Konzentration, Kreativität und die Verbindung der Gehirnhälften

Das menschliche Gehirn ist ein komplexes Organ, das in zwei Hälften unterteilt ist, die linke und die rechte Gehirnhälfte. Jede dieser Hälften hat ihre spezifischen Funktionen und Fähigkeiten. In der westlichen Welt wird meist die linke Gehirnhälfte stärker gefordert als die rechte. Um jedoch exzellente und kreative Denkleistungen zu erbringen, müssen beide Gehirnhälften des Großhirns gut zusammenarbeiten und sich ergänzen. Einige Wissenschaftler vermuten, dass erfolgreiche und kreative Menschen besonders gut zwischen der linken und der rechten Gehirnhälfte kommunizieren können.

Die Aufgaben der linken und rechten Gehirnhälfte

Die linke Gehirnhälfte ist verantwortlich für Sprache, Lesen, Rechnen, Logik, Regeln, Gesetze, Konzentration auf einen Punkt, Analyse, Detail, Wissenschaft, Einzelheiten, Zeitempfinden und Linearität. Sie denkt in Sprache, in Begriffen, sie denkt logisch, analytisch. Sie verarbeitet verbale und mathematische Informationen und steuert die mündliche Darstellung sowie Grammatik und Wortstellung. Die linke Gehirnhälfte ist also für alles zuständig, was im allgemeinen Verständnis als Denken bezeichnet wird.

Die rechte Gehirnhälfte steuert mehr die Intuition, Kreativität, Symbole und Gefühle. Diese Gehirnhälfte wird durch Metaphern aktiviert, durch die beim Zuhörer eigene, dazu passende Bilder, Symbole, Melodien oder Gerüche entstehen können. Die rechte Gehirnhälfte ist zuständig für Körpersprache, Bildersprache und Intuition. Sie ist kreativ und spontan und interessiert sich für Neugier, Spielen und Risiko. Die rechte Gehirnhälfte besitzt den Überblick und verarbeitet Informationen ganzheitlich. Sie kontrolliert die Körpersprache, Mimik und Gestik und steuert Bewegungen und physische Aktivität sowie künstlerische Leistungen und Erlebnisse wie Musik, Zeichnen und Malen.

Die Vernetzung der Gehirnhälften

Die Großhirnrinde ist verantwortlich für die Vernetzung der beiden Gehirnhälften. Die Erinnerung besteht hauptsächlich aus einer verstärkten Verknüpfung von Nervenzellen. Einige Wissenschaftler vermuten, dass erfolgreiche und kreative Menschen besonders gut zwischen der linken und der rechten Gehirnhälfte kommunizieren können. Die neuen Erkenntnisse bezüglich der Neurobiologie des Gedächtnisses bestätigen Lehrer, die variable methodische Konzepte anwenden, um Studierenden und Schülern beim Erwerb von Erfahrung und Wissen zu helfen. Um das Gedächtnis zu verbessern, müssen Synapsen verstärkt werden. Eine Möglichkeit, dies zu erreichen, ist die Verbindung zwischen systematischem Denken und Intuition.

Kreativität: Mehr als nur Kunst

Kreativität ist nicht nur die Fähigkeit, neue Dinge zu schaffen, sondern auch die Fähigkeit, verschiedene Lösungsansätze für ein Problem zu finden oder eine unbekannte Aufgabe zu verstehen. Selbst um eine Frage zu stellen, müssen wir in der Lage sein, kreativ zu denken. Kreativität ist eine kognitive Fähigkeit, originelle Ideen, Konzepte oder Lösungen zu entwickeln, die neu, nützlich und oft überraschend sind. Sie beinhaltet das Zusammenführen verschiedener Gedanken, Konzepte oder Erfahrungen auf innovative Weise, um etwas Einzigartiges zu erschaffen.

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Viele Menschen sehen die Logik als das Gegenteil der Kreativität an und sehen sie sogar als Konkurrenten. Dabei sind logische und kreative Denkprozesse nicht als konkurrierend anzusehen, sondern sind vielmehr komplimentierend. Logik ist immer dann notwendig, wenn man ein neues Problem durch altbekannte Ansätze angeht und löst. Das logische Denken hat immer nur einen möglichen Anfang und ein mögliches Ende und nutzt bereits Gelerntes, um es erneut anzuwenden. Wenn wir zum Beispiel zeichnen, wissen wir, durch unsere Erfahrung, wie der Pinsel zu führen ist, um eine bestimmte Form zu erzeugen. Das ist Logik. Genauso braucht ein Naturwissenschaftler die Kreativität. Als Einstein seine Relativitätstheorie entwickelte, musste er auf neue Denkweisen zurückgreifen. Es gab kein bekanntes Wissen dafür, nur durch seine Kreativität konnte er sich diese Theorie vorstellen und Beweise für sie finden.

