Konzentrationsschwache Präparate zur Steigerung der Gehirnleistung: Ein umfassender Überblick

In der heutigen schnelllebigen Welt, in der psychische Belastbarkeit, Stressresistenz, hohe Konzentrationsfähigkeit und schnelles Reaktionsvermögen gefordert werden, suchen viele Menschen nach Möglichkeiten, ihre geistige Leistungsfähigkeit zu steigern. Der Einsatz von Substanzen zur Verbesserung der kognitiven Funktionen, auch als Neuroenhancement oder Gehirndoping bekannt, ist ein wachsendes Phänomen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte des Neuroenhancements, von den verwendeten Substanzen über ihre Wirkungen und Nebenwirkungen bis hin zu ethischen und gesellschaftlichen Implikationen.

Was ist Neuroenhancement?

Neuroenhancement ist der Versuch gesunder Personen, ihre geistige Leistungsfähigkeit durch die Einnahme psychoaktiver Substanzen zu steigern. Im Wesentlichen sollen Aufmerksamkeit, Konzentration und Gedächtnis verbessert werden. Der Begriff "Gehirndoping" beschreibt den Gebrauch einer Untergruppe dieser psychoaktiven Substanzen, die verschreibungspflichtig sind oder bei denen es sich um Betäubungsmittel handelt und deren Anwendung durch Gesunde einen Missbrauch darstellt. Die Einnahme von nicht verschreibungspflichtigen OTC-Arzneimitteln wird gelegentlich als "Soft-Enhancement" bezeichnet, das auch die Einnahme von homöopathischen Mitteln umfasst. Eine weitere Unterdefinition ist das "Mood Enhancement", das die Einnahme von Substanzen, überwiegend Antidepressiva, beschreibt, die emotionale Funktionen und damit das psychische Wohlbefinden beeinflussen sollen.

Der Gebrauch von Mitteln, die den Wachzustand und die geistige Leistungsfähigkeit beeinflussen, ist kein neues gesellschaftliches Phänomen. Seit jeher versuchen Menschen, durch den Einsatz verschiedenster Substanzen sowohl ihre körperliche als auch ihre geistige Leistungsfähigkeit zu verbessern.

Verbreitung von Neuroenhancement

Aktuell geben 6,7 % der deutschen Erwerbstätigen zwischen 20 und 50 Jahren an, bereits einmal Neuroenhancement praktiziert zu haben - Tendenz steigend. Eine repräsentative Umfrage aus dem Jahr 2015 ergab, dass 6,7 % der Befragten schon einmal Gehirndoping praktiziert haben. Etwa 45 % nehmen täglich Arzneimittel ein, 63 % nutzen sie alle zwei Wochen oder häufiger. Dabei stand das psychische Wohlbefinden häufiger im Vordergrund als die Leistungssteigerung, wobei hier geschlechtsspezifische Unterschiede festzustellen waren: Männern kam es eher auf die geistige Leistungssteigerung an, während Frauen auf eine Stimmungsaufhellung und den Abbau von Ängsten und Nervosität zum Ziel hatten.

Die Zunahme des pharmakologischen Neuroenhancement spiegelt die gestiegenen Anforderungen der heutigen Arbeitswelt wider. Aus diesem Grund finden sich unter den Anwendern von Neuroenhancement nicht mehr nur Künstler und Intellektuelle, sondern Banker, Manager, Softwareentwickler, Wissenschaftler, Ärzte und zunehmend auch Schüler und Studenten.

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Substanzen für Neuroenhancement

Die am häufigsten verwendeten Substanzen sind Koffein, Ginkgo biloba, Methylphenidat, Amphetamine und Modafinil, aber auch Antidementiva und Antidepressiva bis zu illegalen Drogen wie Speed oder Ecstasy kommen zum Einsatz.

