Ein Schlaganfall ist ein einschneidendes Ereignis, das nicht nur die Gesundheit, sondern auch das Berufsleben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Die Reintegration in die körperliche Arbeit nach einem Schlaganfall stellt eine besondere Herausforderung dar, die jedoch mit gezielten Maßnahmen und Unterstützung erfolgreich gemeistert werden kann. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der beruflichen Wiedereingliederung nach einem Schlaganfall, von den medizinischen Grundlagen über die Rehabilitationsmöglichkeiten bis hin zu praktischen Tipps und Hilfestellungen für Betroffene und Angehörige.
Was ist ein Schlaganfall?
Ein Schlaganfall, auch Apoplex, Insult oder Stroke genannt, ist eine lebensgefährliche, plötzlich auftretende Mangelversorgung der Nervenzellen im Gehirn. Diese Mangelversorgung kann zu verschiedenen Ausfällen führen, wie z.B. Lähmungen einer Körperseite, Sprachstörungen, Sehstörungen, Kopfschmerzen und Gleichgewichtsstörungen. Ein Schlaganfall wird entweder durch den Verschluss einer Hirnarterie (ischämisch) oder durch das Reißen einer Hirnarterie (hämorrhagisch) verursacht und ist ein medizinischer Notfall, bei dem ein schneller Therapiebeginn entscheidend für den Behandlungserfolg ist. Jede Minute zählt, auch bei sog. transitorischen ischämischen Attacken (TIA), die Vorboten von Schlaganfällen sein können, bei denen Ausfallerscheinungen auftreten, die aber oft nach kurzer Zeit schon wieder verschwinden. Wer das nicht ernst nimmt, riskiert dauerhafte leichte Hirnschäden.
Risikofaktoren für einen Schlaganfall sind u.a. Bluthochdruck, Rauchen, Bewegungsmangel, Übergewicht, Alter, Vererbung und ein bereits erlittener Schlaganfall. Teilweise können Betroffene z.B. Andere Risikofaktoren wie Alter, Vererbung und einen schon erlittenen Schlaganfall können die Betroffenen nicht beeinflussen, aber sie können sich dann besonders darauf konzentrieren, die beeinflussbaren Risiken zu senken. Wer schon einen Schlaganfall hatte, wird z.B. oft mit Medikamenten behandelt, die z.B. Bestimmte Schlaganfallrisiken betreffen nur Frauen, z.B. Bluthochdruck in der Schwangerschaft (Präeklampsie), hormonelle Verhütung, Hormonersatztherapie wegen Beschwerden durch die Wechseljahre und Hormonschwankungen. Andere betreffen Frauen häufiger als Männer, z.B. Auch Dauerstress und hohe Luftverschmutzung erhöhen das Schlaganfallrisiko.
Auswirkungen des Schlaganfalls auf die Arbeitsfähigkeit
Die Auswirkungen eines Schlaganfalls auf die Arbeitsfähigkeit sind vielfältig und hängen von der Schwere des Schlaganfalls, der betroffenen Hirnregion und den individuellen Fähigkeiten des Patienten ab. Viele Betroffene sind nach einem Schlaganfall körperlich und geistig eingeschränkt und erholen sich nur langsam. Von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde 1980 das Krankheitsfolgenmodell entwickelt, das eine allgemein anerkannte Grundlage für ein umfassendes Verständnis der Rehabilitation darstellen kann.
Schädigungen: Damit bezeichnet man Einschränkungen körperlicher Funktionen. Hierzu gehören u. a. Kraftminderung (Lähmung), Gefühlsstörungen (Sensibilitätsstörungen), Sprach- und Sprechstörungen (Aphasie, Dysarthrie), Schädigungen des Sehens oder Hörens (z.B. Gesichtsfeldeinschränkung), Hirnleistungsminderungen (z.B. Störungen des Erinnerungsvermögens und der Aufmerksamkeit) sowie psychische Veränderungen (z.B. depressive Reaktion).
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Einschränkungen bei Aktivitäten des täglichen Lebens: Aus den genannten Funktionseinschränkungen des Körpers resultieren Einschränkungen bei Aktivitäten des täglichen Lebens. So ist durch eine Lähmung oftmals die Mobilität (z.B. Gehvermögen, Vermögen Treppen zu steigen) gemindert, durch Sprach- oder Sprechstörungen ist die Fähigkeit zu kommunizieren eingeschränkt.
