Krampf Hand Ursachen: Ein umfassender Überblick

Muskelkrämpfe in Armen, Händen und Fingern können sehr unangenehm und schmerzhaft sein. Sie entstehen durch eine plötzlich einsetzende, kurze, unbeabsichtigte und meist schmerzhafte Anspannung eines Muskels oder einer Muskelgruppe. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Krämpfen in den Händen und Armen.

Was sind Muskelkrämpfe?

Bei Krämpfen in den Armen, Händen und Fingern werden Muskeln unerwartet und unkontrolliert angespannt. Dabei verhärten sich die Muskeln für eine kurze Zeit. Öfters sind diese Verhärtungen dann mit stechenden Schmerzen verbunden und können Betroffene auch längerfristig belasten. Manchmal tauchen auch Zuckungen der Muskelfasern statt Verhärtungen auf. Diese sind zwar weniger schmerzhaft, jedoch trotzdem unangenehm.

Man unterscheidet zwischen verschiedenen Formen von Muskelkrämpfen:

  • Muskelverhärtung: Hierbei verhärten sich die Muskelfasern des betroffenen Muskels. Der schmerzhafte Krampf kann wenige Minuten andauern.
  • Faszikulation: Bei dieser Form kommt es zu unregelmäßigen und unkontrollierten Zuckungen des betroffenen Muskels. Diese sind meist schmerzfrei und verschwinden innerhalb weniger Sekunden wieder.
  • Rigor: Ein Rigor ist eine Muskelstarre, bei der es zur gleichzeitigen Verkrampfung von entgegengesetzten Muskeln kommt. Diese verursachen starke Schmerzen und eine Steifheit der Muskeln.

Aufbau der Muskulatur in Armen und Händen

Der Aufbau der Muskulatur in Armen, Händen und Fingern spielt eine wichtige Rolle in unseren alltäglichen Bewegungen. Hier sind einige der Hauptmuskeln:

Arme:

  • Bizeps: Der Bizeps, an der Vorderseite des Oberarms, ist für das Beugen des Ellenbogens verantwortlich und spielt eine Schlüsselrolle bei Aktivitäten wie dem Heben von Gegenständen.
  • Brachialis: Dieser Muskel liegt tiefer im Oberarm und ist zusammen mit dem Bizeps für die Beugung des Unterarms verantwortlich.
  • Trizeps: Der Trizeps, auf der Rückseite des Oberarms, streckt den Ellenbogen. Er ist wichtig für Bewegungen wie das Strecken des Arms nach hinten.

Hände und Finger:

  • Unterarmflexoren und -extensoren: Diese Muskeln ermöglichen die Bewegungen von Handgelenk und Fingern. Die Flexoren beugen die Finger, während die Extensoren sie strecken.
  • Thenarmuskeln: Diese befinden sich in der Handfläche und steuern die Bewegungen des Daumens.

Mögliche Auslöser für Krämpfe in Armen, Händen und Fingern

Krämpfe in der Muskulatur können vielschichtige Ursachen haben. Oftmals ist eine Überbelastung des betroffenen Muskels der Auslöser. Aber auch Hormone, bestimmte Erkrankungen oder ein Ungleichgewicht des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts können mögliche Ursachen sein.

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Überbelastung des Muskels:

Eine Überbelastung des betroffenen Muskels kann sich in Krämpfen zeigen. Bei einer zu intensiven oder einseitigen Belastung des Muskels, beispielsweise beim Sport oder bei dauerhaften einseitigen Bewegungen, kann es zu Verkrampfungen kommen. Vor allem bei einem Bildschirmarbeitsplatz kann eine Belastung durch die Arbeit mit der Computermaus und der Tastatur entstehen. Auch körperlich fordernde Berufe sind belastend, wie in der Pflege oder im Handwerk. Wenn eine einseitige Belastung über einen längeren Zeitraum besteht und keine Entspannungspausen möglich sind, können Krämpfe der Muskulatur entstehen.

Die Hand ist ebenfalls besonders dann betroffen, wenn ungewohnte Anstrengungen vorkommen, beispielsweise beim Schreiben, aber auch beim Stricken oder beim Spielen am Computer. So sind Krämpfe in den Händen meistens auf die Überbelastung des Handgelenks zurückzuführen. Diese Überbelastung kann zu einer Wucherung des Bindegewebes führen, die die Einengung von Nerven zur Folge hat und somit schmerzhafte Kämpfe verursachen kann.

