Epileptische Anfälle sind ein Zeichen für eine vorübergehende Störung der Hirnfunktion, die durch exzessive, spontane Entladungen von Neuronen oder Neuronenverbänden im zentralen Nervensystem verursacht wird. Diese Entladungen können sich in motorischen, sensorischen, vegetativen Anfällen oder Ausfallerscheinungen äußern. Unter bestimmten extremen Bedingungen, wie Sauerstoffmangel oder Hypoglykämie, kann jeder Mensch einen epileptischen Anfall erleiden. Die Geschwindigkeit, mit der ein solcher Anfall ausgelöst wird, hängt von der individuellen Anfallsbereitschaft ab. Bis zu 10 % der Menschen erleben im Laufe ihres Lebens einmal einen epileptischen Anfall.
Definition und Klassifikation von Anfällen
Klinische Anfälle, die im Zusammenhang mit einer akuten allgemeinen Krankheitssituation (z. B. Hypoglykämie) oder in engem zeitlichen Zusammenhang mit einer akuten Hirnschädigung oder Hypoxie auftreten, werden als akute symptomatische Anfälle (ASA) bezeichnet. Bei etwa 20 bis 30 % der Patienten mit ASA muss mit der Entstehung einer Epilepsie gerechnet werden. Fieberkrämpfe bei Kindern gelten als eine Sonderform der ASA.
Grundsätzlich werden epileptische Anfälle nach der Qualität ihrer Ausbreitung eingeteilt in:
- Fokale Anfälle: Die Übererregung bleibt auf ein Areal beschränkt.
- Generalisierte Anfälle: Die Anfallszeichen erstrecken sich über beide Hemisphären.
Generalisierte Anfälle können primär auftreten oder sich sekundär aus fokalen Anfällen entwickeln. Von einer Epilepsie spricht man erst, wenn mindestens zwei nicht provozierte Anfälle im Abstand von mehr als 24 Stunden aufgetreten sind oder aber aufgrund einer typischen Befundkonstellation ein Epilepsie-Syndrom diagnostiziert wird.
Symptome und Phasen eines epileptischen Anfalls
Epileptische Anfälle dauern in der Regel nicht länger als zwei Minuten. Typischerweise sind die Augen dabei offen, starr, „leer“ oder verdreht. Die Phänomenologie kann erheblich variieren und reicht z. B. von nur wenige Sekunden dauernden motorischen und sensiblen Phänomenen über Aussetzer (Absencen), Zuckungen einer Extremität (monoklonische Anfälle) bis hin zu komplexeren Bewegungs- und Bewusstseinsphänomenen und klassischen tonisch-klonischen Anfällen.
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Vielen Anfällen folgt eine Nachphase (postiktale Phase), die vor allem in höherem Alter auch bis zu 24 Stunden anhalten kann. In dieser Phase können Vigilanzstörungen, Sprachstörungen, Lähmungen, Gedächtnisstörungen, aber auch psychische Störungen wie Depression und in seltenen Fällen psychotische Episoden oder aggressive Zustände auftreten.
Der Ablauf eines Grand-Mal Anfalls verläuft in mehreren Phasen ab. In manchen Fällen bemerken Patienten schon vor dem Anfall, dass etwas nicht stimmt. Den Zeitraum bevor ein epileptischer Anfall beginnt, bezeichnet man als präiktale Phase oder Prodromalphase. Diese Phase dauert wenige Minuten bis mehrere Tage und Betroffene verhalten sich eventuell anders oder fühlen sich merkwürdig. Das sogenannte Warnsignal des Körpers bezeichnet man als Prodrom und es wird auch oft mit der Aura in Verbindung gebracht. Der Zeitraum während eines Anfalls nennt sich iktale Phase. Hier herrscht ein Gewitter im Kopf und es kommt zu physikalischen Veränderungen. Diese können mit medizinischen Geräten, wie EEG und EKG gemessen werden. Eine postiktale Phase bezeichnet das Ende vom Anfall und den Übergang in den körperlichen Normalzustand. Sie wird gekennzeichnet durch die Erholungsphase des Gehirns und kann wenige Sekunden bis Stunden andauern. Die interiktale Phase beschreibt die Zeit zwischen zwei Krampfanfällen. Vor allem in diesem Zeitraum haben Betroffene mit psychischen Störungen zu kämpfen, die sich in Ängstlichkeit und Depressionen ausdrücken. Diese Beschwerden dauern wenige Stunden bis mehrere Tage an und verschwinden dann meist spontan.