Mentale Arithmetik: Ein spielerischer Ansatz

Mentale Arithmetik ist eine bewährte Methode aus Asien, die Kindern hilft, beide Gehirnhälften gleichzeitig zu trainieren. Während die linke Hemisphäre analytisches Denken und Sprache stärkt, entwickelt die rechte Kreativität, Intuition und Vorstellungskraft. Mentale Arithmetik wird in vielen Ländern bereits fest im Schulsystem unterrichtet (z. B. in China und Japan). Im Alltag nutzen über 90 % der Menschen überwiegend die linke Seite. Jede fünfte Stunde gestalten wir bewusst ungewöhnlich und spielerisch, um die Kreativität zusätzlich anzuregen. So wird Lernen nicht nur effektiv, sondern auch spannend und inspirierend.

Übungen zur Verbesserung der Vernetzung

Um die Zusammenarbeit und Synchronisation beider Gehirnhälften zu stärken, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Multisensorische Aktivitäten: Durchführen von Tätigkeiten, die mehrere Sinne ansprechen und somit beide Gehirnhälften gleichzeitig aktivieren.
  • Kinesiologische Übungen: Übungen, die die Koordination zwischen beiden Gehirnhälften verbessern sollen.

Es ist wichtig zu beachten, dass Übungen, die angeben, lediglich eine Gehirnhälfte zu trainieren, wissenschaftlich nicht fundiert sind. Bei jeglicher Art von Gehirntraining werden immer beide Hälften aktiv, jedoch in unterschiedlicher Form.

Beispiele für Übungen

  • Oberschenkel - Hände und Konzentration: Alle sitzen im Kreis. Jeder legt seine Hände auf die Oberschenkel seines jeweiligen Nachbars (eine Hand links, eine Hand rechts). Ein Mitspieler beginnt: er schlägt mit einer Hand auf den Oberschenkel seines Nachbarn. Im Uhrzeigersinn "läuft" dann der Impuls so weiter. Die Hände müssen nacheinander auf die Oberschenkel schlagen.
  • Life-Kinetik®: Es handelt sich hierbei um eine Auswahl verschiedener Übungen, die vielen Menschen zunächst etwas merkwürdig verkommen werden. Ziel dieser Übungen ist es, Synapsen im menschlichen Gehirn miteinander zu verbinden, damit beide Gehirnhälften zu aktivieren und verschiedene Fähigkeiten zu verbessern.
  • Ballübungen: Jeweils in der rechten und linken Hand hält man einen Tennisball. Beide Bälle werden gleichzeitig nach oben geworfen und wieder aufgefangen. Das ist noch ganz einfach. Nun kommt die Steigerung: Die Bälle werden gleichzeitig parallel hochgeworfen und jeweils mit der anderen Hand aufgefangen. Hierzu muss man die Hände überkreuzen.
  • Seilspringen: Seilspringen dürfte jeder kennen und beherrschen. Doch je nach Farbe/Zahl oder Aufgabe werden Varianten eingebaut.
  • Feldspiele: Es werden Felder mit Kreide auf den Boden/Asphalt gemalt. Varianten: Feld A nun einbeinig, B immer beidbeinig, Feld D nur in Kombination mit Feld C, Feld e nie rückwärts.
  • Bewegungsspiele: Alle sitzen im Kreis. Je nach Farbe, Zahl oder Eigenschaften stehen einmal alle Männer, einmal alle Frauen auf. Oder alle, die in den ersten 6 Monaten, oder letzten 6 Monaten des Jahres Geburtstag haben.
  • Dominantes Auge finden: Beide Hände werden zu einem „Guckloch“ ausgestreckt gehalten. Jeder schaut mit beiden Augen durch diese Öffnung und fixiert ein dahinter liegendes Ziel. Nun wird zunächst das eine Auge geschlossen, anschließend wieder geöffnet und das andere Auge geschlossen. Das dominante Auge ist dann das Auge, bei dem das fixierte Ziel nicht aus dem Blickfeld verschwunden ist.
  • Wortspiele: Es wird ein Satz mit ca. 10 Wörtern vorbereitet. Dabei werden die Wörter zerschnipselt und völlig durcheinander nacheinander aufgeschrieben. Aufgabe ist es nun so schnell als möglich den ursprünglichen Satz nennen zu können.
  • Punkte zählen: Es wird ein Irrweg aus Punkten gezeigt (ca. 200-300), welcher kreuz und quer und im Kreis auf dem Blatt Papier aufgezeichnet ist. Wer kann als erster (oder innerhalb 90-120 Sekunden) sagen um wieviel Punkte es sich handelt?

Neurotransmitter und Gehirnwellen

Für das Entstehen von Kreativität im Gehirn ist eine relativ offene, ungehemmte Aufmerksamkeit entscheidend, die aus einer Fülle von Informationen schöpfen kann. Dopamin gilt als Glückshormon und ist Teil von einer positiven Erregung und eines starken inneren Antriebs. Dopamin trägt nachweislich zu Kreativität bei. Serotonin gilt ebenso als Glückshormon und sorgt für eine positive Grundstimmung. Auch hier gilt: mit zu wenig Serotonin sieht es düster aus. Angstzustände und Depressionen blockieren für gewöhnlich Kreativität und gehen einher mit einem Mangel an Serotonin. Ebenso wie Depressionen und Ängste hemmt psychischer Stress die Kreativität: Unter Adrenalin erfahren wir vielleicht einen starken Schub an Aktivität, aber selten tiefgreifende Kreativität.

