Die Neurologie befasst sich mit Erkrankungen des Nervensystems. Die Leistungen, die von den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) in diesem Bereich übernommen werden, sind vielfältig und sollen eine umfassende Versorgung gewährleisten. Dieser Artikel bietet einen detaillierten Überblick über die neurologischen Leistungen der GKV, ergänzt durch Informationen zu individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) und aktuellen Entwicklungen.
Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse im Bereich Neurologie
Die GKV deckt ein breites Spektrum an neurologischen Leistungen ab, um eine umfassende Versorgung der Patienten zu gewährleisten. Dazu gehören:
- Diagnostik: Die neurologische Diagnostik umfasst verschiedene Verfahren zur Erkennung und Abklärung von Erkrankungen des Nervensystems. Dazu gehören die Anamnese, die körperliche Untersuchung und technische Zusatzuntersuchungen.
- Anamnese: Die Erhebung der Krankengeschichte ist ein wichtiger Bestandteil der neurologischen Untersuchung.
- Körperliche Untersuchung: Hierbei werden die Funktion der Hirnnerven, der Reflexstatus, die Motorik, die Koordination und die Sensibilität getestet.
- Elektrophysiologische Untersuchungen: Dazu gehören EEG (Elektroenzephalographie), NLG (Elektroneurographie der Nerven), EMG (Elektromyographie) sowie VEP, AEP als auch SSEP (Evozierte Potentiale: visuell, akustisch, somatosensibel).
- Ultraschalluntersuchung: Die Duplexsonographie der hirnzuführenden Gefäße und der peripheren Nerven gehört ebenfalls zur neurologischen Diagnostik.
- Behandlung: Die GKV übernimmt die Kosten für die Behandlung neurologischer Erkrankungen wie Kopf- und Gesichtsschmerzen (z.B. Migräne, Trigeminusneuralgie), Multiple Sklerose, Epilepsie, Parkinson-Syndrom, Lähmungen an den Extremitäten, Karpaltunnel-Syndrom, Polyneuropathie, Schwindel, Folgen eines Schlaganfalls, Bewegungsstörungen oder Muskelerkrankungen.
- Stationäre Aufnahme und vorstationäre Behandlung: Für Patienten, die bei einer GKV versichert sind, ist sowohl für die stationäre Aufnahme als auch für eine eventuelle vorstationäre Behandlung im Krankenhaus eine schriftliche Krankenhaus-Einweisung durch den Hausarzt oder einen Facharzt notwendig.
- Rezeptbestellung: Viele Praxen bieten die Möglichkeit zur Online-Rezeptbestellung an.
Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) in der Neurologie
Neben den von der GKV übernommenen Leistungen gibt es eine Reihe von individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL), die Patienten auf eigenen Wunsch in Anspruch nehmen können. Diese Leistungen sind in der Regel nicht im Leistungskatalog der GKV enthalten und müssen selbst bezahlt werden. Einige Beispiele für IGeL in der Neurologie sind:
- Vorsorge und Früherkennung:
- Screening der Hirnleistung: Verschiedene Vorsorge-/Screening-Pakete hinsichtlich der Gedächtnisleistung, einschließlich Gesprächen, Gedächtnistests sowie ggf. EEG und Blutentnahmen.
- Schlaganfallvorbeugung: Screening-Pakete zur Ermittlung des individuellen Schlaganfallrisikos und Beratung zur Vorbeugung, einschließlich Gespräch, Untersuchung, Laboruntersuchungen und Ultraschalldiagnostik.
- Ultraschall der hirnversorgenden Blutgefäße: Untersuchung der Halsgefäße ("extrakraniell") mit oder ohne Untersuchung der Gefäße im Gehirn selbst ("transkraniell").
- Spezielle Therapien:
- Botulinumtoxin-Therapie: Behandlung von Migräne, Spannungskopfschmerzen und Gesichtsfalten mit Botulinum-Toxin. Es gibt auch noch nicht zugelassene, aber wirksame Indikationen wie Sialorrhoe (Speichelfluss) und Hyperhidrose (übermäßiges Schwitzen).
- Kinesio-Taping: Bei Verspannungen, Schmerzen des Muskel- und Skelettsystems, bestimmten Kopfschmerzformen etc.
