Kortison Tabletten: Psychische Nebenwirkungen und Behandlungsmöglichkeiten

Kortisonpräparate sind wirksame Medikamente zur Dämpfung von Entzündungen und zur Unterdrückung von Immunreaktionen. Allerdings können sie auch eine Reihe von Nebenwirkungen verursachen, darunter auch psychische. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen psychischen Nebenwirkungen, die im Zusammenhang mit der Einnahme von Kortisontabletten auftreten können, sowie mögliche Behandlungsansätze.

Einführung in Kortison und seine Wirkungsweise

Kortison, auch bekannt als Kortisol, ist ein körpereigenes Hormon, das in der Nebenniere produziert wird. Es gehört zur Gruppe der Glukokortikoide und spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation verschiedener Körperfunktionen, wie dem Stoffwechsel, dem Immunsystem und dem Herz-Kreislauf-System. Künstliche Steroid-Hormone, wie Kortison-Präparate, werden in der Medizin zur Behandlung einer Vielzahl von Erkrankungen eingesetzt, vor allem wegen ihrer entzündungshemmenden und immunsuppressiven Wirkung.

Kortisonpräparate wirken, indem sie in verschiedene Regulationsprozesse des Körpers eingreifen. Sie beeinflussen den Glukose-, Wasser- und Elektrolyt-Haushalt und wirken auf das Nervensystem. Vor allem aber unterdrücken sie Immunreaktionen und wirken entzündungshemmend, was bei Erkrankungen wie Lupus therapeutisch genutzt wird.

Psychische Nebenwirkungen von Kortison: Ein Überblick

Psychische Nebenwirkungen von Kortison sind vielfältig und können von leichten Stimmungsschwankungen bis hin zu schweren psychischen Störungen reichen. Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jeder, der Kortison einnimmt, psychische Nebenwirkungen entwickelt und dass die Wahrscheinlichkeit und Schwere der Symptome von verschiedenen Faktoren abhängen können, einschließlich der Dosis, der Dauer der Behandlung und der individuellen Anfälligkeit.

Spektrum der psychischen Symptome

Die durch Kortison induzierten psychischen Symptome können ein breites Spektrum umfassen:

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  • Depressive Symptome: Studien haben gezeigt, dass Kortison die Depressivität erhöhen kann. Depressive Symptome können innerhalb weniger Tage nach Beginn der Steroidgabe auftreten und auch nach Absetzen oder Dosisreduktion der Medikamente (Steroidentzugs-Syndrom) beginnen.
  • Manische Symptome: Isolierte Symptome wie Euphorie, hypomanische oder manische Episoden treten offenbar relativ häufig auf. In einer Studie an ophthalmologischen Patienten trat bei einem Teil der Patienten eine Manie auf. Auch bei MS- und LE-Patienten wurde nach Prednison eine gehobene Stimmung bis hin zur vollausgebildeten Manie beobachtet.
  • Steroid-Psychose und Delir: In seltenen Fällen kann Kortison zu substanzinduzierten Psychosen und Delirien führen, die die DSM-IV-Kriterien erfüllen. Der Begriff "Steroid-Psychose" ist fast zum Synonym für psychische Nebenwirkungen der Corticosteroid-Therapie geworden.
  • Weitere psychische Symptome: Schlafstörungen, Angstzustände, Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Gedächtnisprobleme.

Einflussfaktoren auf die Symptomhäufigkeit

Die Häufigkeit und Schwere der psychischen Symptome hängen von verschiedenen Faktoren ab:

  • Dosis und Serumkonzentration: Die Symptom-Häufigkeit nimmt mit der Höhe der Steroiddosis bzw. der Serumkonzentration an ungebundenem Wirkstoff zu. Die Boston Collaborative Study zeigte eine Inzidenz psychischer Nebenwirkungen von 1,3 % bei Prednison-Dosen <= 40 mg/d, von 4,6 % bei Dosen zwischen 40 und 80 mg/d und von 18,6 % bei Dosen \9B 80 mg/d.
  • Therapieschema: Psychische Symptome scheinen vom Therapieschema weitgehend unabhängig zu sein. Sie treten sowohl bei i.v.-Pulstherapie und Behandlung an alternierenden Tagen, als auch nach Einmal-Injektion oder Inhalation auf.
  • Individuelle Faktoren: Prädiktoren für das Auftreten der Nebenwirkungen ließen sich in der Literatur nicht identifizieren, insbesondere scheinen psychische Vorerkrankungen ihre Inzidenz nicht zu erhöhen.

Kortisonmissbrauchspotenzial

Die euphorisierende Wirkung der Corticosteroide birgt einigen Berichten zufolge ein nicht unerhebliches Missbrauchspotenzial.

Kortison und Stimmungsschwankungen

Kortison kann als Stresshormon massgeblich an der Stimmung des Körpers beteiligt sein. Die Ausschüttung des Hormons unterliegt einer tageszeitlichen Rhythmik. Aber auch bei immer wieder durchgeführten Applikationen von Kortison kann es zu Stimmungsschwankungen kommen. Hier klagen die Patienten über wechselnde Stimmungshochs aber auch dicht gefolgten Stimmungstiefs.

