Neurofibromatose und Trigeminusneuralgie sind Erkrankungen, die mit Knotenbildung an den Nerven einhergehen können. Während Neurofibromatose durch genetische Veränderungen verursacht wird und zu Gewebeknoten an den Nervenenden führt, entsteht die Trigeminusneuralgie durch eine Schädigung des Trigeminusnervs, oft durch Druck eines Blutgefäßes. Eine weitere Ursache für Nervenschmerzen und Knotenbildung kann die Morton-Neuralgie sein, die durch eine Reizung der Nerven im Vorfußbereich entsteht. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten dieser verschiedenen Erkrankungen.
Neurofibromatose: Eine genetisch bedingte Erkrankung der Nerven
Neurofibromatose ist eine seltene Erkrankung, die durch eine Genmutation verursacht wird. Etwa eines von 3.000 Neugeborenen trägt diese Mutation. In 50 Prozent der Fälle entstehen die Mutationen spontan, während Betroffene die Erkrankung mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent an ihre Nachkommen weitervererben können.
Typen der Neurofibromatose
Mediziner unterscheiden zwei Haupttypen der Neurofibromatose:
- Typ 1 (Morbus Recklinghausen): Diese Form tritt bereits im frühen Kindesalter auf. Typisch sind Pigmentstörungen der Haut, wie Café-au-Lait-Flecken, die bei bis zu 80 Prozent der betroffenen Säuglinge auftreten. Auch sommersprossenähnliche Flecken in den Achseln oder an der Leiste sind charakteristisch. Später können sich bindegewebige Knoten in der Haut entwickeln. Die Erkrankung ist häufig mit Lernstörungen wie ADHS assoziiert.
- Typ 2: Diese Form tritt erst nach der Pubertät oder im Erwachsenenalter auf und ist seltener als Typ 1. Die Symptome werden durch gutartige Tumore an zentralen Nerven, meist am Hör- und Gleichgewichtsnerv, hervorgerufen. Zu den Symptomen gehören plötzlicher Hörverlust, Gleichgewichtsstörungen, Kopfschmerzen und selten auch Pigmentstörungen.
Diagnose und Behandlung der Neurofibromatose
Die Diagnose der Neurofibromatose kann aufgrund der vielfältigen und individuell unterschiedlichen Anzeichen schwierig sein. Oft vergehen Jahre, bis die richtige Diagnose gestellt wird. Für Neurofibromatose gibt es spezialisierte Zentren, in denen Ärzte mit der Erkrankung bestens vertraut sind.
Zum aktuellen Zeitpunkt stehen Therapien zur Verfügung, mit denen Ihre Erkrankung symptomorientiert behandelt werden kann. So können die Neurofibrome chirurgisch entfernt werden, wenn sie kosmetisch störend sind oder sich daraus ein Hauttumor entwickeln könnte. Neurofibromatose geht mit einem leicht erhöhten Risiko für Krebserkrankungen einher: Es liegt etwa fünf Prozent höher als bei Gesunden. Wichtig sind für Sie als Betroffene daher jährliche Kontrolluntersuchungen, zum Beispiel beim Hautarzt. Nehmen Sie auch die regelmäßigen Kontrolltermine beim Neurologen und beim Orthopäden wahr, damit Veränderungen an Nerven und Muskeln oder Fehlstellungen der Knochen frühzeitig erkannt und behandelt werden können. Eine Heilung ist zum aktuellen Zeitpunkt nicht möglich, Wissenschaftler erforschen daher unter anderem die Wirkung von Antikörpern. Solche Therapien werden zurzeit im Rahmen von Studien untersucht und könnten Experten zufolge in Zukunft eine echte Therapiealternative sein.
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Trigeminusneuralgie: Blitzartige Schmerzen im Gesicht
Die Trigeminusneuralgie ist eine seltene Erkrankung, die durch heftige, blitzartige Schmerzen im Gesicht gekennzeichnet ist. Die Schmerzen entstehen im Versorgungsgebiet des Trigeminusnervs, dem fünften Hirnnerv, der für die Wahrnehmung und Weiterleitung von Berührungs- und Schmerzreizen im Gesicht verantwortlich ist.