Einseitige Belastungen, wie sie z. B. beim Schreiben vorkommen, können zu einem sogenannten „Schreibkrampf“ führen. Hierbei verkrampfen vor allem die beim Schreiben aktiv beteiligten Muskeln der Hand, insbesondere der Zeige-, Mittelfinger und Daumen.

Hormonelle Ursachen:

Bei einer Unterfunktion der Nebenschilddrüse kann ein Calciummangel entstehen. Muskelkrämpfe sind dann typische Erscheinungen. Auch während einer Schwangerschaft können vermehrt Muskelkrämpfe auftreten.

Calciummangel:

Calciummangel im Blut kann zu Muskelkrämpfen führen. Ursache für einen Calciummangel kann u. a. ein Vitamin-D-Mangel sein, z. B. bei Bauspeicheldrüsenentzündung, chronischer Nierenschwäche oder Fehlfunktion der Nebenschilddrüse.

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Neurologische Erkrankungen:

Diese Fehlfunktionen im Nervensystem können eine Muskelschwäche verursachen, die auch zu Muskelkrämpfen führen kann, z. B. bei einer Polyneuropathie. Auslöser dieser Krankheit sind z. B. Diabetes, Alkoholmissbrauch sowie Autoimmun-, Infektions- und Krebserkrankungen.

Diabetes mellitus:

Begleiterscheinungen von Diabetes mellitus können Krämpfe in den Muskeln sein.

Entzündliche und nichtentzündliche Muskelerkrankungen:

Mögliche Auslöser für entzündliche Muskelerkrankungen können Viren (Grippe), Bakterien (Tetanus), Parasiten und auch Autoimmunerkrankungen (wie Myasthenia gravis) sein. Für nichtentzündliche Muskelerkrankungen, die zu Muskelschmerzen führen können, sind u. a. Muskeldystrophien (Erbkrankheit, bei der sich das Muskelgewebe abbaut), Stoffwechselstörungen (z. B. Schilddrüsenunterfunktion) oder Erkrankungen des Nervensystems (wie Parkinson, Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), Multiple Sklerose (MS) oder Polio) verantwortlich.

Wie äußern sich Krämpfe in den Händen und Fingern?

Krämpfe in den Händen sind eine ungewollte, zumeist schmerzhafte Anspannung einer bestimmten Muskelregion. Die Muskeln in der Hand verhärten sich und die Finger beginnen zu kribbeln und schmerzen. Hierbei unterscheidet man zwischen kurzen und dauerhaften Krämpfen sowie kleinen Zuckungen, sogenannten Faszikulationen.

Muskelkrämpfe in den Händen und Fingern treten eher selten auf. Wenn es aber dennoch zu Krämpfen kommt, beispielsweise in den Fingern, können unterschiedliche Ursachen in Frage kommen: Überbelastung, andauernde einseitige Belastung oder eine unzureichende Versorgung mit bestimmten Mineralien, wie Magnesium, Kalium und Calcium.

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Da mögliche Ursachen für Krämpfe nicht immer harmlos, sondern vielmehr komplex sein können, sollten bei regelmäßig auftretenden Krämpfen die Ursachen unbedingt durch eine Ärztin oder einen Arzt abklärt werden.

Was tun bei akuten Krämpfen?

Krämpfe in Armen und Händen sind zwar oftmals harmlos, können jedoch sehr unangenehm oder schmerzhaft sein. Bei Krämpfen werden die Muskeln in den betroffenen Regionen unkontrolliert und unerwartet angespannt und verhärten sich für eine kurze Dauer.

Hilfe bei akuten Krämpfen - wertvolle Tipps:

  • Der betroffene verkrampfte Muskel kann z. B. durch leichtes Schütteln der Hand oder des Unterarms gelockert werden.
  • Regelmäßige Bewegungen und Dehnen können helfen, Krämpfen vorzubeugen oder diese im akuten Fall zu lindern.
  • Wärme, z. B. in Form von warmen Bädern oder einer Wärmflasche, kann helfen, die Muskeln zu entspannen.
  • Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und eine gesunde, mineralstoffreiche Ernährung sind wichtig.
  • Magnesium (beispielweise enthalten in Bananen oder Nüssen) und zusätzliche Präparate gegen Vitamin-D-Mangel können helfen.

