Eine Zahnwurzelentzündung ist eine schmerzhafte Erkrankung, die das Innere des Zahns betrifft. Um die Symptome, Ursachen und Behandlungen besser zu verstehen, ist es wichtig, den Aufbau des Zahns zu kennen.
Aufbau des Zahns
Der Zahn besteht aus verschiedenen Teilen:
- Zahnkrone: Der sichtbare Teil des Zahns.
- Zahnhals: Der Übergangsbereich zwischen Zahnkrone und Zahnfleisch.
- Zahnwurzeln: Verankern den Zahn fest im Kieferknochen.
Zusätzlich besteht der Zahn aus verschiedenen Schichten:
- Zahnschmelz: Die äusserste, härteste Schicht, die das Zahninnere schützt.
- Zahnbein (Dentin): Liegt unter dem Zahnschmelz.
- Zahnmark (Pulpa): Das Innere des Zahns, das Nerven, Blutgefässe und Bindegewebe enthält.
Was ist eine Zahnwurzelentzündung (Pulpitis)?
Der Begriff "Zahnwurzelentzündung" ist etwas irreführend, da es sich eigentlich um eine Entzündung des Zahnmarks (Pulpitis) handelt. Diese Entzündung entsteht, wenn Bakterien in das Zahninnere gelangen und dort eine Entzündung auslösen, die sich durch die Wurzelkanäle bis in die Zahnwurzel ziehen kann. Die starken Schmerzen entstehen, weil die Nerven im Zahnmark direkt betroffen sind.
Ursachen einer Zahnwurzelentzündung
Die häufigste Ursache ist Karies: Unbehandelte Karies ermöglicht es Bakterien, sich durch den Zahnschmelz und das Zahnbein bis ins Zahninnere zu fressen und das Zahnmark anzugreifen.
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Eine Zahnwurzelentzündung kann aber auch ohne Karies entstehen, beispielsweise durch:
- Parodontitis: Eine Entzündung des Zahnhalteapparats, die sich von einer Zahnfleischentzündung (Gingivitis) entwickeln kann. Dabei bilden sich Zahnfleischtaschen, in denen sich Bakterien ansiedeln und das Zahnfleisch zurückgeht.
- Zahntrauma: Ein Unfall oder Schlag auf den Zahn kann den Zahnnerv schädigen.
- Risse und Frakturen: Feine Risse im Zahn können Bakterien eine Eintrittspforte bieten.
- Tiefe Füllungen und frühere Zahnbehandlungen: In seltenen Fällen können diese den Zahnnerv reizen oder schädigen.
Symptome einer Zahnwurzelentzündung
Eine Zahnwurzelentzündung beginnt oft schleichend:
- Druck- und schmerzempfindliche Zähne: Schmerzen beim Kauen oder bei heissen und kalten Speisen und Getränken.
- Starke, pochende Zahnschmerzen: Das Hauptsymptom einer fortgeschrittenen Entzündung. Die Schmerzen können sich auf weitere Kieferbereiche ausweiten.
- Zahnfleischbluten: Beim Zähneputzen kann es leicht zu Zahnfleischbluten kommen.
- Zahnfleischtaschen: Durch den Bakterienbefall bildet sich das Zahnfleisch zurück und es entstehen Zahnfleischtaschen.
Warnsignale
Ein plötzlicher Stopp der starken Schmerzen kann ein Warnsignal sein: Der Nerv ist möglicherweise so stark geschädigt, dass er keine Schmerzsignale mehr an das Gehirn weiterleitet. Der Zahn ist dann tot, aber die Entzündung besteht weiterhin.
Es kann auch vorkommen, dass eine Zahnwurzelentzündung ohne Schmerzen verläuft, wenn der Nerv bereits stark geschädigt ist. In diesem Fall kann die Entzündung chronisch werden und sich ungestört ausbreiten.
Mögliche Symptome für einen toten Zahn
Mögliche Anzeichen dafür, dass ein Zahn abgestorben ist, sind:
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- eine dunkle Verfärbung: Ein toter Zahn kann in der Farbe variieren - von bräunlich bis hin zu grau oder sogar schwarz.
- ein Abbrechen von Zahnsubstanz
- Schmerzen und Schwellungen
- Häufig ist auch zu beobachten, dass ein toter Zahn schmerzt beim Draufbeißen.
- Ist ein toter Zahn zudem entzündet, umfassen die Symptome oft auch noch einen unangenehmen, fauligen Geruch.
Risiken einer unbehandelten Zahnwurzelentzündung
Wird eine Zahnwurzelentzündung nicht behandelt, kann sie sich auf den Kieferknochen ausbreiten und das Gewebe um den Zahn und Knochen entzünden. Unbehandelte Zahnwurzelentzündungen können schwerwiegende Folgen haben:
- Abszesse: Eiteransammlungen, die zu schmerzhaften Schwellungen führen können.
- Kieferknochenentzündung: Die Infektion kann sich auf den umliegenden Knochen ausbreiten und diesen schädigen.
- Zahnverlust: Langfristig kann der betroffene Zahn nicht mehr erhalten werden und muss entfernt werden.