Ursachen von Krampfanfällen
Die häufigste Ursache für Krampfanfälle ist eine Epilepsie. Jedoch steckt nicht hinter jedem Krampfanfall eine epileptische Erkrankung. Es gibt auch Krampfanfälle, die nicht auf einer neurologischen Störung im Gehirn beruhen, sondern psychische Gründe haben (etwa eine extreme Stress-Situation). Das bezeichnen Mediziner als psychogenen Krampfanfall. Bei Kindern kann es zu nicht-epileptischen Krampfanfällen wie Fieberkrampf kommen.
Epileptische Krampfanfälle
Bei den Betroffenen sind die Nervenzellen (Neuronen) im Gehirn anfälliger für spontane und unkoordinierte Entladungen. Solche Entladungen - und damit die epileptischen Krampfanfälle - treten oft ohne jeden erkennbaren Grund auf. Dann spricht man von idiopathischer Epilepsie.
Davon zu unterscheiden ist die symptomatische Epilepsie, bei der die epileptischen Anfälle bekannte Auslöser haben. Zu diesen zählen:
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- Hirnverletzungen: Infolge solcher Verletzungen bildet sich in solchen Fällen Narbengewebe im Gehirn, von dem wiederum vermehrt Krampfanfälle ausgehen.
- Durchblutungsstörungen: Eine gestörte Hirndurchblutung (wie etwa bei einem Schlaganfall) zieht gelegentlich epileptische Anfälle nach sich.
- Tumoren oder Entzündungen: Manchmal sind epileptische Krampfanfälle das Symptom eines Hirntumors oder einer Gehirn- oder Hirnhaut-Entzündung (Enzephalitis, Meningitis).
- Erhöhter Hirndruck: Ein gesteigerter Druck im Gehirn (z. B. infolge einer Verletzung) begünstigt unter Umständen Krampfanfälle.
- Stoffwechselstörungen: Manchmal lässt sich eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) als Krampfauslöser identifizieren.
- Sauerstoffmangel: Bei einem länger andauernden Sauerstoffmangel (Hypoxie) ist der Körper ab einem bestimmten Punkt unterversorgt, was im Gehirn manchmal einen Krampfanfall auslöst.
- Optische Reize: Bei einigen Menschen löst zum Beispiel Stroboskop-Licht in Diskotheken oder flackerndes Licht in Videospielen einen Krampfanfall aus.
- Vergiftungen: Manchmal provozieren Medikamente wie trizyklische Antidepressiva einen Krampfanfall.
- Drogen und Alkohol: Wenn etwa ein Alkoholiker einen Entzug macht, kommt es gelegentlich zu Krampfanfällen.
Ein einmaliger Krampfanfall wird (noch) nicht als epileptisch bezeichnet. Erst wiederholte Krampfanfälle zeigen, ob tatsächlich eine Epilepsie vorliegt.
