Kopfschmerzen und insbesondere Migräne sind weit verbreitete Beschwerden, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können. Viele Menschen suchen nach alternativen oder ergänzenden Behandlungsmethoden, um ihre Beschwerden zu lindern. Homöopathische Komplexmittel in Form von Globuli erfreuen sich dabei wachsender Beliebtheit. Dieser Artikel beleuchtet die Inhaltsstoffe und Wirkungsweise solcher Komplexmittel, insbesondere im Hinblick auf Migräne.
Einführung in die Homöopathie und Komplexmittel
Die Homöopathie ist eine alternative Heilmethode, die auf dem Prinzip "Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden" basiert. Das bedeutet, dass eine Substanz, die bei einem gesunden Menschen bestimmte Symptome hervorruft, in stark verdünnter Form (Potenzierung) zur Behandlung ähnlicher Symptome bei einem kranken Menschen eingesetzt werden kann.
Komplexmittel sind homöopathische Arzneimittel, die aus einer Kombination verschiedener Einzelmittel bestehen. Diese Einzelmittel werden aufgrund ihrer spezifischen Wirkungen auf bestimmte Symptome oder Krankheitsbilder ausgewählt und sollen sich in ihrer Wirkung ergänzen und verstärken.
Gelsemium sempervirens: Ein zentraler Inhaltsstoff in Migränemitteln
Ein häufig verwendeter Inhaltsstoff in homöopathischen Komplexmitteln gegen Migräne ist Gelsemium sempervirens, auch bekannt als Gelber Jasmin. Diese aus Nord- und Mittelamerika stammende Schlingpflanze wird in der Homöopathie vor allem bei Beschwerden eingesetzt, die mit Schwäche, Erschöpfung und nervlicher Anspannung einhergehen.
Wirkung von Gelsemium
Gelsemium gilt als wichtiges homöopathisches Mittel bei fieberhaften Infekten, die sich langsam entwickeln. Es soll die typischen Begleiterscheinungen wie Gliederschmerzen, Kopfweh und Zerschlagenheitsgefühl lindern und das Allgemeinbefinden bessern. Auch bei seelischem Stress wie Lampenfieber soll sich dieses homöopathische Mittel bewährt haben.
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Die wesentlichen Inhaltsstoffe der Pflanze sind verschiedene Alkaloide (wie Gelsemicin, Gelsemin und Sempervirin) sowie das Cumarin Scopoletin.
Homöopathen wenden das Mittel Gelsemium an, wenn die Hauptbeschwerde des Patienten Schwäche ist oder mit Schwäche einhergeht. Sie kann auch die Psyche betreffen und auf der geistigen, emotionalen und/oder körperlichen Ebene vorliegen.
Typische Anwendungsgebiete von Gelsemium
- Kopfschmerzen und Migräne: Dumpfe, pochende Kopfschmerzen, die im Nacken beginnen und über den Schädel bis zu den Augen strahlen. Sehstörungen wie Doppelsehen. Auslöser sind häufig Infekte, Stress oder Kummer. Oft in Verbindung mit Nackenschmerzen.
- Ängste: Prüfungsangst, Lampenfieber, Flugangst. Vor Erwartungsangst wie gelähmt. Gefühl zu versagen, Zittern.
- Erkältung, fiebriger Infekt, Grippe: Bei sich langsam entwickelnder Grippe mit leichtem bis mittelhohem Fieber. Ohne Durstgefühl, mit Kopf- und Halsschmerzen. Der Kranke fühlt sich benommen und zerschlagen. Das Gesicht ist rot und aufgedunsen. Schüttelfrost.
- Erschöpfung und Schwäche: Zerschlagenheitsgefühl nach Stress, vor Terminen oder in ungewohnten Situationen. Schlapp, energielos. Manchmal mit Benommenheit und Schwindel. Oft in Verbindung mit nervösem Durchfall.
- Fieber: Das Fieber steigt langsam. Dabei laufen Kälteschauer über den Rücken. Gesicht ist dunkelrot. Der Puls ist beschleunigt, aber schwach. Patient fühlt sich benommen, zerschlagen und fröstelt. Häufig kommen Kopfschmerzen hinzu.
Der Gelsemium-Typ
Für die Wirkung von Gelsemium auf die Psyche gilt: Die charakteristische Schwäche drückt sich beim Gelsemium-Typ im emotionalen Bereich durch die Unfähigkeit aus, sich Herausforderungen jeglicher Art zu stellen. Im Gemütsbereich wird der Gelsemium-Typ als schwach, vergesslich und mit einer Abneigung gegen geistige Arbeit beschrieben.
Anwendung und Dosierung von Gelsemium
Gelsemium ist ein homöopathisches Einzelmittel, das in Form von Streukügelchen (Gelsemium-Globuli), Tabletten oder Tropfen erhältlich ist. Auch viele homöopathische Komplexmittel enthalten Gelben Jasmin.
