Knie knickt weg: Ursachen und neurologische Aspekte

Das Gefühl, dass das Knie instabil ist und beim Gehen wegknickt, eventuell begleitet von Schmerzen, kann sehr unangenehm sein und auf ein instabiles Kniegelenk hindeuten. Die Stabilität im Kniegelenk wird durch verschiedene Systeme gewährleistet. Wenn du nach einer Knieverletzung oder Operation häufiger das Gefühl hast, dass dein Kniegelenk plötzlich wegknickt, kann es sich um ein sogenanntes „Giving Way“ Phänomen handeln. Dies kann entweder beim normalen Gehen oder bei sportartspezifischen Bewegungen vorkommen. Zunächst solltest du dies mit deinen Behandler:innen besprechen. Das Kniegelenk kann in der Regel durch ein gutes Muskelgleichgewicht wieder stabilisiert werden. Durch ein gezieltes und spezifisches Training kannst du erreichen, dass das Gefühl der Instabilität verschwindet. Die Tiefensensibilität und die Muskelkraft sollten bei solch einem Training die Hauptrolle spielen, da diese bei einer Instabilität gestört sind. Eine Mischung aus gezielten Kraftübungen und Übungen, die die Balance fördern, können dir helfen, die Probleme in den Griff zu bekommen. Instabilität im Knie, also das Gefühl, dass das Knie wackelig anfühlt und nicht ganz belastbar ist, sollte in jedem Fall ernstgenommen werden. Das Knie wird von Bändern stabilisiert, wenn eines verletzt ist, wird das Knie instabil. Das sollte man rasch behandeln, damit die Symptomatik nicht chronifiziert oder sich Langzeitschäden ausbilden.

Was ist eine Instabilität im Knie?

Eine Knieinstabilität liegt vor, wenn das Kniegelenk seine normale Stabilität nicht aufrechterhalten kann. Die Stabilität des Knies entsteht durch das Zusammenspiel von Bändern, Muskeln, Knorpel und anderen strukturellen Elementen, die zusammenarbeiten, um das Knie während der Bewegung zu unterstützen und unerwünschte Bewegungen zu verhindern. Eine häufige Ursache sind Verletzungen der Bänder. Knorpelschäden können ebenfalls zu Instabilität führen. Darüber hinaus kann auch eine Muskelschwäche um das Knie herum zu Instabilität führen. Die Symptome einer Knieinstabilität können Schmerzen, Schwellungen, aber auch das Gefühl der Unsicherheit/des Wackelns im Knie sowie eine eingeschränkte Beweglichkeit umfassen. Die Behandlung hängt in der Regel von der Ursache der Instabilität ab und sollte rasch eingeleitet werden.

Ursachen für ein instabiles Knie

Die Ursachen für ein instabiles Kniegelenk können vielfältig sein und reichen von Verletzungen bis hin zu neurologischen Problemen. Im Folgenden werden die häufigsten Ursachen detailliert beschrieben:

Verletzungen der Bänder

Verletzungen der Bänder sind eine der häufigsten Ursachen für ein instabiles Knie. Am häufigsten sind Verletzungen des vorderen Kreuzbands (VKB) verantwortlich, aber auch das hintere Kreuzband (HKB), die Seitenbänder (Innen- und Außenband) sowie das anterolaterale Band können betroffen sein. Besonders häufig treten diese Verletzungen bei Sportarten auf, die plötzliche Richtungswechsel, Sprünge und schnelles Stoppen erfordern, wie Fußball, Basketball und Skifahren. Ein Kreuzbandriss ist eine Verletzung des vorderen oder hinteren Kreuzbandes im Kniegelenk. Diese Bänder sind wichtige Strukturen, die das Knie stabilisieren und Bewegungen begrenzen. Das vordere Kreuzband reißt in der Regel öfter als das Hintere. Diese Verletzung tritt oft bei plötzlichen Drehbewegungen oder direkten Stößen auf das Knie auf, wie sie in Sportarten wie Fußball oder Basketball vorkommen können. Symptome eines Kreuzbandrisses sind oft Schmerzen, Schwellungen, Instabilität und ein Gefühl, dass das Knie "wegknickt". Diese Verletzungen können durch plötzliche seitliche oder verdrehte Bewegungen des Knies verursacht werden, wie sie bei Sportarten wie Fußball oder Skifahren auftreten können. Symptome können Schmerzen, Schwellungen, Instabilität des Knies und möglicherweise Blutergüsse sein.

