Alkohol ist eine der am häufigsten konsumierten psychoaktiven Substanzen weltweit. Obwohl in vielen Kulturen tief verwurzelt und gesellschaftlich akzeptiert, ist es wichtig, die Auswirkungen von Alkohol auf das Gehirn und den Körper zu verstehen. Dieser Artikel untersucht die vielfältigen Effekte von Alkohol, von kurzfristigen Beeinträchtigungen bis hin zu langfristigen Schäden.
Alkohol als Droge und Nervengift
Es ist wichtig zu betonen, dass Alkohol eine Droge ist. Markus Salinger, Suchtmediziner am Bezirkskrankenhaus Bayreuth, stellt klar: „Alkohol ist eine Droge.“ Es gibt keinen grundlegenden Unterschied zwischen Alkohol und anderen Drogen wie Kokain, Heroin oder Cannabis. Alle diese Substanzen haben das Potenzial, das Gehirn zu schädigen.
Alkohol ist auch ein Nervengift. Regelmäßiger und übermäßiger Alkoholkonsum kann zu einer Vielzahl von körperlichen und psychischen Problemen führen.
Kurzfristige Auswirkungen von Alkohol auf das Gehirn
Wenn Alkohol in den Körper gelangt, wird er schnell über die Schleimhaut des Dünndarms ins Blut aufgenommen und im ganzen Körper verteilt. Stark durchblutete Organe wie Leber und Gehirn sind besonders schnell betroffen. Im Gehirn beeinflusst Alkohol verschiedene Botenstoffe, die für die Informationsübertragung zwischen Nervenzellen zuständig sind.
Auswirkungen auf die Neurotransmitter
Alkohol wirkt sich hemmend oder dämpfend auf die Informationsübertragung im Gehirn aus. Er aktiviert die Rezeptoren für den Neurotransmitter GABA und blockiert gleichzeitig die Rezeptoren für Glutamat. Dies führt zu einer Verlangsamung der Zellprozesse und der Reizübertragung. Betroffene nehmen dies als verminderte Reaktionsfähigkeit, Schwindel, Beeinträchtigung des Sehvermögens und Schwierigkeiten bei der Einschätzung von Situationen wahr.
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Beeinträchtigung von Wahrnehmung und Reaktionsvermögen
Durch die Beeinflussung der Neurotransmitter verlangsamt Alkohol die Wahrnehmung und das Reaktionsvermögen. Dies kann im Straßenverkehr oder bei der Arbeit gefährlich werden, da die Fähigkeit, Informationen zu verarbeiten und zu speichern, beeinträchtigt wird.
Aktivierung des Belohnungssystems
Alkohol aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn, was in geringen Mengen zu Stimmungsaufhellung, Entspannung und Angstlösung führen kann. Es entsteht ein Wohlgefühl. Das Gehirn „merkt“ sich diese positiven Effekte, was zu einem Verlangen nach Alkohol in bestimmten Situationen führen kann.
Auswirkungen auf den Schlaf
Obwohl Alkohol zunächst schlaffördernd wirken kann, verkehrt sich dieser Effekt in der Nacht. Die beim Alkoholabbau entstehenden Giftstoffe lassen einen immer wieder aufwachen, und der Schlaf wird unruhiger. Alkohol beeinflusst zudem den Tiefschlaf, was dazu führt, dass man sich am Folgetag gerädert und abgeschlagen fühlt.
Dopamin und Alkohol
Dopamin ist ein Neurotransmitter, der oft als „Glückshormon“ bezeichnet wird. Alkohol verstärkt die Wirkung von Dopamin und stört den Dopaminspiegel. Dies kann kurzfristig zu positiven Gefühlen führen, aber langfristig gravierende Schwierigkeiten verursachen. Ein chronisch hoher Alkoholkonsum überstimuliert das dopaminerge System, was zu einer Abhängigkeit führen kann.
Der "Filmriss"
Ein extremes Beispiel für die dämpfende Wirkung von Alkohol ist der sogenannte „Filmriss“. Dabei funktioniert die Übertragung vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis nicht mehr. Im Extremfall kann die Erinnerung an die gesamte Nacht fehlen. Die Wahrscheinlichkeit dafür steigt, je schneller und je mehr Alkohol konsumiert wird, insbesondere in Kombination mit anderen Drogen.
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Langfristige Auswirkungen von Alkohol auf das Gehirn
Regelmäßiger und langfristiger Alkoholkonsum kann schwerwiegende und irreversible Schäden im Gehirn verursachen.
