Das Streberverhalten ist ein vielschichtiges Phänomen, das sowohl in der Psychologie als auch im sozialen Kontext von Bedeutung ist. Es umfasst ein breites Spektrum an Verhaltensweisen, Motivationen und Wahrnehmungen, die oft von Stereotypen und Vorurteilen geprägt sind. Dieser Artikel beleuchtet die psychologischen Aspekte des Streberverhaltens, seine sozialen Auswirkungen und wie es im schulischen und beruflichen Umfeld wahrgenommen wird.
Leistungsstarke Schüler und soziale Integration
Entgegen der landläufigen Meinung, dass leistungsstarke Schüler sozial isoliert sind, zeigen Studien, dass sie in der Regel gut in ihre Klasse integriert sind. Eine Studie von Claudia Neuendorf vom Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung ergab, dass Jugendliche mit guten Leistungen oft besser in ihre Schulklasse eingebunden sind. Dies bestätigt frühere Forschungsergebnisse, die einen positiven Zusammenhang zwischen Beliebtheit und Schulleistungen festgestellt haben. Insbesondere werden leistungsstarke Schüler häufiger um Hilfe gebeten als leistungsschwächere.
Freundschaften und Leistung
Die Studie von Neuendorf zeigt auch, dass Einser-Schüler nur geringfügig weniger Freundschaften haben als Schüler im mittleren Leistungsbereich. Der positive Zusammenhang zwischen Leistung und Freundschaften wird vor allem durch das Fehlen von Freundschaften im unteren Leistungsbereich bedingt. Dies deutet darauf hin, dass soziale Beziehungen nicht ausschließlich von akademischer Leistung abhängen, sondern von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst werden.
Stereotypen und Realität
Das Stereotyp vom unbeliebten Streber hält sich hartnäckig, obwohl die Realität oft anders aussieht. Neuendorf argumentiert, dass Medien eine Rolle bei der Aufrechterhaltung solcher Klischees spielen. Forschungsarbeiten, in denen Schüler hypothetische Mitschüler einschätzen sollen, die besonders gut in der Schule sind, enthalten oft stereotype Antwortalternativen, die eine bestimmte Wahrnehmung von leistungsstarken Schülern suggerieren.
In der Realität zeichnen sich Kinder und Jugendliche durch unterschiedliche Eigenschaften aus, wie Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und gemeinsame Interessen. Die Entscheidung, wen wir mögen, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab, nicht nur von der Leistung in den Hauptfächern.
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Die Bedeutung sozialer Beziehungen
Soziale Beziehungen sind für Kinder und Jugendliche von großer Bedeutung. Forschungsergebnisse zeigen, dass sich die soziale Integration positiv auf die Motivation, die körperliche und geistige Gesundheit sowie die Schulleistung auswirkt. Kinder und Jugendliche, die sich angenommen und akzeptiert fühlen, entwickeln Selbstvertrauen und können schwierige Situationen besser bewältigen.
Der Einfluss sozialer Beziehungen auf die Leistung
Es ist gut belegt, dass soziale Beziehungen und Schulleistungen positiv zusammenhängen. Es ist jedoch schwierig festzustellen, ob gute Beziehungen die Schulleistungen verbessern oder gute Leistungen zu guten Beziehungen führen. Gute Beziehungen können die Leistungen verbessern, indem sich Klassenkameraden gegenseitig motivieren oder die Schule als sicherer Raum wahrgenommen wird, in dem man akzeptiert und angenommen ist.
Gleichzeitig können gute Leistungen zu guten Beziehungen führen, etwa indem Schüler gefragte Lernpartner sind. Intelligenz, ein starker Prädiktor für gute Leistungen, kann auch die Entwicklung sozialer Fähigkeiten fördern. Intelligente Schüler sind eher in der Lage, verschiedene Aspekte in die Bewertung und Lösung von sozialen Problemen einzubeziehen.