Fiebrige, grippale Infekte werden meist mit Gelsemium D6 behandelt. Das Mittel können Sie dann mehrmals täglich einnehmen, wobei Sie die Globuli unter der Zunge zergehen lassen. Im akuten Krankheitsfall nehmen Sie alle halbe oder ganze Stunde das Mittel ein. Sobald eine Besserung eintritt, vergrößern Sie die Zeitabstände der Einnahme. Bei anhaltender Besserung setzen Sie das Mittel ab.
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Werden die Globuli zur Behandlung von Lampenfieber oder Prüfungsangst eingesetzt, wählen Sie am besten Gelsemium C30 oder Gelsemium D30.
Weitere Inhaltsstoffe in Komplexmitteln gegen Kopfschmerzen
Neben Gelsemium können homöopathische Komplexmittel gegen Kopfschmerzen und Migräne weitere Inhaltsstoffe enthalten, die auf unterschiedliche Aspekte der Beschwerden abzielen. Einige Beispiele sind:
- Belladonna (Tollkirsche): Bei plötzlich auftretenden, heftigen Kopfschmerzen mit pochendem Charakter, oft begleitet von Fieber und Lichtempfindlichkeit. Die schwarze Tollkirsche - Atropa Belladonna - ist in der Homöopathie ein bewährtes Mittel bei plötzlich auftretenden Erkrankungen mit Fieber und Schmerzen. Den Namen Belladonna verbindet man mit der italienischen Bezeichnung für "schöne Frau". Der Saft der Pflanze erweitert die Pupillen, ein im Mittelalter geschätztes Attribut der Schönheit. Auf homöopathische Anwendungen der Tollkirsche sprechen symptomatisch viele akute Symptome an, die mit plötzlichen Erkrankungen einhergehen.
- Ignatia (Ignatiusbohne): Bei Kopfschmerzen, die durch Kummer, Stress oder seelische Belastungen ausgelöst werden. Ignatia ist ein wunderbares Heilmittel bei Beschwerden durch Kummer. Es hilft uns, Schicksalsschläge, beispielsweise den Verlust eines geliebten Menschen, besser zu verkraften.
- Cyclamen purpurascens: lindert Schmerzzustände bei Kopfschmerz und Migräne mit Flimmern vor den Augen
- Nux vomica: wird eingesetzt bei Kopfschmerzen nach geistiger Arbeit, die auch mit Übelkeit und Brechreiz einhergehen können.
- Sanguinaria canadensis: lindert migranöse Kopfschmerzen
- Melilotus officinalis, Primula veris und Thea chinensis: runden die Wirkung des Komplexmittels bei Kopfschmerzen ab
Die Bedeutung der Potenzierung
Ein wesentliches Merkmal der Homöopathie ist die Potenzierung, d.h. die Verdünnung und Verschüttelung (oder Verreibung) der Ausgangssubstanz. Durch diesen Prozess soll die Wirksamkeit der Substanz verstärkt und gleichzeitig ihre potenziellen Nebenwirkungen reduziert werden.
Homöopathische Mittel werden mithilfe von bestimmten Grundstoffen hergestellt. Diese werden in einen Lösungsstoff eingebracht, der immer weiter verdünnt wird. Je stärker der Wirkstoff verdünnt ist, desto stärker soll die Wirkung dieser Mittel sein. Aus diesem Grund finden Sie auf jeder Verpackung eine Angabe zur Potenz.
Die gebräuchlichsten Potenzierungsgrade sind D (Dezimalpotenz, 1:10 Verdünnung), C (Zentesimalpotenz, 1:100 Verdünnung) und LM (Q-Potenz, 1:50.000 Verdünnung). Die Wahl der Potenz hängt von der Art und Schwere der Beschwerden sowie von der individuellen Konstitution des Patienten ab.
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D-Potenzen zur Selbstbehandlung
Das Verlangen der Deutschen unkomplizierte Alltagsbeschwerden ohne ärztlichen Rat mit homöopathischen Globuli zu behandeln, wächst stetig. Oft sind es akute Erkrankungen wie eine Migräne, eine Magen-Darm-Verstimmung, eine Halsentzündung oder kleinere Sportverletzungen, die zur Selbstbehandlung animieren. Alle Ratgeber haben eines gemeinsam: Die Autoren empfehlen D-Potenzen zur Selbstbehandlung. Das hat besondere Gründe, warum diese sogenannten «Tiefpotenzen» Laien empfohlen werden. Die Höhe der jeweiligen D-Potenz kann zwischen einer D3 bis zur D12 variieren.