Schädigung der Gehirnstruktur
Alkohol verändert die Gehirnmasse und führt zu einer Verkleinerung des Gehirnvolumens. Die weiße Substanz, die fast die Hälfte des Gehirns ausmacht und aus Leitungsbahnen und Nervenfasern besteht, ist besonders betroffen.
Schrumpfung des Gehirns
Schon eine Flasche Bier am Tag kann bei regelmäßigem Konsum über einen längeren Zeitraum die graue und weiße Substanz im Gehirn schrumpfen lassen. Die graue Substanz, die die Großhirnrinde bildet und etwa 20 Milliarden Nervenzellkörper beherbergt, und die weiße Substanz, die aus den Zellfortsätzen (Axonen) besteht, sind beide wesentliche Bestandteile des zentralen Nervensystems und steuern nahezu alle Hirnfunktionen.
Beeinträchtigung kognitiver Fähigkeiten
Langfristiger Alkoholkonsum kann die Gedächtnisleistung, das Konzentrationsvermögen, das Urteilsvermögen und die Intelligenz dauerhaft beeinträchtigen. Es kann häufiger vorkommen, dass man Kleinigkeiten wie den Hausschlüssel vergisst oder öfter auf die Einkaufsliste schauen muss.
Erhöhtes Demenzrisiko
Regelmäßiger Konsum hoher Alkoholmengen erhöht das Risiko einer Demenzerkrankung stark. Personen ab 45 Jahren, die mehr als 24 Gramm reinen Alkohol (ca. 250 ml Wein) am Tag trinken, sind besonders gefährdet.
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Alkoholbedingte Nervenschäden
Alkohol kann bei regelmäßigem Konsum zu Nervenschäden führen, die sich in verschiedenen Formen äußern können, wie beispielsweise Taubheitsgefühlen, Kribbeln oder einem Verlust der Feinmotorik.
Auswirkungen von Alkohol auf andere Organe
Neben den Auswirkungen auf das Gehirn schädigt Alkohol auch andere Organe im Körper.
Leberschäden
Die Leber ist für den Abbau des Alkohols verantwortlich und von übermäßigem Konsum besonders stark betroffen. Es kann zu Fettleber, Leberzirrhose und Leberkrebs kommen.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Regelmäßiger Alkoholkonsum erhöht die Gefahr von Bluthochdruck und damit das Risiko für Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz, Schlaganfälle und Herzinfarkte.
Krebserkrankungen
Alkohol ist ein nachgewiesener Risikofaktor für Krebs insbesondere der Leber, in Mundhöhle, Rachenraum und Speiseröhre, des Enddarms und der Brustdrüse.
Magen-Darm-Erkrankungen
Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, Entzündungen der Magenschleimhaut und Magengeschwüre können Folgen von Alkohol sein.
Psychische Erkrankungen
Alkohol verstärkt Depressionen und Angststörungen und erhöht das Suizidrisiko.
Alkohol und Schwangerschaft
Schwangere Frauen sollten während ihrer Schwangerschaft auf Alkohol verzichten, da Alkoholkonsum ein erhebliches Risiko für die Gesundheit des ungeborenen Kindes darstellt. Alkohol gelangt durch die Plazenta direkt in das Blut des Fötus und kann zu schweren Schäden führen, wie beispielsweise dem fetalen Alkoholsyndrom (FAS).
Hinweise auf einen problematischen Alkoholkonsum
Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, wie häufig und wie viel man trinkt. Anzeichen für einen problematischen Alkoholkonsum können sein:
- Ein Kater am nächsten Morgen
- Nervenschädigungen
- Schädigungen des Kleinhirns und Verschlechterung der Gehirnfunktion
- Erkrankungen der Mundhöhle, der Speiseröhre und des Magen-Darm-Traktes
- Erkrankungen der Leber
- Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Sexuelle Dysfunktion
- Störungen der Blutbildung
- Schlafbezogene Atemstörungen
- Schwächung des Immunsystems
- Hautprobleme
- Psychische Probleme wie Depressionen und Angststörungen
- Erhöhte Gewaltbereitschaft
- Soziale Ausgrenzung und Probleme am Arbeitsplatz
Was tun bei Alkoholproblemen?
Wer bei sich selbst feststellt, dass er zu viel trinkt oder von einer Droge loskommen möchte, muss nicht sofort in die Klinik. Es gibt zahlreiche Suchthilfe- und ambulante Angebote sowie Selbsthilfegruppen. Wichtig ist, etwas zu unternehmen.