Kochhilfe für Parkinson-Patienten: Selbstständigkeit und Lebensqualität in der Küche

Einführung

Für Menschen mit Parkinson-Erkrankung können alltägliche Aufgaben wie Kochen und die Zubereitung von Mahlzeiten zu einer Herausforderung werden. Motorische Einschränkungen, Zittern (Tremor) und Steifigkeit (Rigor) erschweren die Handhabung von Küchenutensilien und die sichere Zubereitung von Speisen. Glücklicherweise gibt es eine Vielzahl von Kochhilfen und Alltagshilfen, die speziell für die Bedürfnisse von Parkinson-Patienten entwickelt wurden. Diese Hilfsmittel ermöglichen es Betroffenen, ihre Selbstständigkeit in der Küche zu bewahren oder wiederzuerlangen und somit ihre Lebensqualität zu verbessern.

Herausforderungen beim Kochen mit Parkinson

Parkinson-Patienten können beim Kochen und der Zubereitung von Mahlzeiten mit verschiedenen Schwierigkeiten konfrontiert sein:

  • Feinmotorische Schwierigkeiten: Zittern, Steifigkeit und verlangsamte Bewegungen (Bradykinese) erschweren das Schneiden von Lebensmitteln, das Öffnen von Verpackungen und das Hantieren mit kleinen Gegenständen.
  • Gleichgewichtsprobleme: Standunsicherheit kann das Kochen am Herd oder an der Arbeitsfläche gefährlich machen.
  • Kognitive Einschränkungen: Gedächtnisprobleme und Schwierigkeiten bei der Planung und Organisation können die Zubereitung von Mahlzeiten erschweren.
  • Schluckbeschwerden (Dysphagie): Viele Parkinson-Patienten entwickeln im Laufe der Erkrankung Schluckbeschwerden, die die Nahrungsaufnahme beeinträchtigen und das Risiko von Mangelernährung erhöhen.
  • Mangelernährung: Die Kombination aus Schluckbeschwerden, Appetitlosigkeit und Schwierigkeiten bei der Zubereitung von Mahlzeiten kann zu Mangelernährung führen, was den Krankheitsverlauf negativ beeinflusst.

Kochhilfen und Alltagshilfen für Parkinson-Patienten

Eine Vielzahl von Kochhilfen und Alltagshilfen kann Parkinson-Patienten dabei unterstützen, ihre Selbstständigkeit in der Küche zu erhalten und die genannten Herausforderungen zu bewältigen:

Schneidehilfen

  • Krümel- und Schneidehilfe: Diese Hilfe erleichtert das Schneiden von Brötchen, Semmeln, Hamburgern und Croissants. Sie vermeidet Schnittverletzungen, schneidet das Gebäck perfekt mittig und fängt die Krümel auf. Ideal für Menschen mit motorischen Störungen oder Sehbehinderungen. Antirutschfüße oder Saugnäpfe verhindern ein Wegrutschen, und eine Druckfederplatte fixiert das Gebäck.
  • Einhänder-Schneidebrett/Fixierbrett: Diese Bretter verfügen über eine Klemmvorrichtung, die das Schneidgut fixiert, sodass es nicht festgehalten werden muss. Die zweite Hand kann der ersten beim Schneiden helfen oder die bereits geschnittenen Scheiben auf einen Teller legen. Einige Modelle bieten zusätzliche Funktionen wie Raspeln, Reiben, Schäler und erhöhte Kanten zum leichteren Brotschmieren.
  • Küchenmesser für Senioren: Diese Messer haben einen ergonomisch geformten Griff, der nach oben abgewinkelt ist, sodass sich Hand, Handgelenk und Arm in einer natürlichen Position befinden. Dies entlastet die Hand und erleichtert das Greifen. Ein Fingerschutz kann zusätzlich vor Schnittverletzungen schützen.
  • Allzweckschere: Diese Schere ist vielseitig einsetzbar zum Schneiden von Papier, Plastik, Hähnchen, Fisch, Rippchen und zum Knacken von Nüssen. Die Klingen können auch als Flaschenöffner und Schraubendreher verwendet werden.

