Migräne nach Kinobesuch: Ursachen und Lösungsansätze

Ein Kinobesuch soll ein entspannendes und unterhaltsames Erlebnis sein. Doch für manche Menschen endet der Ausflug mit pochenden Kopfschmerzen und Übelkeit. Migräne nach dem Kino ist ein bekanntes Phänomen, das verschiedene Ursachen haben kann. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Auslöser und gibt Tipps, wie man einen Kinobesuch ohne Migräne genießen kann.

Einführung in die Migräne

Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es handelt sich um eine neurologische Erkrankung, die von einer komplexen Wechselwirkung zwischen genetischen und umweltbedingten Faktoren beeinflusst wird. Sie ist hierzulande nach der Migräne die zweithäufigste neurologische Erkrankung. Viele Menschen fragen sich, ob Migräne in ihrer Familie liegt, da sie oft bei mehreren Familienmitgliedern auftritt. Bei Frauen treten Migräneattacken dreimal so häufig auf wie bei Männern.

Genetische Einflüsse

Wissenschaftler vermuten, dass bei vielen Menschen eine genetische Neigung zu Migräne besteht. Veränderungen in mehreren Genen können das Risiko für Migräne erhöhen. Einige dieser Gene sind für die Regulierung von neurologischen Prozessen (Nervenfunktionen im Gehirn) verantwortlich, andere könnten mit oxidativem Stress zusammenhängen. Eine seltene Form der Migräne, die familiäre hemiplegische Migräne, wird durch Veränderungen in nur einem Gen verursacht.

Mögliche Ursachen für Migräne nach dem Kinobesuch

Ein Kinobesuch kann eine Vielzahl von Faktoren kombinieren, die potenziell Migräne auslösen können.

Visuelle Reize und 3D-Filme

Anstrengung für Augen und Gehirn: Augenarzt und Kopfschmerzexperte Peter Höh bezeichnet einen Kinobesuch als „Höchstleistung für Augen und Gehirn“. 3D-Filme können besonders anstrengend sein, da die Augen sich ständig an unterschiedliche Winkel und Tiefen anpassen müssen.

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Visuelle Abhängigkeit und Schwindel: Visuell induzierter Schwindel entsteht in der Regel als Folge einer Störung des vestibulären Systems. Bei visuell induziertem Schwindel verlässt sich das Gehirn zu sehr auf die Informationen des visuellen Systems und nicht genug auf das vestibuläre und propriozeptive System. Dies wird manchmal als „visuelle Abhängigkeit“ bezeichnet. Wenn es einen Widerspruch zwischen dem visuellen System und den anderen Systemen gibt, glaubt das Gehirn eher dem visuellen System und entscheidet, dass man sich bewegt, obwohl man es nicht tut. Der Widerspruch zwischen den Signalen kann zu Schwindel oder Gangunsicherheit führen.

Flimmernde Bilder und falsche Einstellungen: Ältere 3D-Technologien mit zwei Filmprojektoren konnten zu Kopfschmerzen führen, wenn die Projektoren nicht richtig eingestellt waren. Auch moderne digitale Projektoren, die schnell zwischen rechtem und linkem Bild wechseln, können für manche Menschen anstrengend sein.

Halluzinationen: Halluzinationen können viele Ursachen haben - etwa die Einnahme von Drogen wie LSD oder Meskalin. Auch Schädigungen der Sehnerven oder Migräne können dazu führen, dass man Dinge sieht, die gar nicht da sind. Gemein ist visuellen Halluzinationen eine Störung im Zusammenspiel von visuellem System und Strukturen des Gedächtnisses.

Reizüberflutung

Lärm und Helligkeit: Laute Soundeffekte und helle Lichteffekte können Migräne triggern.

Gerüche: Popcorn, Nachos und andere Snacks verströmen intensive Gerüche, die bei manchen Menschen Migräne auslösen können.

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Stress und Anspannung

Erwartungshaltung und Aufregung: Die Vorfreude auf den Film und die Aufregung während des Films können Stress verursachen.

Unbequeme Sitzposition: Langes Sitzen in einer unbequemen Position kann zu Muskelverspannungen führen, die Migräne begünstigen.

Weitere Faktoren

Schlafmangel: Müdigkeit erhöht die Anfälligkeit für Migräne.

Dehydration: Zu wenig Flüssigkeit kann ebenfalls Migräne auslösen.

Ausgelassene Mahlzeiten: Unregelmäßige Mahlzeiten oder Hunger können den Blutzuckerspiegel senken und Migräne begünstigen.

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Symptome bei visuell induziertem Schwindel

Bei einer Episode von visuell induziertem Schwindel können folgende Symptome auftreten:

  • Schwindel
  • Gangunsicherheit
  • Benommenheit
  • Desorientiertheit
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Schwitzen
  • Speichelfluss
  • Müdigkeit
  • Blasswerden

Die Symptome werden mit Seekrankheit oder Trunkenheit verglichen.

Diagnose des visuell induzierten Schwindels

Visuell induzierter Schwindel kann durch verschiedene vestibuläre Störungen verursacht werden. Daher sollte man einen auf Schwindel spezialisierten Neuro-Otologen oder HNO-Arzt konsultieren. Diese spezialisierten Ärzte werden eine gründliche Anamnese erheben, eine neurologische Untersuchung und verschiedene Tests, um die Funktion deines vestibulären Systems zu beurteilen, durchführen.