Meniskusschäden

Die Menisken (Innen- und Außenmeniskus) fungieren als Stoßdämpfer und tragen zur Stabilität des Kniegelenks bei. Ursachen für Meniskusschädigungen sind degenerative Prozesse (Überlastung, Achsenfehlstellung, Knorpelschäden), rezidivierende Mikrotraumata (z. B. Arbeiten in der Hocke, Knie belastende Sportarten) sowie akute Verletzungen (z. B. direkte Meniskusverletzung bei Schienbeinkopfbruch, Knieverdrehtrauma). Die Diagnose einer Meniskusschädigung kann oft durch die körperliche Untersuchung aufgedeckt werden, abschließende Sicherheit erlangt man durch eine Kernspintomographie. Der Meniskus übernimmt wichtige Funktionen für das Kniegelenk. Er vergrößert die Kontaktfläche zwischen Femur (Oberschenkelknochen) und Tibia (Unterschenkelknochen) und führt zur Reduzierung der Belastung des Gelenkknorpels. Durch Teilentfernung des Meniskus kommt es, in Abhängigkeit vom Ausmaß der resezierten Fläche und der entsprechenden Kontaktminderung, zu teilweise erheblichen Drucksteigerungen im Knorpelgewebe. Bei der operativen Versorgung von Meniskusschäden wird deshalb versucht, wenn immer möglich (abhängig von Rissform und der Substanz des nicht vom Riss betroffenen Meniskusgewebes unter Berücksichtigung des Alters) den Meniskus zu erhalten, also eine Naht bzw. Refixation durchzuführen. Ist dies nicht möglich, werden lediglich die defekten Anteile entfernt. Das Ziel der Meniskusteilentfernung ist die Beseitigung der Beschwerden. Es werden mobile Fragmente entfernt, Resektionsränder geglättet und eine Randleiste belassen.

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Knorpelschäden

Ein Knorpelschaden oder fortschreitende Gelenkverschleißerscheinungen (Arthrose) vermindern die Gleitfähigkeit des Kniegelenks und können zu Instabilitätsgefühlen führen. Liegt eine Arthrose - also ein großflächiger Knorpelverschleiß - vor, sind arthroskopische Maßnahmen in der Regel nicht geeignet eine dauerhafte Besserung zu erzielen. Bei isolierten bzw. begrenzten Knorpelschädigungen kann eine arthroskopische Operation sinnvoll angewendet werden mit Stabilisierung der Defektränder und anschließender sogenannter Mikrofrakturierung. Abhängig von der Ausdehnung der Defekte kann auch eine Knorpel-Knochen-Transplantation erforderlich werden. In diesem Fall werden Knorpel-Knochen-Stanzen aus weniger belasteten Anteilen des Kniegelenks entnommen und in die Defektzonen eingebracht. In ausgewählten Fällen sind Knorpelzell-Transplantationen möglich. Hierbei wird im Rahmen einer ersten arthroskopischen Operation Knorpel entnommen. Dieser wird dann über einige Wochen angezüchtet und kann als gallertartige Masse im Rahmen einer dann in der Regel offenen Operation in die Defektzone eingepflanzt werden.

Muskelschwäche oder Ungleichgewicht

Die Muskeln um das Kniegelenk - insbesondere der Quadrizeps und die ischiokrurale Muskulatur - spielen eine wichtige Rolle bei der aktiven Stabilisierung des Knies. Durch die Stärkung der Hamstrings wird die Stabilität der Kniekehle unterstützt, während die Stärkung der Quadrizeps die vordere Stabilität erhöht. Zusätzlich können diese Übungen helfen, das Risiko von Verletzungen zu reduzieren und die Leistungsfähigkeit im Alltag oder bei sportlichen Aktivitäten zu verbessern. Die Kniespezialisten stellen Ihnen gerne Ihr persönliches Übungsprogramm zusammen! Eine unzureichende Rehabilitation nach einer Operation kann zu Ungleichgewichten in der Muskelkraft führen. Dies kann dazu führen, dass das Knie instabil wird. Deshalb sind muskelstärkende Übungen so wichtig.