Nicht-verschreibungspflichtige Substanzen

  • Koffein: Koffein in Form von Kaffee ist die weltweit am häufigsten verwendete Substanz mit psychoaktiven Eigenschaften. Es steigert die Aufmerksamkeit und Wachheit, verkürzt die Reaktionszeiten und steigert die Gedächtnisleistung, allerdings nur bei Aufgaben mit moderatem Schwierigkeitsgrad. Nebenwirkungen treten in der Regel bei Dosierungen über 200 mg auf und umfassen Kopfschmerzen, Unruhe, Schwitzen, Magen-Darm-Beschwerden, Nervosität, Schlafstörungen/Schlaflosigkeit, Zittern, Bluthochdruck, Beschleunigung des Herzschlags, Herzrhythmusstörungen und Übelkeit. Regelmäßige Koffein-Konsumenten entwickeln eine milde Abhängigkeit von der Substanz.
  • Ginkgo biloba: Ginkgo-Extrakt ist unter anderem zur symptomatischen Behandlung von Beschwerden bei hirnorganisch bedingten Leistungsstörungen bei demenziellem Syndrom zugelassen. Zu den beschriebenen Eigenschaften gehören neuroprotektive, antioxidative und durchblutungsfördernde Wirkungen. Als Nebenwirkungen können leichte allergische Hautreaktionen und Wechselwirkungen mit Gerinnungshemmern auftreten.
  • Nahrungsergänzungsmittel: Es gibt eine Vielzahl von Nahrungsergänzungsmitteln, die zur Verbesserung der Konzentration und des Gedächtnisses beworben werden. Dazu gehören Resveratrol, Phosphatidylserin, Rhodiola Rosea, Bacopa Monnieri, Maca Root und L-Theanin. Viele leistungssteigernde Medikamente gegen Vergesslichkeit beinhalten natürliche Inhaltsstoffe, die die Konzentrationsfähigkeit auf gesunde Art steigern können.

Verschreibungspflichtige Substanzen

  • Methylphenidat und Amphetamine: Methylphenidat und Dexamfetamin sind in Deutschland zugelassen zur Behandlung der Aufmerksamkeits-Defizin-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) und unterliegen dem Betäubungsmittelgesetz. Sie steigern die Wachheit, (Dauer-)Aufmerksamkeit, Konzentration und verkürzen die Reaktionszeiten. Die Liste der Nebenwirkungen ist lang und umfasst Überempfindlichkeitsreaktionen, Magen-Darm-Beschwerden, Appetitminderung, Kopfschmerzen, Schwindel, innere Unruhe, Schlafstörungen, Nervosität, Übelkeit, Erbrechen, Zittern, Schweißausbrüche und Hitzewallungen, Delirium-ähnliche Zustände mit Halluzinationen, Bluthochdruck, Beschleunigung des Herzschlags, Herzrhythmusstörungen bis zum plötzlichen Herztod, zerebrale Krampfanfälle, etc. Wie alle Stimulanzien können Methylphenidat und Amphetamine insbesondere zu psychischen Abhängigkeiten führen.
  • Modafinil: In Deutschland ist Modafinil verschreibungspflichtig und zur Behandlung exzessiver, krankhafter Tagesmüdigkeit bei Narkolepsie zugelassen. Zu den am häufigsten auftretenden Nebenwirkungen gehören verminderter Appetit, Kopfschmerzen, Nervosität, Schlaflosigkeit, Angst, Depression, Denkstörungen, Verwirrtheit, Reizbarkeit, Schwindelgefühl, verschwommenes Sehen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Mundtrockenheit, Durchfall, Verstopfung, Brustschmerzen, Beschleunigung des Herzschlags, Herzklopfen, Bluthochdruck und viele weitere.
  • Antidementiva: Zu den Antidementiva gehören Acetylcholinesterase-Inhibitoren (Donepezil, Galantamin und Rivastigmin) und Memantin, die zur Behandlung der Alzheimer-Demenz eingesetzt werden. Typische Nebenwirkungen sind Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Kopfschmerzen, Schwindel, Schwächegefühl, Appetitlosigkeit, Zittern, Harninkontinenz und dosisabhängig Halluzinationen, Verwirrtheit, Erregungszustände und aggressives Verhalten.
  • Antidepressiva: Aus der Gruppe der Antidepressiva werden überwiegend selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer als Neuroenhancer eingesetzt. Häufigste Nebenwirkungen sind verminderter Appetit und Gewichtsverlust, Nervosität, Ruhelosigkeit, Angst, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Aufmerksamkeitsstörungen, Schwindel, Benommenheit, verschwommenes Sehen, Störungen der Sexualfunktion und gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung.

