusneuralgie kann eine Operation in Betracht gezogen werden, um den Druck auf den Trigeminusnerv zu verringern.

CMD-Therapie

Bei einer CMD-bedingten Symptomatik kann eine interdisziplinäre Behandlung erforderlich sein, die zahnärztliche, physiotherapeutische und orthopädische Maßnahmen umfasst.

Was man vermeiden sollte

  • Nackenrolle: Eine Nackenrolle kann weder die Nackenmuskulatur lockern noch den Verhärtungen in den Faszien entgegenwirken.
  • Kopf stabilisieren: Übungen, die den Kopf stabilisieren sollen, können die Spannungen in der Muskulatur zusätzlich erhöhen.
  • Absichtliches Knacken: Vom absichtlichen Auslösen des Knackgeräuschs wird abgeraten.
  • Manipulationen an der HWS ohne Diagnose: Manipulationen an der HWS sollten nur nach einer genauen Diagnose durchgeführt werden.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Aufhorchen sollten Sie, wenn das Knacken in der HWS mit Schmerzen, Kribbeln oder Taubheitsgefühlen einhergeht. Bei plötzlich auftretenden, starken Schmerzen im Bereich des Hinterkopfes sollte unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Wenn das Schmerzgeschehen immer wieder ohne erkennbare Ursache auftritt, sollte ebenfalls ein Arzt zur Diagnostik und Therapie hinzugezogen werden.

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