Ein Krampfanfall, bei dem sich die Augen nach links bewegen, kann verschiedene Ursachen haben. Um die richtige Diagnose zu stellen und eine geeignete Behandlung einzuleiten, ist eine genaue Anamnese und Untersuchung erforderlich. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen solcher Anfälle, die diagnostischen Schritte und die verschiedenen Therapieansätze.
Was ist ein Krampfanfall?
Ein Krampfanfall (epileptischer Anfall) entsteht durch eine überschießende Entladung von Neuronen im Gehirn. Die Phänomenologie variiert erheblich in Abhängigkeit von Ort und Ausprägung der Anfälle. Bei Epilepsie stellt man sich meist einen Anfall vor, bei dem der Betroffene bewusstlos zu Boden stürzt und unter starken Zuckungen leidet. „Ein epileptischer Anfall kann jedoch sehr unterschiedlich verlaufen. So verdrehen manche Betroffene die Augen, verharren in einer ungewöhnlichen Körperhaltung oder geben unartikulierte Laute von sich und reagieren nicht, wenn man sie anspricht“, erklärt Prof. Bernhard Steinhoff von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Berlin. Auch wiederholte, an sich vertraute Bewegungen wie Lippenlecken, Kauen und Zupfen an der Kleidung in Situationen, in denen diese Tätigkeiten nicht angemessen sind, können auf einen epileptischen Anfall hindeuten. Diese Anfälle dauern manchmal nur Sekunden und werden von anderen oftmals gar nicht bemerkt. „Diese Symptome können auch andere Ursachen haben. Da bei einer Epilepsie jedoch stärkere Anfälle mit Stürzen und Krämpfen hinzukommen können, sollte solche Anzeichen neurologisch abgeklärt werden“, empfiehlt Prof. Steinhoff, der das Epilepsiezentrum Kork in Kehl leitet.
Ursachen für Krampfanfälle mit Augenbewegung nach links
Krampfanfälle können generalisiert oder fokal sein. Generalisierte Krampfanfälle betreffen beide Gehirnhälften gleichermaßen, während fokale Krampfanfälle nur in einem begrenzten Bereich einer Hirnhälfte stattfinden. Die Augenbewegung nach links kann ein Hinweis auf einen fokalen Anfall sein, der seinen Ursprung in bestimmten Hirnregionen hat.
Je nachdem, in welchem Teil des Gehirns es zu einer Übererregung kommt, können sich die Anfälle auch in irrtümlichen Wahrnehmungen äußern. Betroffene Menschen hören plötzlich Geräusche und Stimmen oder sehen Streifen und Blitze. Unmittelbar vor dem Anfall nehmen einige einen seltsamen Geruch oder ein Kribbelgefühl am ganzen Körper wahr.
Häufige Ursachen für Krampfanfälle sind:
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- Epilepsie: Epilepsie ist eine Erkrankung des Gehirns mit meist bis zu 2 Minuten dauernden Anfällen, von kurzen unscheinbaren Bewusstseinsaussetzern (Absencen) über sog. fokale Anfälle mit Missempfindungen, Sprachstörungen oder Zuckungen bis hin zum Krampfanfall mit Sturz. Epilepsie kann u.a. genetisch, krankheitsbedingt, eine Unfallfolge oder auch unbekannter Ursache sein.
- Zerebrale Raumforderungen: zerebrale Raumforderungen (z.B.
- Ischämien: Ischämien (bspw.
- Hypoxie: Hypoxie (z.B.
- Infektionen: Infektion (insb. Meningitis, Sepsis)
- Neurologische Ursachen: Epilepsie, akuter / Z.n. Schlaganfall, zerebrale Blutung, Raumforderung
- Trauma: Trauma / Toxin (Schädel-Hirn-Trauma, Alkohol, -Entzug, Intoxikation)
- Elektrolytstörungen: Elektrolyte (insb. Hyponatriämie)
- Weitere Ursachen: Eklampsie (bei Schwangerschaft >20 SSW.) sowie Fieberkrampf v.a. bei Kindern.
- Entzug oder Abusus von Suchtmitteln: Entzug oder Abusus von Suchtmitteln (z.B.