Was tun, wenn Krämpfe in den Händen lange andauern?

  • Bei einem Krampf im Unterarm oder in der Hand sollte zuerst die Muskulatur entlastet werden. Machen Sie eine kurze Pause und geben Sie der Muskulatur die Möglichkeit, zu entspannen und die Durchblutung zu verbessern.
  • Dehnen Sie die betroffene Muskulatur vorsichtig. Wenn sich beispielsweise der Zeigefinger verkrampft und zur Handinnenfläche krümmt, dehnen Sie ihn leicht nach oben - also von der Handinnenfläche weg. Achten Sie dabei darauf, dass Sie Ihre Schmerzgrenze nicht überschreiten.
  • Wärme kann helfen, die Verkrampfung effektiv zu lockern. Eine Wärmflasche oder ein Körnerkissen können helfen. Schon eine warme Tasse Tee, die sie in den Händen halten, kann helfen, die Durchblutung der Hände zu steigern und diese zu entkrampfen.
  • Auch leichte Massagen können helfen, die verkrampfte Muskulatur zu entspannen.

Grundsätzlich kann man sagen, dass die Schmerzen eher harmlos sind, wenn sie nur eine kurze Zeit andauern und von selbst wieder verschwinden. Sollten sie mehrere Tage andauern oder gehäuft auftreten, sollte eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden!

Vorbeugung von Krämpfen in den Händen

Um vor allem Krämpfen in den Händen und Fingern vorzubeugen, können folgende Maßnahmen hilfreich sein:

  • Regelmäßige Pausen können genutzt werden, um die Muskulatur zu entspannen und die Durchblutung der Hände und Finger zu fördern.
  • Dehnübungen sind nützlich, um die Armmuskulatur, insbesondere die Muskeln der Handgelenke und Finger, zu lockern, Verspannungen zu lösen und Krämpfen vorzubeugen.
  • Eine ergonomische Arbeitsumgebung wie ein höhenverstellbarer Computertisch kann helfen, einseitige Belastungen zu vermeiden.
  • Hilfsmittel, wie ein Mauspad mit integrierter Abstützung des Handgelenks, eine ergonomische Tastatur oder Handgelenkstützen können die Belastung der Hände und Finger reduzieren.
  • Ein spezielles Hand- und Fingertraining kann helfen, Muskeln aufzubauen und diese leistungsfähiger zu machen.

Wer ist besonders häufig betroffen?

Die Unterarmmuskulatur ist im Alltag besonders stark gefordert. Vor allem bei einem Bildschirmarbeitsplatz kann eine Belastung durch die Arbeit mit der Computermaus und der Tastatur entstehen. Auch körperlich fordernde Berufe sind belastend, wie in der Pflege oder im Handwerk. Wenn eine einseitige Belastung über einen längeren Zeitraum besteht und keine Entspannungspausen möglich sind, können Krämpfe der Muskulatur entstehen.

Die Hand ist ebenfalls besonders dann betroffen, wenn ungewohnte Anstrengungen vorkommen, beispielsweise beim Schreiben, aber auch beim Stricken oder beim Spielen am Computer. So sind Krämpfe in den Händen meistens auf die Überbelastung des Handgelenks zurückzuführen.

Der Schreibkrampf gehört zusammen mit der Golferdystonie und der Musikerdystonie zu den tätigkeitsspezifischen Beschäftigungskrämpfen, die nur während dieser spezifischen Tätigkeiten in Erscheinung treten, wobei der Schreibkrampf die verbreitetste Form ist. Betroffen sind dabei vor allem die Hände und Arme.

Die ersten Symptome treten typischerweise im Alter zwischen 20 und 50 Jahren auf. Häufig beklagen Betroffene Krämpfe, reduzierte Schreibgeschwindigkeit, Zittern, Steifheitsgefühle und Ungeschicklichkeit. Auch das Fallenlassen von Gegenständen und kleinere Verletzungen können die Folge sein. Erst im Verlauf können meist schmerzhafte Fehlhaltungen auftreten.