Fehlstellungen

Achsabweichungen, wie O-Beine oder X-Beine, verändern die Belastungsverhältnisse im Knie und können dadurch zur Instabilität beitragen.

Neurologische Ursachen

Eine gestörte Nervensteuerung oder eine mangelnde Propriozeption (Wahrnehmung der Körperlage) kann die Reaktionsfähigkeit der Muskulatur im Knie beeinträchtigen und zu Instabilitätsgefühlen führen. Der Nervus peroneus ist ein Nerv am Bein. Eine Beschädigung kann zu Empfindungsstörungen und zum Steppergang führen.Der Nervus peroneus, auch Nervus fibularis, versorgt einige Muskeln am Unterschenkel und am Fuß und vermittelt das Gefühlempfinden des seitlichen Unterschenkels und Fußrückens. Er kann durch langes Knien oder Übereinanderschlagen der Beine geschädigt werden. Dies kann zu einer, oft vorübergehenden, Funktionsstörung führen.Betroffene Personen leiden zunächst oft unter Schmerzen. Diese können vom seitlichen Knie bis zum Fuß- und Zehenrücken reichen. Die Schmerzen lassen sich oft auslösen, indem man den Fuß in Richtung der Fußsohle beugt (Flexion) oder das Fußgelenk nach innen knickt (Supination). Auch ein Taubheitsgefühl und Missempfindungen sind möglich.Da der Peroneusnerv auch Muskeln versorgt, kann neben diesen Beschwerden auch eine Lähmung auftreten. Man spricht von einer Parese. Die Parese kann die Muskeln betreffen, die den Fuß oder die Zehen nach oben anheben. Diese Muskeln nennt man Fußextensoren und Zehenextensoren. Auch die Muskeln, die den Fuß zur Seite kippen (Pronatoren), können betroffen sein. Das hat Auswirkungen auf das Gangbild: Zunächst ist der Hackengang (Fersengang) eingeschränkt. Bei einer höhergradigen Parese kommt es dann zum charakteristischen „Steppergang”: Das Bein wird beim Gehen hoch angehoben und mit hängender Fußspitze wieder aufgesetzt.Der Nervus peroneus, auch Nervus fibularis („Wadenbeinnerv”), leitet Signale zu den Muskeln, mit denen man den Fuß anhebt. Diese Muskeln nennt man daher auch Fußheber oder Fußextensoren. Der Nervus peroneus vermittelt außerdem das Gefühlsempfinden der Haut am seitlichen Unterschenkel und am Fußrücken. Er entspringt aus dem Ischiasnerv (Nervus ischiadicus). Die Ursache einer Peroneuslähmung ist oft ein Übereinanderschlagen der Beine oder ein langes Knien. In diesen Körperhaltungen kann Druck den Nerv einengen (Kompression), und zwar besonders auf Höhe des oberen Endes des Wadenbeins. Dieses verdickte Knochenstück heißt Fibulaköpfchen. Hier kann der Nerv durch Druck von außen beschädigt werden (Druckläsion). Manchmal ist der Auslöser in diesem Bereich auch eine flüssigkeitsgefüllte Kapsel an einer Sehnenscheide oder einer Gelenkkapsel (Ganglion) oder ein meist gutartiger Tumor (Neurofibrom).Weniger häufig erleidet der Nerv eine Schädigung im Kniebereich. Eine seltene Ursache ist das vordere Tarsaltunnelsyndrom. In diesem Fall lastet Druck auf dem Nervus peroneus profundus im Bereich des Sprunggelenks.

Mögliche Auslöser bzw. Ursachen der Peroneuslähmung sind:

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  • Häufiges Übereinanderschlagen der Beine, besonders bei schlanken Personen
  • Langes Knien oder Hocken
  • Unangemessene Lagerung in Narkose
  • Schlecht gepolsterte Gipsverbände
  • Starke Gewichtsreduktion (z. B. nach Magen-Bypass-Operation)
  • Erkrankungen der Knochen oder Weichteile (z. B. Ganglion)

Entzündungen oder Gelenkergüsse

Eine Gelenkentzündung (Arthritis) oder ein Gelenkerguss kann die Gelenkmechanik beeinflussen und ebenfalls zu Instabilität führen.

