Krampfanfall im Schlaf: Symptome, Ursachen und Behandlung

Wenn jemand im Schlaf einen Krampfanfall erleidet, kann das beängstigend sein. Die meisten Menschen denken bei solchen Symptomen sofort an Epilepsie. Allerdings ist es wichtig zu wissen, dass ein Krampfanfall im Schlaf nicht immer ein Zeichen für Epilepsie ist und verschiedene Ursachen haben kann. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Krampfanfälle im Schlaf, einschliesslich ihrer Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten.

Einführung

Ein Krampfanfall, auch epileptischer Anfall genannt, ist eine plötzliche Störung der elektrischen Aktivität im Gehirn. Diese Störung kann zu Veränderungen im Bewusstsein, im Verhalten und in der Bewegung führen. Krampfanfälle können verschiedene Ursachen haben, von denen einige mit Epilepsie zusammenhängen, während andere durch andere Faktoren ausgelöst werden.

Symptome eines Krampfanfalls im Schlaf

Die Symptome eines Krampfanfalls im Schlaf können je nach Art des Anfalls variieren. Einige häufige Symptome sind:

  • Schreien: Ein plötzlicher Schrei oder Lautäusserung kann den Beginn eines Anfalls signalisieren.
  • Bewusstlosigkeit: Der Betroffene kann das Bewusstsein verlieren und nicht mehr ansprechbar sein.
  • Verkrampfungen und Zuckungen: Der Körper kann sich versteifen und unkontrolliert zucken. Dies ist das bekannteste Zeichen eines Krampfanfalls.
  • Schaum vor dem Mund: Durch die unkontrollierten Muskelbewegungen kann es zu Schaumbildung im Mund kommen.
  • Einnässen: Der Verlust der Kontrolle über die Blasenfunktion kann zu unwillkürlichem Wasserlassen führen.
  • Zungenbiss: Durch die Kieferspannung kann es zu Verletzungen der Zunge kommen.
  • Atembeschwerden: Die Atmung kann während des Anfalls flach oder unregelmässig sein.
  • ** vegetative Symptome:** Schwitzen, Herzrasen, Halluzinationen oder ein aufsteigendes Unwohlsein in der Magengegend können ebenfalls auftreten.

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Krampfanfälle die gleichen Symptome aufweisen. Einige Anfälle können subtiler sein und sich nur durch kurze Bewusstseinsaussetzer oder Muskelzuckungen äussern.

Fokale Anfälle

Fokale Anfälle, auch partielle oder lokalisationsbezogene epileptische Anfälle genannt, gehen immer von einem bestimmten Bereich des Gehirns aus und betreffen in der Regel nur eine Gehirnhälfte. Die Symptome fokaler Anfälle richten sich nach dem Ursprungsort im Gehirn.

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  • Vegetative fokale Anfälle: Eine häufige Anfallsform fokalen Ursprungs.
  • Psychische Symptome: Plötzliche Angst, Wut oder Halluzinationen.
  • Sinnesstörungen: Beeinträchtigungen des Sehens, Hörens, Schmeckens, Riechens oder Tastens; Betroffene sehen Blitze, hören Geräusche oder Stimmen, haben einen komischen Geschmack im Mund, riechen etwas Merkwürdiges oder spüren Temperatur-Missempfindungen, Kribbeln oder Lähmungserscheinungen.
  • Automatismen: Patienten wiederholen im Anfall bestimmte Handlungsmuster.

Fokale Anfälle mit Bewusstseinsverlust sind häufig durch sogenannte Automatismen geprägt. Patienten wiederholen im Anfall bestimmte Handlungsmuster, wie z. B. Schmatzen oder Nesteln.

Generalisierte Anfälle

Bei generalisierten Anfällen lässt sich keine bestimmte Hirnregion zuordnen, in der der epileptische Anfall entsteht. Während eines Anfalls kann die Ausbreitung unterschiedlich verlaufen und das gesamte Hirnareal betreffen.

