Einführung
Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft und durch motorische und nicht-motorische Symptome gekennzeichnet ist. Bewegungstherapie, einschließlich Krafttraining, hat sich als vielversprechender Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität und zur Linderung von Symptomen bei Parkinson-Patienten erwiesen. Dieser Artikel fasst aktuelle Studien und Erkenntnisse zum Thema Krafttraining bei Parkinson zusammen und beleuchtet die potenziellen Vorteile und spezifischen Empfehlungen.
Bewegung als Medizin bei Parkinson
Die Bedeutung von Bewegung
Körperliche Bewegung ist ein wesentlicher Bestandteil eines gesunden Lebens und sollte als "Medizin" für Menschen mit Parkinson im Frühstadium betrachtet werden, zusätzlich zur konventionellen medizinischen Behandlung. Bewegung ist eine sichere, kostengünstige, leicht zugängliche und wirksame Maßnahme für Menschen mit Parkinson-Krankheit. Die Forschungsgruppe aus Dänemark betont jedoch, dass Bewegung noch grundlegendere klinische Vorteile bieten könnte. So kann Bewegung ein äußerst wirksamer präventiver Faktor sein.
Bewegung senkt das Parkinson-Risiko
Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass moderate bis intensive körperliche Aktivität das Risiko, an Parkinson zu erkranken, verringert. Bestehende Studien zeigen, dass ein hohes Maß an körperlicher Aktivität das Risiko um bis zu 25% senken kann.
Bewegung verbessert Symptome und Lebensqualität
Parkinson-Patienten profitieren bekanntermaßen von körperlicher Bewegung. Eine aktuelle Cochrane-Studie bestätigt die Wirksamkeit von Bewegungsangeboten für Menschen mit Morbus Parkinson zur Verbesserung der Lebensqualität und des Schweregrads von motorischen Symptomen. Es wäre deutlich erkennbar, dass körperliche Aktivität dazu beitragen kann, die Krankheitsentwicklung zu verhindern und möglicherweise ihren Verlauf zu verlangsamen. Bewegung kann eine Reihe von Symptomen verbessern, für die es in der Regel keine pharmakologische Therapie gibt. Viele Parkinson-Patienten haben zum Beispiel Schwierigkeiten beim Gehen, und Bewegung kann diese erheblich lindern. Dies kann die Lebensqualität der Patienten deutlich verbessern. Wenn sie Schwierigkeiten haben, von Ihrem Stuhl aufzustehen, sollten sie sich auf Kraft- oder Gleichgewichtsübungen konzentrieren.
Individuelle Bewegungsprogramme
Patienten mit Parkinson-Krankheit sollten in Verbindung mit ihrer pharmakologischen Medikation personalisierte Bewegungsprogramme erhalten, einschließlich regelmäßiger Nachuntersuchungen. Ideal wäre ein Bewegungsprogramm mit aktuellen Übungsanleitungen, dass kontinuierlich von Physiotherapeuten, Sportphysiologen, Neurologen und anderen relevanten Berufsgruppen überwacht wird. Hier würden Leitlinien, in denen die Bedeutung von Bewegung für die Patientengruppe anerkannt wird, helfen, so der Parkinson-Experte.
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Bewegung senkt den Arzneimittelbedarf
Studien zeigen, dass die Menge der Medikamente durch Bewegung stabilisiert und sogar reduziert werden kann, wenn das Aktivitätsniveau erhöht wird. Andere Studien zeigen Verbesserungen in der klinischen Testbatterie MDS-UPDRS (Unified Parkinson's Disease Rating Scale), die derzeit der beste Marker zur Verlaufsbeobachtung bei der Parkinson-Krankheit ist.
