Schmerzen im Bereich des Brustbeins sind ein häufiges Symptom, das viele Menschen beunruhigt. Oft wird dabei zuerst an einen Herzinfarkt oder eine Angina Pectoris gedacht. Die Ursachen für Nervenschmerzen unter dem Brustbein können jedoch vielfältig sein und reichen von harmlosen bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen. Eine ärztliche Abklärung ist daher unerlässlich.
Einführung
Dieser Artikel soll einen Überblick über die verschiedenen Ursachen von Nervenschmerzen unter dem Brustbein geben, die Symptome erläutern und die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten aufzeigen. Dabei werden sowohl Ursachen, die unmittelbar lebensbedrohlich sind, als auch solche, die weniger bedrohlich sind, aber dennoch eine ärztliche Behandlung erfordern, berücksichtigt.
Anatomie des Brustbeins
Das Brustbein (Sternum) ist ein flacher, länglicher Knochen in der Mitte der vorderen Brustwand. Es ist ein wichtiger Bestandteil des Skelettsystems und schützt das Herz und die großen Blutgefäße vor äußeren Einflüssen. Zudem ist es der Knotenpunkt, der die Rippen und zahlreiche Muskelansätze verbindet und somit eine wichtige stabilisierende Funktion im Brustkorb übernimmt. Die hinter dem Brustbein gelegenen Strukturen werden als retrosternal bezeichnet, die seitlich gelegenen als parasternal. Bei Schmerzen hinter dem Brustbein spricht man deshalb auch von retrosternalen Schmerzen.
Mögliche Ursachen für Nervenschmerzen unter dem Brustbein
Die Ursachen für Nervenschmerzen unter dem Brustbein sind vielfältig und können unterschiedliche Organsysteme betreffen. Im Folgenden werden einige der häufigsten Ursachen näher erläutert:
Herzerkrankungen
Herzinfarkt
Typische Symptome eines Herzinfarkts sind Atemnot, Druck und Engegefühl in der Brust sowie heftige Schmerzen, die in den linken Arm, Oberbauch, Rücken, Hals, Kiefer oder die Schulterblätter ausstrahlen können. Hinter dem Brustbein (retrosternal) treten starke brennende Schmerzen auf. Kalter Angstschweiß und blasse Gesichtshaut sind häufig. Bei Frauen zeigt sich ein Herzinfarkt oft mit wenig dramatischen Beschwerden und wird daher mitunter nicht erkannt. Der typische starke und ausstrahlende Brustschmerz ist bei Frauen oft weniger heftig als bei Männern. Frauen berichten eher von einem Druck- oder Engegefühl in der Brust, Rücken- und Oberbauchbeschwerden mit Übelkeit und Erbrechen. Halten die Schmerzen länger als fünf Minuten an oder werden die Beschwerden als besonders heftig erlebt, sollte der Notarzt (Telefon 112) gerufen werden. Obwohl ein Herzinfarkt eher plötzlich aufzutreten scheint, berichten viele Patienten von Vorboten wie Brustenge oder brennenden Beschwerden in Ruhe, bei leichter Belastung oder nachts einen bis zwei Tage vor dem Akutereignis. Beim Herzinfarkt entspricht der Schmerz nach Lokalisation und Ausstrahlung der Angina pectoris. Er ist in der Regel aber stärker, hält länger an und spricht nicht auf Nitro-Spray an. Häufig geht der Schmerz dann mit einem starken Angstgefühl ("Vernichtungsschmerz"), Schwächegefühl und starker Unruhe einher. Viele Patienten schwitzen, haben Luftnot und klagen über Übelkeit bis hin zum Erbrechen. Schlimmstenfalls können z.B. Herzrhythmusstörungen zu einem Herzstillstand und plötzlichen Bewußtseinsverlust führen. Diabetiker haben ein besonderes Risiko stumme Herzinfarkte zu erleiden.