Einschränkungen bezüglich der Partizipation (Teilhabe am sozialen Leben): Folge der eingeschränkten Körperfunktionen und der daraus resultierenden Aktivitätsstörungen sind auch Schwierigkeiten, sich in den bisherigen sozialen und beruflichen Lebensbereichen wieder zurechtzufinden.
Ein Großteil der Betroffenen kann nicht an seinen alten Arbeitsplatz zurückkehren, sondern muss Tätigkeiten mit geringeren Anforderungen übernehmen. Etwa ein Viertel der Betroffenen schaffe den Weg in die Vollzeittätigkeit. Für die Hälfte komme lediglich eine Teilzeitbeschäftigung in Betracht. Der Prozess bis dahin dauere - je nach Patient und Schweregrad des Schlaganfalls - sechs bis zwölf Monate. „Es kann in Einzelfällen auch mal bis zu zwei Jahre und länger brauchen", so Smeja. Und auch das gehört zur Wahrheit: Ein Drittel bis ein Viertel der Patienten bleibt arbeitsunfähig.
Rehabilitation nach Schlaganfall: Ein многоphasiger Prozess
Nach Schlaganfällen sind in der Regel umfangreiche Reha-Maßnahmen nötig, von der Frührehabilitation im Krankenhaus bis hin zu Leistungen zur Teilhabe bei einer Behinderung durch den Schlaganfall in verschiedenen Lebensbereichen wie Arbeit, Wohnen und Freizeit. Die Rehabilitation nach einem Schlaganfall beginnt schon auf der Stroke Unit im Krankenhaus, Näheres unter Frührehabilitation. Sie wird dann je nach Bedarf in mehreren Phasen weitergeführt, Näheres unter Rehabilitation > Phasen A-F. Diese führen von der Frührehabilitation über eine neurologische Anschlussrehabilitation bis hin zur beruflichen Rehabilitation und anderen Maßnahmen zur Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen, z.B. Leistungen zur sozialen Teilhabe.
Ziel der medizinischen Rehabilitationsbehandlung ist es, den Schlaganfallbetroffenen möglichst wieder die Rückkehr in sein bisheriges soziales und ggf. auch berufliches Umfeld zu ermöglichen. In der Behandlung geht es einerseits darum, durch geeignete Trainingsverfahren und zum Teil auch durch medikamentöse Unterstützung eine Rückbildung der körperlichen Funktionseinschränkungen (Schädigungen) zu erzielen. Andererseits geht es darum, die Alltagskompetenz des Schlaganfallbetroffenen wieder zu fördern. Das heißt seine Fähigkeit, sich alleine zu waschen, anzuziehen, sich Mahlzeiten zubereiten etc. wieder zu erlangen. Dies kann einerseits durch eine Verbesserung der körperlichen Funktionen (Schädigungen) erreicht werden, andererseits aber auch durch Erlernen von Strategien, wie man mit körperlichen Einschränkungen besser zurechtkommen kann und durch die Verordnung und das Erlernen des Umganges mit entsprechend geeigneten Hilfsmitteln (z.B.
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Die nach dem Phasenmodell der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation gestufte Versorgung von Schlaganfallpatienten in Deutschland bietet ein breites, partiell oder sequenziell nutzbares Spektrum von Rehabilitationsmöglichkeiten (Grafik 1 gif ppt). Nach diesem Modell entspricht die Notfallbehandlung auf einer Stroke Unit einer Akuttherapie in der Phase A. Die neurologische Frührehabilitation stellt die Behandlungs- und Rehabilitationsphase B dar und ist gekennzeichnet durch hohen Bedarf an (intensiv)medizinischer Behandlung. Phase C ist die Rehabilitationsphase, in der die Patienten in der Therapie bereits mitarbeiten können, jedoch noch kurativmedizinisch und mit pflegerischem Aufwand betreut werden müssen. Phase D ist die Rehabilitationsphase nach Abschluss der Frühmobilisation. Sie entspricht als Anschlussheilbehandlung der Rehabilitation im engen Sinne. In einer Phase E können berufliche Wiedereingliederungsversuche erfolgen, in der Phase F dauerhafte unterstützende, betreuende oder zustandserhaltende Maßnahmen.