Abzugrenzen sind Krämpfe wie der Schreibkrampf von anderen muskuloskelettalen Beschwerden oder Nervenschädigungen, die mit ähnlichen Symptomen einhergehen können. Hierbei treten meist auch sensible Symptome wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle auf.

Bei regelmäßig auftretenden Krämpfen sollten daher die Ursachen durch eine Ärztin oder einen Arzt abklärt werden.

Die Rolle der Durchblutung

Eine Durchblutungsstörung des Arms besteht dann, wenn insgesamt weniger Blut und damit auch weniger Sauerstoff im Arm ankommt oder weniger Blut aus dem Arm abfließen kann als sonst. Dies kann z. B. dann der Fall sein, wenn die Arme während der Arbeit am Laptop oder am Computer lange angewinkelt sind. Auch beim Spielen mit Spielkonsolen, beim Handarbeiten oder Werken kann dies der Fall sein.

Mögliche Folgen können steife Glieder, kalte Hände oder auch Krämpfe sein. Meist hören diese Beschwerden durch Unterbrechung der einseitigen Tätigkeit und Lockerung bzw. vorsichtiges Dehnen der betroffenen Muskeln wieder auf.

Diese eher harmlosen Durchblutungsstörungen unterscheiden sich von erstzunehmenden Problemen wie Schmerzen, Taubheitsgefühl oder Kribbeln. Hier sollte zur weiteren Abklärung eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden.

Weitere Ursachen für Schmerzen in den Händen und Handgelenken

Neben Muskelkrämpfen gibt es eine Vielzahl weiterer Ursachen für Schmerzen in den Händen und Handgelenken:

  • Karpaltunnelsyndrom: Der Karpaltunnel ist eine umschlossene Röhre auf der Handflächenseite des Handgelenks, welche vom Unterarm zur Hand führt. Durch diesen Tunnel verläuft unter anderem der Nervus medianus, der die Bewegungen der Finger steuert und Empfindungen zurückmeldet. Bei einigen Menschen ist der Karpaltunnel von Geburt an etwas enger gebaut. Patienten mit Karpaltunnelsyndrom haben anfangs oftmals nur nachts Schmerzen oder Missempfindungen in Hand, Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger. Später treten Schmerzen zunehmend auch tagsüber auf.
  • Sehnenscheidenentzündung: Durch jahrelang wiederkehrenden Über- und Fehlbelastungen können sich Sehnen und das zugehörige Sehnengleitgewebe entzünden. Bei einer akuten Entzündung sind ziehende oder stechende Schmerzen bei Unterarm- und Handbewegungen sowie ein Druckschmerz entlang des Sehnen- und Muskelverlaufs typisch. Oft bestehen auch eine Überwärmung und Rötung als Entzündungszeichen. In ausgeprägten Fällen ist auch Ruheschmerz vorhanden.
  • Schnellende Finger: Sogenannte schnellende Finger entstehen durch kleine Verletzungen der Sehnen im Zuge von Fehlhaltungen und monotonen Bewegungsabläufen. Neben einer Entzündung und Verdickung der Beugesehne und Sehnenscheide der betroffenen Hand ist eine Besonderheit das „Schnappen“ des Fingers beim Beugen oder Strecken in die Normalposition.
  • Fingergelenksarthrose (Rhizarthrose): Wie bei allen Arthrosen baut sich auch bei der Fingergelenksarthrose der Gelenkknorpel des betroffenen Gelenks verfrüht ab. Tritt die Arthrose vor allem am Sattelgelenk des Daumens auf, spricht man von einer Rhizarthrose („rhíza“ für „Wurzel“). Gelegentlich können Verletzungen am Fingergelenk die Ursache sein, jedoch ist eine Besonderheit der Fingergelenksarthrose, dass sie meist nicht belastungsabhängig entsteht. Es handelt sich daher nicht um einen Gelenkverschleiß im klassischen Sinne, also durch Arbeit oder körperliche Aktivität. Die Arthrose macht sich zunächst durch Schmerzen in der Hand beim Griffen nach schweren Gegenständen und bei Drehbewegungen, etwa beim Aufsperren der Haustür, bemerkbar. Das Daumengelenk wird zunehmend instabil und die Fingergelenke unbeweglicher, außerdem zeigt sich ein merklicher Kraftverlust der Hand.
  • Morbus Dupuytren: Morbus Dupuytren ist eine gutartige Erkrankung des Bindegewebes an der Handinnenfläche. Dabei kommt es etwa im mittleren Lebensalter zu knotenartigen Veränderungen, die zu einer fortschreitenden Bewegungseinschränkung der betroffenen Finger führen können. Es entstehen Knoten und Stränge an der Handinnenfläche, die Beweglichkeit der Finger ist aber erst nach Jahren eingeschränkt.
  • Gicht: Gicht ist keine orthopädische Erkrankung, sondern eine Störung des Purinstoffwechsels, die in Schüben verläuft: Ablagerungen von Harnsäurekristallen in verschiedenen peripheren Gelenken und Geweben können zu massiven Schmerzen führen. Gicht zeigt sich durch plötzliche, starke Schmerzen im Gelenk, die sich bei Berührung verschlimmern.
  • Raynaud-Syndrom: Betroffene beschreiben Kälte oder Feuchtigkeit sowie Stress als Auslöser für das Raynaud-Syndrom. Dabei ist mit Kälte weniger die absolute Temperatur gemeint, sondern vielmehr der relative Temperaturunterschied. Nicht wenige Menschen mit Rheuma leiden am Raynaud-Syndrom. Dabei werden einzelne Fingerkuppen oder auch die Finger bei Kälte weiß und taub. Unter dem Raynaud-Phänomen versteht man das anfallsartige Auftreten einer scharf begrenzten Weißfärbung eines oder mehrerer Finger beziehungsweise Zehen. Seltener sind ganze Hände, Füße, die Nase oder sogar die Knie betroffen. Das Raynaud-Phänomen kann ohne Grunderkrankung auftreten, dann spricht man von einem primären Raynaud-Phänomen. Ein sekundäres Raynaud-Phänomen liegt vor, wenn eine andere Erkrankung die Symptome verursacht. Dazu gehören Autoimmunerkrankungen wie rheumatoide Arthritis, aber auch Kollagenosen oder Vaskulitiden.