Weitere Ursachen

In vielen Fällen sind überdehnte oder verletzte Kreuz- oder Seitenbänder die Ursache für ein instabiles Knie. Während eine Bandverletzung oft beim Sport passiert, können auch angeborene oder erworbene Muskel- und Bänderschwächen das Knie instabil machen. Ein geschädigter Meniskus bringt das Kniegelenk ebenfalls schnell aus der Spur. Im gesunden Zustand sorgt der Meniskus während Bewegungen dafür, die Last vom Ober- auf den Unterschenkel zu übertragen. Ist der Meniskus lädiert, kann er diese Aufgabe nicht mehr ordentlich erfüllen. Machen sich Knieschmerzen beim Treppensteigen bemerkbar, insbesondere abwärts, ist die Ursache häufig eine Arthrose im Knie (Gonarthrose). Dabei handelt es sich um eine Abnutzung des Gelenkknorpels. Aber auch eine Schleimbeutelentzündung (Bursitis) kann als Schmerzauslöser infrage kommen.

Symptome eines instabilen Knies

Eine Instabilität im Kniegelenk kann sich für jeden etwas anders anfühlen, aber es gibt einige häufige Symptome:

  • Viele Betroffene beschreiben ein Gefühl der Unsicherheit oder des Wackelns im Knie, insbesondere beim Stehen oder (bergab) Gehen.
  • Das Knie kann sich unerwartet nachgeben oder einknicken, insbesondere wenn man versucht, das Gewicht darauf zu verlagern.
  • Eine allgemeine Schwäche oder Instabilität im Knie, insbesondere beim Stehen, Gehen oder Treppensteigen kann ebenfalls wahrgenommen werden.
  • Die Instabilität kann auch von Schmerzen begleitet sein, insbesondere wenn sich das Knie unkontrolliert bewegt oder belastet wird.
  • Die Schmerzen bei einer Instabilität im Knie können sich auf verschiedene Weisen äußern. Typischerweise äußern sich die Schmerzen dumpf, manchmal auch stechend oder ziehend. Zusätzlich kann das Knie empfindlich auf Berührung oder Druck reagieren, was dazu führt, dass selbst leichte Berührungen unangenehm sind.

Diagnose einer Knieinstabilität

Die Diagnose einer Knieinstabilität beinhaltet in der Regel mehrere Schritte:

  1. Anamnese: Fragen zu den Symptomen, einer eventuellen Verletzung und zur medizinischen Vorgeschichte.
  2. Körperliche Untersuchung: Suche nach Anzeichen einer Instabilität, Schwellungen, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Spezielle Bewegungstests können helfen, die Stabilität und Funktionalität des Kniegelenks zu bewerten.
  3. Bildgebende Untersuchungen: Je nach Bedarf können Röntgenaufnahmen, MRT oder CT-Scans durchgeführt werden, um strukturelle Probleme im Kniegelenk zu erkennen.

Tests auf Instabilität im Knie

Es gibt verschiedene Tests, die zur Beurteilung der Kniestabilität eingesetzt werden:

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  • Lachman-Test: Bewertung des vorderen Kreuzbandes. Der Patient liegt auf dem Rücken, während der Arzt das Knie in etwa 20-30 Grad Beugung hält und das Schienbein nach vorne bewegt, um die Stabilität des vorderen Kreuzbandes zu testen.
  • Hinterer Schubladentest: Untersuchung des hinteren Kreuzbandes, indem das Schienbein nach hinten verschoben wird, um zu sehen, ob es mehr Spielraum gibt als normal.
  • Valgusstress-Test: Der Arzt übt seitlichen Druck auf das Knie aus, um das mediale Seitenband zu testen, indem er versucht, das Knie nach innen zu schieben.
  • Varusstress-Test: Ausüben seitlichen Drucks auf das Knie in entgegengesetzter Richtung, um das laterale Seitenband zu prüfen.