Es ist wichtig zu beachten, dass epileptische Anfälle von Gelegenheitskrämpfen abgegrenzt werden müssen. Dies sind im Kindesalter z.B. Fieberkrämpfe und bei Erwachsenen Krämpfe bedingt durch Alkohol- oder Drogenabusus oder Dehydration (Aufzählung nicht abschließend).
Diagnostik
Die Entscheidung darüber, ob eine Epilepsie vorliegt oder nicht, stützt sich neben medizinischen Untersuchungen stark auf Schilderungen des Anfallsereignisses. Daher sollte die Beschreibung des Anfalls durch den Patienten und möglicherweise einen Augenzeugen möglichst genau sein“, rät Prof. Steinhoff. Eine möglichst genaue Beschreibung über Ablauf und Dauer des Krampfes ist entscheidend für die Einordnung der Anfalls und die Festlegung weiterer therapeutischer Maßnahmen. Gerade bei einem ersten Epilepsieanfall stehen behandelnden Ärzten nur wenige Informationen über die Symptome des Anfalls zur Verfügung. Zwar beinhaltet eine erste körperliche Untersuchung u.a. technische Hilfsmittel wie die Elektroenzephalographie (EEG) und die Magnetresonanztomographie (MRT, besonders bei Kindern), aber es kann ratsam sein, das Gesicht des Betroffenen während des Anfalls zu fotografieren. Besonders die Augen des Betroffenen liefern wichtige Hinweise: Sind die Augen zu Beginn eines Anfalls geschlossen, stehen die Chancen gut, dass es sich nicht um einen epileptischen Anfall handelt. Auch Videoaufnahmen von Anfällen können helfen.
Die Diagnostik umfasst in der Regel folgende Schritte:
- Anamnese:
- Anfallsvorgeschichte: Die obigen Schilderungen sind sehr wichtig und werden als Anfallsanamnese bezeichnet. Einzelheiten eines Anfalls lassen sich beim ersten Anfall nicht immer klären, da der Beobachter nicht geschult ist, auf die einzelnen Phänomene zu achten. Je häufiger Anfälle auftreten, um so eher ist jedoch eine genaue Beschreibung des Anfallstyps möglich.
- Krankheitsvorgeschichte: Unabhängig von der Anfallsbeschreibung ist die übrige Krankheitsvorgeschichte wichtig.
- Wie waren die Schwangerschaft und Geburt?
- Gab es Entwicklungsstörungen in der frühen Kindheit, gab es Kopf- oder Gehirnverletzungen oder Erkrankungen, die das Gehirn betreffen?
- Gab es in der Kindheit kleinere oder andere Anfallstypen wie z. B. Fieberkrämpfe?
- Lagen in der unmittelbaren Vorgeschichte andere Erkrankungen vor wie z. B. eine Infektion oder ein Tumor in einer anderen Körperregion?
- Werden Medikamente oder Alkohol regelmäßig konsumiert?
- Sind in der Familie weitere Patienten mit Epilepsie bekannt?
- Handelt es sich wirklich um den ersten Anfall oder gab es schon zuvor Anfälle? Vielleicht auch kleinere Anfälle eines anderen Typs?
- Körperliche und neurologische Untersuchung: Nach der Erhebung der Vorgeschichte ist eine körperliche neurologische und auch psychiatrische Untersuchung notwendig. Hierbei werden die Hirnnerven, die Körperkraft, die Körperempfindungen, die Reflexe an Armen und Beinen, die Koordination und intellektuelle Leistungen wie z. B. die Sprache oder das Gedächtnis überprüft. Es ist auch notwendig, auf mögliche psychiatrische Störungen wie z. B. Depressionen, Wahnvorstellungen oder Halluzinationen einzugehen.
- EEG (Elektroenzephalographie): Das EEG misst die hirnelektrische Aktivität. Bei Epilepsie-Patienten können in der Ableitung epilepsietypische Potentiale gefunden werden. Es handelt sich dabei um steile und spitze Potentiale, die evtl. von einer langsamen Welle gefolgt sind (Spitze-Wellekomplex oder Spike-wave-Komplex). Sie sind auf eine Epilepsie hinweisend, beweisen aber nicht, dass der Patient auch wirklich an einer Epilepsie leidet. So können z. B. epilepsietypische Potentiale auch in EEGs von Geschwisterkindern von Anfallspatienten nachgewiesen werden, ohne dass diese jemals einen epileptischen Anfall erlitten haben. Mit dem EEG können auch allgemeine Veränderungen der elektrischen Gehirnaktivität wie Verlangsamungen oder herdförmige Störungen erkannt werden. In aller Regel wird zunächst ein Oberflächen-EEG über 20-30 Minuten mit Hyperventilation (verstärktes Atmen) durchgeführt. Erst wenn hierbei keine schlüssige Aussage zu treffen ist, kann ein 24-Stunden-EEG oder Schlafentzugs-EEG durchgeführt werden.
