Kontaktlinsen, Multiple Sklerose und Nystagmus: Ein umfassender Überblick

Die Verbindung zwischen Kontaktlinsen, Multipler Sklerose (MS) und Nystagmus ist komplex und vielschichtig. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte dieser Thematik, von den Auswirkungen von MS auf das visuelle System bis hin zu den Möglichkeiten, Nystagmus mit Kontaktlinsen zu korrigieren.

Multiple Sklerose und ihre Auswirkungen auf das Sehen

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, von der in Deutschland über 200.000 Menschen betroffen sind. Ein Leitsymptom der MS ist die Sehnervenentzündung, die zu verschiedenen okulären Veränderungen und visuellen Symptomen führen kann.

Veränderungen des visuellen Systems bei MS

Die Sehnervenentzündung kann unterschiedliche Auswirkungen auf das Sehvermögen haben. Dazu gehören:

  • Gesichtsfeldausfälle (Skotome): Bereiche im Gesichtsfeld, in denen die Sehstärke reduziert ist oder vollständig fehlt. Diese Ausfälle können die Orientierung und das Erkennen von Objekten erschweren.
  • Nystagmus: Unfreiwillige, rhythmische Augenbewegungen, die das Sehen beeinträchtigen können.
  • Verschwommenes Sehen: Ein häufiges Symptom, das durch die Entzündung des Sehnervs verursacht werden kann.
  • Doppeltsehen: Das Sehen von Doppelbildern, das durch eine Störung der Augenmuskeln verursacht werden kann.
  • Schmerzen beim Bewegen der Augen: Ein typisches Symptom einer Sehnervenentzündung.
  • Eingeschränktes Farbsehen: Schwierigkeiten, Farben richtig zu erkennen.

Optometrische Aspekte bei MS

Die optometrische Betreuung von MS-Patienten erfordert ein umfassendes Verständnis der möglichen visuellen Beeinträchtigungen. Dazu gehört die genaue Bestimmung der Sehschärfe, die Untersuchung des Gesichtsfelds und die Beurteilung der Augenbewegungen.

Nystagmus: Augenzittern und seine Ursachen

Nystagmus ist ein Augenzittern, das sich durch unfreiwillige Augenbewegungen äußert. Es kann angeboren sein oder im späteren Lebensverlauf auftreten.

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Formen und Ursachen von Nystagmus

  • Kongenitaler Nystagmus: Angeborenes Augenzittern, das in Verbindung mit anderen Krankheiten wie Albinismus oder Grauem Star auftreten kann.
  • Erworbener Nystagmus: Augenzittern, das im Laufe des Lebens durch einen Unfall oder eine Krankheit ausgelöst wird. Mögliche Grunderkrankungen sind beispielsweise Multiple Sklerose oder Parkinson. In manchen Fällen bleibt die Ursache unbekannt (idiopathisch).

Auswirkungen von Nystagmus auf das Sehen

Menschen mit Nystagmus haben in der Regel Probleme beim Sehen, da sich die Augen ständig bewegen und es dem Gehirn erschweren, ein klares Bild zu erfassen. Die Auswirkungen können jedoch individuell sehr unterschiedlich sein. Viele Betroffene entwickeln eine sogenannte Kopfzwangshaltung, bei der sie den Kopf leicht schief halten, um den Punkt des ruhigsten Sehens zu finden.

Korrektur von Nystagmus mit Sehhilfen

Brillen können bei Nystagmus nur bedingt helfen, da sie die Ursache des Augenzitterns nicht beheben. Prismen-Gläser können in manchen Fällen leichte Kopfzwangshaltungen korrigieren. Kontaktlinsen können jedoch eine bessere Option sein, da sie sich mit den Augen bewegen und so ein stabileres Bild liefern können.

Kontaktlinsen bei Multipler Sklerose und Nystagmus

Kontaktlinsen können eine wertvolle Sehhilfe für Menschen mit MS und Nystagmus sein, insbesondere wenn andere Sehprobleme wie Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit oder Astigmatismus vorliegen.

Weiche Kontaktlinsen

Weiche Kontaktlinsen sind flexibel und passen sich gut an die Form des Auges an. Sie sind in verschiedenen Materialien und Designs erhältlich und können sowohl bei Kurzsichtigkeit als auch bei Weitsichtigkeit und Astigmatismus eingesetzt werden. Bei MS-Patienten mit trockenen Augen sollten spezielle weiche Kontaktlinsen mit hoher Wasserbindung verwendet werden.

Formstabile Kontaktlinsen

Formstabile Kontaktlinsen sind härter und weniger flexibel als weiche Kontaktlinsen. Sie schwimmen auf dem Tränenfilm und korrigieren die Sehfehler präzise. Bei Keratokonus, einer Hornhautverkrümmung, können formstabile Kontaktlinsen die beste Option sein, um eine optimale Sehschärfe zu erreichen.

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Sklerallinsen

Sklerallinsen sind eine spezielle Art von formstabilen Kontaktlinsen, die auf der Sklera (der weißen Augenhaut) aufliegen und die gesamte Hornhaut überdecken. Sie sind besonders gut geeignet für Menschen mit unregelmäßigen Hornhautverkrümmungen, trockenen Augen oder Nystagmus. Sklerallinsen können bei Nystagmus helfen, das Sehen zu stabilisieren, da sie sich mit den Augen bewegen und ein ruhigeres Bild liefern.

Individuelle Anpassung von Kontaktlinsen

Die Anpassung von Kontaktlinsen bei MS-Patienten mit Nystagmus erfordert eine sorgfältige Untersuchung der Augen und eine individuelle Anpassung der Linsen. Der Optiker oder Augenarzt berücksichtigt dabei die spezifischen Bedürfnisse und Sehprobleme des Patienten.