Greifhilfen und Öffner

  • Küchenhelfer mit Griffverstärkung: Flaschen- und Dosenöffner, Sparschäler, Apfelausstecher, Tortenheber & Co. mit verstärkten, rutschfesten Griffen sind ergonomisch geformt und liegen gut in der Hand. Das Hantieren fällt leichter und spart Kraft. Separat zu kaufende Griffverstärker können auch vorhandene Küchenhelfer umfunktionieren.
  • Verschlussöffner: Drehverschlussöffner, Flaschenöffner, Getränkeverschlussöffner, Zugdeckel- oder Zugringdosenöffner und Vakuumlöser erleichtern das Öffnen von Gläsern, Flaschen und Dosen und verringern die Verletzungsgefahr. Besonders bequem sind Modelle zur Montage unter Hängeschränken, die rutschsicher und mit einer Hand bedienbar sind.
  • Einhand-Dose: Diese Dose lässt sich ohne Winden und Drehen leicht öffnen. Ein Druck mit dem Finger oder der Handfläche auf die kleine Markierung am Deckelrand genügt.

Hilfen für die Zubereitung und das Servieren

  • Essbrettchen: Ein Essbrettchen mit einem an drei Seiten erhöhten Rand verhindert ein Verrutschen der Brotscheibe. Ein Anti-Rutsch-Ring auf der Unterseite sorgt für sicheren Halt auf dem Tisch. Diese Kombination erleichtert das Schmieren des Brotes mit nur einer Hand. Eine Zubereitungshilfe kann auf die erhöhten Ränder aufgesteckt werden, um Brötchen, Gurken, Käse oder anderen Lebensmitteln einen perfekten Halt beim Schneiden und Zubereiten zu geben.
  • Einschenkhilfe für Wasserkocher: Diese praktische Hilfe erleichtert das Ausgießen aus Kaffee- und Teekannen. Ein Warnton signalisiert das Einfüllen von Flüssigkeiten in Tassen oder Gläser und ist ideal für Sehbehinderte.
  • Spülbürste mit Spülmittelspender: Diese Bürste spendet Spülmittel bei leichtem Knopfdruck und erleichtert so das Abwaschen.
  • Melamin-Geschirr: Dieses Geschirr ist besonders leicht und bruchsicher. Es sollte jedoch nicht zum Kochen, Braten oder Erhitzen verwendet werden.
  • Easi-Grip Küchenhilfen: Diese Küchenhilfen haben einen abgewinkelten Handgriff, wodurch beim Festhalten weniger Kraft erforderlich ist. Die abgewinkelten Handgriffe halten Hand, Handgelenk und Arm in einer natürlichen Position und verhindern die Überlastung des Handgelenks.

Weitere Hilfen

  • Sprechende Küchengeräte: Küchenwaagen, Messbecher und Eieruhren mit Sprachausgabe sind sehr hilfreich bei Sehschädigung. Große Tasten und Anzeigen machen die meisten Geräte auch für hörgeschädigte Personen interessant.
  • Kochschürzen: Umfassendere Schürzen, wie z.B. große Essschürzen, schützen die Kleidung vor Spritzern und Flüssigkeiten, besonders bei zittrigen Händen oder Muskelschwäche.
  • Hocker oder Stuhl: Ein Hocker oder Stuhl in der Küche ermöglicht es, sich beim Kochen oder Zubereiten von Mahlzeiten auszuruhen und das Gleichgewicht zu halten.