Rehabilitative Maßnahmen
Die Behandlung und Rehabilitation umfasst je nach Bedarf z.B. Psychotherapie (z.B. Orthopädische und andere Hilfsmittel, z.B. Leistungen zur Beschäftigung in einer Werkstatt für behinderte Menschen oder Alternativen zu Werkstätten für Menschen mit Behinderungen für eine Beschäftigung außerhalb einer Behindertenwerkstatt, z.B.
Ein individueller Therapieplan kann je nach Art, Schwere und Komplexität der funktionellen Einschränkungen beispielsweise ausgerichtet sein auf:
- Lähmungen einer Hand, eines Armes oder/und eines Beines (Hemiparese)
- Sehstörungen
- Schluckstörungen
- Sprachstörungen
- Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
- Psychische Probleme wie Depressionen oder Angstzustände
Darüber hinaus werden individuelle Faktoren berücksichtigt, wie:
- Art und Ort der Schädigung
- Schweregrad der Symptome
- Krankheitsverständnis
- Begleiterkrankungen
- Risikofaktoren
- Bildung
- Alter
Weiterhin werden kontextbezogen bedeutsame Merkmale einbezogen, die im Heilverlauf als förderliche (z. B. unterstützendes Umfeld durch Familie und Freunde) und hemmende Faktoren (z. B. alleinlebend, drohender Jobverlust) wirken können. Die Beziehung zu und Einbindung von Angehörigen, die aktuelle Lebenssituation, Herausforderungen im familiären Umfeld und die berufliche Prognose sind häufige Aspekte, die auch für die Sozialberatung relevant werden, wenn die Entlassung aus der Reha nach Hause ansteht und einiges vorzubereiten ist. Hier brauchen viele Betroffene Unterstützung, wie es in dem veränderten Alltag für sie konkret weitergeht.
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Beispiele für rehabilitative Maßnahmen sind:
- Physiotherapie / Krafttraining: Wer im Rollstuhl sitzt oder bettlägerig ist, kann beispielsweise üben, von einem Stuhl oder aus dem Bett aufzustehen und einige Schritte zu gehen. Durch Training von Gleichgewicht, Kraft und Ausdauer kann man lernen, wieder sicherer zu gehen. Auch Einschränkungen von Arm und Hand lassen sich mit Übungen mindern - zum Beispiel, indem der gelähmte Arm verstärkt benutzt wird. Dies kann auch Schulterschmerzen vorbeugen. In der Physiotherapie werden Übungen durchgeführt, um die körperliche Aktivität zu verbessern. Beispiele sind Gangtraining mit Unterstützung eines Laufbandes, Gleichgewichtsübungen sowie Übungen zur Beweglichkeit, Ausdauer und Kräftigung der betroffenen Muskeln.
- Logopädie: Menschen, die einen Schlaganfall hatten, haben häufig Schwierigkeiten, Sätze zu bilden oder Worte zu finden. Bei anderen ist die Aussprache undeutlich oder verwaschen. Auch Schluckstörungen können auftreten. Diese Beeinträchtigungen lassen sich mit gezielten Übungen behandeln. In der Logopädie können unter anderem Fähigkeiten der Kommunikation wiederhergestellt oder verbessert werden. Beispiele für Übungen sind das Training von Sprachverständnis und Sprechfähigkeit.
- Ergotherapie: Sie soll die Fähigkeiten verbessern, die für ein möglichst selbstständiges Leben nötig sind. Dazu gehören das Training von Alltagsfertigkeiten wie anziehen oder selbstständig essen, aber auch Wahrnehmungs- und Konzentrationsübungen. Bei Bedarf wird geübt, Hilfsmittel wie Rollatoren zu benutzen. In der Ergotherapie werden motorisch-funktionelle Fähigkeiten trainiert, damit ihnen alltägliche Aktivitäten wie Körperpflege, Ankleiden und Essen leichter fallen. Ein Beispiel ist die Übung der Feinmotorik.
- Neuropsychologische Therapie: Dieses psychotherapeutische Verfahren wurde speziell für Menschen mit Hirnverletzungen entwickelt. Damit lassen sich unter anderem Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Wahrnehmung trainieren. Es geht aber auch darum zu lernen, mit den Einschränkungen im Alltag umzugehen und sie emotional zu bewältigen. Die Neuropsychologie legt den Schwerpunkt darauf, kognitive Fähigkeiten zu erfassen, gezielt zu trainieren und zu verbessern, z. B. die Aufmerksamkeit, die Gedächtnisleistung oder die räumliche Wahrnehmung.