Messung sozialer Integration
Soziale Integration wird je nach Studie unterschiedlich operationalisiert. In der Psychologie wird sie oft darüber erfasst, wie eingebunden sich die befragte Person fühlt. In der Soziologie und Erziehungswissenschaft kommen Netzwerkfragebögen zum Einsatz, bei denen Kinder gefragt werden, wen aus ihrer Klasse sie als Freund betrachten oder wen sie weniger mögen.
Geschlechterunterschiede in sozialen Beziehungen
Forschungsarbeiten haben Unterschiede in den Freundschaftsmustern von Jungen und Mädchen nachgewiesen. Jungen spielen in den Schulpausen oft in größeren Gruppen, während Mädchen eher kleinere Freundschaftsnetzwerke haben und Wert auf intimere Beziehungen legen. Eine Studie deutet darauf hin, dass Mädchen häufiger um Hilfe bei Problemen gefragt werden als Jungen, während Jungen häufiger genannt werden, wenn Schüler die Frage beantworten sollen, neben wem sie ungern sitzen möchten.
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Geschlechterstereotype und Leistung
Entgegen der Annahme, dass Mädchen, die gute Leistungen in naturwissenschaftlichen Fächern erbringen, eher von ihren Mitschülern ausgeschlossen werden, konnte eine Studie dieses Muster nicht beobachten. Mädchen und Jungen waren gleichermaßen gut integriert, unabhängig davon, in welchem Fach sie gute Leistungen erbrachten.
Der Einfluss von Geschlechterstereotypen auf das Potenzial
Aktuelle Modelle und Forschungsbefunde deuten darauf hin, dass Kinder und Jugendliche das Bedürfnis haben, als männlich oder weiblich wahrgenommen zu werden. Aus dieser Motivation heraus achten sie genau darauf, welche Botschaften ihnen durch ihre Umwelt vermittelt werden. Es gibt auch Hinweise darauf, dass Schüler ihr Lern- und Leistungsverhalten anpassen, um sozialer Ausgrenzung zu entgehen.
Die Rolle der Schulen bei der Auflösung von Geschlechterstereotypen
Die Auflösung von Geschlechterstereotypen ist eine Aufgabe, die nicht nur den Schulen zugeschoben werden kann. Sie müssen in allen Bereichen der Gesellschaft aufgelöst werden, damit Kinder und Jugendliche ihr Potenzial unabhängig von ihrem Geschlecht entfalten können. Lehrkräfte, Eltern, Medienschaffende und die Wissenschaft sollten sich dafür einsetzen, dass Stereotype sich nicht verfestigen.
Ehrgeiz: Eine Gratwanderung zwischen Motivation und Besessenheit
Ehrgeiz ist ein zweischneidiges Schwert. Ohne Ehrgeiz haben wir keine ausreichende Motivation und Energie, um etwas zu erreichen. Andererseits kann krankhafter und übertriebener Ehrgeiz ungesund sein. Ehrgeiz ist oft verpönt, und Kinder und Jugendliche werden als Streber und Schleimer beschimpft, wenn sie ihn offen zeigen.
Definition von Ehrgeiz
Ehrgeiz ist das Streben, persönliche Ziele wie Ruhm, Macht, Anerkennung, persönliche Weiterentwicklung oder beruflichen und sportlichen Erfolg mit großer Energie, Fleiß, Engagement und Entschlossenheit zu verfolgen. Ohne Ehrgeiz haben wir keine ausreichende Motivation zu Höchstleistungen und damit auch keinen Erfolg.
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Die Schattenseiten des Ehrgeizes
Blinder, verbissener und krankhafter Ehrgeiz schadet, weil wir dann wichtige Bereiche des Lebens vernachlässigen: Partnerschaft, Familie, Gesundheit und Freunde. Übermäßiger Ehrgeiz kann zu Depressionen, Burnout, Stresssymptomen, psychosomatischen Beschwerden und Schlafstörungen führen. Er wirkt sich negativ auf unsere Freunde, Arbeitskollegen und den Partner aus.