Ursachen der Trigeminusneuralgie
Die klassische Trigeminusneuralgie wird meist durch ein Blutgefäß verursacht, das den Trigeminusnerv im Bereich des Hirnstamms einengt. Diese Einengung führt zu einer Nervenschädigung, bei der eigentlich nicht schmerzhafte Reize auf Schmerzfasern umgeleitet werden.
In manchen Fällen kann die Trigeminusneuralgie auch das Symptom einer anderen Erkrankung sein, wie z.B. Multiple Sklerose, Hirntumor, Hirnmetastasen oder Gefäßmissbildungen. Wenn wiederkehrende anfallsartige einseitige Gesichtsschmerzattacken vorliegen, die die Kriterien für eine Trigeminusneuralgie erfüllen, und weder eine klassische noch eine symptomatische Diagnose bestätigt wird, so spricht man von einer idiopathischen Form.
Auslöser und Verlauf der Schmerzen
Minimale Reize wie Sprechen, Rasieren, Kauen, Zähneputzen, eine Berührung, kaltes Wasser oder ein kalter Luftzug können die Schmerzen auslösen. Auch Stress kann eine Rolle spielen. Die Schmerzattacken dauern einige Sekunden bis wenige Minuten, können aber mehrmals pro Tag auftreten. Die Trigeminusneuralgie tritt episodisch auf, mit schmerzhaften Phasen, die von schmerzfreien Phasen unterbrochen werden.
Diagnose und Behandlung der Trigeminusneuralgie
Die Diagnose der Trigeminusneuralgie erfolgt in der Regel anhand der charakteristischen Symptomatik und einer neurologischen Untersuchung.
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Bei der Behandlung der Trigeminusneuralgie kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz. Meist wird zunächst eine medikamentöse Therapie mit Antiepileptika wie Carbamazepin, Oxacarbazepin oder Gabapentin versucht. Wenn die medikamentöse Therapie nicht ausreichend wirksam ist oder zu starken Nebenwirkungen führt, können operative Verfahren in Betracht gezogen werden.
- Mikrovaskuläre Dekompression: Bei dieser Operation wird der Schädel geöffnet und ein Kunststoffstück zwischen das Blutgefäß und den Trigeminusnerv eingelegt, um den Kontakt zu unterbrechen.
- Perkutane Operationsverfahren: Bei diesen Verfahren wird der Nervus Trigeminus im Bereich des Ganglion Gasseri thermisch, chemisch oder mechanisch geschädigt.
- Radiochirurgische Behandlung: Bei diesem Verfahren wird der Trigeminusnerv am Abgang mit einer hohen Strahlendosis bestrahlt, um eine Teilschädigung des Nervs zu erreichen.
Morton-Neuralgie: Schmerzen im Vorfuß durch Nervenreizung
Die Morton-Neuralgie, auch Morton-Neurom oder Morton-Metatarsalgie genannt, ist eine schmerzhafte Erkrankung des Vorfußes, bei der es zu einer Verdickung einer Nervenhülle im Mittelfuß kommt. Diese Verdickung übt Druck auf den Nerv aus und verursacht Schmerzen.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Morton-Neuralgie entsteht durch eine Reizung der Nerven, die zwischen den Köpfchen der Mittelfußknochen verlaufen. Langfristig kann sich eine knotenartige Verdickung (Neurom) bilden. Häufige Ursachen sind ein Spreizfuß oder andere Fußfehlstellungen, die zu einer dauerhaften Druckbelastung der Nerven führen. Auch das Tragen von zu engen Schuhen oder Schuhen mit harten Sohlen kann die Entstehung einer Morton-Neuralgie begünstigen.
Symptome der Morton-Neuralgie
Typische Symptome der Morton-Neuralgie sind plötzlich auftretende, brennende oder stechende Schmerzen im Vorfuß, die manchmal von einem Taubheitsgefühl begleitet werden. Die Schmerzen treten vor allem nach Belastung auf, wie z.B. nach einem Spaziergang oder langem Stehen. Im Laufe der Zeit können die Schmerzen immer intensiver werden.