- Pflege: Eine aktivierende Pflege unterstützt beim Essen, Waschen, An- und Auskleiden. Außerdem zeigen die Pflegekräfte, wie man sich dabei trotz Einschränkungen selbst helfen kann.
- Begleitende Psychoedukation: Sie dient der Aufklärung über Ursachen, Symptome, Behandlung und Folgen eines Schlaganfalls sowie der Vorbeugung eines Rezidivs. Es soll Patienten/Patientinnen geholfen werden, ihre Situation und die Erkrankung besser zu verstehen, ihre Fähigkeit fördern, mit den Auswirkungen umzugehen, Ängste und Depressionen zu stabilisieren oder zu reduzieren und ihre Lebensqualität zu verbessern.
Formen der Rehabilitation
Die Behandlung kann in Spezialkliniken für neurologische Rehabilitationsbehandlung durchgeführt werden. Dies entspricht einer stationären Behandlung wie in einem Akutkrankenhaus, nur dass die rehabilitativen Behandlungskonzepte ganz im Vordergrund stehen. Neben der ärztlichen Versorgung sind im interdisziplinären Behandlungsteam Pflegekräfte, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Sprachtherapeuten, Psychologen und der Sozialdienst tätig. Diese Berufsgruppen arbeiten gemeinsam an den für jeden Patienten individuell festgelegten Rehabilitationszielen. Hierzu gehören die Verbesserung der körperlichen Funktionen (z.B. Lähmung), der Fähigkeit, Aktivitäten des täglichen Lebens durchzuführen (Anziehen, Waschen, Essen, Gehen, Treppensteigen etc.) sowie die Versorgung mit Hilfsmitteln soweit nötig (z.B. Rollstuhl, Versorgung mit Hilfsmitteln in der eigenen Wohnung/Haus, wie z.B. Haltegriffe, Badewannenlifter etc.).
- Ambulant/teilstationär: Das Angebot entspricht dem der stationären neurologischen Behandlung (interdisziplinäre Behandlung durch ein Team von Therapeuten). Der Patient wohnt jedoch bereits zu Hause und wird an Werktagen tagsüber in der Einrichtung behandelt.
- Ambulante Rehabilitation: Sind die körperlichen Beeinträchtigungen soweit zurückgebildet, dass kein interdisziplinärer Ansatz mehr erforderlich ist, aber in bestimmten Bereichen weiterhin körperliche Funktionseinschränkungen vorliegen, so erfolgt von zu Hause aus eine ambulante Behandlung durch die jeweils sachkompetenten Therapeuten (z. B. Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden).
- Neurologische Frührehabilitationsmaßnahmen der Phase B kommen infrage für Patienten mit schwersten neurologischen Krankheitsbildern, die überwiegend bettlägerig sind, auch Patienten mit gestörter Bewußtseinslage.
- In der neurologischen Früh-Rehabilitation der Phase C werden Patienten mit neurologischen Krankheitsbildern behandelt, die zumindest sitzmobilisiert sind und keiner intensivmedizinischen Überwachung mehr bedürfen. Ziel ist hier insbesondere die Selbständigkeit bei den basalen Aktivitäten des täglichen Lebens (z.B.
- Die neurologische Rehabilitation der Phase D (Anschlussrehabilitation / Anschlussheilbehandlung) ist für Patienten vorgesehen, die zumindest bei Benutzung von Hilfsmitteln bereits wieder bei den basalen Verrichtungen des täglichen Lebens selbständig geworden sind. Ziel ist hier das Erreichen von Alltagskompetenz in solchem Maße, dass eine weitgehend selbständige Lebensführung bzw.