- MRT (Magnetresonanztomographie): Die Kernspintomographie des Kopfes (MRT oder MRI) ist eine Schichtaufnahme des Kopfes und des Gehirns mit Hilfe magnetischer Wellen. Sie ist ungefährlich und nicht belastend. Sie kann von daher beliebig wiederholt werden. Mit ihr erkennt man Veränderungen der Gehirnstruktur, wie z. B. Vernarbungen, Missbildungen, Entzündungen, Tumore, Schlaganfälle. Diese Veränderungen, auch Läsionen genannt, können im Zusammenhang mit der Epilepsie stehen, müssen dies aber nicht. Selbst wenn das Kernspintomogramm vollständig normal ist, kann eine Epilepsie vorliegen. Mit der Kernspintomographie können auch die zum Gehirn führenden Gefäße dargestellt werden (Kernspin-Angiographie). Falls eine Kernspintomographie des Kopfes nicht möglich ist, sollte zumindest eine Computertomographie durchgeführt werden. Auch hierbei handelt es sich um Schichtaufnahmen des Gehirns, die Veränderungen der Gehirnstruktur aufzeigen. Sie ist, was die Epilepsie angeht, jedoch nicht so genau wie die Kernspintomographie. Außerdem werden Röntgenstrahlen angewendet, so dass eine Strahlenbelastung entsteht.
- Laboruntersuchungen: Insbesondere wenn es sich um den ersten Anfall handelt, sollten Laboruntersuchungen des Blutes und in einzelnen Fällen auch des Nervenwassers (Liquor) durchgeführt werden. Hierbei wird vor allem nach Entzündungszeichen gesucht.
- Neuropsychologische Untersuchung: Zudem sollte eine zumindest orientierende neuropsychologische Untersuchung mit geeignetem Testverfahren stattfinden um Beeinträchtigungen der Hirnleistungsfähigkeit durch die Epilepsie erkennen zu können. Wiederholt man die Untersuchung nach einer Einstellung auf Antiepileptika, so kann man über mögliche Auswirkungen der Medikation auf die Gehirnleistungsfähigkeit erkennen.
Differenzialdiagnose
Es ist wichtig, andere Erkrankungen auszuschließen, die ähnliche Symptome wie ein Krampfanfall verursachen können. Dazu gehören:
- Synkope (Ohnmacht): Am häufigsten wird eine Ohnmacht (Synkope) mit Epilepsie verwechselt. Hierbei handelt es sich um eine momentane Minderdurchblutung des Gehirns, die zu einem Bewusstseinsverlust und zu einem Zusammensacken führt. Der Patient selber erlebt hierbei meist ein mulmiges Gefühl, ein schwarz werden vor den Augen und erwacht meist nach wenigen Sekunden wieder. Nach dem Erwachen ist er rasch wieder vollständig orientiert. Im Rahmen dieser Ohnmachten können vereinzelte Zuckungen auf beiden Seiten auftreten. Man spricht dann von konvulsiver Synkope. Die konvulsive Synkope ist kein epileptischer Anfall. Die Minderdurchblutung des Gehirns wird durch einen Blutdruckabfall verursacht. Häufig handelt es sich um momentane Fehlfunktionen des Herzens wie z. B. Herzrhythmusstörungen. Insofern sollte hier unbedingt eine Abklärung durch einen Herzspezialisten erfolgen.
- Schlaganfall: Der Schlaganfall kann insbesondere dann, wenn er nur sehr kurz verläuft und sich vollständig zurückbildet, zur Verwechslung mit einem epileptischen Anfall führen. Erschwerend kommt hinzu, dass der Schlaganfall auch eine der häufigsten Epilepsieursachen ist. Nach einem Schlaganfall treten bei etwa jedem 6. Patienten vereinzelt oder dauerhaft epileptische Anfälle auf. Auch hier ist eine genaue Beschreibung des Ereignisses wichtig, um die richtige Diagnose stellen zu können.