  • Absencen: Es kommt zu einer plötzlichen Bewusstseinsstörung, sodass der Patient bzw. die Patientin seine oder ihre momentane Tätigkeit für die Dauer des Anfalls unterbricht. Die Betroffenen starren bei dieser Form eines epileptischen Anfalls oft ins Leere.
  • Myoklonische Anfälle: Ein myoklonischer Anfall verursacht keine Bewusstseinsstörungen, sondern äussert sich mit Muskelzuckungen.
  • Tonisch-klonische Anfälle (Grand-mal-Anfälle): Die Symptome dieses Anfalls äussern sich meist in einem initialen Schrei des Betroffenen, gefolgt von einer Anspannung der Körpermuskulatur, die dann in Zuckungen des Körpers über geht. Ferner kommt es zu einem Bewusstseinsverlust, sodass sich der Patient bzw. die Patientin im Nachhinein nicht mehr an den Anfall erinnern kann. Auch die Blaufärbung der Lippen ist typisch.
  • Atonische Anfälle: Verliert man die Muskelkraft, spricht man von einem atonischen Anfall.

Ursachen von Krampfanfällen im Schlaf

Die Ursachen für Krampfanfälle im Schlaf sind vielfältig und können in folgende Kategorien eingeteilt werden:

  • Epilepsie: Epilepsie ist eine chronische neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Krampfanfälle gekennzeichnet ist. Bei einer Epilepsie kommt es durch unterschiedlichste Ursachen und Auslöser zu einer übermässigen elektrischen Entladung von Nervenzellen im Gehirn.
  • Genetische Faktoren: Neuere Untersuchungen zeigen, dass es auch genetische Risikofaktoren für die Entwicklung einer Epilepsie gibt.
  • Strukturelle Veränderungen im Gehirn: Kopfverletzungen, gutartige und bösartige Tumore, Hirnhautentzündungen oder Schlaganfälle können entsprechende Veränderungen im Gehirn verursachen, welche solche übermässigen Entladungen der Neuronen begünstigen.
  • Stoffwechselstörungen: Stoffwechselstörungen können ebenfalls Krampfanfälle auslösen.
  • Fieberkrämpfe: Bei Säuglingen und Kleinkindern können hohe Temperaturen zu Fieberkrämpfen führen.
  • Schlafentzug: Anfälle durch Schlafentzug zählen als unprovozierte Anfälle, weil dabei der Schlafentzug nur Anfallsauslöser ist, nicht der Grund für den Anfall.
  • Alkohol- oder Drogenentzug: Erhöhter Alkoholkonsum bzw. abrupte Abstinenz nach längerfristigem intensiven Alkoholkonsum ist ebenso ein auslösender Faktor wie anhaltender Schlafentzug.
  • Andere medizinische Bedingungen: Elektrolyt-Verschiebungen im Blut, eine Unter- oder Überzuckerung können ebenso als Auslöser für einen epileptischen Anfall identifiziert werden wie beispielsweise eine zuvor aufgetretene Hirnblutung oder ein bis dato nicht erkannter Hirntumor.

Oft ist die genaue Ursache eines Krampfanfalls im Schlaf jedoch unbekannt.

Epilepsie-Syndrome

Bestimmte Abläufe, Häufigkeiten und Symptome werden zu sogenannten Epilepsie-Syndromen zusammengefasst, etwa der Juvenilen Absence-Epilepsie, dem Dravet-Syndrom oder der Rolando-Epilepsie. Die Syndrome unterscheiden sich anhand der Epidemiologie (Verbreitung), der Klinik (Ablauf/Symptome des Anfalls) und weiterer Befunde in der Diagnose. Es gibt sowohl fokale Epilepsiesyndrome (z. B. Rolando-Epilepsie) als auch generalisierte Epilepsiesyndrome (z. B. Juvenile Absence-Epilepsie).

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Akut symptomatische Anfälle (ASA)

Die ILAE definiert einmalige Krampfanfälle als sogenannte ASA. Sie werden nicht als Teil einer epileptischen Erkrankung eingestuft, sondern sind den epileptischen Anfällen lediglich ähnlich. Die Ursachen für einen solchen akut symptomatischen Anfall sind jedoch andere. ASA treten in engem zeitlichen Zusammenhang mit anderen Erkrankungen auf, wie z. B. als Folge einer Unterzuckerung, einer Hirnschädigung oder eines Schlaganfalls.