Fallbeispiel: Sklerallinsen bei Keratokonus und MS

Ein Patient mit Multipler Sklerose und Keratokonus stellte sich mit einer unkorrigierten Sehschärfe von 0,3 rechts und 0,02 links vor. Formstabile Kontaktlinsen wurden in der Vergangenheit schlecht vertragen. Nach der Anpassung von Sklerallinsen erreichte der Patient eine Sehschärfe von 0,5 rechts und 0,4 links. Die Linsen verbesserten nicht nur die Sehschärfe, sondern halfen auch bei dem Gefühl trockener Augen, einem häufigen Begleitsymptom von MS und Kortisontherapie.

Prothetische Irislinsen

Bei einer massiven Hornhauttrübung kann eine prothetische Weichlinse mit Irisfärbung in Frage kommen. Diese Linsen verbessern nicht nur das Aussehen des Auges, sondern können auch die Sehschärfe verbessern.

Weitere Aspekte der Versorgung von MS-Patienten mit Kontaktlinsen

Trockene Augen

Trockene Augen sind ein häufiges Problem bei MS-Patienten, insbesondere bei Kortisontherapie. Es ist wichtig, die Augen ausreichend zu befeuchten und gegebenenfalls spezielle Augentropfen oder Kontaktlinsen für trockene Augen zu verwenden.

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Lidrandhygiene

Eine gute Lidrandhygiene ist wichtig, um Entzündungen und Infektionen vorzubeugen. Regelmäßiges Reinigen der Augenlider mit speziellen Tüchern oder warmen Kompressen kann helfen, die Lidränder sauber zu halten.

Regelmäßige Kontrollen

MS-Patienten, die Kontaktlinsen tragen, sollten regelmäßig ihren Optiker oder Augenarzt aufsuchen, um die Augen und die Kontaktlinsen überprüfen zu lassen. So können mögliche Probleme frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Gesichtsfeldausfälle: Ursachen, Diagnose und Therapie

Ein Gesichtsfeldausfall, auch Skotom genannt, tritt auf, wenn Teile des normalen Sehbereichs ausfallen. Dies kann in verschiedenen Formen auftreten: von kleinen blinden Flecken bis hin zu größeren Bereichen, in denen keine visuelle Wahrnehmung möglich ist.

Ursachen für Gesichtsfeldausfälle

Gesichtsfeldausfälle können durch eine Vielzahl von Ursachen hervorgerufen werden, wobei häufige Erkrankungen eine zentrale Rolle spielen:

  • Glaukom: Eine Augenerkrankung, die durch erhöhten Augeninnendruck verursacht wird und zu Schäden am Sehnerv führen kann, was oft periphere Sehverluste zur Folge hat.
  • Retinopathie: Schädigung der Netzhaut, häufig verursacht durch Diabetes oder hohe Blutdruckwerte, die zu verschiedenen Arten von Sehstörungen führen kann.
  • Makuladegeneration: Eine Erkrankung, die den zentralen Teil der Netzhaut betrifft, und vor allem bei älteren Menschen auftritt, was zu einem Verlust der zentralen Sehfähigkeit führt.
  • Hirntumore oder Schlaganfall: Diese können zu Gesichtsfeldausfällen führen, wenn Bereiche des Gehirns, die für die Verarbeitung visueller Informationen zuständig sind, betroffen sind.
  • Neurologische Erkrankungen: Zustände wie Multiple Sklerose können ebenfalls das Sehvermögen beeinträchtigen.
  • Migräne mit Aura: Bei dieser Art von Migräne treten vor oder während des Kopfschmerzes visuelle Störungen auf, die sich als vorübergehende Gesichtsfeldausfälle manifestieren können.

Diagnose und Behandlung von Gesichtsfeldausfällen

Die Diagnose eines Gesichtsfeldausfalls beginnt typischerweise mit einer ausführlichen Anamnese und einer Reihe von augenärztlichen Untersuchungen, um die Ursache des Gesichtsfeldausfalls zu identifizieren. Eine zentrale Untersuchung ist der Gesichtsfeldtest (Perimetrie), bei dem die Grenzen des Sehfelds des Patienten und Bereiche mit Sehverlust erfasst werden.

Die Behandlungsmöglichkeiten und Prognose bei einem Gesichtsfeldausfall hängen von der Ursache und der Frühzeitigkeit der Diagnose und Behandlung ab. Bei einem Glaukom konzentriert sich die Behandlung auf die Senkung des Augeninnendrucks durch Medikamente oder chirurgische Eingriffe, um weitere Schäden am Sehnerv zu verhindern. Bei diabetischer Retinopathie sind Blutzuckerkontrolle und möglicherweise Lasertherapie entscheidend. Bei Gesichtsfeldausfällen, die durch neurologische Erkrankungen verursacht werden, richtet sich die Behandlung auf die Grunderkrankung.

Wann einen Arzt aufsuchen?

Es ist wichtig, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen, sobald Anzeichen eines Gesichtsfeldausfalls bemerkt werden. Zu diesen Anzeichen gehören plötzliche Veränderungen im Sehvermögen, wie das Auftreten von blinden Flecken, verschwommene Bereiche im Sehfeld oder Schwierigkeiten bei der Wahrnehmung von Bewegungen in der Peripherie. Auch wenn sich diese Symptome langsam entwickeln oder nur zeitweise auftreten, sollte ein Augenarzt konsultiert werden.

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