- Migräne mit Aura: Auch bei der Migräne kommt es zu Auren. Diese können bestehen aus Flimmern vor den Augen oder dunklen Flecken. Mitunter führt die Migräneaura auch zu Sprachstörungen oder Halbseitenlähmungen für die Dauer weniger Minuten. Auf die Migräneaura folgen jedoch häufig schwere Kopfschmerzen. Komplizierend kommt hinzu, dass manchen Patienten sowohl unter Migräne als auch unter Epilepsie leiden.
- Schlafstörungen: Bei manchen Schlafstörungen kommt es zusätzlich zu plötzlichen Anfällen mit Verlust der Körperspannung und Hinfallen, sog. kataplektischen Anfällen. Beim kataplektischen Anfall wird jedoch niemals das Bewusstsein verloren. Auch ist an der Schlafstörung mit häufigem Einschlafen auch tagsüber und zerrüttetem Nachtschlaf erkennbar, dass es sich nicht um eine Epilepsie, sondern um eine Schlafstörung (Narkolepsie-/Katapleksie-Syndrom ) handelt.
- Dissoziative Anfälle: Typische Anzeichen sind plötzliche Bewegungsstörungen oder Bewusstseinsveränderungen ohne eine organische Ursache im Gehirn. Dissoziative Anfälle zählen daher zu den sogenannten funktionellen Störungen. Psychotherapeutische Unterstützung kann dagegen helfen. Bei Dissoziativen Anfällen verlieren Betroffene vorübergehend die Kontrolle über ihren Körper - mit Zuckungen, Ohnmachtsanfällen oder Verkrampfungen. Hierbei handelt es sich um das Gefühl, sich als fremd oder unwirklich zu erleben. Es kann sich anfühlen, als würde man sich von seinem eigenen Körper oder seinen eigenen Emotionen entfernt selbst beobachten. Typisch ist ein plötzlicher Kontrollverlust über den Körper. Es kann zu Zuckungen, Verkrampfungen oder einem Ohnmachtsanfall kommen. Anders als bei Epilepsie fehlt jedoch eine krankhafte elektrische Entladung im Gehirn. Die Anfälle entstehen ohne erkennbare körperliche Ursache und dauern oft mehrere Minuten. Dissoziative Anfälle sind meist Folge unbewusster seelischer Belastung. Manchmal stehen frühere medizinische Ereignisse wie ein epileptischer Anfall oder eine Ohnmacht am Anfang. Menschen mit anderen chronischen Erkrankungen wie Epilepsie, Migräne, Depression, Angst- oder Schlafstörungen haben ein erhöhtes Risiko.
Behandlung
Die Therapie eines Krampfanfalls unterscheidet sich zwischen einem noch andauernden und einem bereits abgeschlossenen Anfall.
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Akutbehandlung
- Während eines Anfalls: Neben der möglichen Gabe eines Benzodiazepine zur Durchbrechung des Krampfanfalls, sollten stets potenziell patientengefährdende Gegenstände entfernen werden. Als Medikament kommt bei den meisten Rettungsdiensten Midazolam aufgrund seiner umfangreichen Applikationswege zum Einsatz. für Erwachseneintranasal / intramuskulärintravenösAmpulle Midazolam15 mg / 3 ml Midazolam5 mg / 5 ml MidazolamRichtdosis>40 kgKG = 10 mg i.n. / i.m.<40-13 kgKG = 5 mg i.n. / i.m.>40 kgKG = 10 mg i.v.<40-13 kgKG = 5 mg i.v.Dosierung pro kgKG0,2 mg/kgKG i.n.
- Status epilepticus: Ein epileptische Anfall, welcher länger als 5 Minuten anhält, oder mehr als 2 aufeinanderfolgende Anfälle über einen Zeitraum von mehr als 5 Minuten ohne Wiedererlangen des Bewusstseins, werden als Status epilepticus bezeichnet stellen ein dringend therapiebedürftiges Notfallbild dar! Bei Patienten mit einer Neigung zu Anfallsserien kann die Gabe von Notfallmedikamenten abweichend bereits nach dem ersten Anfall erwogen werden. Krampf medikamentös durchbrechen→ Midazolam i.n / i.m. oder i.v.→ Lorazepam i.v.