Diagnose von Krampfanfällen im Schlaf

Die Diagnose von Krampfanfällen im Schlaf umfasst in der Regel die folgenden Schritte:

  • Anamnese: Der Arzt wird Fragen zu den Symptomen, der Häufigkeit der Anfälle und der Krankengeschichte des Patienten stellen. Gerade bei einem ersten Epilepsieanfall stehen behandelnden Ärzten nur wenige Informationen über die Symptome des Anfalls zur Verfügung.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt wird eine körperliche und neurologische Untersuchung durchführen, um nach Anzeichen für zugrunde liegende Erkrankungen zu suchen.
  • EEG (Elektroenzephalogramm): Das EEG ist ein Test, der die elektrische Aktivität des Gehirns misst. Es kann helfen, abnormale Hirnaktivität zu erkennen, die auf Epilepsie hindeuten kann. Die Hirnstromkurve zeigt an, ob eine Neigung zu epileptischen Anfällen besteht.
  • Bildgebende Verfahren: Eine Magnetresonanztomographie (MRT) oder eine Computertomographie (CT) des Gehirns kann durchgeführt werden, um strukturelle Veränderungen oder Schäden im Gehirn auszuschliessen. Weitere neurologische Veränderungen im Gehirn lassen sich zum Beispiel mittels der Computertomografie (CT) oder der Magnetresonanztomografie (MRT) darstellen.
  • Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen können durchgeführt werden, um Stoffwechselstörungen oder andere medizinische Bedingungen auszuschliessen, die Krampfanfälle verursachen können. Auch die Blutuntersuchung kann dabei helfen, mögliche Ursachen für einen Krampfanfall oder eine Epilepsieerkrankung aufzuspüren.
  • Videoaufnahmen: Auch Videoaufnahmen von Anfällen können helfen. Bei einem erkannten Anfall löst das Gerät einen Alarm aus, z.B. bei den Eltern, beim Partner, anderen Angehörigen oder in einer Notrufzentrale. So ist eine sichere Betreuung möglich. Der Anfall wird zudem aufgezeichnet und mit Dauer und Stärke dokumentiert.

Behandlung von Krampfanfällen im Schlaf

Die Behandlung von Krampfanfällen im Schlaf hängt von der Ursache der Anfälle ab.

  • Medikamente: Antiepileptika sind die häufigste Behandlung für Epilepsie. Diese Medikamente helfen, die elektrische Aktivität im Gehirn zu kontrollieren und Krampfanfälle zu verhindern. Die Epilepsie gilt als eine der am besten zu behandelnden neurologischen Erkrankungen der Welt und bis zu zwei Drittel der Patientinnen und Patienten werden durch die medikamentöse Therapie mit Antikonvulsiva anfallsfrei.
  • Chirurgie: In einigen Fällen kann eine Operation eine Option sein, um die Ursache der Krampfanfälle zu beheben. Bei diesen Patienten ist zu klären, ob hier nach entsprechender ausführlicher und differenzierter Diagnostik eine Epilepsie-Chirurgie Heilung bringen kann. Bei diesem neurochirurgischen Eingriff wird ein Teil des Temporallappens aus dem Gehirn herausgetrennt.
  • Vagusnervstimulation: Die Vagusnervstimulation ist eine Behandlung, bei der ein kleines Gerät unter die Haut im Brustbereich implantiert wird. Das Gerät sendet elektrische Impulse an den Vagusnerv, der hilft, die elektrische Aktivität im Gehirn zu regulieren.
  • Ketogene Diät: Die ketogene Diät ist eine fettreiche, kohlenhydratarme Diät, die in einigen Fällen helfen kann, Krampfanfälle zu kontrollieren, insbesondere bei Kindern.

Erste Hilfe bei einem Krampfanfall

Es ist wichtig, zu wissen, wie man bei einem Krampfanfall Erste Hilfe leistet. Hier sind einige grundlegende Schritte:

  1. Bleiben Sie ruhig: Panik hilft niemandem.
  2. Schützen Sie die Person: Entfernen Sie alle gefährlichen Gegenstände in der Nähe der Person.
  3. Legen Sie die Person auf den Boden: Drehen Sie die Person auf die Seite, um zu verhindern, dass sie erbricht und erstickt.
  4. Polstern Sie den Kopf: Legen Sie etwas Weiches unter den Kopf der Person, z. B. ein Kissen oder eine Jacke.
  5. Lockern Sie enge Kleidung: Lockern Sie alle engen Kleidungsstücke, die die Atmung behindern könnten.
  6. Beobachten Sie die Person: Achten Sie auf die Dauer des Anfalls und die Symptome.
  7. Rufen Sie den Notruf: Rufen Sie den Notruf (112), wenn der Anfall länger als fünf Minuten dauert, die Person verletzt ist oder Sie sich unsicher fühlen.
  8. Versuchen Sie nicht, die Person festzuhalten oder ihr etwas in den Mund zu stecken: Dies kann zu Verletzungen führen.