Wirksamkeit der Rehabilitation
Immer wenn eine Therapie bei Patienten angewendet wird oder werden soll, stellt sich die Frage der Wirksamkeit dieser Behandlung. Denn, sowohl Patienten als auch als Ärzte und Therapeuten möchten, dass wirksame Therapien angewendet werden und zwar die Therapien mit der besten Wirksamkeit bei bester Verträglichkeit (ohne Nebenwirkungen). Bei einer medikamentösen Behandlung ist uns das selbstverständlich. Doch woher wissen wir, ob Übungstherapien wirksam sind? In einer großen Metaanalyse (zusammenfassende Analyse) vieler Studien, die mehr als 3000 Schlaganfall-Patienten berücksichtigte, konnte klar gezeigt werden, dass stationäre Rehabilitationsbehandlung wirksam ist. [Literatur: Stroke Unit Trialists' Collaboration. Collaborative systematic review of the randomised trials of organised inpatient (stroke unit) care after stroke.
Berufliche Wiedereingliederung: Schritt für Schritt zurück in den Job
Die berufliche Wiedereingliederung nach einem Schlaganfall ist ein wichtiger Schritt zur Normalität und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Sie erfordert jedoch eine sorgfältige Planung und individuelle Anpassung. Zielsetzung von berufsfördernden Leistungen zur Rehabilitation (berufliche Rehabilitation) ist es, Patienten dauerhaft in Arbeit und Beruf wieder einzugliedern. Zum Bereich der beruflichen Rehabilitation gehören u.a. Leistungen zur Förderung der Arbeitsaufnahme, Leistungen, die eine berufliche Anpassung, Fortbildung, Ausbildung und Umschulung ermöglichen sowie Leistungen zur Erhaltung oder Erlangung eines Arbeitsplatzes.
Herausforderungen und Unterstützung
Der Weg zurück in den Job ist oft schwerer, als es scheint. „Junge Schlaganfall-Betroffene neigen dazu, schnell wieder in den Beruf zu streben", sagt der Kölner Psychologe Manfred Smeja. „In vielen Fällen scheint der Zeitpunkt verfrüht und es werden noch weitere Hilfen benötigt." Manche Einschränkung falle in der Klinik nicht auf, sie mache sich erst unter realen Bedingungen bemerkbar. Wenn äußerlich kaum Beeinträchtigungen wahrnehmbar sind, neigen Betroffene, aber auch ihr Umfeld, schnell zu Überschätzung. Oft sei das der Beginn einer Odyssee. „Es kommt zu Überforderung am Arbeitsplatz und zu Missverständnissen. Der Psychologe leitet den Integrationsfachdienst reintegro. Die berufliche Wiedereingliederung von Schlaganfall-Patienten ist einer seiner Schwerpunkte.
Das Hamburger Modell
Schon während der Krankschreibung ist eine stufenweise Wiedereingliederung als eine Maßnahme der Medizinischen Rehabilitation (sog. Hamburger Modell) möglich [7]. Damit können arbeitsunfähige Arbeitnehmer nach längerer schwerer Krankheit schrittweise an die volle Arbeitsbelastung herangeführt und so der Übergang zur vollen Berufstätigkeit erleichtert werden. Die Dauer der stufenweisen Wiedereingliederung ist abhängig vom individuellen gesundheitlichen Zustand. Sie kann bis zu sechs Monate beanspruchen, dauert in der Regel aber vier bis sechs Wochen. Ansprechpartner für das Hamburger Modell sind die Krankenkassen, die Agentur für Arbeit, Unfallversicherungsträger oder Rentenversicherungsträger, die Sozialberatung der Reha-Klinik, der behandelnde Arzt und der Arbeitgeber.
Weitere Optionen
Darüber hinaus gibt es verschiedene Optionen für den Weg zurück in den bisherigen Beruf (z. B. Abschluss einer Inklusionsvereinbarung mit dem Arbeitgeber, Reha-Begleiter, individuelles Coaching, Beteiligung eines Betreuungsnetzwerks). Oder der Betroffene entscheidet sich für eine berufliche Neuorientierung (z. B. mittels Umschulung, (erneuter) Ausbildung, (Zweit-)Studiums). Zudem gibt es auch Möglichkeiten des Wiedereinstiegs mit einer Schwerbehinderung je nach Art und Schwere der Einschränkung.
Körperliche Aktivität und Sport
Nach einem Schlaganfall kann körperliche Aktivität die Genesung positiv beeinflussen. Die Studie der Universität Göteborg zeigt, dass Menschen, die nach einem Schlaganfall vier Stunden pro Woche Sport treiben, sich innerhalb von sechs Monaten besser erholen als Menschen, die sich weniger oder gar nicht bewegen. Wenn man bis zu sechs Monate nach dem Ereignis vier Stunden oder mehr pro Woche körperlich aktiv ist, verdoppelt sich die Chance auf eine gute Genesung sogar, so die Forschenden.