Erste Schritte bei Status epilepticus:
- Fokus auf ABC-Stabilisierung
- O2-Gabe (15l/min. über Maske mit Reservoir)
- Schutz vor weiteren Verletzungen
- (bei Z.n. Krampfanfall und Bewusstseinsstörung: Ggf. stabile Seitenlage, Esmarch-Handgriff)
- Orientierender Neuro-Status (Paresen? Pupillenstatus/Herdblick?)
- Fokussierte Anamnese: Epilepsie bekannt? BINTE-Schema (s.unten)
- BGA mit Elektrolyten (falls nicht möglich: zumindest BZ-Messung)
- Medikamentöse Therapie bei Status epilepticus
Langzeitbehandlung
Die langfristige Behandlung von Krampfanfällen zielt darauf ab, die Anfallshäufigkeit zu reduzieren oder die Anfälle vollständig zu verhindern. Dies kann durch folgende Maßnahmen erreicht werden:
- Medikamentöse Therapie: Die medikamentöse Therapie erfolgt mit Antiepileptika.
- Chirurgische Therapie: In einigen Fällen kann eine Operation in Betracht gezogen werden, um den Bereich im Gehirn zu entfernen, der die Anfälle verursacht.
- Vagusnervstimulation: Die Vagusnervstimulation ist eine weitere Option für Patienten, bei denen Medikamente nicht ausreichend wirken.
- Ketogene Diät: Bei Kindern kann eine ketogene Diät, die reich an Fett und arm an Kohlenhydraten ist, die Anfallshäufigkeit reduzieren.
- Veränderte Lebensführung: Prinzipiell gibt es die Möglichkeit, durch eine veränderte Lebensführung Anfälle zu vermeiden. Die 12 wichtige Epilepsie Auslöser!Epilepsien sind chronische neurologische Erkrankungen, bei denen Cluster von Nervenzellen (Neuronen) im Gehirn manchmal abnormale Signale aussenden und Anfälle verursachen. Während eines Anfalls feuern (signalisieren) viele Neuronen gleichzeitig - bis zu 500-mal pro Sekunde, viel schneller als normal. Epileptische Anfälle können medikamentös gut gesteuert und gemanaged werden.
Selbstinduzierte Anfälle
Ein Sonderfall sind selbstinduzierte Anfälle. Der erste Fall mit selbstinduzierten epileptischen Anfällen wurde im Jahr 1827 beschrieben. Dabei handelte es sich um einen Patienten, der bei sich selbst Halbseitenkrämpfe mit Visusverlust auslöste, ohne dabei das Bewusstsein zu verlieren. Die Prävalenz dieses sogenannten Selbstinduktionsverhaltens wird heute auf etwa 1 % der Menschen mit Epilepsie geschätzt. Gut ein Viertel aller Patienten mit photosensitiver Epilepsie dürfte betroffen sein. Oftmals werden die Anfälle über visuelle Reize ausgelöst, denen sich die Betroffenen gezielt aussetzen, etwa:
- Augenschluss mit forcierter Aufwärtsbewegung der Augen
- bestimmte Handbewegungen vor den Augen
- Blinzeln, etwa beim Blick in die Sonne
- Kopfwackeln, -nicken und -schütteln
- Annähern an den Fernseher auf weniger als 1 m, mitunter weniger als 30 cm
- Fixieren einer weißen Wand, Betrachten bestimmter Muster
- Starren auf eine Lichtquelle, ein Fenster oder in die Sonne
Ungewöhnlichere Trigger sind heißes Wasser, das über den Kopf gegossen wird, Hyperventilieren oder Musik. Gelegentlich dient auch das Imitieren der Bewegungen eines Anfalls sowie das eigenmächtige Reduzieren oder vollständige Absetzen der antikonvulsiven Medikation den Betroffenen regelmäßig als effektiver Auslöser. Scheinbar gezielt induzieren sie dadurch:
- generalisierte tonisch-klonische Anfälle
- Absencen, mit und ohne Myoklonien
- Myoklonien
- fokale Anfälle mit gestörter Bewusstheit
Es ist fraglich, ob die Patienten die Anfälle tatsächlich mit Absicht und geplant auslösen. Nach eigenen Angaben empfinden viele von ihnen das Geschehen als unwillkürlichen Vorgang und bei einigen dieser Menschen finden sich Hinweise auf zwanghaftes Verhalten. So erklärte ein Patient, sein Tun sei ihm zwar bewusst, er könne es aber nicht unterdrücken. Mitunter scheinen die so provozierten Anfälle mit angenehmen Empfindungen im Sinne von Ekstase oder mit einer orgasmischen Aura einherzugehen. So beschrieb ein elfjähriger Junge den Zustand als angenehmes Gefühl des Gleichgewichts, wie man es wohl beim Fallschirmspringen im freien Fall empfinden müsse. Vielfach lässt sich zudem ein äußerlich sichtbares Glücksgefühl während der Anfälle erkennen. Möglicherweise versuchen die Betroffenen, innere Spannungen zu lösen oder etwa die Symptomatik einer Depression abzumildern. Möglicherweise ist das Selbstinduktionsverhalten ein Bestandteil des Anfallgeschehens selbst.
