Epilepsie bei Vögeln: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Neurologische Störungen können bei Vögeln auftreten und sich auf unterschiedliche Weise äußern. Einige dieser Störungen manifestieren sich in Form von Anfällen, die an Epilepsie erinnern. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze für solche neurologischen Probleme bei Vögeln.

Einführung in neurologische Störungen bei Vögeln

Bei Vögeln können verschiedene Grunderkrankungen zu neurologischen Ausfällen führen. Das bedeutet, dass das Nervensystem - oft anfallartig und vorübergehend - nicht richtig arbeitet. Diese neurologischen Störungen gehen mit bestimmten Symptomen einher. Die auf Birds-Online.de angebotenen Texte und Bilder rund um das Thema Erkrankungen von Vögeln sind als Informationsquelle gedacht.

Symptome neurologischer Störungen

Die Symptome neurologischer Störungen bei Vögeln können vielfältig sein und hängen von der Schwere der jeweiligen Grunderkrankung ab.

Leichte neurologische Störungen

Bei leichten neurologischen Störungen können folgende Symptome auftreten:

  • Orientierungslosigkeit
  • Zittern
  • Leichte Krämpfe
  • Bewegungsstörungen
  • Starre Pupillen
  • Fliegender Blick (Nystagmus)
  • Zuckende, zwanghafte Bewegungen
  • Laufen im Kreis
  • Verdrehen des Kopfes
  • Manche Vögel schreien, viele sind jedoch während einer Phase mit leichten neurologischen Ausfällen ruhig.
  • Manchmal verkrampfen die Füße und die Vögel können nicht mehr auf ihnen stehen.

Schwere neurologische Störungen

Leidet ein Vogel unter schwereren neurologischen Ausfällen, können dieselben Symptome wie bei der leichteren Variante auftreten - allerdings in stärkerer Ausprägung. Wird ein betroffenes Tier dann von Krämpfen geschüttelt, sind diese so stark, dass sich der Vogel nicht mehr auf den Beinen halten kann. Die Tiere rollen unkoordiniert über den Boden und schlagen oft wild mit den Flügeln. In ungünstigen Fällen kann es geschehen, dass der Vogel mit einem Fuß beim Krampfen den eigenen Flügel packt und dermaßen heftig an ihm zieht, dass Knochen im Flügel brechen. Bei neurologischen Störungen, die mit starken Krämpfen verbunden sind, kann es leider zudem geschehen, dass plötzlich das Herz des Vogels versagt. Die Krämpfe sind sehr anstrengend für den Körper, weshalb das Organ mitunter nicht mehr kräftig genug ist.

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Mögliche Ursachen neurologischer Ausfälle

Bei Vögeln können zahlreiche Ursachen zu neurologischen Ausfällen führen. Von der Ursache hängt die Behandlungsstrategie ab, auch die Heilungschancen sind mit den Auslösern der Ausfälle verknüpft.

  • Kopfverletzungen: Sehr häufig treten neurologische Ausfälle infolge schwerer Kollisionsunfälle mit Kopfverletzungen (Schädeltraumata) auf. Bei einer starken Gehirnerschütterung ist es ebenfalls möglich, dass es zu neurologischen Problemen kommt. Anderweitig entstandene Kopfverletzungen, also wenn beispielsweise ein Vogel während einer Beißerei von einem Artgenossen verwundet wird, sind mitunter ebenfalls Auslöser neurologischer Ausfälle.
  • Vergiftungen, Mangelerscheinungen und Stoffwechselerkrankungen: Im Fall von Vergiftungen, aber auch bei Vitaminmangel sowie in einem fortgeschrittenen Stadium bestimmter Lebererkrankungen ist das Auftreten neurologischer Ausfälle mitunter zu beobachten. Vögel können zudem von Diabetes betroffen sein, diese Krankheit verursacht in manchen Fällen neurologische Anfälle.
  • Tumoren und andere Erkrankungen: Zudem kommen in seltenen Fällen Hirntumoren vor, die zu neurologischen Symptomen führen können. Immer wieder wird auch von Vögeln berichtet, die eine Erkrankung erlitten haben, die einem Schlaganfall ähnelt, oder die an Epilepsie erkrankt sind. Zudem gibt es Viruserkrankungen (unter anderem die Paramyxovirose) oder auch bakterielle Infektionen, die das Gehirn und damit das Zentrale Nervensystem betreffen können. Hierzu gehören unter anderem Gehirnentzündungen.