Diagnose der Morton-Neuralgie
Die Diagnose der Morton-Neuralgie erfolgt zunächst durch eine manuelle Untersuchung des Fußes. Dabei wird geprüft, ob sich der Schmerz durch Druck auf den Mittelfußbereich verstärken lässt. Bildgebende Verfahren wie MRT oder Ultraschall können den Befund zusätzlich absichern.
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Behandlung der Morton-Neuralgie
Die Behandlung der Morton-Neuralgie zielt darauf ab, die Reizung der Nerven zu reduzieren und die Schmerzen zu lindern.
- Konservative Behandlung: Zu den konservativen Maßnahmen gehören das Tragen von weitem, bequemen Schuhwerk, orthopädische Einlagen mit retrokapitalem Quersteg, entzündungshemmende Salbenverbände, Ultraschalltherapie, Stoßwellentherapie und Injektionen mit Lokalanästhetika und/oder Kortikosteroiden.
- Operative Behandlung: Wenn die konservativen Maßnahmen nicht ausreichend wirksam sind, kann eine Operation in Betracht gezogen werden. Dabei kann entweder der Nervenknoten entfernt oder das Ligamentum intermetatarsale gespalten werden, um den Nerv zu entlasten.
Nerventumore: Gutartige und bösartige Wucherungen an peripheren Nerven
Auch an den peripheren Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark können gut- oder bösartige Wucherungen auftreten. Die Tumore von peripheren Nerven bezeichnen wir als Schwannome, gleichbedeutend auch Neurinome, oder als Neurofibrome. Nerventumore entstehen aus den Zellen der Nervenscheide und sind meist gutartig (benigne). Bösartige (maligne) periphere Nervenscheidentumore sind dahingegen seltener. Bösartige Tumore können auch Tochtergeschwulste in anderen Organen ausbilden.
Symptome von Nerventumoren
Meist bemerken Sie zunächst eine derbe, örtlich begrenzte Schwellung an einem relativ oberflächlich liegenden Nerven. Durch Berühren oder Beklopfen dieser Stellen können Sie oft elektrisierende Missempfindungen auslösen (sogenanntes Hoffmann-Tinel-Zeichen). Im Versorgungsgebiet des betroffenen Nerven kann es zu einer Nervenleitungsstörung kommen oder auch zu seinem kompletten Funktionsausfall. Entsprechend bemerken Sie meist Taubheitsgefühle oder Missempfindungen in dem Areal, das der Nerv versorgt. Auch Nervenschmerzen treten teilweise auf. Mit dem Wachstum eines Tumors nehmen die Beschwerden weiter schleichend zu. Es können sich nicht nur Gefühlsstörungen sondern auch zunehmende Lähmungen einstellen.
Diagnostik von Nerventumoren
Für die Diagnostik erheben wir sorgfältig Ihre Krankengeschichte und untersuchen Sie klinisch-neurologisch. Um die Schwere einer Nervenfunktionsstörung und manchmal auch den Schädigungsort am Nerven zu dokumentieren, ist eine Neurographie oder eine Elektromyographie sinnvoll. Um Art, Größe und Ort der Schädigung zu bestimmen, benötigen wir eine Bildgebung. Diese ist im Weiteren sehr hilfreich, um einen operativen Eingriff zu planen und um die Lagebeziehung der Raumforderung zum umgebenden Gewebe darzustellen. Einen Nerventumor können wir mit dem Nervenultraschall oder mit einer Kernspintomographie (MRT) gut erkennen. Die Bildgebung kann manchmal bereits einen ersten Aufschluss über die Art des Tumors geben, bevor eine Biopsie dies definitiv bestimmt.
Therapie von Nerventumoren
Die Therapie der Wahl ist meist die Tumorentfernung unter dem Operationsmikroskop. Mit einer sorgfältigen Präparation eines gutartigen Tumors und dessen vorsichtiger Entfernung können wir gesundes Nervengewebe schonen und die Funktion des Nervens oft erhalten. Wir entfernen nur Nervengewebe, das den Ausgang der Wucherung darstellt. Ein Wiederauftreten, ein sogenanntes Rezidiv, eines einmalig entfernten Tumors ist sehr selten. Bei bösartigen Tumoren müssen wir eine großzügigere Gewebeentfernung vornehmen, um sicher und komplett das bösartige Gewebe zu entnehmen.