Diagnostik bei Handschmerzen

Um die genaue Ursache für Handschmerzen festzustellen, ist eine sorgfältige klinische Untersuchung der schmerzenden Hand essenziell. Hierzu stehen alle nötigen Untersuchungsverfahren, wie etwa Ultraschall, Röntgen-, CT- oder MRT-Untersuchung, zur Verfügung. Die Diagnosesicherung erfolgt durch den Neurologen der Praxisklinik - darauf basierend wird mit einem interdisziplinären Fachärzteteam ein auf Sie individuell zugeschnittenes Therapiekonzept erstellt.

Therapieansätze

Schmerzen der Hand sollen so schonend wie möglich gelindert werden. Daher steht bei uns die konservative Behandlung Ihrer Handschmerzen stets im Vordergrund. Je nach Diagnose kann Krankengymnastik eine sinnvolle Maßnahme sein, um Muskeln zu kräftigen und so die Gelenke zu schützen. Ergotherapie sowie Wärme- und Kälteanwendungen können dabei unterstützend zum Einsatz kommen.

Ist etwa beim Karpaltunnelsyndrom bereits eine Schädigung eingetreten oder ist mit einer solchen zu rechnen, führen Neurochirurgen eine minimalinvasive mikrochirurgische Dekompression im Bereich des verengten Karpaltunnels durch. Bei Morbus Dupuytren sollten Bindegewebswucherungen möglichst schnell entfernt werden, damit die Beweglichkeit von Hand und Fingern nicht beeinträchtigt wird und Folgeschäden vermieden werden können.

Raynaud-Syndrom: Ursachen, Diagnose und Therapie

Da viele Ursachen für ein sekundäres Raynaud-Phänomen infrage kommen, besteht der erste Schritt in einer möglichst exakten Beschreibung der Symptome. Der Hinweis auf kalte Finger oder Zehen reicht nicht aus!

