Einführung
Eine kochsalzarme Ernährung ist nach einem Schlaganfall von entscheidender Bedeutung, um den Blutdruck zu senken und das Risiko weiterer Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu minimieren. In diesem Artikel werden die Gründe für eine solche Ernährung erläutert, praktische Tipps zur Umsetzung gegeben und wissenschaftliche Erkenntnisse vorgestellt, die die Vorteile einer reduzierten Salzzufuhr belegen.
Warum eine kochsalzarme Ernährung nach einem Schlaganfall wichtig ist
Der Zusammenhang zwischen Salz und Bluthochdruck
In Deutschland wird im Allgemeinen zu viel Salz konsumiert. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) bemängelt dies seit Jahrzehnten. Anstatt der empfohlenen maximal 6 Gramm Kochsalz pro Tag (ein Teelöffel), liegt der durchschnittliche Verzehr bei Männern bei 10 Gramm und bei Frauen bei 8,4 Gramm. Das Max Rubner-Institut (MRI) unterstützt die Empfehlung der DGE, da wissenschaftliche Hinweise darauf hindeuten, dass eine hohe Speisesalzaufnahme bei vielen Menschen mit erhöhtem Blutdruck einhergeht.
Etwa 20 Prozent der Erwachsenen in Deutschland leiden unter Bluthochdruck, und zunehmend weisen auch Jugendliche und Kinder zu hohe Werte auf. Ein erheblicher Teil dieser Patienten (30-50 Prozent) reagiert salzsensitiv, was bedeutet, dass ihr Blutdruck auf Kochsalz mit erhöhten Werten reagiert.
Auswirkungen von zu viel Salz auf den Körper
Zuviel Salz belastet nicht nur das Herz-Kreislauf-System, sondern auch die Nieren und kann zu Wasseransammlungen im Körper führen. Studien belegen, dass eine zu hohe Salzzufuhr das Risiko für Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle und einen früheren Tod erhöhen kann. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und andere Fachgesellschaften empfehlen daher, maximal 5 bis 6 Gramm Salz pro Tag zu sich zu nehmen.
Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie
Aufgrund dieser Zusammenhänge ist die Reduzierung des Salzgehalts in Lebensmitteln ein wichtiger Bestandteil der Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten (NRI) des BMEL. Diese Strategie umfasst die Selbstverpflichtung der Lebensmittelindustrie, Fertigprodukten weniger Zucker, Salz und bestimmte unerwünschte Fette zuzusetzen, sowie die Förderung der Ernährungskompetenz der Bevölkerung.
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Praktische Tipps für eine kochsalzarme Ernährung
Bewusstes Einkaufen und Kochen
- Salzgehalt beachten: Der Salzgehalt von Lebensmitteln muss auf der Packung angegeben sein. Vergleichen Sie die Angaben, um salzärmere Alternativen auszuwählen.
- Frische Zutaten bevorzugen: Essen Sie viel Gemüse und Obst. Die meisten Empfehlungen für eine gesunde und ausgewogene Ernährung sprechen sich für eine pflanzenbetonte Mischkost aus, was auch den Salzgehalt betrifft.
- Selbst kochen: Wenn Sie selbst kochen, bestimmen Sie, wieviel Salz und welches Salz in Ihr Essen kommt. Das gilt beispielsweise für Salatdressings, Dips und Quarkzubereitungen, die Sie ganz einfach selbst mixen können. Auch beim selbst gebackenen Brot können Sie die Salzmenge kontrollieren.
- "Jodsalz" oder "jodiertes Salz" bevorzugen: Bevorzugen Sie abgepackte Lebensmittel und Fertiggerichte, in deren Zutatenliste "Jodsalz" oder "jodiertes Salz" steht.
- Salzarme Varianten wählen: Oft werden in den Supermärkten auch salzarme Varianten beliebter Lebensmittel angeboten. So gibt es zum Beispiel Fetakäse, der eigentlich sehr salzig ist, auch salzreduziert. Auch bei Mineralwässern gibt es große Unterschiede bezüglich des natürlichen Natriumgehalts. Achten Sie beim Kauf darauf, dass auf der Flasche „natriumarm“ steht.
Vermeidung von versteckten Salzquellen
- Fertiggerichte und Fast Food meiden: Fertiggerichte und Fast Food enthalten oft sehr viel Salz. Eine Fertigpizza kann bis zu 5 Gramm enthalten.
- Fleischersatzprodukte beachten: Fleischersatzprodukte auf pflanzlicher Basis, wie vegetarische Wurstsorten, die hoch verarbeitet sind, enthalten oft sehr viel Salz - meist sogar mehr als das Original.
Würzen ohne Salz
- Kräuter und Gewürze nutzen: Ob Schnittlauch, Basilikum oder Koriander - nutzen Sie die Vielfalt frischer und getrockneter Kräuter, um Ihr Essen zu verfeinern. Knoblauch und Zwiebeln geben ebenfalls mehr Geschmack. Auch ein Schuss Apfelessig kann dem einen oder anderen Gericht mehr Pfiff verleihen. Hefeflocken und Würzpasten auf Hefebasis wirken als natürliche Geschmacksverstärker für Suppen und (Gemüse-)Ragouts.
- Experimentieren: Wenn Ihnen Speisen oft fad erscheinen und Sie häufig Ihr Essen nachsalzen, kann das ein Hinweis darauf sein, dass Sie sich an hohe Salzmengen gewöhnt haben. Achten Sie bewusst darauf, nicht nachzusalzen.
