Leptospirose-Meningitis beim Menschen: Ursachen, Symptome und Behandlung

Die Leptospirose ist eine bakterielle Zoonose, die durch verschiedene Serovare von Leptospiren (Spirochäten) verursacht wird. Sie ist weltweit verbreitet, kommt aber häufiger in tropischen und subtropischen Regionen vor. Leptospiren überleben am besten in warmem und konstant feuchtem Klima mit einem neutralen oder leicht basischen pH-Bereich (7,0 bis 7,8), wodurch sie über Wochen und Monate ansteckend bleiben können.

Ursachen und Übertragung

Erreger der Leptospirose ist das Bakterium Leptospira interrogans, von dem mehr als 50 Serovare existieren. Es handelt sich um eine weltweite Zoonose - natürliches Erregerreservoir sind vor allem Ratten, Mäuse und andere Nagetiere. Die Übertragung erfolgt in der Regel über den Urin infizierter Tiere und damit über feuchten Erdboden (z.B. Überschwemmungsgebiete) oder Wasser. Möglich ist die Infektion bei Wasserkontakt über Haut- und Schleimhautläsionen. Gefährdet sind dementsprechend z.B. Angler, Wassersportler und bestimmte Berufsgruppen wie Kanal-, Feld- und Abwasserarbeiter oder Erntehelfer. In diesen Fällen kann die Erkrankung auch als Berufskrankheit gemeldet werden.

Die Übertragung auf den Menschen erfolgt in der Regel durch den direkten oder indirekten Kontakt (kontaminiertes Wasser, Schlamm) mit dem Urin erkrankter Tiere, die den Erreger in hoher Anzahl ausscheiden können, auch ohne dabei selbst erkrankt zu sein. In Deutschland traten in den letzten Jahren nach Sportveranstaltungen (Triathlons) mehrere Fälle von Leptospirose auf, die in Zusammenhang mit der Exposition zu verunreinigtem Flusswasser standen. Es wurde angenommen, dass besonders das Auftreten von Starkregen vor den Sportereignissen mit der Einschwemmung von Leptospiren aus dem Uferbereich oder der Kanalisation assoziiert war.

Obwohl prinzipiell jedes Säugetier mit Leptospiren infiziert werden kann, kommt Kleinsäugern (insb. Nagetiere) als natürliches Reservoir weltweit die größte Bedeutung zu. Die Reservoirtiere erkranken dabei in der Regel nicht an einer Leptospirose, scheiden jedoch den Erreger zum Teil lebenslang im Urin aus. Die Infektiosität der Leptospiren in der Außenwelt kann über Wochen und Monate erhalten bleiben.

Risikogruppen

Wer durch sein Freizeitverhalten oder beruflich regelmäßig auf mit Leptospiren infizierte Tiere trifft oder mit Wasser in Berührung kommt, in das der Urin von infizierten Tieren gelangt ist, hat ein erhöhtes Infektionsrisiko. Typische Risikogruppen sind demnach beispielsweise:

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  • in der Landwirtschaft tätige Personen
  • Kanal- und Abwasserarbeiter
  • Tierärzte
  • Tierpfleger
  • Fleischer
  • Militärangehörige (v.a. im Auslandseinsatz)

Symptome

Das klinische Bild der Leptospirose ist sehr vielseitig und reicht von milden, grippeähnlichen Symptomen bis hin zu fulminant verlaufenden, septischen Erkrankungen, die innerhalb weniger Tage zum Tode führen können. Zwischen diesen beiden Extremen liegt ein Spektrum unterschiedlich schwerer Verläufe, die potenziell jedes Organsystem betreffen können. Man geht aber davon aus, dass sich über 90 % der Leptospirosen als milde, zum Teil subklinische Erkrankungen manifestieren. Häufig wird bei einer klinisch apparenten Leptospirose ein biphasischer Krankheitsverlauf beobachtet. Eine akute oder septikämische Phase geht nach ungefähr einer Woche in eine Immunphase über, die durch Antikörperproduktion und Ausscheidung der Leptospiren im Urin gekennzeichnet ist.

1. Frühstadium (Bakteriämie):

  • plötzlicher Beginn mit hohem Fieber (39-40 °C) und grippeähnlichen Beschwerden
  • Konjunktivitis
  • Exantheme (masernähnlich, diffus oder rumpfbetont)
  • Wadenschmerzen, Kopfschmerzen (vor allem retrobulbär)
  • evtl. gastrointestinale Symptome

2. Organmanifestationen:

  • erneuter Fieberanstieg
  • Hepatitis (oft ikterisch)
  • Leptospiren-Nephritis (eher mit Hypokaliämie und polyurischem Nierenversagen)
  • Meningitis/Enzephalitis (starke Kopfschmerzen, Photophobie, Nackensteife und Vigilanzänderung)
  • respiratorische Symptome (u.a. diffuse pulmonale Hämorrhagien)

Der schwere Verlauf mit der klassischen Trias aus Nierenversagen, Ikterus und Splenomegalie wird auch als Morbus Weil bezeichnet.

Die Leptospirose betrifft häufig das Zentralnervensystem. Zeichen und Symptome umfassen starke Kopfschmerzen, Photophobie, Nackensteife und geänderte Vigilanz und entsprechen damit dem klinischen Bild anderer viraler oder bakterieller Meningitiden. Eine aseptische Meningitis wird in 5 - 24% der Krankheitsfälle beobachtet.