Hauptsache Bewegung
Patienten, die an Parkinson erkrankt sind, sollten die Art von Bewegung wählen, die ihnen am besten liegt. Betroffene sind bereits durch einen niedrigen Dopaminspiegel beeinträchtigt, sodass es schwierig sein kann, sich zu motivieren. Dennoch können Patienten, die aufgrund von Komplikationen der Parkinson-Krankheit Schwierigkeiten haben, sich intensiv zu bewegen, positive Ergebnisse erzielen, indem sie zu Hause Aktivitäten mit geringer Intensität durchführen, wie Gartenarbeit oder tägliche Spaziergänge mit dem Hund.
Cochrane Review: Bewegungstherapie bei Parkinson
Studiendesign und Ergebnisse
Ein aktueller Cochrane Review analysierte die vorhandene Evidenz in 156 randomisierten klinischen Studien mit insgesamt fast 8000 Parkinson-Patienten, in denen die Wirksamkeit verschiedener Bewegungsangebote untereinander oder mit keiner Bewegung verglichen wurde. Die Autorinnen und Autoren fanden Belege, dass die meisten Arten von Bewegung die motorischen Symptome abmildern und die Lebensqualität verbessern können, wobei es kaum Unterschiede zwischen den Bewegungsarten gab.
Positive Effekte verschiedener Bewegungsarten
Tanzen, Wassergymnastik, strukturiertes Gang- und Balancetraining sowie Multi-Domain-Training, in dem verschiedene Bewegungsübungen kombiniert werden, zeigten moderate positive Effekte auf die Bewegungsstörungen. Yoga und Tai Chi sowie Ausdauertraining könnten geringe positive Effekte haben. Bei der Lebensqualität zeigte Wassergymnastik eine große positive Wirkung und Ausdauertraining eine moderate. Wenig Einfluss hatten dagegen Gang- und Balance-Training sowie Multi-Domain-Training. Inwieweit die anderen Bewegungsarten, darunter Tanzen, Tai Chi oder Krafttraining, die Lebensqualität verbessern können, sei von der Datenlage her schlecht abzuschätzen, so die Autorinnen und Autoren.
Unerwünschte Wirkungen
Eine geringe Zahl von Studien (n= 85) betrachtete auch unerwünschte Wirkungen der Bewegungsangebote, die nur in insgesamt 28 Studien gefunden wurden.
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Bedeutung der Bewegungstherapie
Bewegungstherapie ist wichtig, um bei Parkinson-Patienten die Motorik und auch die Lebensqualität zu verbessern, wobei die Art der Bewegung offenbar weniger von Bedeutung ist.
Krafttraining als spezifische Therapieform
Vorteile des Krafttrainings
Viele der allgemeinen gesundheitlichen Vorteile, die mit Krafttraining verbunden sind - einschließlich der Steigerung von Kraft, Muskelmasse und Knochendichte - sind für Morbus-Parkinson-Patienten äußerst vorteilhaft und können dazu beitragen, einem Teil des Muskel- und Kraftverlusts entgegenzuwirken, der bei Morbus Parkinson häufig auftritt.
Studien zu Krafttraining
In einer Studie, die im American Journal of Physical Medicine & Rehabilitation veröffentlicht wurde, fanden Forscher heraus, dass ein achtwöchiges Krafttraining im Vergleich zu den Werten vor der Behandlung zu einer signifikanten Verbesserung der Schrittlänge, der Gehgeschwindigkeit und der Haltungswinkel führte.
Empfehlungen für Krafttraining
Neben einem Ausdauertraining (aerobes Training, z.B. Walking, Rad, Laufbandtraining) ist Krafttraining sinnvoll, v.a. der Rumpfmuskulatur.