Erste Hilfe bei einem neurologischen Anfall

Einen Vogel während eines neurologischen Anfalls zu erleben, ist für viele Vogelhalter eine nervliche Zerreißprobe. Der Anblick ist erschreckend und der Impuls zu helfen ist meist übermächtig. Aber unbesonnenes Handeln kann für die Tiere zu einer Gefahr werden. Deshalb heißt es zunächst einmal: Tief durchatmen und ruhig werden beziehungsweise bleiben.

Verhalten während eines Anfalls

Das betroffene Tier sollte sehr vorsichtig eingefangen werden. Bei kleinen Vögeln wie Wellensittichen ist am besten eine Hand so unter den Körper zu schieben, dass der Bauch in der Handfläche liegt. Der Daumen und der kleine Finger liegen jeweils an einer der Flanken des Vogels und befinden sich unter einem der Flügel. Von oben wird mit der zweiten Hand der Vogel ganz behutsam fixiert, sodass er nicht mit den Flügeln schlagen kann. Ist der krampfende Vogel auf diese Weise fixiert, sollte mit heftigen Bissen gerechnet werden. Die Tiere sind nicht sie selbst, sogar zahme Vögel beißen mitunter sehr kräftig zu - wer einen großen Papagei fixieren muss, sollte an seine eigene Sicherheit denken! Bei einem kleinen Vogel wie einem Wellensittich ist es zum Glück so, dass er kaum ernsthafte Verletzungen beim Menschen hervorrufen kann, wenn er beißt. Also gilt es, für den Halter, die Zähne zusammenzubeißen und den Vogel dennoch nicht loszulassen, bis er an einen sicheren Ort transportiert worden ist.

Einen sicheren Ort schaffen

Ein solcher ist ein sehr großes Kissen oder noch besser ein Bett. Darauf wird das krampfende Tier abgelegt. Wenn es sich dort windet und mit den Flügeln schlägt, kann es sich aufgrund der Polsterung in aller Regel nicht verletzen. Achten Sie darauf, dass sich der Vogel mit den Krallen nicht im Stoff von Bett- oder Kissenbezügen verfangen kann. Sorgen Sie für Ruhe und gedämpftes Licht. Das Tier sollte nicht mit Reizen überflutet werden. Der Vogelhalter selbst sollte am besten gar nicht mit dem Vogel reden, um ihn nicht zusätzlich zu stressen. Auch das Anfassen des krampfenden Vogels, der bereits auf eine weiche Unterlage gebettet wurde, ist nicht empfehlenswert. Nach dem überstandenen Anfall sind viele Vögel extrem erschöpft.

Achtung: Geben Sie einem krampfenden Vogel niemals Flüssigkeit in den Schnabel! Es besteht die Gefahr, dass das Tier daran erstickt, weil es während eines Anfalls unter Umständen nicht richtig schlucken kann.

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Dauer und Verlauf von Anfällen

Die Dauer der Anfälle ist höchst unterschiedlich. Manche Vögel leiden permanent unter leichten Ausfallerscheinungen, doch meist treten diese anfallartig auf. Häufig sind diese Anfälle innerhalb weniger Minuten vorüber, sie können aber auch deutlich länger dauern. In schwereren Fällen ziehen sie sich über mehrere Stunden hin.

Tierärztliche Behandlung

Wann zum Tierarzt?

Erleidet ein Vogel einen Anfall, weil er sich zuvor eine Kopfverletzung zugezogen hat, ist auf alle Fälle umgehend ein vogelkundiger Tierarzt hinzuziehen. Liegen keine sichtbaren Verletzungen vor und hat der betroffene Vogel keine Kollision erlitten, sollte nach dem Auftreten eines Anfalls dennoch fachkundiger Arzt kontaktiert werden. Es ist wichtig, die Ursache für die neurologischen Ausfälle zu klären. In sehr schweren Fällen, wenn ein Vogel stark krampft, können Tierärzte oft spezielle Medikamente per Spritze verabreichen, um die Krämpfe zu lindern oder zu beenden. Mitunter ist dies jedoch trotz der Medikamentengabe nicht möglich.