- Eigenbluttherapie: Verabreichung einer kleinen Menge des eigenen Blutes in Form einer Injektion oder Infusion.
- Neuraltherapie: Injektionen mit einem schmerzlindernden Medikament direkt unter die Haut.
- Blutegeltherapie: Einsatz bei verschiedenen Erkrankungen, einschließlich Gelenkerkrankungen, Venenerkrankungen sowie zur Schmerzlinderung bei entzündlichen Erkrankungen.
- Weitere IGeL:
- Hirnleistungsdiagnostik: Zur Abgrenzung von normaler Altersvergesslichkeit von dementiellen Erkrankungen.
- Erstellung eines Schlaganfall-Risiko-Profils ("Stroke-Check").
- Hochtontherapie nach Dr.
- Neuropsychologische Testuntersuchungen: Untersuchung der kognitiven Leistungsfähigkeit und des Gedächtnisses beim Gesunden.
- Neurofeedback: EEG-gestützte Lernmethode zur Verstärkung von bestimmten Frequenzen, um Verhaltensmuster positiv zu verändern.
- Ultraschalluntersuchung von Nerven-Schädigungen: Genauere Bestimmung von Schädigungsorten bei Nerven-Schädigungen.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Kosten für IGeL nicht von der GKV übernommen werden. Patienten sollten sich vor der Inanspruchnahme einer IGeL umfassend über die Kosten und den Nutzen der Behandlung informieren.
Aktuelle Entwicklungen und Innovationen in der Neurologie
Die Neurologie ist ein sich ständig weiterentwickelndes Feld. Es gibt eine Reihe von aktuellen Entwicklungen und Innovationen, die das Potenzial haben, die Versorgung von Patienten mit neurologischen Erkrankungen zu verbessern. Dazu gehören:
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- Neue Therapieverfahren: Es werden ständig neue Therapieverfahren für neurologische Erkrankungen entwickelt, wie z.B. die prinzipiell reversible Hirnschrittmachertherapie, die aktuell bei Krankheiten wie Depression, Alkoholabhängigkeit, Zwangserkrankungen überprüft wird.
- Fortschritte in der Diagnostik: Neue bildgebende Verfahren und Biomarker ermöglichen eine immer genauere Diagnostik neurologischer Erkrankungen. Ein Beispiel ist die neue Methode der ULTRASCHALLDIAGNOSTIK VON NERVEN.
- Telemedizin: Telemedizinische Anwendungen ermöglichen es, Patienten auch aus der Ferne zu betreuen und zu behandeln.
Die Rolle der Universitätskliniken
Universitätskliniken spielen eine wichtige Rolle in der neurologischen Versorgung. Sie bieten eine hochspezialisierte Versorgung für Patienten mit komplexen neurologischen Erkrankungen und sind oft an der Entwicklung und Erprobung neuer Therapieverfahren beteiligt. Die Klinik für Neurologie der Knappschaft Kliniken Universitätsklinikum Bochum beispielsweise gewährleistet durch die Kombination verschiedener Schwerpunkte und die Einbeziehung von Nachbardisziplinen eine optimale Betreuung von Patienten mit sämtlichen neurologischen Krankheitsbildern. Die Ärzte sind klinisch und wissenschaftlich exzellent ausgewiesen und nehmen regelmäßig an nationalen und internationalen Fachkongressen teil, um Patientinnen und Patienten eine qualitativ herausragende Therapie nach den höchsten Standards anbieten zu können.
Fortbildungsveranstaltungen für Neurologen
Regelmäßige Fortbildungsveranstaltungen sind wichtig, um Neurologen über die neuesten Entwicklungen und Innovationen in ihrem Fachgebiet auf dem Laufenden zu halten. Das Bochumer Neurologie-Forum ist eine solche Veranstaltung, die von der RG-Ärztefortbildung unter wissenschaftlicher Leitung von Frau Prof. Dr. Dr. Corinna Seliger-Behme und Prof. Dr. Jörg Wellmer veranstaltet wird. Auch EEG-Kurse, wie der EEG-Kurs der Ruhr-Epileptologie, sind wichtige Fortbildungsmöglichkeiten.
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