Ernährungstherapie und Mangelernährung bei Parkinson

Neben der Verwendung von Kochhilfen ist eine ausgewogene Ernährung und die Vermeidung von Mangelernährung von großer Bedeutung für Parkinson-Patienten. Schluckbeschwerden (Dysphagie) sind eine häufige Komplikation bei Parkinson und können die Nahrungsaufnahme erheblich beeinträchtigen. Eine angepasste Konsistenz der Nahrung (z. B. pürierte Kost oder angedickte Flüssigkeiten) kann das Schlucken erleichtern und das Risiko von Aspiration (Verschlucken) verringern.

Bei Mangelernährung oder dem Risiko dafür können Trinknahrungen (hochkalorische und proteinreiche Getränke) eine sinnvolle Ergänzung zur normalen Ernährung darstellen. Sie liefern zusätzliche Energie und Nährstoffe und können helfen, den Ernährungszustand zu verbessern. In schweren Fällen kann eine Sondenernährung oder parenterale Ernährung (künstliche Ernährung über eine Vene) erforderlich sein, um eine ausreichende Nährstoffversorgung sicherzustellen.

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Bedeutung von Protein

Eine ausreichende Proteinzufuhr ist für den Erhalt der Funktionalität verschiedenster physiologischer Systeme entscheidend, insbesondere des muskuloskelettalen Systems und des Immunsystems. Ältere Erwachsene sollten täglich 1,0-1,2 g Protein/kg Körpergewicht zu sich nehmen. Bei akuten und chronischen Erkrankungen kann eine Zufuhr von bis zu 1,5 g Protein pro Tag bezogen auf das Normalgewicht erforderlich sein.

Mikronährstoffe

Während der Energiebedarf mit steigendem Alter zurückgeht, bleibt der Mikronährstoffbedarf konstant. Ältere Erwachsene sollten daher ernährungsphysiologisch besonders hochwertige Lebensmittel zu sich nehmen. Eine besondere Situation liegt hinsichtlich der Versorgung mit Vitamin D vor, da der Bedarf im höheren Alter aufgrund der Hautalterung oft nicht mehr gedeckt werden kann. Eine Vitamin-D-Supplementierung mit mindestens 1000 IE/Tag ist oft indiziert.

Ergotherapie und Alltagstraining

Ergotherapie kann Parkinson-Patienten dabei helfen, ihre Fähigkeiten im Alltag zu erhalten oder wiederzuerlangen. Ein wichtiger Bestandteil der Ergotherapie ist das Alltagstraining, das speziell auf die Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten ist. Im Rahmen des Alltagstrainings können Patienten lernen, wie sie Kochhilfen und andere Hilfsmittel effektiv einsetzen, um ihre Selbstständigkeit in der Küche zu verbessern.

Ein Koch- bzw. Haushaltstraining in der Ergotherapie kann folgende Aspekte umfassen:

  • Selbstständiges Einrichten des Arbeitsplatzes und Organisieren der notwendigen Geräte und Küchenwerkzeuge
  • Kontrolle der Zutaten, Lesen und gedankliches Umsetzen des Rezepts, Erstellen eines Handlungsplans
  • Aufgabenteilung in der Gruppe
  • Abwägen und Dosieren der Zutaten nach Vorgabe
  • Kommunikation und Absprache mit anderen
  • Beachten von Sicherheitsvorkehrungen
  • Förderung der Sinneswahrnehmung (riechen, schmecken, sehen, hören, tasten)
  • Training kognitiver Fähigkeiten (Aufmerksamkeit, Konzentration, Aufgabenverständnis, Handlungsplanung)

Die Rolle der Angehörigen und Pflegekräfte

Angehörige und Pflegekräfte spielen eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von Parkinson-Patienten in der Küche. Sie können bei der Auswahl geeigneter Kochhilfen beraten, bei der Zubereitung von Mahlzeiten helfen und eine sichere und angenehme Essumgebung schaffen. Es ist wichtig, die Bedürfnisse und Vorlieben des Patienten zu berücksichtigen und ihm so viel Selbstständigkeit wie möglich zu ermöglichen.

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