Kopfschmerzen und Nervenschmerzen bei Wirbelsäulenmetastasen: Ursachen und Behandlung

Wirbelsäulenmetastasen stellen eine besondere Herausforderung in der Onkologie dar, da sie sowohl starke Schmerzen als auch neurologische Ausfälle verursachen können. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Kopf- und Nervenschmerzen im Zusammenhang mit Wirbelsäulenmetastasen und gibt einen Überblick über die verschiedenen Behandlungsansätze.

Was sind Wirbelsäulenmetastasen?

Knochenmetastasen (Skelettmetastasen) sind Absiedlungen von Tumoren in die Knochen. Sie sind nicht zu verwechseln mit dem eigentlichen Knochenkrebs, der im Knochen selbst entsteht - wie beispielsweise Osteosarkome. Da der Weg der Krebszellen über die Blutbahnen oder Lymphbahnen führt, sind gut durchblutete Körperregionen besonders stark von Metastasen betroffen.

Ursachen von Kopf- und Nervenschmerzen bei Wirbelsäulenmetastasen

Metastasen in der Wirbelsäule können auf Nerven oder das Rückenmark drücken. Ein weiteres Symptom bei Skelettmetastasen können Empfindungsstörungen wie Kribbeln oder Taubheit sein, wenn die Metastasen auf Nerven oder auf das Rückenmark drücken. Üben die Metastasen Druck auf Nerven aus, werden die Schmerzen durch die Entfernung des einengenden Gewebes gemildert und auch Lähmungen können sich wieder zurückbilden.

Direkter Druck auf Nervenstrukturen

Das Wachstum von Metastasen im Bereich der Wirbelsäule kann direkten Druck auf das Rückenmark oder die Spinalnerven ausüben. Dieser Druck kann zu einer Vielzahl von neurologischen Symptomen führen, einschließlich:

  • Nervenschmerzen (Neuralgien): Diese Schmerzen strahlen in das Ausbreitungsgebiet des betroffenen Nervs aus und können als brennend, stechend oder reißend empfunden werden.
  • Kopfschmerzen: Metastasen in der Halswirbelsäule oder in der oberen Brustwirbelsäule verursachen daher unter Umständen auch Schmerzen im Nacken und in den Schultern.
  • Empfindungsstörungen: Kribbeln, Taubheit oder andere Missempfindungen in Armen und Beinen.
  • Muskelschwäche: Schwächung der Muskeln, bis hin zu Lähmungserscheinungen.
  • Funktionsstörungen: Störungen beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang.

Knochenschmerzen

Knochenmetastasen schwächen den Knochen und können früher oder später zu Knochenbrüchen (Frakturen) führen. Sogenannte osteolytische Metastasen führen zu Knochenabbau und damit relativ schnell zu Knochenbrüchen - selbst bei normaler Belastung. Osteoplastische Metastasen regen dagegen eine überschießende Knochenproduktion an. Das verbessert allerdings nicht die Stabilität der Knochen. Im Gegenteil: Die neue Knochensubstanz ist minderwertig und die Gefahr von Knochenbrüchen steigt ebenfalls. Schmerzen entstehen, wenn die Skelettmetastasen die empfindliche Knochenhaut dehnen. Die Schmerzen können von den betroffenen Körperstellen auf andere Regionen ausstrahlen. Kreuzschmerzen im unteren Bereich des Rückens können auf Metastasen in der Lendenwirbelsäule hindeuten.

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Entzündungsreaktionen

Das Vorhandensein von Metastasen kann Entzündungsreaktionen im umliegenden Gewebe auslösen. Diese Entzündungen können die Schmerzempfindlichkeit erhöhen und zu chronischen Schmerzen führen.

Diagnostik von Wirbelsäulenmetastasen

Die Diagnose von Wirbelsäulenmetastasen umfasst in der Regel eine Kombination aus bildgebenden Verfahren und neurologischen Untersuchungen.

Bildgebende Verfahren

  • Skelettszintigraphie: Die Knochenszintigraphie ist die Standardmethode zur Diagnose von Knochenmetastasen. Ein in die Blutbahn gespritzter Marker aus schwach radioaktiven Substanzen soll unkontrollierten Knochenabbau oder Knochenaufbau aufdecken.
  • Röntgenuntersuchung: Das Röntgen eignet sich vor allem zur Diagnose von Knochenmetastasen in Armen und Beinen.
  • Computertomographie (CT): Eine Computertomographie kommt in der Regel erst zum Einsatz, wenn der Befund aus Szintigraphie und Röntgenuntersuchung unklar ist. Bei einer CT werden auch kleinere Knochenmetastasen sichtbar. Außerdem können die Ärztinnen und Ärzte die Ausbreitung der Metastasen sowie die Stabilität der Knochen besser beurteilen.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Eine MRT ist ein sehr empfindliches Untersuchungsverfahren. Damit können die Ärztinnen und Ärzte gut sehen, ob das Knochen- oder Rückenmark befallen ist oder sogar eine Rückenmarkkompression vorliegt.
  • PET-CT: Mit der Kombination aus Positronenemissionstomographie (PET) und CT können die Ärztinnen und Ärzte Knochenmetastasen manchmal besser und teilweise auch früher entdecken. Ob eine PET-CT zur Diagnostik sinnvoll ist, richtet sich nach der Tumorart und der Krankheitssituation.

