Krampfanfall nach Speed: Ursachen und Behandlung

Ein Krampfanfall nach dem Konsum von Speed ist ein alarmierendes Ereignis, das auf eine ernsthafte Störung des Körpers hindeutet. Speed, auch bekannt als Amphetamin, ist eine synthetisch hergestellte Droge, die das zentrale Nervensystem stimuliert. Obwohl viele Menschen Speed konsumieren, um ihre Leistungsfähigkeit zu steigern oder euphorische Gefühle zu erleben, birgt der Konsum erhebliche Risiken, darunter Krampfanfälle.

Was ist Speed und wie wirkt es?

Speed ist ein Amphetamin, das künstlich hergestellt wird und verschiedene Wirkstoffe enthalten kann. Es wird oft in illegalen Labors produziert und als weißes oder gelbliches Pulver, Paste oder seltener in Kapselform auf dem Schwarzmarkt verkauft. Speed kann bis zu 90 Prozent aus Streckmitteln bestehen, was die Dosierung und Wirkung unberechenbar macht.

Unter der Wirkung von Speed schüttet das zentrale Nervensystem Dopamin und Noradrenalin aus. Dies führt zu einem Zustand erhöhter Konzentration, Stärke und Selbstbewusstseins. Konsumenten fühlen sich euphorisch, kontaktfreudig und haben einen starken Rededrang. Speed beschleunigt die Herzfrequenz, weitet die Pupillen und erhöht die Körpertemperatur. Die Droge unterdrückt Hunger, Durst und Müdigkeit, was zu gefährlichen Überlastungen des Körpers führen kann.

Ursachen für Krampfanfälle nach Speed-Konsum

Krampfanfälle nach Speed-Konsum können verschiedene Ursachen haben:

  • Überdosierung: Eine zu hohe Dosis Speed kann das zentrale Nervensystem überlasten und zu Krampfanfällen führen. Da Speed oft mit Streckmitteln verunreinigt ist, können Konsumenten die tatsächliche Wirkstoffmenge schwer einschätzen.
  • Erhöhte Körpertemperatur: Speed erhöht die Körpertemperatur, was in Kombination mit unterdrückten Durstgefühlen zu Überhitzung und Kreislaufkollaps führen kann. Diese Zustände können Krampfanfälle auslösen.
  • Elektrolytstörungen: Durch die Unterdrückung von Hunger und Durst kann es zu Elektrolytstörungen kommen, die die Funktion des Nervensystems beeinträchtigen und Krampfanfälle verursachen können.
  • Wechselwirkungen mit anderen Substanzen: Der Mischkonsum von Speed mit anderen Drogen wie Cannabis oder Alkohol kann die Wahrscheinlichkeit von Krampfanfällen erhöhen.
  • Vorerkrankungen: Personen mit vorbestehenden neurologischen Erkrankungen wie Epilepsie haben ein höheres Risiko, nach Speed-Konsum einen Krampfanfall zu erleiden.
  • Direkte toxische Wirkung: In seltenen Fällen kann die Droge DOC (2,5-Dimethoxy-4-chloramphetamin) ein Auslöser für einen Krampfanfall sein.

Symptome eines Krampfanfalls

Ein Krampfanfall kann sich durch verschiedene Symptome äußern:

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  • Verkrampfungen der Muskulatur: Der Körper beginnt unwillkürlich zu zucken.
  • Bewusstseinsverlust: Die Person ist nicht ansprechbar und reagiert nicht auf Reize.
  • Augenverdrehen: Die Augen können nach oben rollen.
  • Schaum vor dem Mund: Es kann zu Speichelfluss und Schaumbildung kommen.
  • Atemnot: Die Atmung kann flach oder unregelmäßig sein oder ganz aussetzen.
  • Verlust der Kontrolle über die Blase oder den Darm: Es kann zu unkontrolliertem Wasserlassen oder Stuhlgang kommen.

Erste Hilfe bei einem Krampfanfall nach Speed-Konsum

Wenn jemand nach Speed-Konsum einen Krampfanfall erleidet, sind folgende Erste-Hilfe-Maßnahmen wichtig:

  1. Ruhe bewahren: Panik hilft niemandem. Versuchen Sie, ruhig zu bleiben und die Situation zu überblicken.
  2. Notruf wählen: Rufen Sie sofort den Rettungsdienst unter der Nummer 112. Schildern Sie die Situation und erwähnen Sie, dass die Person einen Krampfanfall hat. Vermeiden Sie im Gespräch am Telefon das Wort „Drogen“. Die Schweigepflicht von Ärzten und Rettungssanitätern ermöglicht es, die Situation vor Ort offen zu schildern.
  3. Person schützen: Sorgen Sie dafür, dass die Person sich während des Krampfanfalls nicht verletzt. Entfernen Sie harte oder scharfe Gegenstände aus der Umgebung. Legen Sie eine weiche Unterlage unter den Kopf, um Verletzungen zu vermeiden.
  4. Nicht festhalten: Versuchen Sie nicht, die krampfende Person festzuhalten oder die Bewegungen zu unterdrücken. Dies kann zu Verletzungen führen.
  5. Nichts in den Mund stecken: Versuchen Sie nicht, der Person etwas zwischen die Zähne zu schieben. Dies kann zu Verletzungen der Zähne oder des Kiefers führen.
  6. Atemwege freihalten: Achten Sie darauf, dass die Atemwege frei sind. Entfernen Sie Erbrochenes aus dem Mund.
  7. Stabile Seitenlage: Nachdem der Krampfanfall abgeklungen ist, bringen Sie die Person in die stabile Seitenlage, um zu verhindern, dass sie an Erbrochenem erstickt.
  8. Beobachten: Beobachten Sie die Person genau, bis der Rettungsdienst eintrifft. Achten Sie auf die Atmung und den Bewusstseinszustand.
  9. Informationen weitergeben: Informieren Sie den Rettungsdienst über den vermuteten Drogenkonsum und alle beobachteten Symptome.

Medizinische Behandlung im Krankenhaus

Im Krankenhaus wird das Ärzteteam versuchen, die Ursache des Krampfanfalls zu ermitteln und die Symptome zu behandeln. Dies kann folgende Maßnahmen umfassen:

  • Blut- und Urintests: Um die konsumierte Substanz und mögliche Begleitstoffe zu identifizieren.
  • EKG: Um Herzrhythmusstörungen zu erkennen und zu behandeln.
  • Medikamentöse Behandlung: Um den Krampfanfall zu stoppen und weitere Anfälle zu verhindern.
  • Kühlung: Um die Körpertemperatur zu senken, falls die Person überhitzt ist.
  • Flüssigkeitszufuhr: Um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen und Elektrolytstörungen zu beheben.
  • Überwachung: Die Person wird kontinuierlich überwacht, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Langfristige Folgen von Speed-Konsum

Auch wenn ein Krampfanfall erfolgreich behandelt wurde, sind die langfristigen Folgen von Speed-Konsum nicht zu unterschätzen. Regelmäßiger Speed-Konsum kann zu einer Reihe von psychischen und körperlichen Problemen führen:

  • Psychische Abhängigkeit: Speed macht sehr schnell psychisch abhängig. Konsumenten benötigen immer höhere Dosen, um die gleiche Wirkung zu erzielen.
  • Psychische Störungen: Depressionen, Angstzustände, Schlafstörungen, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, paranoide Wahnvorstellungen und Psychosen können auftreten.
  • Körperliche Schäden: Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenschäden, Leberschäden, Schädigung der Nasenscheidewand, Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns, geschwächtes Immunsystem und Gewichtsverlust sind mögliche Folgen.
  • Soziale Probleme: Vernachlässigung sozialer Beziehungen, Isolation, Aggressivität und riskantes Verhalten können zu Problemen im Beruf, in der Familie und im Freundeskreis führen.

Wege aus der Abhängigkeit

Die Abhängigkeit von Speed ist eine Suchterkrankung, die professionelle Hilfe erfordert. Es gibt verschiedene Wege, um aus der Abhängigkeit auszusteigen:

  • Suchtberatungsstellen: Bieten erste Anlaufstellen für Betroffene und Angehörige. Die Berater sind wissenschaftlich geschult und zur Verschwiegenheit verpflichtet.
  • Entgiftung: Ein Speed-Entzug dauert etwa sieben bis 14 Tage. Hierbei können psychische Symptome wie Depressionen, Ängste, Schläfrigkeit, Konzentrationsstörungen und Suizidgedanken auftreten. Seltener treten körperliche Entzugssymptome wie Schwitzen, Zittern und Muskelzuckungen auf. Bei starken Entzugserscheinungen können Medikamente eingesetzt werden.
  • Therapie: Während der Therapie werden die Ursachen und die Funktion des Speed-Konsums aufgearbeitet. Dabei lernen die Betroffenen neue Verhaltensweisen im Umgang mit inneren oder äußeren Konflikten. Meist geschieht dies im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie.
  • Selbsthilfegruppen: Der dauerhafte Besuch einer Selbsthilfegruppe kann helfen, den Kontakt zu anderen Betroffenen zu halten und sich gegenseitig zu unterstützen.

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