Lesen Sie auch: Der Zusammenhang zwischen Medikamenten und Polyneuropathie
Angina Pectoris
Die "koronare Herzkrankheit" (KHK) ist durch Verengungen der Herzkranzgefäße gekennzeichnet. Je nach dem Ausmaß der Verengung und der daraus resultierenden Flußbehinderung des Blutes können für diese Erkrankung typische Beschwerden auftreten. Häufigstes Symptom sind belastungsabhängige Schmerzen im Brustkorb, insbesondere linksseitig. Daher der Fachausdruck Angina pectoris ("Enge im Brustkorb"). Am häufigesten zeigen sich Schmerzen, welche hinter dem Brustbein oder der linksseitigen vorderen Brustkorbseite auftreten. Diese Schmerzen können dann auch in die Schulter, den Rücken, Bauch, Arm, Hals und sogar Unterkiefer austrahlen. Häufig werden diese Beschwerden nicht als typischer Schmerz wahrgenommen, sondern eher als ein dumpfes Druckgefühl, Engegefühl oder Brennen. Bei der Angina pectoris, einer Schmerzempfindung im Brustkorb, die durch eine vorübergehende Minderdurchblutung des Herzmuskels gekennzeichnet ist, liegt die Schmerzdauer in der Regel zwischen 5 und 30 Minuten. Typischerweise sprechen diese Beschwerden auch gut auf "Nitro-Spray" an, d.h. die Angina pectoris entspricht einer vorübergehenden Mangeldurchblutung des Herzens. Blutdruckspitzen von bis zu 230 Millimeter-Quecksilbersäule (mmHg) rufen unter Umständen Beschwerden hervor, die der Angina pectoris ähneln: Atemnot und Schmerzen am Brustbein, teilweise auch Herzschmerzen. Bei der stabilen Form hingegen kommen die Schmerzen plötzlich, oft auch in Ruhe, sie sind stärker oder halten länger an. Insgesamt geht die Symptomatik mit einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität einher.
Aortenklappenstenose
Eine Verengung der Herzklappe (Aortenklappenstenose) am Ausgang der linken Herzkammer (Aortenklappe) behindert den Blutausstrom. Dadurch kommt es gegebenenfalls zu immer wiederkehrenden Angina-pectoris-Symptomen, die mit der Zeit an Stärke zunehmen.
Mitralklappenprolaps
Bei diesem Herzklappenfehler ist die Herzklappe zwischen linkem Vorhof und linker Herzkammer (Mitralklappe) vorgewölbt. Das verursacht bei den Betroffenen manchmal Schmerzen in der Brust. Nur selten erwachsen aus einem Mitralklappenprolaps spürbare, gesundheitliche Beschwerden, eine ärztliche Untersuchung ist dennoch sinnvoll.
Perikarditis
Typischerweise löst eine Perikarditis ein Stechen in der Brust aus, das sich beim tiefen Einatmen und Husten verstärkt. Auch im Liegen auf der linken Seite verschlimmern sich die Beschwerden. Die Entzündung wird häufig von Fieber und Kurzatmigkeit begleitet.
Erkrankungen der Speiseröhre
Refluxkrankheit (GERD)
Brennende Schmerzen hinter dem Brustbein können auch eine weniger bedrohliche Ursache haben, nämlich Magensäure, die unphysiologischerweise vom Magen zurück in die Speiseröhre fließt und die Schleimhaut reizt. Bei der Refluxkrankheit führt der Rückfluss des Mageninhalts zu einer Entzündung des Ösophagus und typischen Beschwerden wie Sodbrennen, brennenden retrosternalen Schmerzen, Dysphagie, Übelkeit, Erbrechen und Hustenreiz. Eine GERD ist primär eine Erkrankung des Übergangs vom Magen zur Speiseröhre, also der mechanischen Antirefluxbarriere. Refluxbeschwerden wie saures Aufstoßen und Sodbrennen werden häufig mit PPI behandelt. Löst ein Säurerückfluss aus dem Magen in die Speiseröhre die Beschwerden aus, ist die Therapie meist erfolgreich. Spiralförmig angeordnete Muskeln des unteren Ösophagussphinkters verhindern den Reflux. Jedoch können etliche Faktoren den Sphinkter negativ beeinflussen, zur Pathogenese von GERD oder NERD beitragen oder eine Gastritis begünstigen. Sind die Epithelzellen des Magens intakt und wird ausreichend Schleim produziert, ist die Magenschleimhaut vor dem sauren Magensaft geschützt. Bei einer Dysbalance der Schutzfaktoren kommt es zur Entzündung.