Wirkungen und Nebenwirkungen

Eine Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit bei Gesunden ist tatsächlich nur für die Substanzen Koffein, Methylphenidat, Amphetamine und Modafinil nachgewiesen. Im Mittel sind diese Wirkungen eher moderat. Im Einzelfall sind jedoch stärkere Wirkungen möglich: In Abhängigkeit von den genetischen Voraussetzungen spricht jeder Proband mehr oder weniger stark auf die unterschiedlichen Substanzen an. Die Wirkung der Stimulanzien ist darüber hinaus abhängig von der kognitiven Ausgangssituation: Bei Personen am unteren Rand des Leistungsspektrums ist eine deutlich stärkere Leistungssteigerung zu erwarten als bei Personen mit bereits zu Beginn sehr hohem Leistungsniveau.

Unabhängig von der Wirkstärke beim Einzelnen sind die Effekte angesichts der Nebenwirkungen und des Abhängigkeitspotentials psychoaktiver Substanzen unter Umständen durch erhebliche gesundheitliche Nachteile erkauft. Veränderungen und Anpassungen des Hirnstoffwechsels erfordern in der Regel sehr schnell eine Regelmäßigkeit der Einnahme und eine Dosissteigerung. Die Studienlage zum Einsatz von Neuroenhancern bei Gesunden hinsichtlich Wirkungen, Nebenwirkungen und Langzeiteffekten ist insgesamt schlecht, so dass eine umfassende Bewertung dieser Substanzen schwierig ist.

Ethische und gesellschaftliche Aspekte

Der Einsatz von Neuroenhancern wirft eine Reihe von ethischen und gesellschaftlichen Fragen auf. Handelt es sich bei der Einnahme leistungssteigernder Medikamente um verwerfliches „Hirndoping“ im täglichen Konkurrenzwettbewerb? Oder kann „Cognitive Enhancement“ die Chancengleichheit fördern - beispielsweise indem es Studierenden mit Nebenjobs und Kindern hilft, Mehrfachbelastungen zu kompensieren?

Die vielfältigen Aspekte des „Hirndopings“ zeigen, wie wichtig es ist, mögliche Folgen des lebenswissenschaftlichen Fortschritts mit einem gesellschaftlichen Diskurs zu begleiten. Dieser muss die ethischen, rechtlichen und sozialen Dimensionen neuer Entwicklungen öffentlich ausleuchten.

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Alternativen zum pharmakologischen Neuroenhancement

Es gibt auch nicht-pharmakologische Methoden zur Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit. Dazu gehören:

  • Gehirnjogging: Wissenschaftlich fundiertes Gehirnjogging kann die Fähigkeit zur Selbstkontrolle stärken und so die Konzentration verbessern.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen ist wichtig für die Gehirnfunktion. Insbesondere B-Vitamine, Omega-3-Fettsäuren und antioxidative Stoffe können die Konzentration und das Gedächtnis unterstützen.
  • Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität fördert die Durchblutung des Gehirns und kann die kognitive Leistungsfähigkeit verbessern.
  • Schlaf: Ausreichend Schlaf ist essentiell für die Regeneration des Gehirns und die Aufrechterhaltung der Konzentration.
  • Stressmanagement: Stress kann die Konzentration beeinträchtigen. Entspannungstechniken wie Meditation oder Yoga können helfen, Stress abzubauen und die Konzentration zu verbessern.
  • Organisation: Eine gute Organisation und das Vermeiden von Ablenkungen können die Konzentration erleichtern.

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