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Die Behandlung gestaltet sich in der Regel schwierig. Bei einigen Patienten ließen sich mit Verhaltenstherapien, teils mit Entspannungstechniken positive Effekte erzielen. Photosensible Patienten können darüber hinaus von Sonnenbrillen oder speziell gefärbten Kontaktlinsen profitieren. Unter den pharmakologischen Therapien scheinen Clonazepam und die Kombination von Fenfluramin mit Valproat am vielversprechendsten zu sein.
Erste Hilfe bei einem Krampfanfall
Bei der ersten Hilfe gilt: Nicht festhalten, keinen Beißkeil oder ähnliches zwischen die Zähne und Verletzungen verhindern. Nach einem Anfall ist es wichtig dabei zu bleiben, bis das Bewusstsein wieder klar ist.
- Betroffene Person auf den Boden legen, um einem Sturz vorzubeugen (ggf.
- Alle Gegenstände entfernen, die zu Verletzungen oder Gefahren führen könnten, z.B.
- Seltsame Körperhaltungen und freie Zuckungen ermöglichen und möglichst Platz dafür schaffen, falls noch nicht geschehen, sonst drohen Verletzungen. Die Muskelspannung bei Krampfanfällen ist so hoch, dass beim Festhalten oder bei Versuchen Körperteile (z.B. Arme, Beine oder Finger) zu bewegen Knochenbrüche und andere Verletzungen sehr wahrscheinlich sind. Zungenbisse passieren wenn dann gleich zu Beginn eines Anfalls. Es ist schädlich und sinnlos zu versuchen, sie während des Anfalls zu verhindern. Es ist sinnlos und eventuell schädlich zu versuchen einen Anfall zu beeinflussen oder zu beenden, z.B. durch kaltes Wasser oder Schütteln. Auf die Uhr schauen und Notfallmedikamente erst nach der ärztlich angegebenen Zeit geben, weil sie erhebliche Nebenwirkungen haben. Normalerweise enden epileptische Anfälle von allein während 2 bis höchstens 3 Minuten. Notfallmedikamente sind dafür da, einen Status epilepticus bzw. eine Anfallsserie zu beenden.
- Dauer und Begleiterscheinungen des Anfalls beobachten. Auf die Augen achten: Sind sie geschlossen, offen, starr oder verdreht?
- 112) rufen - auch, wenn schon ein Notfallmedikament gegeben wurde! Das gilt auch, wenn ein 2.
- Auf einen Anfall folgt in der Regel eine kurze Schlaf- bzw. Erholungsphase. Unbedingt dabeibleiben, bis die betroffene Person wieder vollständig orientiert ist. Dies ist durch einfache Fragen, wie z.B. "Wie heißt du? Wo bist du?
- Wenn möglich den Anfall dokumentieren: Wann ist er passiert? Wie lange hat er gedauert? Wie ist er abgelaufen? Waren die Augen offen, geschlossen, starr oder verdreht?
- Wenn der Mensch vorher noch nie einen epileptischen Anfall hatte, nach dem 3. Anfall einer Anfallsserie (siehe oben) und/oder bei Verletzungen bzw.
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