Kortison und Depressionen

Nach Steroidgabe traten in zahlreichen Studien erhöhte Werte auf den Depressivitäts-Skalen auf. In einer prospektiven Untersuchung kam es gegenüber einer Kontrollgruppe zu einer um das Dreifache erhöhten Wahrscheinlichkeit für depressive Symptome. Bei einem Teil der Patienten setzten diese innerhalb von fünf Tagen ein. Die Auslösung depressiver Erkrankungen ist hingegen weniger gut belegt. Nicht selten beginnen depressive und andere psychische Symptome auch nach Absetzen oder Dosisreduktion der Medikamente (Steroidentzugs-Syndrom). In einigen Studien wird von einer Abnahme der Depressivität nach Steroiden berichtet. Depressive Verstimmungen werden nicht selten auch nach einer Stoßtherapie mit Kortison beobachtet.

Kortison und Manie

Isolierte Symptome wie Euphorie, hypomanische oder manische Episoden, gemischte Episoden treten offenbar relativ häufig auf. In einer Studie an 50 ophthalmologischen Patienten trat bei 13 eine Manie auf. Auch bei MS- und LE-Patienten wurde nach Prednison eine gehobene Stimmung bis hin zur vollausgebildeten Manie beobachtet.

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Behandlung von psychischen Nebenwirkungen

Viele steroidinduzierte Symptome bleiben unterhalb der Schwelle der Behandlungsbedürftigkeit bzw. führen nicht zur Notwendigkeit der Dosisreduktion oder des Absetzens. Daneben gibt es aber schwere Störungen, die mit hoher Suizidalität einhergehen können.

Präventive Maßnahmen

In der Prävention manischer und depressiver Symptome scheinen Lithium, Carbamazepin oder Valproinsäure anwendbar zu sein. Kontrollierte Studien hierzu fehlen.

Akutbehandlung

Die erste Maßnahme bei steroidinduzierten psychischen Symptomen besteht, wenn möglich, in Dosisreduktion oder Absetzen der Medikamente, beim Steroidentzugs-Syndrom in deren erneuter Gabe. Einzelfallberichten zufolge können affektive Symptome erfolgreich mit Lithium, dem SSRI Fluoxetin und dem trizyklischen Antidepressivum Imipramin behandelt werden. Auch das atypische Neuroleptikum Olanzapin soll wirksam sein.

Tipps zur Minimierung von Nebenwirkungen

Es gibt einige Tipps, wie Nebenwirkungen unter der Kortisontherapie verhindert werden können:

  • Dosierung: Kortison sollte nur eingesetzt werden, wenn es wirklich gebraucht wird. Dauerhaft gegebenes Kortison hat eine ganze Reihe möglicher schwerer Nebenwirkungen und birgt auf Dauer ein hohes Risiko für Atherosklerose („Gefäßverkalkung“).
  • Einnahmezeitpunkt: Kortison-Tabletten sollten meist komplett am frühen Morgen - idealerweise zwischen 6 und 8 Uhr - eingenommen werden, um den Hormon-Rhythmus im Körper möglichst wenig zu stören.
  • Kontrolluntersuchungen: Unter einer Kortisontherapie sind die Kontrolluntersuchungen bei der Ärzt*in besonders wichtig, um Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen.
  • Nicht abrupt absetzen: Setzen Sie Kortison-Tabletten nie abrupt ab, sondern nur in ärztlicher Absprache. Sonst sind Entzugserscheinungen möglich.
  • Weitere Medikamente: Kortison-Tabletten können die Wirkung von anderen Wirkstoffen verstärken oder abschwächen. Informieren Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin, wenn Sie bereits andere Medikamente einnehmen.
  • Impfungen: Warten Sie mit einer Impfung lieber, bis Ihre Kortison-Behandlung abgeschlossen ist. Sonst kann Ihr Körper durch die immunsuppressive Wirkung des Kortisons eventuell nicht ausreichend Antikörper bilden.

Kortison in der Orthopädie

Cortisonstoßtherapien sind ein effektives Mittel zur schnellen Schmerzlinderung bei orthopädischen Erkrankungen. Doch sie können Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, Schlafstörungen oder Muskelschwäche verursachen.

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Kortison und Lupus

Fast jeder Mensch mit Lupus bekommt Kortison, idealerweise nur vorübergehend. Es ist „Fluch und Segen“ zugleich und sorgt damit für viel Unsicherheit. Kortison ist unverzichtbar, um bei Schüben schnell wieder die Kontrolle zu bekommen. In der Langzeittherapie wird aber oft zu viel davon gegeben - mit möglicherweise schweren Folgen.

Kortison und der Körper

Durch Cortisol sind wir belastbar und fit, wenn viel ansteht, und werden in Akutsituationen vor Entzündungen geschützt. Bei dauerhaftem Stress kann die Cortisol-Ausschüttung unseren Alltag aber auch stressig und anstrengend machen und uns am Ende krank werden lassen. Die Folgen können ganz unterschiedlich sein: z. B. All diese Prozesse werden natürlich auch angeschoben, wenn man dem Körper künstliches Kortison zuführt. Weil Kortison in unserem Körper so viele wichtige Funktionen hat, sind auch viele ganz unterschiedliche Nebenwirkungen möglich. Das hat dazu geführt, dass viele Menschen Angst vor Kortison haben und es auf keinen Fall nehmen wollen. Aber das ist genauso falsch, wie zu lange zu viel Kortison zu nehmen. Kurzfristig können auch höhere Dosen ohne Bedenken eingesetzt werden. Kortison ist ein wichtiges und gutes Medikament gegen deine chronische Erkrankung - und es muss einfach immer das Ziel sein, es zügig wieder zu minimieren.

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