Kalium als Gegenspieler von Natrium
- Kaliumreiche Ernährung: Die American Heart Association erachtet unter Gesundheitsaspekten für Erwachsene 4,7 g Kalium pro Tag als notwendig und rät zur Reduktion der Natriumzufuhr auf maximal 1,5 g (= 3,75 g Salz) pro Tag. Essen Sie viel Gemüse und Obst, um Ihren Kaliumspiegel zu erhöhen.
- Kaliumsalz verwenden: Der Blutdruck lässt sich auch senken, indem man auf Kaliumsalz umsteigt. Das ist ein spezielles Diätsalz, bei dem ein Teil des Speisesalzes (Natriumchlorid) durch Kaliumsalz (Kaliumchlorid) ersetzt wird. Allerdings sollten Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion oder bei Einnahme bestimmter Medikamente vorsichtig sein.
Wissenschaftliche Erkenntnisse und Studien
Studien zur Salzreduktion und Blutdruck
Eine kleine US-Studie aus dem Jahr 2023 zeigte, dass eine salzarme Kost bei Patienten mit und ohne erhöhte Blutdruckwerte bereits nach einer Woche einen deutlichen Effekt hatte. Der Blutdruck sank im Mittel um 4 mmHg systolisch - unabhängig vom Bluthochdruckstatus und der Einnahme blutdrucksenkender Medikamente.
Die Bedeutung des Kalium-Natrium-Verhältnisses
Immer mehr Studien zeigen, dass es auf ein hohes Kalium-zu-Natrium-Verhältnis ankommt und dieses Verhältnis vermutlich wichtiger ist als eine alleinige Salzreduktion. Eine große US-Studie ergab, dass ein ungünstiges Natrium-zu-Kalium-Verhältnis in der Ernährung die Sterblichkeit um 46 % erhöhte.
Finnland als Vorbild
Die Finnen führten für besonders salzarme und salzhaltige Lebensmittel bestimmte Siegel ein, führten einen natriumreduzierten, kaliumreichen Salzersatz ein und ermutigten eine kaliumreiche Ernährung. Seit Beginn der Kampagne im Jahr 1972 bis 1992 sank der diastolische Blutdruck deutlich, und das Schlaganfallrisiko sank um 66 %.
Salzersatzstoffe
Um den Natriumgehalt zu senken, werden manchmal als Ersatz für Kochsalz kaliumangereicherte Salzersatzstoffe empfohlen. In einer chinesischen Studie (SSaSS; 2022) wurde nachgewiesen, dass der Ersatz von herkömmlichem Kochsalz durch Kaliumchlorid-haltiges Salz über fünf Jahre das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle deutlich reduzierte.
Kochsalzarme Ernährung bei Herzinsuffizienz
Warum Salz schlecht für das Herz ist
Ein erhöhter Salzverzehr führt dazu, dass im Körper vermehrt Wasser zurückgehalten wird, was zu einer zusätzlichen Herzbelastung und der Bildung von Wassereinlagerungen (Ödemen) führt. Untersuchungen zeigen, dass Männer im Durchschnitt 10 Gramm und Frauen 8,4 Gramm Salz am Tag zu sich nehmen, was für Menschen mit Herzschwäche eine zusätzliche Belastung darstellt.
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Tipps für eine salzarme Ernährung bei Herzinsuffizienz
- Nachsalzen vermeiden: Sehen Sie davon ab, Ihr Essen bei Tisch nachzusalzen.
- Kräuter statt Salz: Verwenden Sie zum Verfeinern von Speisen frische Kräuter anstatt Salz.
- Naturbelassene Lebensmittel: Kochen Sie möglichst mit naturbelassenen, frischen Lebensmitteln (ohne Konservierungsstoffe wie Kochsalz).
- Salzbomben vermeiden: Verzichten Sie auf salzig Eingelegtes, salziges Knabberzeug, gepökelte und geräucherte Produkte, würzigen Käse, Fertigbrühen, Fertigsaucen, Pommes frites, Tiefkühlpizzen und Würstchen.
Herzstärkende Lebensmittel
Eine mediterrane Ernährung mit Olivenöl, Nüssen, Fisch, Gemüse und Obst hat sich bei Herzinsuffizienz bewährt. Studien zeigen, dass Menschen aus dem Mittelmeerraum deutlich seltener mit einem Herzinfarkt zu kämpfen haben.
Trinkmenge bei Herzinsuffizienz
Menschen mit Herzinsuffizienz sollten ausreichend, aber nicht zu viel trinken. Meist liegt die empfohlene tägliche Trinkmenge bei 1,5 bis 2 Litern. Dies sollte individuell mit dem Arzt abgesprochen werden.
Alkohol und andere Genussmittel
Alkohol sollte nur in Maßen konsumiert werden, da er den Herzschlag und den Blutdruck erhöht. Rauchen sollte aufgegeben werden, da Nikotin zu Ablagerungen an den Gefäßwänden führt und die Sauerstoffversorgung des Körpers verschlechtert. Ein moderater Kaffeekonsum von ein bis zwei Tassen am Tag hat keine negativen Auswirkungen auf das Herz.
Gewicht und Ernährung
Übergewicht kann das geschwächte Herz zusätzlich belasten, während Untergewicht zu einer Verminderung der Muskelmasse führen kann. Die Kontrolle des Gewichts ist wichtig, um mögliche Wassereinlagerungen zu bemerken.
Kochsalzarme Ernährung und Autoimmunerkrankungen
Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass ein erhöhter Salzkonsum auch Autoimmunerkrankungen begünstigen könnte. Eine kochsalzarme Ernährungsweise könnte demnach auch in diesem Bereich positive Auswirkungen haben.
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