Lesen Sie auch: Achtung: Diese Medikamente können Schlaganfälle auslösen
Ösophagusruptur
Als Folge einer bestehenden Refluxkrankheit oder einer vorgeschädigten Speiseröhre kommt es bei starkem Druck (zum Beispiel beim Erbrechen) in seltenen Fällen zu einem Speiseröhrenriss. Dies löst ein heftiges Stechen in der Brust aus, außerdem blutiges Erbrechen, Atemnot, manchmal Schock, später Fieber und Sepsis.
Sodbrennen
Bei Sodbrennen steigt Magensäure in die Speiseröhre (Ösophagus) auf. Dies löst unter Umständen starke Schmerzen in der Brust (retrosternal) aus, häufig auch beim Trinken oder Schlucken. Bei manchen Menschen passiert das nur gelegentlich, andere haben häufiger Sodbrennen, was unter Umständen auf die Refluxkrankheit (Refluxösophagitis) hindeutet.
Erkrankungen des Mediastinums
Mediastinitis
Eitrige Infektionen dringen mitunter in den Mittelfellraum zwischen den beiden Lungenflügeln (Mediastinum) ein und lösen dort schwerwiegende Entzündungen aus. Ein starkes Ziehen in der Brust, begleitet von hohem Fieber bis zur Bewusstseinstrübung und schweren allgemeinen Krankheitszeichen sind mögliche Alarmsignale.
Erkrankungen des Bewegungsapparates
Brustwandsyndrom (Interkostalmyalgie)
Beim Brustwandsyndrom treten Schmerzen im Bereich des Brustkorbs auf, deren Ursache im Bewegungsapparat liegt, also im Bereich der Muskeln und Knochen. Ärzt*innen bezeichnen dies als Interkostalmyalgie. Oft rufen Muskelverspannungen die Beschwerden hervor. Die Brustschmerzen sind in diesem Fall meist stechend und treten auf der linken Seite oder hinter dem Brustbein auf. Dabei besteht oft die Sorge, dass sich eine schwerwiegende Erkrankung des Herzens oder der Lunge dahinter verbirgt, z. B. ein Herzinfarkt oder eine Lungenentzündung. Es handelt sich aber um harmlose Beschwerden. Muskelverspannungen, die in einem bestimmten Bereich oder nur an einem Punkt auftreten, Schmerzen, die durch Druck auf den begrenzten Bereich wiederholt ausgelöst werden können, stechende Schmerzen, Schmerzen, die nur sehr kurz (unter 5 Sekunden) oder mehr als eine halbe Stunde andauern, Schmerzen, die beim Einatmen zunehmen, Schmerzen, die sich durch eine bestimmte Bewegung oder eine andere Körperhaltung verändern, Schmerzen, die innerhalb einiger Sekunden nach dem Hinlegen abnehmen, Schmerzen, die nach dem Essen innerhalb einiger Sekunden abnehmen. Die Ursache für ein Brustwandsyndrom ist nicht immer eindeutig zu bestimmen. Häufig sind Muskelverspannungen der Grund. Stress und Angst können die Entstehung eines Brustwandsyndroms begünstigen.
Interkostalneuralgie
Bei einer Interkostalneuralgie handelt es sich um einen Schmerz zwischen den Rippen, der durch einen gereizten Nerv hervorgerufen wird. Die Ursachen können vielfältig sein. Betroffene leiden dabei unter einer schmerzhaften Reizung von einem oder mehreren Zwischenrippennerven (Interkostalnerven). Die Schmerzen treten entlang der Nervenbahnen auf, die zwischen den Rippen von der Wirbelsäule bis zum Brustbein und zur Bauchdecke verlaufen. Durch verschiedene Ursachen wird entweder ein Nerv direkt geschädigt oder die ihn umgebende Struktur. Die Schmerzen können bei einer Interkostalneuralgie scharf, brennend oder stechend sein. Der Schmerz ist mitunter anhaltend zu spüren, kann aber auch zwischendurch nachlassen und wiederkehren (intermittierend). Neben den Schmerzen treten in manchen Fällen unwillkürliche Zuckungen einzelner Muskelgruppen auf. Taubheitsgefühle und Kribbeln sind ebenfalls mögliche Symptome. Durch körperliche Aktivität oder bestimmte Bewegungen wie eine Drehung des Oberkörpers oder Springen, Lachen, Husten und Niesen kann sich der Schmerz verstärken. Da die Rippenmuskeln an der Atmung beteiligt sind, kann es auch zu einer ausgeprägten Schmerzverstärkung bei tiefem Ein- und Ausatmen und sogar zu einem Gefühl der Atemnot kommen. Selbst wenn die jeweilige Ursache der Interkostalneuralgie - zum Beispiel ein Bandscheibenvorfall - bereits abgeklungen ist, können die Schmerzen noch fortbestehen.