Deuten die Symptome auf ein Raynaud-Phänomen hin, muss zunächst geklärt werden, ob eine weitere, möglicherweise rheumatische Erkrankung dahintersteckt - oder ob es sich um ein primäres Raynaud-Syndrom handelt. Dazu gehört eine gründliche Eigen- und Familienanamnese, die gezielte Frage nach Hautveränderungen, Muskel- oder Gelenkbeschwerden sowie nach Symptomen, die auf Autoimmunkrankheiten hinweisen können. Weitere Fragen zielen auf Risikofaktoren für eine arterielle Gefäßerkrankung sowie neurologische oder neurovaskuläre Erkrankungen ab sowie auf Medikamente, Rauchen oder Drogenmissbrauch. Zur Anamnese gehören auch Fragen nach beruflichen oder privaten Tätigkeiten.

Körperliche Untersuchung:

Ziel der körperlichen Untersuchung ist es, Zeichen einer zugrunde liegenden beziehungsweise assoziierten Erkrankung im Sinne des sekundären Raynaud-Phänomen zu entdecken. Deshalb sollten Blutdruck und Puls an beiden Armen sowie der Body-Mass-Index ermittelt werden. Abhängig von der Wahrscheinlichkeit eines sekundären Raynaud-Phänomens kann eine vollständige internistisch-rheumatologische Untersuchung sinnvoll sein. Darüber hinaus ist bei Verdacht auf eine sekundäre Erkrankung ein dermatologischer Check der gesamten Haut einschließlich der sichtbaren Schleimhäute sowie eine zumindest orientierende neurologische Untersuchung angezeigt.

Im praktischen Alltag hat sich die Inspektion der Hände als besonders hilfreich erwiesen, da sich hier am deutlichsten Hinweise für möglicherweise zugrundeliegende Autoimmunkrankheiten finden. Tritt die Symptomatik bei bestimmten Haltungen auf, etwa beim Drehen/Neigen des Kopfs oder beim Tragen von Lasten, sollten Probleme am Schultergürtel als Ursache ausgeschlossen werden.

Check im Labor:

Beim primären Raynaud-Phänomen sind die Ergebnisse sämtlicher laborchemischer Untersuchungen per Definition unauffällig. Bei Verdacht auf eine sekundäre Erkrankung können neben dem großen Blutbild eine ganze Reihe von Markern und Werten im Blut bestimmt werden sowie eine Untersuchung des Urins erfolgen.

Kapillarmikroskopie des Nagelfalzes:

Die mikroskopische Analyse der Haargefäße (Kapillaren) im Nagelfalz unterhalb des Nagels ist eine wertvolle Untersuchungsmethode, um Hinweise auf eine Kollagenose als Ursache eines sekundären Raynaud-Phänomens zu finden. Beim primären Raynaud-Phänomen tritt zwar häufig ein gestörter Blutfluss auf. Doch wesentliche Abweichungen von der üblichen Haarnadelform sind selten und die Dichte der Haargefäße ist normal.

Bei einer Kollagenose liegen oft vergrößerte, erweiterte und deformierte Kapillarschlingen vor, und es sind weniger Blutgefäße vorhanden. Die Kapillarmikroskopie kann das Auftreten einer Kollagenose gut vorhersagen, bevor sich Symptome zeigen. Dagegen hat die Entnahme und Analyse einer Gewebeprobe (Biopsie) meist nur wenig Aussagekraft und erfolgt nur in Ausnahmen. Unter Umständen ist es ratsam, die Blutgefäße mittels Ultraschall oder mit Kontrastmittel angiografisch zu untersuchen.

Autoimmunkrankheiten und Raynaud-Phänomen:

Autoimmunkrankheiten sind eine häufige Ursache eines sekundären Raynaud-Phänomens. Bis zu 90 Prozent der Patientinnen und Patienten mit einer systemischen Sklerose haben ein Raynaud-Phänomen als erstes Symptom oder bekommen es im Verlauf der Erkrankung. Bei etwa einem Drittel der Betroffenen bleibt das Raynaud-Phänomen für viele Jahre die einzige Krankheitsmanifestation.

Die Häufigkeit des Raynaud-Phänomens bei systemischem Lupus erythematodes beträgt 20 bis 60 Prozent, bei Dermatomyositis etwa 30 Prozent. Sollten die Kapillarmikroskopie auffällig und die Antinukleären Antikörper (ANA) deutlich erhöht sein, entwickeln drei von vier Betroffenen in den nächsten Jahrzehnten eine Autoimmunerkrankung. Ist beides unauffällig, liegt das Risiko deutlich unter fünf Prozent.