Die Entwicklung von Ehrgeiz
Ehrgeiz ist Kindern bereits angeboren, wenn wir ihn als Wunsch verstehen, zu lernen und über sich hinauszuwachsen. Unsere Eltern und nahe Bezugspersonen entscheiden jedoch mit ihrem Verhalten darüber, wie sich unser Ehrgeiz entwickelt. Fordern Eltern von ihren Kindern immer Überdurchschnittliches und machen ihre Zuwendung und Wertschätzung von der Leistung abhängig, kann dies dazu führen, dass Kinder übertrieben ehrgeizig werden.
Andererseits können Eltern den Ehrgeiz ersticken, indem sie Kindern alles abnehmen, ihnen nichts zutrauen und an sie keine Anforderungen stellen. Sie nehmen ihnen dadurch die Chance, zu erleben, wie gut es sich anfühlt, eine Herausforderung gemeistert zu haben.
Ungesunde Einstellungen und Ehrgeiz
Gedanken wie "Ich muss unbedingt …" oder "Ich brauche die Anerkennung anderer" erzeugen Druck und lassen uns keine Wahlmöglichkeiten. Wir glauben, nur durch das Erreichen des Ziels glücklich und zufrieden werden zu können. Wir haben ein unbändiges Geltungsbedürfnis, sind machthungrig oder gar machtbesessen, sind rastlos und verbissen auf der Suche nach Bestätigung und Erfolg.
Die positive Seite des Ehrgeizes
Eine gute Portion Ehrgeiz und Zielstrebigkeit sind wichtig. Nur so schaffen wir es etwa, das Abitur zu machen und eine Berufsausbildung abzuschließen. Nur wenn wir den Drang haben, Dinge verändern zu wollen, kommt es zu neuen Erfindungen und Entdeckungen. Jeder Wettkampfsport basiert darauf, dass die Teilnehmer den Ehrgeiz haben, die Besten zu sein, sich weiterzuentwickeln, besser zu werden, voranzukommen, Hindernisse zu überwinden und ihre Ziele zu erreichen.
Fragen zur Selbstreflexion
Wenn Sie krankhaft ehrgeizig sind, stellen Sie sich die folgenden Fragen: Was treibt Sie an? Welche sind Ihre wichtigsten Ziele? Erreichen Sie mit Ihrem ehrgeizigen Verhalten diese Ziele wirklich? Woran möchten Sie sich erinnern, wenn Sie auf dem Sterbebett liegen? Welche Spuren möchten Sie hinterlassen? Es liegt an Ihnen, abzuwägen, ob Sie Ihre Ziele verändern möchten.
Strebertum: Zwischen Leistungsorientierung und sozialer Ablehnung
Strebertum ist ein Begriff, der oft abfällig verwendet wird, um jemanden zu beschreiben, der systematisch nach etwas strebt. Insbesondere in der Schule wird der Begriff verwendet, um einen Schüler zu bezeichnen, dem es hauptsächlich um gute Noten geht, der versucht, dem Lehrer zu gefallen und sich wenig um andere Schüler kümmert.
Was bedeutet Strebertum?
Strebertum ist das Bemühen, Autoritätspersonen zu gefallen, um Vorteile zu bekommen und voranzukommen. Nach Höherem zu streben ist gut, aber Strebertum gilt es zu vermeiden. Streber werden oft verachtet, weil sie als übermäßig ehrgeizig und auf ihren eigenen Vorteil bedacht wahrgenommen werden.
Die soziale Dimension des Strebertums
In der Schule sind Streber oft nicht beliebt. Mitschüler versuchen, sie zu behindern. Auch im Berufsleben kommt es nicht immer gut an, wenn sich jemand besonders bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden. Andere finden, dass derjenige dann die Leistungsrichtlinien zu sehr nach oben schiebt.
Der Umgang mit Strebern
Es ist nicht gut, zu versuchen, Streber zu behindern. Es ist besser, mit ihnen zusammenzuwirken. Streber sind nicht nur Streber, sondern haben auch andere Aspekte. Oft sind Streber vom Ayurveda her Pitta-Typen. Sie haben sich ein Ziel gesetzt und wollen dorthin gehen. Ergänzen Sie sich gegenseitig und behindern Sie sich nicht.