Über einhundert Jahre bestehen mannigfache Erfahrungen mit der Gabe von D-Potenzen im akuten Fall. Es gibt eine Art Faustregel: D-Potenzen wirken bei akuten Beschwerden grobstofflicher auf die Beschwerde. Ihr heilender Reiz auf den Organismus verliert sich schnell - und kann deshalb nicht nebenwirken oder nachwirken. Entweder helfen sie, oder sie helfen nicht.
Wichtiger als die D-Potenz Stufe (D2, 3, 4, 10, 12 oder höher), ist die Wahl der ähnlichsten Arznei. Nachrangig ist die Höhe der Potenz. Die Wahl der Stufe ist individuellen Vorlieben der Therapeuten überlassen. Es gibt kein «richtig» und kein «falsch». Für Laien bedeutet es, dass statt einer empfohlenen D12 durchaus auch eine D3 oder D8 eingenommen werden kann, da es keinen messbaren Unterschied in der Wirkung gibt. Es ist zu beachten, dass diese Potenzen nur zur Behandlung akuter Beschwerden ausprobiert werden sollte.
Je stärker die akute Erkrankung, desto häufiger werden die D-Potenz Globuli eingenommen: Bei einem Migräneanfall können es alle 5 Minuten 3 Globuli sein, die gelutscht werden. Bei einer weniger schmerzhaften Beschwerde, alle drei Stunden 5 Globuli. Bei einer Erkältung, die nicht vergehen will reicht es aus, zwei Tage lang dreimal täglich je 5 Globuli auf der Zunge zergehen zu lassen. Nebenwirkungen zeigen sich nicht. Die Einnahme ist entweder schnell erfolgreich (wenige Stunden bis zu maximal zwei Tagen später), oder sie ist es nicht und die Erkrankung wird nicht besser.
Anwendungshinweise und Dosierung
Bei der Anwendung von homöopathischen Komplexmitteln gegen Kopfschmerzen und Migräne sollten einige wichtige Punkte beachtet werden:
- Individuelle Mittelwahl: Die Wahl des geeigneten Komplexmittels sollte idealerweise durch einen erfahrenen Homöopathen oder Heilpraktiker erfolgen, der die individuellen Symptome und Begleitumstände des Patienten berücksichtigt.
- Dosierung: Die Dosierung von homöopathischen Mitteln ist abhängig von der Potenz, der Art und Schwere der Beschwerden sowie der individuellen Reaktion des Patienten. Es ist ratsam, sich an die Empfehlungen des Therapeuten oder die Angaben in der Packungsbeilage zu halten.
- Einnahme: Homöopathische Globuli sollten idealerweiseSublingual eingenommen werden, d.h. unter die Zunge gelegt werden, wo sie langsam zergehen können. Dies ermöglicht eine bessere Aufnahme der Wirkstoffe über die Mundschleimhaut.
- Beobachtung: Während der Behandlung sollten die Symptome und Begleitumstände genau beobachtet werden, um die Wirkung des Mittels beurteilen und gegebenenfalls die Behandlung anpassen zu können.
- Selbstmedikation: Bei starken oder unklaren Kopfschmerzen sowie bei Migräne sollte immer ein Arzt konsultiert werden, um mögliche Ursachen abzuklären und eine geeignete Therapie einzuleiten. Die Selbstmedikation mit homöopathischen Mitteln sollte nur bei leichten bis mittelschweren Beschwerden und nach Rücksprache mit einem Therapeuten erfolgen.
Wissenschaftliche Bewertung der Homöopathie
Das Konzept der Homöopathie und ihre spezifische Wirksamkeit sind in der Wissenschaft umstritten und durch Studien nicht eindeutig belegt. Viele Studien haben keine über den Placebo-Effekt hinausgehende Wirksamkeit von homöopathischen Mitteln nachweisen können. Dennoch berichten viele Patienten von positiven Erfahrungen mit der Homöopathie und ihren Komplexmitteln.
Es ist wichtig zu betonen, dass homöopathische Behandlungen nicht als Ersatz für eine konventionelle medizinische Versorgung angesehen werden sollten, insbesondere bei schweren oder lebensbedrohlichen Erkrankungen.
Fazit
Homöopathische Komplexmittel können eine Option für Menschen sein, die unter Kopfschmerzen und Migräne leiden und nach alternativen oder ergänzenden Behandlungsmethoden suchen. Die Inhaltsstoffe dieser Mittel, wie Gelsemium sempervirens und andere, zielen darauf ab, die Symptome zu lindern und die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren.
Es ist jedoch wichtig, sich vor der Anwendung homöopathischer Mittel von einem erfahrenen Therapeuten beraten zu lassen und die Grenzen dieser Therapieform zu kennen. Bei starken oder unklaren Beschwerden sollte immer ein Arzt konsultiert werden, um mögliche Ursachen abzuklären und eine geeignete Therapie einzuleiten.
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