Behandlungsmöglichkeiten

Wunder sollten bei einem Tierarztbesuch nicht erwartet werden. Neurologische Erkrankungen sind bei Vögeln oft schwer zu behandeln. Die Therapie kann zudem sehr langwierig sein. Einige Vögel mit neurologischen Störungen brauchen meist ihr Leben lang spezielle Medikamente, manche müssen nur für eine gewisse Zeit behandelt werden. Dies gilt vor allem für Opfer von Kollisionsunfällen oder Schlaganfällen, bei ihnen kann die Heilungsdauer im Bereich mehrerer Wochen bis Monate liegen. Eine Linderung der Beschwerden ist in aller Regel nur dann möglich, wenn eine Therapie durch einen erfahrenen Vogel-Tierarzt auf den jeweiligen Patienten individuell abgestimmt wird.

Umgang mit dauerhaften neurologischen Störungen

Aufgrund unterschiedlicher Ursachen können Vögel dauerhaft an neurologischen Störungen leiden. Hierunter sind sind zum Beispiel spontan auftretende Krampfanfälle zu verstehen, die ähnlich wie epileptische Anfälle beim Menschen ablaufen. Aber auch Lähmungsanfälle sowie unkontrolliertes Zittern gehören zu den neurologischen Störungen, die bei Vögeln auftreten können.

Anpassung der Haltung

Viele Vögel, die an einer neurologischen Störung leiden, haben ständig oder zumindest während der Dauer ihrer Anfälle ein erhöhtes Unfallrisiko. Diesem Umstand sollte die Unterbringung der Vögel unbedingt gerecht werden. Der Käfig sollte keine spitzen Gegenstände aufweisen. Außerdem ist es meist hilfreich, den Boden zu polstern, damit Stürze abgefedert werden. Oder aber man bringt Sprungtücher an, die ebenfalls helfen können, falls ein Vogel stürzt.

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Achtung: Auf keinen Fall sollte ein tiefer Trinknapf gewählt werden. Vögel, die an neurologischen Störungen leiden und und bei denen von Zeit zu Zeit Anfälle auftreten, könnten während eines solchen im Trinknapf ertrinken! Aus Sicherheitsgründen sollten diese Tiere Wasser nur in Hängenäpfen mit sehr kleiner Trinköffnung erhalten, in die sie nicht stürzen können.

Unterzuckerung (Hypoglykämie) als mögliche Ursache

Ein Vogel mit einer Unterzuckerung hat einen zu niedrigen Gehalt an Glukose im Blut. Der Blutzucker dient den Zellen als Energielieferant: Erhalten die Zellen zu wenig Zucker, können sie nicht normal arbeiten. Eine Unterzuckerung ist ein lebensbedrohlicher Zustand für den Vogel.

Symptome und Ursachen von Unterzuckerung

Eine Hypoglykämie beim Vogel äußert sich meist durch Krampfanfälle. Der Vogel ist oft vorher schon ruhiger als gewöhnlich und reagiert nicht auf seine Umwelt. Bei einer Unterzuckerung ist der Gehalt an Glukose (Zucker) im Blut des Vogels zu niedrig. Hauptursache ist oft Hungern: Vor allem bei kleinen Papageien-Arten können auch kurze Hungerphasen zu einem erniedrigten Blutzucker-Spiegel führen. Dies ist auch bei einer Narkose zu bedenken.

Diagnose und Behandlung von Unterzuckerung

Zeigt der Vogel Symptome einer Unterzuckerung, zum Beispiel einen Krampfanfall, so stellt die Tierärztin oder der Tierarzt zunächst einige Fragen. Die Tierärztin bzw. der Tierarzt erkundigt sich zum Beispiel, wie der Vogel gehalten und gefüttert wird und fragt nach möglichen Stellen, an denen er Gift aufgenommen haben könnte. Anschließend wird der Vogel gründlich untersucht. Falls möglich, erfolgt eine Blutuntersuchung. Manchmal ist bei einer Hypoglykämie auch eine Röntgen-Untersuchung sinnvoll. Eine Unterzuckerung muss tierärztlich behandelt werden. Zunächst erhält der Vogel Zucker in Form von Dextrose. Im weiteren Verlauf spritzt die Tierärztin oder der Tierarzt die zuckerhaltige Lösung dann unter die Haut des Vogels. Die weitere Behandlung der Hypoglykämie hängt von der auslösenden Ursache ab.