Diagnose

Es gibt keinen typischen Befund, der eindeutig auf eine Leptospirose hinweist. Die Labordiagnose einer Leptospirose kann entweder durch den direkten Erregernachweis oder durch serologische Methoden erfolgen.

Der direkte Erregernachweis stellt die sensitivste Methode zum Nachweis von Leptospiren dar und erfolgt entweder durch die Anzucht der Leptospiren aus Körperflüssigkeiten oder Gewebe bzw. durch PCR. In der ersten Woche nach Erkrankungsbeginn können Leptospiren aus dem Blut oder aus Liquorproben kultiviert werden. Die Anzucht aus dem Urin gelingt am ehesten in der 2. Erkrankungswoche.

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Der Mikroagglutinationstest (MAT) gilt als die Referenzmethode in der serologischen Leptospirendiagnostik. In der WHO Referenzmethode gilt ein Titer von 1 : 100 und höher als positiv, wobei grundsätzlich die Untersuchung eines Folgeserums im Abstand von ein bis zwei Wochen anzustreben ist, um einen Titerverlauf zu dokumentieren.

Differenzialdiagnostisch müssen andere fieberhafte Erkrankungen in Betracht gezogen werden, insbesondere bei Reiserückkehrern. Hierzu zählen Malaria, Rickettsiosen, Typhus, Arbovirus-Infektionen (u.a. Dengue, Gelbfieber) und akute Schistosomiasis. Bei Patienten mit Lungenbeteiligung sollte auch die Melioidose in Betracht gezogen werden. Weitere Virusinfektionen wie Influenza, virale Hepatitiden (HAV, HEV), HIV-Infektion und Hantavirus-Infektionen sind ebenfalls abzuklären. Bei primär zentralnervöser Manifestation ist zusätzlich an Meningoenzephalitiden anderer Genese zu denken.

Behandlung

Einheitliche Leitlinien für die Therapie der Leptospirose liegen zurzeit nicht vor. Es besteht aber Konsens, dass vor allem in der Frühphase eine Antibiotika-Behandlung indiziert ist.

  • Leichte Verläufe: Doxycyclin (2 x 100 mg/d; p. o. für 7 Tage)
  • Schwere Verläufe: Penicillin G (1,5 Mio E/6 h; i. v. für 7 Tage) oder Ceftriaxon (1 g/d; i. v. für 7 Tage)

Bei schweren pulmonalen Verlaufsformen kann evtl. Methylprednisolon die Letalität reduzieren.

Prophylaxe

Für Risikogruppen wird eine Expositionsprophylaxe empfohlen (geeignete wasserdichte Schutzkleidung, Handschuhe, ggf. Schutzbrille). Bei Exposition zu potenziell kontaminierten Gewässern sollten Wunden wasserdicht geschützt werden.

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Hunde und andere Nutztieren sollten regelmäßig gegen Leptospirose geimpft werden, ein Impfstoff für Menschen steht nicht zur Verfügung.

Bei Kontakt mit infizierten Tieren (z.B. Hunden) sollten die betroffenen Personen zunächst auf die Entwicklung der typischen Initialsymptome (plötzlich einsetzendes Fieber, Gelenk- und Muskelschmerzen) beobachtet werden.

Meningitis als Komplikation der Leptospirose

Eine Meningitis kann als eine der Organmanifestationen im Verlauf einer Leptospirose auftreten. Die Symptome einer Meningitis umfassen starke Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit (Photophobie), Nackensteife und Bewusstseinsveränderungen. Die Diagnose wird durch eine Lumbalpunktion gestellt, bei der Liquor (Hirnwasser) entnommen und untersucht wird.

Allgemeine Informationen zur Meningitis

Meningitis ist eine Entzündung der Hirnhäute, die meist durch Bakterien oder Viren hervorgerufen wird. Typische Symptome sind unter anderem Kopfschmerzen, hohes Fieber und Nackensteife. Da die Erkrankung innerhalb von wenigen Stunden tödlich verlaufen kann, handelt es sich hierbei immer um einen medizinischen Notfall.

Ursachen von Meningitis

Eine Meningitis kann durch Bakterien oder Viren ausgelöst werden. Im Frühjahr und Sommer besteht außerdem eine erhöhte Gefahr, an der von Viren ausgelösten sogenannten Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder einer bakteriellen Hirnhautentzündung durch Borrelien zu erkranken.

Behandlung von Meningitis

Gegen die viralen Formen der Meningitis gibt es keine spezifische Therapie. Diese ist in aller Regel auch nicht erforderlich, weil die Erkrankung eigenständig und ohne Folgeschäden ausheilt. Bis dahin kommen Schmerzmittel und antientzündliche Medikamente gegen die Symptome zur Anwendung.

Wurde eine bakterielle Hirnhautentzündung diagnostiziert oder lässt diese sich nicht gesichert ausschließen, wird schnellstmöglich eine Behandlung mit Antibiotika und Kortison in die Wege geleitet (meist als Infusion). Die Wahl des Antibiotikums richtet sich nach dem Erreger und dem Alter des Erkrankten.

Impfung gegen Meningitis

Gegen einige Meningitis-Erreger stehen vorbeugende Impfungen zur Verfügung. Babys können beispielsweise gegen die Bakterien Haemophilus influenzae, Meningokokken und Pneumokokken geimpft werden. Häufig ist die Hirnhautentzündung Folge einer Mumps-Infektion. Auch gegen diese Erkrankung gibt es einen Impfstoff.

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