Synonyme und Antonyme von Strebertum
Synonyme zu Strebertum sind z.B. Ehrgeiz, Zielstrebigkeit und Leistungsbereitschaft. Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer Untugend, zu einem Laster, einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Strebertum übertrieben kann ausarten z.B. in Ehrgeiz, Gier und Fremdbestimmtheit. Negative Gegenteile von Strebertum sind z.B. Faulheit, Trägheit und Desinteresse.
Affirmationen für mehr Strebertum
Wenn Sie Strebertum kultivieren möchten, können Sie Affirmationen verwenden, um Ihre Einstellung zu verändern. Einige Beispiele sind: "Ich bin streberisch", "Ich erreiche meine Ziele mit Fleiß und Engagement" und "Ich bin stolz auf meine Leistungen".
Das Streber-Phänomen in der Schule: Eine empirische Untersuchung
Eine Studie der TU Chemnitz untersuchte das Streber-Phänomen an deutschen Schulen. Die Ergebnisse zeigten, dass 22 Prozent der Schüler manchmal bis häufig als Streber bezeichnet wurden und dass fast ein Viertel aller Schüler Angst hat, als Streber bezeichnet zu werden. Dies deutet darauf hin, dass der Strebervorwurf mit einem gewissen Leidensdruck einhergeht.
Die Angst vor dem Strebervorwurf
Die Angst davor, als Lehrerliebling abgestempelt und von den anderen gemieden zu werden, führt dazu, dass einige Schüler ihre Leistungen nach unten korrigieren, weil sie Angst vor dem Strebervorwurf haben. Sie zeigen schlechtere Leistungen, als sie eigentlich haben könnten.
Die Ursachen des Streber-Phänomens
Die Studie vermutet, dass das Streber-Phänomen mit dem deutschen Gesellschaftssystem zusammenhängt, welches eher auf Gleichheit abzielt. Wenn dann jemand eine sehr gute Leistung zeigt, kann es vorkommen, dass derjenige abgewertet wird, weil er aus der Reihe springt, weil er nicht konform mit den anderen ist.
Die Rolle von Schülern, Eltern und Lehrern
Schüler, Eltern und Lehrer tragen eine besondere Verantwortung, um dem Streber-Phänomen entgegenzuwirken. Lehrer sollten die Anforderungsniveaus im Unterricht so gestalten, dass alle Schüler mit unterschiedlichen Voraussetzungen Erfolgserlebnisse haben.
Streber im Büro: Ein unangenehmer Bürotyp?
Im Büro gibt es nicht nur angenehme Kollegen, sondern auch solche, die den Alltag erschweren. Der Streber ist einer dieser unangenehmen Bürotypen. Er rackert bis zum Umfallen und scheint im Büro zu leben. Überstunden sind normal und Aufgaben gibt er ungern ab.
Der Umgang mit Strebern im Büro
Den Streber müssen Sie meist vor sich selbst schützen, sonst brennt er aus. Lassen Sie ihn nicht ungebremst arbeiten. Es ist wichtig, dass er auch auf seine Gesundheit und sein Privatleben achtet.
Vom Hass zum Respekt: Eine persönliche Wandlung
Der Autor gesteht, dass er früher Streber und Karrieristen hasste. Er erkannte jedoch, dass er sich vom "wie" zu sehr beeindrucken ließ, wodurch ihm das "was" total entgangen war. Er hatte übersehen, dass diese Menschen trotz ihres Stils, der ihm missfiel, allerhand geleistet hatten.
Die Lektion gelernt
Der Autor lernte, dass es letztlich auf Tatsachen ankommt und nicht darauf, was man sich so dachte, was man könnte, wenn man nur würde. Streber und Karrieristen zeigen Ergebnisse, Erfolge, sie setzen tatsächlich Sachen in die Tat um und reden dann drüber. Und deswegen werden sie auch von Chefs geliebt.
Die Bedeutung von Umsetzung
Der Autor schätzt inzwischen die in seinem Team, die Dinge anpacken und umsetzen, die etwas schaffen und seine Erwartungen übertreffen. Aus einem einfachen Grund: Sie machen sein Leben um einiges einfacher und helfen auch ihm, vor seinem Chef gut dazustehen.