Prognose und Vorbeugung von Unterzuckerung

Die Prognose einer Unterzuckerung hängt stark von der auslösenden Ursache ab. Auch eine Unterzuckerung, die durch eine Hungerphase verursacht wurde, kann bei rechtzeitiger Therapie geheilt werden. Einer Unterzuckerung lässt sich bedingt vorbeugen. Es ist ratsam, vor allem bei kleineren Vögeln, Hungerphasen zu vermeiden. Es gibt zwischen den Vogelarten sehr große Unterschiede und Anforderungen an die Ernährung.

Epilepsie im Vergleich zu anderen neurologischen Störungen

Epilepsie ist die häufigste neurologische Erkrankung bei Hund und Katze. Ungefähr 1% aller Hunde sind betroffen. Durch eine übermäßige, elektrische Aktivität im Gehirn werden sogenannte epileptiforme Anfälle ausgelöst. Diese können sich ganz unterschiedlich präsentieren. Sehr ähnliche Symptome wie bei der Drehkrankheit zeigen Vögel, die an Epilepsie leiden. Sie tritt ebenfalls mit Drehen und Krämpfen an Flügeln, Kopf und Beinen auf. Diese Anfälle dauern in der Regel nur kurz und sind oft schon nach einer Minute vergessen. Manche Vögel haben nie wieder solche Anfälle, andere bekommen sie mehrmals am Tage oder an mehren Tagen hintereinander. Epilepsie wird öfter bei Papageien, Hühnervögeln und Greifen diagnostiziert. Besserung kann mit Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und weiteren Wirkstoffen erzielt werden.

Formen von epileptischen Anfällen

Es gibt unterschiedliche Formen von Krampfanfällen. Bei sogenannten fokalen Anfällen handelt es sich um die mildeste Form, bei der nur eine der beiden Hirnhälften betroffen ist. Dazu kann z.B. lediglich das Zucken mit dem Mundwinkel oder Fliegenschnappen zählen. Die schwerste Form stellen generalisierte Anfälle dar. Dabei verliert das Tier i.d.R. das Bewusstsein und fällt häufig unter Krämpfen zu Boden. Auch der unbewusste Verlust von Harn und Kot sowie übermäßiges Speicheln können auftreten.

Dauer von epileptischen Anfällen

Epileptische Anfälle können nur wenige Sekunden, einige Minuten oder aber auch mehrere Stunden dauern.

Es handelt sich um einen Notfall, der sofort in der Klinik vorgestellt werden muss, wenn:

  • der Krampfanfall länger als 5 Minuten andauert (Status epilepticus)
  • mehr als 2 Anfälle innerhalb von 24 Stunden auftreten (Cluster/Serienanfälle)

Ablauf von epileptischen Anfällen

In der Regel verläuft ein epileptischer Anfall in 3 Phasen:

  • Vor dem Anfall (präiktal, „Aura“): Verhaltensänderungen, z.B. Unruhe, Verwirrtheit, Speicheln, besondere Anhänglichkeit
  • Während dem Anfall (iktal): Versteifung der Muskulatur, zu Boden fallen, Rudern, paddelnde Bewegungen, Speicheln, Zittern, Lautäußerungen, Verlust von Harn/Kot
  • Nach dem Anfall (postiktal): Verhaltensänderungen, z.B. Unruhe, Drangwandern, Blindheit

Typen der Epilepsie

Man kann Epilepsie - nach ihrer Ursache - grob in 2 Typen unterscheiden.

  • Die idiopathische Epilepsie ist das, was man im Allgemeinen unter Epilepsie versteht - es kann keine zugrunde liegende Ursache gefunden werden. Inzwischen nimmt man an - bzw. konnte bei einigen Rassen sogar schon nachweisen - dass es sich hierbei um eine genetische, also häufig vererbte, Erkrankung handelt. Die idiopathische Epilepsie tritt meistens erstmals zwischen dem 1 und 6 Lebensjahr auf. Manche Rassen, z.B. der Golden Retriever, sind besonders häufig betroffen.
  • Die strukturelle oder symptomatische Epilepsie liegt vor, wenn den Anfällen eine andere Erkrankung zugrunde liegt. Dazu zählen z.B. Erkrankungen anderer Organe wie Niere oder Leber, angeborene Missbildungen, Infektionen, Gehirntumore oder Vergiftungen.

