Plötzliche Muskelkrämpfe und Borreliose: Ursachen, Symptome und Behandlung

Borreliose, auch Lyme-Krankheit genannt, ist eine durch Zecken übertragene bakterielle Infektion, die durch das Bakterium Borrelia burgdorferi verursacht wird. Sie ist die häufigste durch Zecken übertragene Krankheit in Deutschland und kann, wenn sie nicht erkannt und behandelt wird, zu schweren gesundheitlichen Problemen führen. Die Infektion bleibt oft unentdeckt und kann ernste Spätfolgen haben.

Zecken und Borreliose - Eine Einführung

Zecken übertragen in Deutschland vor allem zwei Infektionskrankheiten: Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Borreliose. FSME wird von Viren verursacht, die in bestimmten Risikogebieten unterwegs sind. Im Gegensatz dazu wird Borreliose durch Bakterien verursacht und kann verschiedene Organe und Systeme des Körpers betreffen. Nach Schätzungen tragen nur etwa ein Drittel der Zecken Borrelien in sich. Das RKI geht davon aus, dass bis zu 1,4 Prozent der Gestochenen an Borreliose erkranken.

Symptome der Borreliose

Die Symptome einer Borreliose können vielfältig sein und variieren je nach Stadium der Erkrankung.

Frühe Symptome

Ein sicherer Hinweis auf Borreliose gilt die sogenannte Wanderröte. Dabei handelt es sich um einen kreisrunden, roten Hautausschlag, der bei rund 90 Prozent der Infektionen - teils auch noch Wochen später - um die Einstichstelle auftritt und sich nach außen ausbreitet. Die Wanderröte ist oft das erste und auffälligste Zeichen einer Borreliose.

Weitere frühe Symptome können sein:

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  • Grippeartige Symptome wie Fieber
  • Geschwollene Lymphknoten
  • Gelenkschmerzen
  • Abgeschlagenheit
  • Kopfschmerzen
  • Muskelschmerzen
  • Schwindel
  • Unwohlsein

Späte Symptome

Wird die Borreliose nicht rechtzeitig behandelt, können im weiteren Verlauf schwerwiegendere Symptome auftreten, die verschiedene Organe betreffen können.

  • Neuroborreliose: In etwa drei von 100 Fällen befallen die Bakterien im Verlauf der Erkrankung auch die Nerven und lösen eine Neuroborreliose aus. Als Folgen können unter anderem brennende Nervenschmerzen, Kribbeln und Lähmungen auftreten. Der Befall des Nervensystems kündigt sich gewöhnlich durch vor allem nächtliche starke Schmerzen an und zeigt sich bei der Mehrzahl der Betroffenen in einem ein- oder beidseitigen Gesichtsnervenbefall (Fazialisparese). Oft asymmetrische Lähmungen anderer Körperpartien durch eine Polyradikulitis (entzündliche Erkrankung der peripheren Nerven) können auftreten.
  • Lyme-Arthritis: Etwa fünf Prozent der Erkrankten entwickeln eine Lyme-Arthritis. Die Lyme-Arthritis ist eine schubweise oder chronisch verlaufende Entzündung von einem oder mehreren Gelenken. Betroffen sind vor allem die großen Gelenke, insbesondere die Kniegelenke sowie in abnehmender Häufigkeit Sprung-, Ellenbogen-, Finger-, Zehen- und Handwurzelgelenke sowie Kiefergelenke. Die Schmerzen und Schwellungen klingen oft nach einigen Wochen ab, können aber immer wieder erneut auftreten und von Gelenk zu Gelenk springen.
  • Lyme-Karditis: Sehr selten sind Herzprobleme infolge einer Borreliose (Lyme-Karditis) wie Herzmuskelentzündungen oder Herzrhythmusstörungen. Oft ist die Weiterleitung der elektischen Impulse vom rechten Vorhof in die rechte Kammer gehemmt, was zu einem unregelmäßigen Puls führt.
  • Acrodermatitis Chronica Atrophicans: In Einzelfällen kommt es zu einer chronischen Entzündung der Haut. Eine seltenere Manifestation ist die Acrodermatitis, eine chronische Hautentzündung, die vor allem bei älteren Frauen auftritt. Betroffen sind vor allem die Streckseiten der Beine und Arme sowie Finger und Zehen. Zunächst ist die Haut gerötet und geschwollen. Unbehandelt entwickelt sich eine Atrophie der Haut (zigarettenpapierdünn) mit blaugrauer oder bläulich-violetter (livider) Verfärbung und ausgeprägter Venenzeichnung.

Psychische Auswirkungen

Eine Borreliose kann sich nicht nur auf die körperliche, sondern auch auf die mentale und psychische Gesundheit auswirken. Bei Borreliose können verschiedene mentale und psychische Symptome auftreten, zum Beispiel Wahrnehmungsstörungen (akustische und optische Halluzinationen, sensorische Überempfindlichkeit), Gedächtnis- und Konzentrationsschwierigkeiten, Benommenheit, Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Ängste, Depressionen und Suizidgedanken.

Diagnose der Borreliose

Die Diagnose von Borreliose ist nicht immer einfach, denn grippeartige Symptome wie Fieber, geschwollene Lymphknoten oder Gelenkschmerzen können auch von anderen Erkrankungen herrühren. Am besten erkennen Mediziner Borreliose an der Wanderröte. Die Diagnose kann mit einem Bluttest auf entsprechende Antikörper gestützt werden. Allerdings bedeutet der Nachweis von Antikörpern lediglich, dass das Immunsystem im Lauf des Lebens bereits einmal Kontakt zu Borrelien hatte, nicht aber, ob es sich um eine frische Infektion handelt.