Weitere Studien und Erkenntnisse
Langzeitstudien
Eine neue, retrospektive Langzeit-Beobachtungsstudie untersuchte die Effekte von regulärer körperlicher und dezidiert sportlicher Aktivität auf den Krankheitsverlauf bei Morbus Parkinson. Die Autoren beobachteten ein langsameres Fortschreiten der Krankheit bei körperlicher Aktivität. Interessant ist, dass nur langfristige körperliche Aktivität Wirkungen zeigte. Das Aktivitätsniveau zum Zeitpunkt der Datenerhebung stand nicht im Zusammenhang mit dem weiteren Krankheitsverlauf, die Kontinuität von Aktivität jedoch sehr wohl. Außerdem fiel auf, dass bestimmte Aktivitäten mit bestimmten Teilbereichen der Beeinträchtigung korrespondierten: So waren z. B. jobbezogene Aktivitäten mit einem längeren Erhalt der Kognition assoziiert. Haushaltsaktivitäten standen mit einer längeren Ausführbarkeit alltäglicher Bewegungen in Zusammenhang. Ein bis zwei Stunden Sport pro Woche waren mit einem längeren Erhalt von Haltung und Gang verbunden.
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Laufbandtraining
Eine Studie fand heraus, dass regelmäßiges aerobes Training auf einem Laufband zu positiven Verbesserungen in Bezug auf Gleichgewicht, Geschwindigkeit, Angst vor Stürzen und die auf dem Laufband zurückgelegte Strecke führte.
Flexibilitätstraining
Flexibilitätstraining kann auch für Menschen mit Parkinson nützlich sein und wird oft als sicherer erster Schritt zu Beginn eines Trainingsprogramms empfohlen. Man geht davon aus, dass Dehnübungen dazu beitragen können, einen Teil der mit Parkinson einhergehenden Muskelsteifheit zu lindern und Spannungen zu verringern. Eine Reihe von Studien zeigt, dass die Flexibilität des Rumpfes dazu beitragen kann, die Gleichgewichtskontrolle, die funktionelle Reichweite und die Gehgeschwindigkeit zu verbessern - alles Faktoren, die für die Sicherheit, die Unabhängigkeit und die allgemeine Lebensqualität eines Parkinson-Patienten eine wichtige Rolle spielen können.
Tango-Therapie
Studien zufolge verbessert Tangotanzen die Bewegungsfähigkeit, das Gleichgewicht und die Gehstrecke um 30 bis 40 Prozent. Darüber hinaus setzt Tanzen Glückshormone frei. Es ist stimmungsaufhellend, antriebssteigernd, gesellig. Mit einem Trainingsrhythmus von ein bis zwei Mal pro Woche bei Parkinson setzen die Effekte bereits nach kurzer Zeit ein und sind anhaltend. Und selbst wenn Tango nicht die erste Wahl ist, auch Walzer oder Foxtrott sind Therapie im Takt. Wichtiger als die konkreten Tanzschritte ist die Freude dabei.
Einschränkungen und zukünftige Forschung
Vertrauenswürdigkeit der Evidenz
Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz für einige Ergebnisse ist in vielen Fällen nicht groß. Dies liegt vor allem daran, dass viele Studien sehr klein waren und häufig nicht alle Informationen über den Schweregrad motorischer Symptome und die Lebensqualität aller Teilnehmenden berichtet waren.
Ursache-Wirkungs-Kette
Die Interpretation der Daten ist vor allen wegen der zu Grunde liegenden Ursache-Wirkungs-Kette schwierig. Es ist möglich, dass körperliche Aktivität den Fortschritt von Morbus Parkinson verlangsamen könnte, doch kann dies möglicherweise wiederum nur von solchen Patienten therapeutisch genutzt werden, die noch die notwendige Mobilität aufweisen.
Zukünftige Forschung
In Zukunft sind prospektive Studien wichtig, welche den Mobilitätsgrad der Erkrankten zum Krankheitsbeginn und im Verlauf untersuchen. Angesichts des beträchtlichen Ausscheidens der Patienten über die Jahre, sollten zukünftige Studien zudem auf eine frühzeitige Studieninklusion achten. Dies könnte dabei helfen, die Unterschiede zwischen ausscheidenden und weiterhin mobilen Patienten noch differenzierter herauszuarbeiten. Forscher*innen sollten größere Studien mit klar definierten Stichproben durchzuführen, um in Zukunft Schlussfolgerungen mit noch größerer Vertrauenswürdigkeit ziehen zu können.
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