Diagnose einer Epilepsie

Um Ihrem Tier die bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen ist es unerlässlich, die Ursache und damit Form der Epilepsie zu kennen. Besonders wichtig für den Tierarzt ist immer das Gespräch mit Ihnen als Besitzer, gefolgt von einer gründlichen allgemeinen und neurologischen Untersuchung. Dokumentieren Sie genau, wann Ihr Tier Anfälle hat, wie lange diese dauern, wie sie ablaufen und was sie vorher und hinterher beobachtet haben (Anfallstagebuch). Videoaufnahmen sind dabei für den Tierarzt sehr hilfreich. Häufig wird er nach einer gründlichen Untersuchung schon einen Verdacht haben, ob es sich eher um eine idiopathische oder strukturelle Epilepsie handelt.

Das weitere Vorgehen hängt von den Symptomen des Patienten ab. Zur Abklärung einer Epilepsie gehören Blutuntersuchungen (großes Blutbild, Organwerte, ggf. Funktionstests), Bildgebung (i.d.R. CT oder MRT, ggf. auch Ultraschall) und eine Untersuchung des Hirnwassers. Erst wenn alle diese Untersuchungen abgeschlossen sind, kann man die Diagnose einer idiopathischen Epilepsie stellen (Ausschlussdiagnose).

Behandlung der Epilepsie

Handelt es sich um eine strukturelle Epilepsie wird die Grunderkrankung behandelt, welche die Anfälle auslöst. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, erst eine Diagnose zu stellen.

Bei einer idiopathischen Epilepsie erfolgt i.d.R. die Therapie mit antikonvulsiven (antiepileptischen) Medikamenten. Nicht jede Epilepsie muss aber behandelt werden. Mit der Therapie sollte begonnen werden, wenn das Tier mehr als 2 Anfälle in 6 Monaten gezeigt hat oder ein Cluster oder Status aufgetreten ist (Notfall!). Wichtig ist: Epilepsie ist NICHT heilbar. Das Tier wird i.d.R. lebenslang behandelt werden müssen. Dennoch ist die Lebenserwartung eines Epileptikers nicht eingeschränkt.

Zur Verfügung stehen in Deutschland lediglich 3 Medikamente, die im Folgenden kurz vorgestellt werden:

  • Phenobarbital ist meistens die erste Wahl. Es wird i.d.R. zweimal täglich verabreicht. Nicht geeignet ist Phenobarbital bei Erkrankungen der Leber. Aus diesem Grund zählt zur Überwachung eines Epileptikers auch die regelmäßige Kontrolle der Organwerte. Phenobarbital braucht 2 Wochen, um seinen Wirkspiegel zu erreichen. Von da an sollte dieser Spiegel regelmäßig im Blut kontrolliert werden, um das Tier optimal einzustellen (so viel wie nötig, so wenig wie möglich).
  • Imepitoin (Pexion) ist ein noch relativ neues Medikament, welches extra für Hunde entwickelt wurde. Es hat nur wenig Nebenwirkungen, ist aber nicht wirksam bei Clusteranfällen. Imepitoin wird nicht im Blut kontrolliert, die Einstellung erfolgt also rein nach Kontrolle der Anfallshäufigkeit.
  • Kaliumbromid ist das 3. zugelassene Medikament. Auch wenn es zur Einzeltherapie zugelassen ist, wird es meistens als Zusatz (Add-on) genutzt, wenn ein Medikament alleine nicht wirksam genug war. Kaliumbromid braucht ca. 3 Monate um einen stabilen Spiegel zu erreichen. Dieser sollte - wie auch bei Phenobarbital - regelmäßig kontrolliert werden. Bei Tieren, die mit Kaliumbromid behandelt werden, ist es wichtig auf einen gleichbleibenden Salzgehalt im Futter zu achten, da Schwankungen bei der täglichen Salzaufnahme Anfälle auslösen können.