Behandlung der Borreliose

Bei diagnostizierter Borreliose werden für zwei bis vier Wochen Antibiotika wie Doxycyclin oder Amoxicillin verordnet, die meist zu einer vollständigen Genesung führen. Eine Antibiotika-Gabe als Prophylaxe empfiehlt das RKI ausdrücklich nicht, denn das Risiko für Nebenwirkungen wäre höher als ein möglicher gesundheitlicher Nutzen. Eine frühzeitige Behandlung einer Borreliose kann schwerwiegende Spätfolgen verhindern.

Post-Lyme-Syndrom

Nicht jede Borreliose klingt nach einer Behandlung vollständig ab. Manche Patienten entwickeln ein sogenanntes Post-Lyme-Syndrom. Andere wiederum leiden an einer chronischen Borreliose, bei der die Erreger dauerhaft im Körper persistieren und das Immunsystem immer wieder belasten.

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Vorbeugung

Gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) gibt es eine wirksame Impfung, gegen Borreliose bisher noch nicht. Das Biotechnologieunternehmen Valneva hat in Zusammenarbeit mit dem Pharmaziekonzern Pfizer einen Impfstoff gegen Borreliose entwickelt. Dieser soll gegen die sechs häufigsten in Europa und Nordamerika vorkommenden Borreliose-Typen wirken. Durch die Impfung soll das Oberflächenprotein A (OspA) des Borreliose-Erregers Borrelia burgdorferi durch Antikörper blockiert werden. In klinischen Studien zeigte der Impfstoff mit dem Namen VLA15 erste positive Ergebnisse.

Wer im Garten arbeitet, im Wald oder auf Wiesen mit hohem Gras unterwegs ist, sollte zum Schutz vor Zecken geschlossene Schuhe, lange Hosen und möglichst auch langärmelige Oberbekleidung tragen. Auf heller Kleidung lassen sich Zecken besser erkennen und wieder abstreifen.

Muskelkrämpfe und Lähmungen im Zusammenhang mit Borreliose

Lähmungen oder Muskelschwäche können als Folge einer Neuroborreliose auftreten. Die Neuroborreliose entsteht, wenn die Borrelien das Nervensystem befallen. Es ist wichtig zu klären, was der Grund für Lähmungserscheinungen ist: Ist der Muskel selbst betroffen oder aber ein Nerv, der den Muskel steuert? Ist der Muskel selbst für die Lähmung verantwortlich, muss an eine Muskelentzündung oder angeborene Erkrankungen wie eine progressive Muskeldystrophie gedacht werden.

Geht die Lähmung von den Nerven aus, die außerhalb des Gehirns oder Rückenmarks verlaufen, spricht man von einer peripheren Lähmung. Das ist etwa der Fall, wenn Druck auf die Austrittsstelle der Nerven an der Wirbelsäule ausgeübt wird, zum Beispiel beim Bandscheibenvorfall oder bei Rückenmarktumoren. Aber auch Autoimmunerkrankungen oder Vergiftungen können die peripheren Nerven schädigen.

Liegt das Problem in den Nervenzellen im Gehirn oder Rückenmark, handelt es sich um eine zentrale Lähmung. Dahinter stecken beispielweise Schlaganfälle, Hirntumoren oder auch eine Schädel-Hirn-Verletzung. Dann ist die Grundspannung des Muskels zu Beginn dauerhaft hoch, es liegt eine Spastik vor.

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In allen Fällen gilt: Lähmungen müssen immer ärztlich abgeklärt werden! Je schneller die Lähmung entstanden ist, umso dringlicher sollte eine Ärzt*in hinzugezogen werden.

Differenzialdiagnosen bei Lähmungserscheinungen

Es gibt viele Ursachen für Lähmungen, daher ist eine sorgfältige Diagnose wichtig. Zu den möglichen Ursachen gehören:

  • Bandscheibenvorfall
  • Rückenmarktumoren
  • Autoimmunerkrankungen
  • Vergiftungen
  • Schlaganfälle
  • Hirntumoren
  • Schädel-Hirn-Verletzungen
  • Infektionen wie Gürtelrose
  • Polyneuropathie
  • Hirnhautentzündung
  • Gehirnentzündung
  • Hirnabszess
  • Kinderlähmung
  • Amyotrophische Lateralsklerose (ALS)

Was tun bei Lähmungen?

Schnell reagieren. Studien zeigen immer wieder, dass gerade nahe Angehörige spät auf Schlaganfallsymptome wie plötzliche Lähmungen reagieren. Machen Sie sich bewusst, dass jede Minute über die Folgen eines Schlaganfalls entscheiden kann. Nehmen Sie also lieber einen Fehlalarm in Kauf und informieren Sie im Verdachtsfall sofort die Notärzt*in.

Wichtig ist es aber, die häufigsten Symptome zu kennen: Armlähmung, Sprechstörungen, Sehstörungen und Verständnisschwierigkeiten.

  • Face: Bitten Sie die betroffene Person, zu lächeln. Hängt dabei ein Mundwinkel herab, ist das ein Zeichen für einen Schlaganfall
  • Arms: Die betroffene Person soll die Arme nach vorne strecken und dabei die Handflächen nach oben halten. Bei einer Lähmung sinkt ein Arm ab, dreht sich oder kann gar nicht gehoben werden.
  • Speech: Lassen Sie die betroffene Person einen einfachen Satz nachsprechen. Wenn sie das nicht kann oder verwaschen spricht, könnte ein Schlaganfall vorliegen.

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