Bildgebende Verfahren

  • Ultraschall: Im Ultraschall können verschiedene strukturelle Veränderungen im Kniegelenk sichtbar gemacht werden, die zu Instabilität führen können. Dazu gehören Risse oder Dehnungen der Bänder im Kniegelenk. Darüber hinaus können grobe Knorpelschäden und Flüssigkeitsansammlungen im Gelenk (Erguss) erkannt werden. Obwohl der Ultraschall hilfreich sein kann, um einige Probleme im Knie zu erkennen, kann er nicht alle möglichen Ursachen für die Instabilität erfassen.
  • Röntgenbild: Im Röntgenbild können strukturelle Veränderungen im Kniegelenk sichtbar gemacht werden, die zur Instabilität beitragen können. Dazu gehören Anzeichen von Arthrose wie Gelenkspaltverengung und Knochensporne (sogenannte Osteophyten).
  • MRT: Ein MRT des Knies wird oft bei Knieinstabilität empfohlen, wenn andere bildgebende Verfahren keine eindeutige Ursache liefern. Darüber hinaus kann es vor einer geplanten Operation verwendet werden, um eine genaue Beurteilung der Knieanatomie zu erhalten und den Chirurgen bei der Planung des Eingriffs zu unterstützen.

Behandlung eines instabilen Knies

Die Therapie hängt immer vom Ergebnis der Diagnostik ab. Aber unser Motto gilt natürlich auch bei der Therapie einer Knie-Instabilität: Konservativ, wenn möglich. Operativ, wenn nötig! In diesem Fall ebenfalls entscheidend für die Therapieform sind der Lebensstil und die Zukunftspläne des jeweiligen Betroffenen. So haben junge oder sportlich sehr aktive Patienten in der Regel andere Ansprüche an die eigene Leistungsfähigkeit als ältere oder inaktive Patienten. Bei einem gerissenen Kreuzband eines aktiven Menschen mit relevanter Instabilität gilt, dass in der Regel ein operativer Eingriff sinnvoll ist. Denn ein instabiles Kreuzband heilt selten von allein. Ist der Riss schon älter, kann in den meisten Fällen ein Ersatztransplantat die Funktion der verletzten Bänder übernehmen. Bänderrisse bei sportlich nicht sehr aktiven Patienten können gegebenenfalls aber auch ohne Operation behandelt werden. Wir legen grundsätzlich viel Wert auf ein ganzheitliches Therapiekonzept. Deshalb wenden wir bei komplexen Knieverletzungen oft auch Kombinationseingriffe an, um für unsere Patienten wirklich Stabilität und Beschwerdefreiheit zu erzielen.

Konservative Behandlung

  • Kniebandage: Eine Kniebandage kann insbesondere während körperlicher Aktivitäten oder Sportarten dabei helfen, das Knie zu stabilisieren. Sie kann auch dazu beitragen, Schwellungen zu reduzieren und leichte bis moderate Schmerzen zu lindern, indem sie Druck auf das Knie ausübt.
  • Knieorthese: Eine Knieorthese bietet zusätzliche Stabilität, indem sie die Gelenke unterstützt und Bewegungen in einem vorgegebenen Ausmaß kontrolliert. Sie kann dabei helfen, das Kniegelenk zu entlasten und Schmerzen zu reduzieren. Darüber hinaus kann eine Knieorthese dazu beitragen, das Risiko weiterer Verletzungen zu verringern, indem sie das Kniegelenk schützt und Fehlbewegungen in der Rehabilitation.
  • Physiotherapie: Kontinuierliches Training und Physiotherapie können helfen, die Stabilität langfristig zu erhalten und das Risiko von Rückfällen zu verringern.

Operative Behandlung

  • Bandrekonstruktion: Bei schwerwiegenden Bandverletzungen kann eine Operation erforderlich sein, um die gerissenen Bänder zu rekonstruieren.
  • Meniskuschirurgie: Bei Meniskusschäden kann eine Teilentfernung oder Naht des Meniskus erforderlich sein.
  • Knorpeltherapie: Bei Knorpelschäden können verschiedene Verfahren zur Knorpelregeneration eingesetzt werden.
  • Achskorrektur: Bei Fehlstellungen kann eine operative Achskorrektur in Betracht gezogen werden.

Weitere Behandlungsmethoden

  • Ganganalyse: Eine Ganganalyse kann helfen, abnorme Bewegungsmuster zu identifizieren, die durch die Knieinstabilität verursacht werden. Sie ermöglicht die Beurteilung der Gewichtsverteilung auf dem betroffenen Knie sowie der Bewegungsfreiheit und Stabilität während des Gehens.
  • Muskelfunktionsanalyse: Eine Muskelfunktionsanalyse anhand der Elektromyographie kann wertvolle Einblicke in die Aktivität der Muskeln rund um das Kniegelenk bieten. Durch die Messung der elektrischen Aktivität der Muskeln können Dysbalancen oder Ungleichgewichte erkannt werden, die zu einer Knieinstabilität beitragen könnten.
  • Tape: Tape kann helfen, ein instabiles Knie zu unterstützen, indem es zusätzliche Stabilität bietet und die Bewegung des Gelenks kontrolliert.