Bewegung wirkt sich nicht nur positiv auf den Körper und die Gesundheit aus, sondern auch auf das Gehirn. „Körperliche Aktivität programmiert sowohl das Gehirn als auch den Körper nach einem Schlaganfall positiv um. Bewegung verbessert die Erholung des Körpers auf zellulärer Ebene, steigert die Muskelkraft und das Wohlbefinden und verringert das Risiko von Stürzen, Depressionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Unabhängig davon, wie schwer der Schlaganfall war, können die Betroffenen von mehr Bewegung profitieren“, sagt Buvarp.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt Empfehlungen, wie viel man sich bewegen sollte. Für einen optimalen gesundheitlichen Effekt empfiehlt die WHO mindestens 150 Minuten ausdauerorientierte Bewegung pro Woche mit moderater Intensität oder 75 Minuten Bewegung pro Woche mit hoher Intensität. Dabei gilt: Die Bewegung muss nicht am Stück erfolgen, sondern sollte über die Woche verteilt werden, zum Beispiel 30 Minuten Bewegung an fünf Tagen pro Woche. Mit mittlerer Intensität sind Aktivitäten gemeint, bei denen Erwachsene eine leicht erhöhte Atem- und Pulsfrequenz haben, zum Beispiel bei einem zügigen Spaziergang. Bewegung mit hoher Intensität ist Bewegung, die als anstrengend empfunden wird.
Sportvereine bieten Rehasport an, an dem auch Menschen nach einem Schlaganfall teilnehmen können. Dabei wird in Gruppen Ausdauer, Kraft und Koordination trainiert - beispielsweise mit Gymnastik, Bewegungsspielen oder Schwimmen.
Besonderheiten bei körperlicher Arbeit
Die Reintegration in körperlich anstrengende Berufe stellt besondere Anforderungen an die Rehabilitation. Hier ist es wichtig, die individuellen Belastungsgrenzen zu berücksichtigen und die Arbeitsbedingungen entsprechend anzupassen. Mögliche Anpassungen sind:
- Reduzierung der Arbeitszeit
- Anpassung der Arbeitsaufgaben
- Einsatz von Hilfsmitteln
- Ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes
Unterstützung durch Angehörige und das soziale Umfeld
Können Angehörige den Prozess unterstützen? „Können sie, aber sie können auch manches falsch machen", warnt der Psychologe. Häufig hätten Betroffene und Angehörige sehr unterschiedliche Wahrnehmungen. Arzt oder Coach müssten darauf achten, dass die Positionen nicht auseinanderdriften. Angehörige neigten zu übergroßer Vorsicht, was bei Patienten zu Unsicherheit und latenten Aggressionen führe. „Am Ende gehen sie in ihrer Patientenrolle auf, dann gibt es kaum noch ein Zurück", so Smeja.
Fahrtauglichkeit nach Schlaganfall
Neurologische Erkrankungen können die Fahrtauglichkeit beeinträchtigen, das gilt auch für den Schlaganfall. Eine Verkehrsgefährdung liegt vor, wenn entweder der Grad der festgestellten Beeinträchtigung der körperlichen und/oder geistigen Leistungsfähigkeit den Anforderungen beim Führen eines Kraftfahrzeuges auch in Belastungssituationen nicht genügt, oder, wenn von einem Kraftfahrer in einem absehbaren Zeitraum die Gefahr des plötzlichen Versagens der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit zu erwarten ist.
Die Einschätzung, ob eine Person nach einem Schlaganfall noch bzw. wieder fahrtauglich ist, erfordert Sachkompetenz. Wer einen Führerschein besitzt und danach erst eine Körperbehinderung erleidet, hat die Pflicht, in geeigneter Weise Vorsorge zu treffen. Beispielsweise könnte eine betroffene Person zunächst mit dem behandelnden Arzt über das Thema sprechen und sich beraten lassen. Auch der Kontakt zu einem Fahrlehrer und ggf. eine praktische Fahrprobe mit einem Fahrlehrer können helfen, die eigene Fahreignung besser einschätzen zu können.
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