- Allgemeine Gesundheitsrisiken: Bakterien aus der Entzündung können in den Blutkreislauf gelangen und andere Organe belasten. Es gibt wissenschaftliche Hinweise darauf, dass Probleme mit den Zähnen schwerwiegende Krankheiten auslösen können, da Bakterien aus Entzündungen im Mundbereich ins Blut gelangen können. Die Stoffwechselprodukte (Leichengifte) von Bakterien in abgestorbenen Zähnen können das Immunsystem belasten und chronische Erkrankungen fördern.
Diagnose einer Zahnwurzelentzündung
Bei den ersten Anzeichen einer Zahnwurzelentzündung sollte man einen Zahnarzt aufsuchen. Der Zahnarzt wird die betroffene Stelle gründlich untersuchen und in der Regel folgende Tests durchführen:
- Klopftest: Um zu sehen, wie stark die Entzündung bereits fortgeschritten ist.
- Vitalitätstest: Um festzustellen, ob der Zahnnerv noch lebt oder bereits abgestorben ist. Dabei wird der Zahn einem Kältereiz ausgesetzt oder eine Probebohrung durchgeführt.
- Röntgenaufnahmen: Hier lassen sich entzündliche Veränderungen im Kieferknochen erkennen.
Behandlung einer Zahnwurzelentzündung
Die Behandlung richtet sich danach, wie weit die Entzündung bereits fortgeschritten ist. Man unterscheidet zwischen einer reversiblen (umkehrbaren) und einer irreversiblen Pulpitis.
Reversible Pulpitis
Bei einer reversiblen Pulpitis ist die Entzündung begrenzt und kann häufig gut behandelt werden. Der Zahnarzt entfernt die Ursache der Entzündung (z.B. Karies) und versorgt die betroffene Stelle mit einem Wundverband und anschliessend mit einer Füllung.
Irreversible Pulpitis
Bei einer irreversiblen Pulpitis ist das Zahnmark unwiderruflich beschädigt. In diesem Fall ist in der Regel eine Wurzelbehandlung notwendig.
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Wurzelbehandlung
Bei einer Wurzelbehandlung wird der Zahn unter lokaler Betäubung aufgebohrt und das Zahnmark komplett entfernt, um die Entzündung vollständig zu beseitigen. Die Wurzelkanäle werden mit speziellen Feilen gereinigt und anschliessend mit einem Naturkautschuk dicht verschlossen, um das Eindringen neuer Bakterien zu verhindern. Die Wurzelbehandlung kann in mehreren Sitzungen erfolgen, wobei zwischen den Sitzungen eine Einlage mit einem antibakteriellen Medikament eingebracht wird.
Wurzelspitzenresektion
Wenn sich ein wurzelbehandelter Zahn erneut entzündet, kann eine Wurzelspitzenresektion durchgeführt werden. Dabei wird der entzündete Teil der Zahnwurzel operativ von aussen abgetragen.
Schmerzlinderung
Um starke Schmerzen zu stillen und die Wartezeit auf den Zahnarzttermin zu überbrücken, können rezeptfreie Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen eingenommen werden. Nach der Behandlung kann der Zahnarzt eine antibakterielle Mundspülung mit Chlorhexidin verschreiben.
Was tun, wenn der Zahn tot ist?
Manchmal führt der Zahnarzt eine Wurzelkanalbehandlung (Wurzelbehandlung) durch, wenn ein Zahn tot ist. Dabei reinigt er den Wurzelkanal mit winzigen Instrumenten und verschließt ihn danach dicht mit einer Füllung. Anschließend lässt sich ein toter Zahn meist problemlos überkronen.
Ist der tote Zahn verfärbt, können Zahnmediziner den toten Zahn nach der Wurzelbehandlung um etwa zwei bis drei Farbnuancen aufhellen. Ein herkömmliches Bleaching ist dafür allerdings nicht geeignet, da sich der tote Zahn von innen heraus verfärbt. Deshalb wird ein Verfahren namens Internal Bleaching angewendet, um den toten Zahn aufzuhellen.
Dazu öffnet der Zahnarzt den Zahn zunächst wieder, um ein medizinisches Bleichmittel in den Hohlraum einzubringen (meist eine Lösung mit Wasserstoffperoxid oder Carbamidperoxid). Anschließend verschließt er den Zahn provisorisch, denn das Bleichmittel bleibt für mehrere Tage im Zahn. Nach dieser Einwirkzeit entfernt der Zahnarzt das Bleichmittel wieder und verschließt den Zahn final.
Zahnextraktion
Wenn der Zahn nicht mehr zu retten ist, muss er gezogen werden (Extraktion). Die entstandene Zahnlücke kann durch eine Brücke, ein Implantat oder herausnehmbaren Zahnersatz geschlossen werden.
Vorbeugung einer Zahnwurzelentzündung
Um einer Zahnwurzelentzündung vorzubeugen, ist die richtige Zahnpflege entscheidend:
- Regelmässige Zahnarztbesuche: Der Zahnarzt kann Zahnerkrankungen frühzeitig erkennen und behandeln.
- Zuckerarme Ernährung: Bakterien lieben Zucker. Eine zuckerarme Ernährung hilft, Karies zu vermeiden.
- Regelmässiges und gründliches Zähneputzen: Zweimal täglich die Zähne putzen und einmal täglich die Zahnzwischenräume mit Interdentalbürsten reinigen.