Neurologische Untersuchung

Eine neurologische Untersuchung kann helfen, das Ausmaß der Nervenschädigung zu beurteilen und die geeignete Behandlung zu planen.

Behandlung von Kopf- und Nervenschmerzen bei Wirbelsäulenmetastasen

Die Behandlung von Kopf- und Nervenschmerzen bei Wirbelsäulenmetastasen zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die neurologischen Funktionen zu erhalten und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Die Therapie der Wahl ist daher die Operation. Mit dieser erreichen wir eine Druckentlastung.

Schmerztherapie

Bei fast allen Krebspatienten kann durch eine medikamentöse Therapie der Schmerz ausgeschaltet oder zumindest auf ein erträgliches Maß reduziert werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt bei Tumorschmerzen das sogenannte Stufenschema das in der Mehrzahl der Fälle erfolgreich ist.

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  • Nicht-Opioid-Analgetika: Dazu zählen beispielsweise Wirkstoffe wie Metamizol, Ibuprofen oder Diclofenac.
  • Opioide: Opioide ähneln den Endorphinen, also Botenstoffen, die der Körper bei einem Schmerzreiz selbst produziert. Sie entfalten ihre Wirkung im Gehirn und Rückenmark und sorgen dafür, dass Schmerzreize unterdrückt werden. Es gibt eine Vielzahl verschiedener Darreichungsformen, z.B. Tabletten, Kapseln oder Pflaster (transdermale Anwendung). Der Begriff „retardiertes Opioid“ bei Tabletten und Kapseln bedeutet, dass der Wirkstoff im Körper über einen verlängerten Zeitraum abgegeben wird. Damit wird eine längere Schmerzlinderung erreicht.
  • Adjuvante Analgetika: Beim Sonderfall Nervenschmerzen im Zusammenhang mit einem Tumor kommen die bei anderen neuropathischen Schmerzen eingesetzten Medikamente zum Einsatz.

Strahlentherapie

Bei der Bestrahlung von Knochenmetastasen ohne gleichzeitigen operativen Eingriff durchdringt ionisierende Strahlung aus einem Linearbeschleuniger die Haut. Dies dient der Abtötung der Metastase und der Schmerzbefreiung. Diese perkutane Strahlentherapie führen die Krebsspezialisten ambulant über mehrere Wochen durch. Die Strahlendosis ist abhängig von der Lage und Größe der Knochenmetastasen.

Operation

Grundsätzlich ist eine Operation bei Knochenmetastasen indiziert, wenn Schmerzen ansonsten nicht beherrschbar sind oder Frakturen mit Funktionsausfall (nicht mehr gehen können, nicht mehr die Arme nutzen können) aufgetreten sind. Eine Operation bei Knochenmetastasen kann aber auch Schmerzen der Patienten lindern. Die Stabilisierung der mit Metastasen befallenen Wirbelkörper mit Knochenzement (Kyphoplastie) kann durch die Hybrid-Technik mit einer Bestrahlung verbunden werden. Diese „Intraoperative Radiotherapie“ (Kypho- IORT) kombiniert die zwei zuvor getrennten Therapieschritte auf optimale Weise.

Chemotherapie

Bei zahlreichen Knochenmetastasen an unterschiedlichen Stellen im Körper kommt eher eine systemische Therapie (den ganzen Körper betreffend) wie die Chemotherapie infrage. Reduzieren die Knochenmetastasen ihre Größe und Anzahl durch die Chemotherapie, können Operation oder Bestrahlung wieder effizienter eingesetzt werden.

Bewegungstherapie

Patienten sollten Bewegung bei Knochenmetastasen nicht komplett vermeiden. Dies könnte zu einer Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustands führen, der ausschlaggebend für den Erfolg der Krebsbehandlung bei Skelettmetastasen ist. Patienten, die sich aus Angst vor Knochenbrüchen kaum noch bewegen, fördern das Risiko von Muskelabbau, Herz- und Kreislaufkrankheiten, Atembeschwerden, Appetitlosigkeit sowie Depressionen.

Komplementäre Therapien

Ergänzend zur schulmedizinischen Behandlung können komplementäre Therapien wie Physiotherapie, Ergotherapie, Akupunktur oder Entspannungstechniken eingesetzt werden, um die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

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