Lesen Sie auch: Symptome und Diagnose von Muskelbedingter Nervenkompression
Xiphoid-Syndrom
Entzündungen oder Irritationen des Schwertfortsatzes (Processus xiphoideus) können Schmerzen in diesem Bereich verursachen. Frakturen oder Prellungen der unteren Rippen können ebenfalls Schmerzen in diesem Bereich hervorrufen, insbesondere bei Bewegung oder Druck. Das Xiphoid-Syndrom ist eine der möglichen Ursachen für Schmerzen unterhalb des Brustbeins. Es betrifft den Schwertfortsatz, einen kleinen, knorpeligen Fortsatz am unteren Ende des Brustbeins. Wenn dieser Bereich durch Überlastung, Verletzungen oder Entzündungen gereizt wird, kann es zu akuten oder chronischen Schmerzen kommen. Das Xiphoid-Syndrom tritt häufig bei Menschen auf, die viel Sport treiben, schwere körperliche Arbeit leisten oder nach einer Verletzung, wie einem Schlag auf den Brustkorb, Schmerzen erleben. Die Schmerzen sind typischerweise drückend und können durch bestimmte Bewegungen oder das Drücken auf den betroffenen Bereich verstärkt werden.
Weitere Ursachen
Zwerchfellhernie
Unter einer Zwerchfellhernie (Hiatushernie, Zwerchfellbruch) versteht man einen Spalt im Zwerchfell. Wenn der Magen teilweise oder vollständig durch diesen Spalt nach oben in den Brustkorb rutscht, führt das zu starken Schmerzen in der Brust.
Roemheld-Syndrom
Dabei kommt es zu Gasansammlungen im Bauchraum, die das Zwerchfell nach oben drücken und so Herzbeschwerden verursachen, die sich häufig durch Stechen in der linken Brust und dem Herzen, Herzstolpern, Atemnot und Druckgefühl äußern.
Psychische Faktoren
Nicht zu unterschätzen ist der Einfluss der Psyche. Stress und Angstgefühle rufen unter Umständen Beklommenheit und Schmerzen in der Brust hervor. Manchmal werden die Beschwerden fälschlicherweise als Angina-pectoris-Symptome interpretiert. Zudem sind Muskel- und Skelett- sowie Magen-Darm-Probleme, die solche Beschwerden verursachen, häufig.
Diagnose von Nervenschmerzen unter dem Brustbein
Die Diagnose von Nervenschmerzen unter dem Brustbein erfordert eine sorgfältige Anamnese, eine körperliche Untersuchung und gegebenenfalls weitere diagnostische Maßnahmen.
Anamnese
Wichtig ist für den Arzt die genaue Beschreibung des Schmerzes: Wann, wo, wie oft, wie lange und in welcher Form tritt er auf. Der Arzt wird gezielt nach der Schmerzgeschichte, etwa nach der Art, Intensität und Dauer der Beschwerden, fragen. Auch Informationen zu möglichen Verletzungen oder zugrunde liegenden Erkrankungen wie Magen-Darm-Problemen sind wichtig. Er oder sie erkundigt sich zum Beispiel nach zurückliegenden Operationen des Brustkorbs, Verletzungen oder einer Gürtelrose-Erkrankung.
Körperliche Untersuchung
Im Rahmen der körperlichen Untersuchung wird der Brustkorb untersucht, und es werden Herz und Lunge abgehört. Insbesondere gewisse Triggerpunkte reagieren überempfindlich auf Berührungen und erzeugen Schmerzreize, wenn eine Interkostalneuralgie vorliegt. Treten beim Abtasten des empfindlichen Bereichs oder beim Beugen des Oberkörpers zur betroffenen Seite verstärkt Schmerzen auf, ist dies ein Hinweis für den Arzt oder die Ärztin, dass es sich um eine Interkostalneuralgie handelt (Schepelmann-Zeichen). Möglich ist aber auch, dass die Empfindsamkeit verringert ist. Sind Farbveränderungen der Haut vorhanden, bieten sie einen weiteren Hinweis.