Sollten die genannten Medikamente nicht ausreichend wirksam sein oder aus anderen Gründen nicht eingesetzt werden können, darf der Tierarzt Medikamente aus der Humanmedizin umwidmen. Dabei handelt es sich meistens um Levetirazetam. Dieses Medikament hat sehr wenige Nebenwirkungen, ist dafür aber alle 8 Stunden zu verabreichen und zudem recht kostenintensiv. Im Gegensatz zu allen anderen vorgestellten Medikamenten verursacht Levetirazetam keine Abhängigkeit. Es ist deshalb sehr gut geeignet, um durch eine kurzzeitige Zugabe von Levetirazetam Clusteranfälle zu unterbrechen. Außerdem ist es bei strukturellen Epilepsien sehr gut wirksam.

Egal welche Medikamente eingesetzt werden - wichtig ist die gute Überwachung des Epileptikers. Dafür ist Ihr Tierarzt auf Ihre Mitarbeit angewiesen. Dokumentieren Sie Anfälle in Ihrem Anfallstagebuch, geben Sie Medikamente immer genau nach Plan und kommen sie regelmäßig zu den vereinbarten Kontrollen. So können wir unser Ziel erreichen und eine maximale Lebensqualität für Ihren Epileptiker und Sie als Besitzer schaffen.

Leben mit Epilepsie

Das Leben mit einem Epileptiker kann eine Herausforderung sein - schließlich handelt es sich um eine unheilbare Erkrankung, die lebenslang therapiert werden muss. Zudem ist es für Patient und Besitzer jedes Mal eine Stresssituation, wenn Anfälle auftreten.

Auch wenn es schwer fällt - bleiben Sie ruhig. Ihr Tier bekommt i. d. R. nichts von dem Anfall mit, da es nicht bei Bewusstsein ist.

Was tun beim epileptischen Anfall?

Ein epileptischer Anfall bei Ihrem Hund oder Ihrer Katze ist ein beängstigender Moment - aber Sie sind nicht allein.

  1. Manche Tiere zeigen Minuten bis Stunden vor dem Anfall ein verändertes Verhalten:

    • Unruhe, Anhänglichkeit oder Verwirrung
    • Zittern, Hecheln, Verstecken
    • Rastloses Umherlaufen oder Jaulen

    Wenn Sie solche Anzeichen bemerken:

    • Beruhigen Sie Ihr Tier sanft, sprechen Sie leise, streicheln Sie es, wenn es das zulässt.
    • Sichern Sie die Umgebung: Entfernen Sie Ihr Tier aus gefährlichen Situationen - z. B. von Treppen, vom Balkon oder aus dem Spiel mit anderen Tieren.
  2. Ein epileptischer Anfall kann einige Sekunden bis mehrere Minuten dauern.

    Auch wenn es schwerfällt: Bitte bleiben Sie ruhig.

    • Fassen Sie Ihr Tier nicht an. Viele Hunde beißen in der Anfallsphase unkontrolliert - ohne es zu wollen.
    • Räumen Sie spitze oder harte Gegenstände aus dem Weg, um Verletzungen zu vermeiden.
    • Bleiben Sie bei Ihrem Tier, sprechen Sie ruhig mit ihm - Ihr Beistand ist wichtig.
    • Stoppen Sie die Zeit. Ein Anfall, der länger als 5 Minuten dauert, ist ein Notfall (Status epilepticus)! Bitte sofort eine Tierklinik aufsuchen - jede Minute zählt.
  3. Viele Tiere sind nach einem Anfall orientierungslos, erschöpft oder ängstlich. Manche zeigen auch kurzzeitig auffälliges Verhalten wie Blindheit, Unruhe oder sogar leichte Aggression.

    Was Sie tun können:

    • Beruhigen Sie Ihr Tier, bieten Sie einen ruhigen, dunklen Rückzugsort an.
    • Dokumentieren Sie den Anfall:
      • Datum und Uhrzeit
      • Dauer und Stärke
      • Auffälligkeiten vorher oder nachher (z. B. Stress, Durchfall, Medikamentenwechsel)
    • Führen Sie ein Anfallstagebuch ("Krampfkalender") - das hilft uns bei der Beurteilung und Therapieanpassung.
    • Falls möglich, filmen Sie den Anfall mit dem Handy. Das Video hilft Ihrem Tierarzt bei der genauen Einschätzung.
    • Legen Sie sich eine kleine „Notfallbox“ zurecht (Handy, Stoppuhr, Anfallstagebuch, evtl. Notfallmedikament).
    • Haben Sie unsere Kontaktdaten griffbereit - wir sind für Sie da, wenn Sie uns brauchen.

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