Raynaud als Berufskrankheit:

Einen besonderen Stellenwert haben chronische Erschütterungen als Ursache eines Raynaud-Phänomens. Bislang galten vor allem niedrigfrequente Vibrationen wie Presslufthammer, Schlagbohrmaschinen oder Kettensägen als besondere Risikofaktoren. Doch offenbar sind auch hochfrequente Vibrationen problematisch, wie sie bei chirurgischen oder zahnärztlichen Instrumenten entstehen. Medikamente als Auslöser werden in aller Regel unterschätzt - das gilt vor allem für den häufigen Einsatz von Betablockern und Migränetherapeutika. Wer beruflich mit Vinylchlorid hantiert hat, kann ebenfalls ein Raynaud-Phänomen entwickeln.

Therapie des Raynaud-Phänomens:

Die Therapie besteht nach Möglichkeit in der Vermeidung der auslösenden Ursache und einem größtmöglichen Schutz vor Kälte. Geeignete Hilfsmittel sind dabei warme, nicht einengende Handschuhe, Muffs, Taschenöfen und kleine Wärmekissen für Handschuhe und Schuhe. Solche Wärmehilfen erhält man zum Beispiel in Jagd- oder Campinggeschäften. Aber auch der ganze Körper sollte vor dem Auskühlen geschützt werden. Sehr wirksam sind warme Handbäder in Rapssamen, in ein Säckchen eingenähte und in der Mikrowelle erhitzte Kirschkerne, das Kneten warmen Paraffins im Rahmen der krankengymnastischen oder ergotherapeutischen Betreuung sowie autogenes Training, Biofeedback und andere Entspannungstechniken.

Vor beziehungsweise nach einer unvermeidlichen Kälteexposition sollten die Hände gut aufgewärmt werden (nicht mit Wasser). Wichtig ist auch ein regelmäßiges Gefäßtraining (Gymnastik, Wechselbäder), Sport, Massieren der Finger und eine gute Hautpflege (einfetten!). Nikotin ist streng untersagt - auch Passivrauchen. Stress kann ebenfalls Gefäßverengungen begünstigen. Wer am Arbeitsplatz stetig Kälte und Nässe ausgesetzt ist, sollte über einen Jobwechsel nachdenken. Warme Getränke und wärmende Speisen können von innen helfen.

Medikamentöse Therapie:

Erst wenn diese allgemeinen und nebenwirkungsfreien Maßnahmen nicht ausreichend sind und Nekrosen (offene Finger) oder nicht heilende Wunden drohen oder entstehen, kommen Medikamente zum Einsatz. Das Problem bei Medikamenten ist die Tatsache, dass die zur Verfügung stehenden Mittel in der Regel Nebenwirkungen haben. Zu den Präparaten gehören in erster Linie die Kalziumantagonisten, etwa die Wirkstoffe Verapamil oder Nifedipin. Vor allem Nifedipin verursacht häufig Kopfschmerzen, außerdem treten Wassereinlagerungen, Hautrötung, Schwindel, Blutdruckerniedrigung oder Verdauungsprobleme auf. Alternativ kommen ACE-Hemmer und Prostaglandin-Analoga zum Einsatz. Verengen sich große Blutgefäße, kommt eine Operation oder Weitung der Gefäße per Katheter infrage sowie eine Blockade der Nerven, die für die Gefäßkrämpfe mitverantwortlich sind. Bei sehr starker Ausprägung mit drohendem Verlust der Finger stehen ergänzend zur Therapie der Grunderkrankung Medikamente (Infusionen, Tabletten) zur Verfügung, die die Durchblutung erhöhen und die Bildung neuer Geschwüre verhindern können. Infusionen, etwa mit Iloprost, wirken schnell, machen aber häufig einen stationären Aufenthalt erforderlich. Sogenannte Endothelin-Antagonisten wie Bosentan stehen als Tabletten zur Verfügung, eine engmaschige ambulante Kontrolle ist jedoch nötig. Auch Sildenafil erweitert die Blutgefäße, hat jedoch keine Zulassung für die Anwendung beim Raynaud-Phänomen.

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