Vorbeugende Maßnahmen und Tipps für einen migränefreien Kinobesuch

Um das Risiko einer Migräneattacke nach dem Kinobesuch zu minimieren, können folgende Maßnahmen helfen:

  • Wahl des Films: Wer empfindlich auf 3D-Effekte reagiert, sollte 2D-Filme bevorzugen. Auch Filme mit schnellen Schnitten und vielen visuellen Effekten können problematisch sein.
  • Sitzplatz: Ein Platz in der Mitte des Kinosaals sorgt für eine gleichmäßige Lichtverteilung auf beide Augen.
  • Pausen: Bei langen Filmen kann es hilfreich sein, kurze Pausen einzulegen, um die Augen zu entlasten.
  • Hydratation: Ausreichend Wasser trinken, um Dehydration vorzubeugen.
  • Verpflegung: Gesunde Snacks einpacken, um den Blutzuckerspiegel stabil zu halten.
  • Entspannung: Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation oder Atemübungen können helfen, Stress abzubauen.
  • Schlaf: Ausreichend Schlaf vor dem Kinobesuch, um Müdigkeit zu vermeiden.
  • Medikamente: Bei bekannter Migräne können vorbeugend oder bei ersten Anzeichen von Kopfschmerzen Medikamente eingenommen werden.
  • Sonnenbrille: Die Augen können empfindlich auf das helle Licht reagieren, daher kann eine Sonnenbrille helfen.
  • Ruhe: Nach dem Film sollte man sich ausreichend Ruhe gönnen, um die Reize zu verarbeiten.

Behandlung von visuell induziertem Schwindel

Die Behandlung von visuell induziertem Schwindel hängt zum Teil davon ab, wodurch er verursacht wird. Wenn er durch eine Grunderkrankung verursacht wird, wie z. B. vestibuläre Migräne oder persistierender postural-perzeptiver Schwindel (PPPD), kann die Behandlung dieser Erkrankung einige deiner Symptome lindern.

Auch bei visuell induziertem Schwindel brauchst du spezielle Hilfe, z. B. eine vestibuläre Rehabilitation und visuelle Habituationsübungen für zu Hause. Das Ziel dieser Behandlungen ist es, dein Gleichgewichtssystem neu zu trainieren und die Abhängigkeit vom visuellen System zu verringern.

Die Rolle des vestibulären Systems

Visuell induzierter Schwindel entsteht in der Regel als Folge einer Störung des vestibulären Systems.

Das Gleichgewichtssystem des Gehirns kombiniert Informationen aus vielen Quellen, darunter:

  • Das vestibuläre System (die Bogengänge und Maculaorgane im Innenohr), welches Kopfbewegungen und Geschwindigkeitsänderungen der Kopfbewegung wahrnimmt
  • Das visuelle System, d. h. die Augen
  • Das propriozeptive System, welches Signale über Position, Druck, Bewegung und Vibration von den Beinen und Füßen und dem Rest des Körpers an das Gehirn sendet

In jedem Moment wertet dein Gehirn all diese verschiedenen Signale aus und entscheidet, welche in diesem Moment wichtiger und zuverlässiger sind.

Medikamentöse Therapie bei Migräne

Zur Behandlung aller Kernsymptome der Migräne sind wenige Medikamente zugelassen. Die Tagesschläfrigkeit wird mit Stimulantien (wachhaltenden Medikamenten) behandelt. Die Medikamente Xyram (Wirkstoff Natrium-Oxybat) und Modafinil werden am häufigsten zur Behandlung von Kataplexien, Schlaflähmung und Halluzinationen eingesetzt, auch Antidepressiva sind gegen diese Symptome wirksam. Allen gemeinsam ist, dass sie starke Nebenwirkungen haben können. Dazu zählen Kopfschmerzen, Übelkeit und innere Unruhe. Außerdem kann es bei 30 bis 40 Prozent der Patientinnen und Patienten zur Toleranzentwicklung, also eine Gewöhnung an eine hohe Dosis des Medikaments, kommen. Deshalb ist eine regelmäßige Kontrolle und Anpassung der Dosierung nötig. So kann man Maßnahmen ergreifen, wie einen sogenannten „Drug Holiday“ - eine Pause von der Medikation - um anschließend den Erkrankten wieder auf eine niedrige Dosierung einzustellen.

Alternative Behandlungen

Einige pflanzliche Präparate (Phytotherapeutika wie Mutterkraut, Pestwurz), aber auch ein homöopathisches Komplex-Medikament sind bezüglich ihrer kopfschmerzprophylaktischen Wirkung in Studien untersucht worden und konnten ihre Wirkung belegen. Magnesium, Coenzym Q10 und Vitamin B2 (Riboflavin) spielen eine Rolle in der Energiebereitstellung der Zelle (mitochondrialer Stoffwechsel). Auch für diese Substanzen konnte die migräneprophylaktische Wirkung in Studien gezeigt werden.

Verhaltenstipps zur Migränevorbeugung

  • Beobachten Sie sich selbst.
  • Vermeiden Sie die Auslösefaktoren für Ihre Schmerzattacken.
  • Erlernen Sie Methoden der Stressbewältigung.
  • Machen Sie Entspannungsübungen. Hier bieten sich viele Praktiken wie zum Beispiel Progressive Muskeltiefenentspannung nach Jacobson, Biofeedback, Autogenes Training, fernöstliche Praktiken wie Qi-Gong und Meditation an.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig.
  • Gönnen Sie sich etwas Gutes wie einen Theater-, Konzert-, Kinobesuch oder lassen Sie sich mit einem Wellness-Tag verwöhnen. Auch ein ausgiebiger Plausch mit der besten Freundin kann Ihnen Freude machen.
  • Finden Sie die richtige Einstellung zu Ihrer Migräne.

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