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Neuronen leiten Informationen und Reize weiter über elektrische Impulse. Das Gehirn besteht aus Milliarden Neuronen, die elektrische Impulse feuern und daraus ergeben sich Schwingungen und emergente Zustände. Je nach Rhythmus der Schwingung werden die Schwingungen in verschiedene Frequenzbänder eingeteilt: Alpha, Beta, Delta, Theta, Gamma.

  • Alpha-Wellen (8 - 12 Hz): Treten auf bei Entspannung bzw. entspannter Wachheit, insbesondere bei geschlossenen Augen. Entspannung ist wichtiger Bestandteil von tiefer Kreativität.
  • Beta-Wellen (13 - 38 Hz): Treten z. B. beim konstanten Anspannen eines Muskels oder bei aktiver Konzentration auf.
  • Gamma-Wellen (39 - 70 Hz): Werden mit Höchstleistungen des Gehirns in Verbindung gebracht, in denen Menschen Erfahrungen von starker Konzentration und Transzendenz machen.
  • Delta-Wellen (0,5 - 4 Hz): Vor allem im traumlosen Tiefschlaf treten Deltawellen auf und werden deswegen mit Regeneration und körpereigenen Heilungsprozessen in Verbindung gebracht.
  • Theta-Wellen (4 - 8 Hz): Treten an den Übergängen zwischen Schlaf und Wachen auf, oft mit starken visuellen traumartigen Reizen. Diese Wach-Schlaf-Übergänge sind sehr ähnlich zu Trance- und Hypnose-Zuständen als Schnittstelle zwischen Unbewusstem und Bewusstsein, an der besonders wertvolle kreative Impulse entstehen können.

Konzentration im Alltag

Das mit der Konzentration ist in jeder Lebenslage so eine Sache. Manche haben sie, viele hätten gerne mehr von ihr. Um Dich am Ende Deiner Ausbildung jedoch voll konzentriert und effektiv auf Deine Abschlussprüfung vorbereiten zu können, musst Du die beiden Gehirnhälften dazu bringen auch einmal zusammen zu arbeiten.

Pausen sind wichtig

Mittlerweile wissen viele, dass „Pausen“ keine gute Idee sind! Richtige Pausen sind ab jetzt ein unverhandelbares MUSS. Denn auch, wenn es sich vor allem dann, wenn Du superviel zu tun hast, oft so anfühlt: Pausen klauen Dir keine Zeit. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall! All das hilft Dir nicht, Dich mit gesteigerter Konzentration wieder an die Arbeit zu machen! Das ist wie Taschengeld einplanen oder Cheat-Days in Deinen Ernährungsplan einbauen. Wenn Du feste Zeiten dafür hast, kannst Du das alles machen, ohne danach ein schlechtes Gewissen zu haben. Halten wir also fest: „Richtige“ Pausen gehen nur so: Laptop zuklappen, aufstehen, erstmal strecken. Und dann: Übungen zur bilateralen Hemisphärenstimulation machen. Keine Sorge. Auch wenn das Wort sehr sperrig klingt, die Übungen sind wirklich die besten Konzentrationsübungen, die ich kenne!

Übungen für mehr Konzentration

  • Das Unendlichkeitszeichen (umgefallene Acht): Am einfachsten ist es, wenn Du die Augen schließt und Dir diese umgefallene Acht vorstellst. Wandere nun mit Deinen Augen auf der Linie dieser Acht. Wenn Du Dir das nicht so gut vorstellen kannst oder einfach noch einen Schritt weiter gehen möchtest, kannst Du Dir auch ein Blatt Papier und einen Stift schnappen und diese liegende Acht immer wieder übereinander malen. Setze den Stift dabei nicht ab, sondern male einfach immer wieder über dieselbe Linie. Nach ungefähr 30 Sekunden solltest Du dann die Hand tauschen und mit der Hand weitermachen, mit der Du für gewöhnlich nicht schreibst.
  • Der Hampelmann: Wer hätte es gedacht? Das hier wird jedoch kein einfaches Herumhopsen. Für gewöhnlich springst Du bei einem Hampelmann ja so, dass Deine Beine unten geschlossen sind, wenn sich Deine Hände über Deinem Kopf berühren. Und sie gehen auf, wenn Deine Beine aufspringen. Hüpfe so ein paarmal hin und her und ändere dann den Rhythmus. Wenn Deine Beine geschlossen sind, sollen Deine Arme also neben Deinem Körper weit auseinander sein.

Um auch während der eigentlich Abschlussprüfung voll konzentriert zu sein, solltest Du zumindest diese Übung mit der umgefallenen Acht direkt vorher machen.

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