Leben mit Krampfanfällen im Schlaf

Das Leben mit Krampfanfällen im Schlaf kann eine Herausforderung sein, aber es gibt Möglichkeiten, die Lebensqualität zu verbessern.

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  • Nehmen Sie Ihre Medikamente regelmässig ein: Es ist wichtig, die verordneten Medikamente regelmässig einzunehmen, um Krampfanfälle zu verhindern.
  • Vermeiden Sie Auslöser: Identifizieren Sie mögliche Auslöser für Ihre Anfälle und vermeiden Sie diese so gut wie möglich.
  • Sorgen Sie für ausreichend Schlaf: Schlafmangel kann Krampfanfälle auslösen, daher ist es wichtig, ausreichend Schlaf zu bekommen.
  • Reduzieren Sie Stress: Stress kann ebenfalls Krampfanfälle auslösen, daher ist es wichtig, Stress abzubauen.
  • Treten Sie einer Selbsthilfegruppe bei: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann hilfreich sein.

Rolando-Epilepsie

Die Rolando-Epilepsie ist eine häufige Epilepsie-Form bei Kindern. Betroffene haben typischerweise Muskelkrämpfe im Gesicht und können nicht sprechen. Die Anfälle treten häufig nachts auf, enden meist schnell wieder und erfordern nicht immer eine Behandlung.

Symptome der Rolando-Epilepsie

Bei einem Anfall haben Betroffene Krämpfe der Gesichts-, Mund- und Rachenmuskeln. Die Muskeln können versteifen (tonischer Krampf), zucken (klonischer Krampf) oder beides (tonisch-klonischer Krampf). Besonders auffallend ist, dass Mundwinkel, Zunge und Gesicht (anfangs) nur auf einer Seite zucken oder verzogen sind. Zudem treten Missempfindungen in Gesicht und Mund auf. Die Kinder verspüren ein Kribbeln, Taubheitsgefühl oder Brennen an Wangeninnenseite, Lippen, Zunge, Gaumen und Zahnfleisch. Typisch ist auch, dass vermehrt Speichel fliesst (Hypersalivation). Durch die Muskelkrämpfe können Betroffene manchmal nur schwer schlucken und es entstehen gurgelnde bis röchelnde Geräusche. Ein Rolando-Anfall verursacht oft auch Sprechstörungen: Die Kinder können nicht (Anarthrie) oder nur verwaschen (Dysarthrie) sprechen.

Ursachen der Rolando-Epilepsie

Die Ursachen der Rolando-Epilepsie sind noch nicht vollständig geklärt. Mediziner gehen von einer sogenannten genetischen Prädisposition aus. Das heisst, Betroffene haben Veränderungen (Mutationen) im Erbgut, die sie anfälliger für die Erkrankung machen. Vermutlich begünstigen dann äussere Einflussfaktoren, dass die Rolando-Epilepsie tatsächlich ausbricht. Dass wahrscheinlich Genveränderungen der Rolando-Epilepsie zugrunde liegen, machen Mediziner vor allem an den folgenden Beobachtungen fest: Häufig neigen Familienmitglieder der Erkrankten ebenfalls zu Krampfanfällen (etwa im Rahmen von Epilepsien oder Fieberkrämpfen). Das EEG aller Rolando-Epileptiker zeigt eine typische Veränderung, den Rolando-Fokus.

Diagnose der Rolando-Epilepsie

Die Diagnose der Rolando-Epilepsie stellen Fachärzte der kindlichen Nervenheilkunde (pädiatrische Neurologen). Sie beruht auf den Schilderungen der Patienten und Eltern. Ausserdem messen Ärzte die Hirnströme (EEG, Elektroenzephalografie), wo sich ein Rolando-typisches Muster zeigt. Sie überprüfen auch den neurologischen Allgemeinzustand des Kindes. Vermutet der Arzt eine Rolando-Epilepsie, wird er immer auch die Hirnströme messen: Er veranlasst eine sogenannte Elektroenzephalografie (EEG). Dabei zeichnet ein Gerät die elektrische Aktivität von Nervenzellen in einer bestimmten Hirnregion auf (mehr dazu im Beitrag „EEG“). Bei Rolando-Epileptikern zeigt das EEG ein typisches Muster.

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