Weitere diagnostische Maßnahmen
Bei Erwachsenen werden in der Regel zunächst wichtige Tests gemacht, um lebensbedrohliche oder sehr ernsthafte Ursachen des Brustbeinschmerzes auszuschließen. Häufig verbleiben Patienten zur Beobachtung erst einmal im Krankenhaus. Zu den Tests gehören die Messung des Sauerstoffgehalts im Blut (Pulsoximetrie) mit einem Sensor am Finger, ein EKG und in der Regel eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs. Es werden wahrscheinlich auch bestimmte Blutwerte bestimmt, so kardiale Marker (hochsensitives Troponin), um einen Herzinfarkt oder eine instabile Angina pectoris auszuschließen. Besteht der Verdacht auf eine Lungenembolie, werden weitere Untersuchungen durchgeführt, z.B. eine CT-Angiografie der Lunge oder ein Lungenscan. Bei Ursachen im Verdauungstrakt werden unter Umständen verschiedene Röntgenaufnahmen durchgeführt sowie Blut- und Ultraschalluntersuchungen oder Endoskopien. Orthopädische Ursachen von brennen hinter dem Brustbein sind eher chronischer Natur. Bei sich verstärkenden Beschwerden oder neu auftretenden, akuten und stärkeren Schmerzen oder Red-Flag-Symptomen (zum Beispiel Schwierigkeiten beim Wasserlassen) sind - neben der ganzheitlichen körperlichen Untersuchung - bildgebende Verfahren die erste Wahl, um genauere Auskünfte über die Ursachen der Schmerzen zu erhalten. Auch bildgebende Verfahren können zum Einsatz kommen. Bei einem Röntgenbild werden beispielsweise Brüche oder knöcherne Fehlstellungen im Brustraum sichtbar. Ein MRT (Magnetresonanztomografie) oder CT (Computertomografie) mit mehrschichtigen Aufnahmen ist angebracht, um beispielsweise Organerkrankungen als Grund für die Beschwerden auszuschließen. Ein MRT des Schwertfortsatzes wird dann angefordert, wenn der Verdacht besteht, dass das Xiphoid-Syndrom oder eine andere strukturelle Veränderung im Bereich des Schwertfortsatzes vorliegt. Dies kann bei anhaltenden oder chronischen Schmerzen unterhalb des Brustbeins der Fall sein, wenn die Schmerzen durch andere bildgebende Verfahren wie Röntgen nicht ausreichend erklärt werden können.
Behandlung von Nervenschmerzen unter dem Brustbein
Die Behandlung von Nervenschmerzen unter dem Brustbein richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.
Medikamentöse Therapie
- Protonenpumpeninhibitoren (PPI): In der Akuttherapie aller Refluxerkrankungen sind Protonenpumpeninhibitoren (PPI) Mittel der Wahl. Für einen Einnahmezeitraum bis zu 14 Tagen stehen in der Selbstmedikation Esomeprazol, Omeprazol und Pantoprazol (jeweils 20 mg) zur Verfügung. In der Apotheke ist darauf hinzuweisen, dass PPI morgens nüchtern 30 bis 60 Minuten vor dem Frühstück und abends in gleichem Abstand vor einer großen Mahlzeit eingenommen werden. Mit der vollen Wirkung ist erst nach drei bis fünf Tagen zu rechnen. Bei Personen mit Polymedikation ist Pantoprazol wegen des geringeren Interaktionspotenzials dem Omeprazol vorzuziehen. Das Absetzen der PPI sollte zur Vermeidung eines Säure-Rebounds schrittweise erfolgen.
- Antazida: Bei leichterer Symptomatik binden Antazida (Hydrotalcit, Alginate, Sucralfat) die Magensäure. Sie werden anderthalb bis zwei Stunden nach einer Mahlzeit und im Abstand von zwei Stunden zu anderen Medikamenten eingenommen.
- Analgetika: Dazu gehören Schmerzmittel oder Analgetika.
- Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR): Um die Schmerzen einer (chronischen) Interkostalneuralgie zu reduzieren, gibt es mehrere Medikamente, die individuell eingesetzt werden: nichtsteroidale entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAIDs)
- Antidepressiva: Antidepressiva, die eine Weiterleitung der Schmerzsignale unterdrücken
- Antiepileptika: Arzneimittel zur Behandlung epileptischer Anfälle in Kombination mit speziellen Hautcremes
- Opioide: Opioide bei sehr starken Schmerzen
Nicht-medikamentöse Therapie
- Physiotherapie: Bei chronischen Schmerzen werden Physiotherapie, manuelle Therapien, Biofeedback, Entspannungsmethoden und Akupunktur eingesetzt. Bei einer muskulären Ursache kann beispielsweise Physiotherapie helfen. Der Therapeut zeigt dem Patienten dabei Übungen zur Lösung von muskulären Verspannungen im Rücken- und Brustbereich, was zu einer Reduktion der Schmerzen beiträgt.
- Wärme- oder Kälteanwendungen: Manchmal hilft bei Schmerzen Wärme, manchmal Kälte. Eine Wärmflasche oder ein Kältekissen können also schmerzlindernd sein. Zudem werden Sie auch selbst spüren, was Ihnen guttut. Neben Medikamenten können lokale Behandlungen mit Wärme, Kälte oder einem elastischen Rippengürtel gegen die Beschwerden helfen.
- Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Eine häufig angewandte Methode bei vielen Schmerzzuständen wie Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen und anderen ist die „transkutane elektrische Nervenstimulation“ (TENS), eine Art elektromedizinische Reizstromtherapie. Dafür werden entsprechende Geräte angeboten. Die TENS-Therapie kann in Arzt- oder Physiotherapiepraxen oder auch zu Hause angewandt werden. Es sollte in jedem Fall vorher eine Absprache mit dem Arzt und eine Einleitung durch z.B. einen Physiotherapeuten erfolgen.
- Entspannungstechniken: Entspannung und Ablenkung. Der Schmerz zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Leichte und angenehme Tätigkeiten, die Sie ablenken, können helfen, sich nicht auf den Schmerz zu fokussieren. Entspannungstechniken wie autogenes Training und progressive Muskelentspannung helfen beim Umgang mit dem Schmerz.
- Trainingstherapie: Dehnübungen und gezielte Trainingstherapie können helfen, muskuläre Verspannungen zu lösen und die Flexibilität zu verbessern. Welche Übungen die besten sind, kann man leider nicht pauschal sagen, sondern muss diese individuell zusammenstellen. Die Spezialisten bei Lumedis haben über Jahre auf eine Trainingstherapie für den Brustkorb und Brustbein spezialisiert.
Invasive Therapie
- Infiltrationstherapie: Eine Behandlung mit Medikamenten kommt ebenfalls in Betracht. Diese werden häufig im Rahmen einer Infiltrationstherapie verabreicht, bei der Schmerzmittel direkt an die betroffene Stelle injiziert werden.
- Chirurgischer Eingriff: In einigen Fällen kann ein chirurgischer Eingriff sinnvoll sein, um die Nerven zu entlasten und die Schmerzen in den Griff zu bekommen.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Schmerzen in der Brust, speziell im Bereich des Brustbeins, sollten immer ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden. Bei kurz anhaltenden Schmerzen (< 30 Sekunden), die wiederholt auftreten, oder bei länger anhaltenden, konstanten oder sich gar langsam verstärkenden Schmerzen über mehrere Tage sollten Sie möglichst schnell einen Arzt aufsuchen oder in die Rettungsstation gehen. Suchen Sie dagegen notfallmäßig ärztliche Hilfe, wenn die Brustschmerzen vor allem bei Anstrengung (Treppen steigen, Rennen …) auftreten - oder - als drückend und beengend empfunden werden - oder - mit Luftnot, Fieber oder Husten einhergehen - oder - falls Sie bereits bekannte Gefäßerkrankungen haben. „Plötzlich auftretende, starke Brustschmerzen - insbesondere in Ruhe - sind immer ein Alarmzeichen, vor allem wenn sie von Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Kaltschweißigkeit, Blässe, niedrigem Blutdruck oder schnellem Puls begleitet werden". Kein akuter Notfall, aber dennoch ein Warnsignal, ist ein plötzlicher Leistungsknick - wenn man bisher körperlich aktiv war, nun aber schon bei geringer Belastung Beschwerden hat.