Spezielle Aspekte bei neurologischen Ursachen

Bei neurologischen Ursachen für ein instabiles Knie ist die Behandlung komplexer und erfordert eine interdisziplinäre Herangehensweise.

  • Peroneuslähmung: Bei einer Peroneuslähmung, die durch Druck auf den Nervus peroneus verursacht wird, sollte man zunächst häufig den Spontanverlauf beobachten. Nach einer Woche ist eine deutliche Erholung zu erwarten. Bei ausbleibender spontaner Besserung wird in der Regel eine Peroneus-Schiene (Orthese) verwendet. Wer von einer Fußheberparese betroffen ist, kann ein gezieltes Training durchführen. Das Training soll zwei Dinge verhindern: Einen Muskelschwund (Muskelatrophie) und ein Zusammenziehen (Kontraktur) der Muskeln. Zusätzlich soll die Beweglichkeit im Sprunggelenk erhalten bleiben. Ein weiteres Ziel ist die Wiederherstellung der Nervenversorgung (Reinnervation). Operiert wird bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden, andauernden Schmerzen und einer fehlenden Besserung einer Druckläsion. In diesen Fällen wird der Nerv druckentlastet (Dekompression). Auch bei einer Kompression durch ein Ganglion kann operiert werden. Falls der Nerv durchtrennt wurde, kann eine Operation durchgeführt und die Nervenstümpfe aneinandergenäht werden. Wenn dauerhaft keine Besserung eintritt, gibt es eine weitere Möglichkeit, die Fußhebung wiederherzustellen: Dazu versetzt man ein Sehnenstück des Musculus tibialis posterior, in den Bereich des Fußrückens (Musculus-tibialis-posterior-Transfer). Eine vorübergehende Druckschädigung heilt meist von allein vollständig ab. Die Beschwerden lassen dann oft schon nach einer Woche deutlich nach. Beschädigte Nervenzellen können, solange sie noch einen Zellkern besitzen, neue Zellfortsätze (Axone) bilden. Dieser Prozess kann aber bis zu 6 Monate dauern. Nach der Entfernung eines Ganglions kann später erneut ein Ganglion im betroffenen Bereich entstehen.
  • Plexusläsionen: Schädigungen des Plexus lumbalis führen zu einer schlaffen Parese der vom N. femoralis und vom N. obturatorius versorgten Muskeln. Es kommt zu Paresen der Hüftbeugung, der Hüftadduktion sowie der Kniestreckung. Der Quadrizeps- und der Adduktorenreflex sind abgeschwächt oder erloschen. Sind die proximalen Plexusanteile mitbetroffen, findet sich eine Sensibilitätsstörung unterhalb der Leiste (N. ilioinguinalis und N. iliohypogastricus). Die Gefühlsstörung betrifft sonst die Vorderinnenseite des Oberschenkels (N. femoralis), die Vorderaußenseite des Oberschenkels (N. cutaneus femoris lateralis) und die Innenseite des Unterschenkels (N. saphenus). Schädigungen des Plexus sacralis führen zu einer Parese der ischiokruralen Muskulatur (also der Kniebeugung) sowie zu einer Parese der Unterschenkel-, Fuß- und Zehenmuskulatur. Eine Parese der Hüftabduktion (N. glutaeus superior, Mm. Eine Schädigung des N. glutaeus inferior führt zu einer Lähmung der Hüftstreckung (M. glutaeus maximus). Das hypästhetische Hautareal umfasst die Rückseite des Oberschenkels sowie die Haut des Unterschenkels und des Fußes mit Ausnahme des vom N. saphenus versorgten medialen Unterschenkels. Elektromyografisch finden sich je nach Akuität und Dauer der Schädigung pathologische Spontanaktivität in den betroffenen Muskeln oder Zeichen des chronisch-neurogenen Umbaus.

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