Krampfanfall - aber keine Epilepsie
Manche Menschen erleiden einen Krampfanfall, aber es liegt keine Epilepsie vor. Solche nicht-epileptischen Anfälle beruhen also nicht auf einer erhöhten Krampfanfälligkeit der Neuronen - vielmehr entstehen sie durch eine umkehrbare Störung im Gehirn oder einen anderen Zustand, der das Gehirn reizt, wie zum Beispiel:
- Kopfverletzung
- Schlaganfall
- Infektion
- Medikamente
- Drogen
- bei Kindern: Fieber (Fieberkrampf)
Vom Krampfanfall zu unterscheiden sind andere Erkrankungen und Störungen, die mitunter zu einer Verkrampfung der Muskeln führen. So kommt es zum Beispiel in Folge einer Tetanus-Infektion (Wundstarrkrampf) zu Muskelkrämpfen am ganzen Körper.
Krampfanfall bei Kindern und Babys
Krampfanfälle sind im Säuglingsalter keine Seltenheit. Für die Eltern ist ein solches Ereignis erst einmal ein Schock. In den meisten Fällen ist die Ursache aber harmlos.
Beispielsweise lösen fieberhafte Infekte das Krampfen aus. Diese Krampfanfälle sind in der Regel nur kurz und hinterlassen keine bleibenden Schäden. Doch auch Epilepsie, Hirnschäden unter der Geburt und Stoffwechselstörungen rufen manchmal Krampfanfälle bei Babys hervor.
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Bei Neugeborenen und Säuglingen sind Anfälle noch schwerer zu erkennen als bei älteren Kindern. Sie können sich durch Augenbewegungen, Schmatzen, Armrudern und Zuckungen äußern. Oft treten sie schon in den ersten Tagen nach der Geburt auf.
Anfälle bei Säuglingen sind meist die Folge einer Erkrankung. Sie entstehen beispielsweise durch Sauerstoffmangel, Blutungen oder Durchblutungsstörungen im Gehirn. Es gibt aber auch leichte Epilepsieformen, die sich innerhalb weniger Wochen nach der Geburt von selbst wieder legen.
Hypoxie (Sauerstoffmangel) als Ursache
Sauerstoffmangel, medizinisch als Hypoxie bezeichnet, ist ein Zustand, bei dem dem Körper, insbesondere dem Gehirn, nicht genügend Sauerstoff zugeführt wird. Dies kann verschiedene Ursachen haben, beispielsweise:
- Atemwegserkrankungen: Asthma, COPD oder Lungenentzündung
- Herzprobleme: Herzinsuffizienz oder Herzinfarkt
- Ertrinken oder Ersticken
- Kohlenmonoxidvergiftung
- Geburtskomplikationen: Nabelschnurkompression oder vorzeitige Plazentaablösung
Wenn das Gehirn nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, können die Nervenzellen ihre normale Funktion nicht aufrechterhalten. Dies kann zu einer Vielzahl von neurologischen Symptomen führen, darunter auch Krampfanfälle.
Diagnose von Krampfanfällen
Bei einem ersten Anfall muss an erster Stelle beurteilt werden, ob es sich überhaupt um einen epileptischen Anfall gehandelt hat. Dazu sollte eine detaillierte Anfallsbeschreibung durch den Patienten selbst oder Zeugen erfolgen. Ein wichtiges Anfallsdetail, das auch von Laien gut wieder gegeben werden kann, sind die Augen. Sind bei einem Anfall (aus dem Wachen) zu Beginn die Augen geschlossen, spricht dies eher für einen nicht-epileptischen Anfall, es sei denn, es gibt klare Hinweise für einen Anfall.
Die Erhöhung der Creatinkinase (CK) bis zu > 1000 U/l 24-48 Stunden nach einem generalisierten tonisch-klonischen Anfall unterstützt die Diagnose eines epileptischen Anfalls. Hinweise können auch Prolaktinbestimmungen geben - diese sind aber wegen der schwierigen Beurteilung Spezialeinrichtungen vorbehalten. Ansonsten dienen Laboruntersuchungen (einschließlich Liquordiagnostik) vor allem der Diagnostik zugrundeliegender Grunderkrankungen (z.B.
Ist ein epileptischer Anfall wahrscheinlich, sollte ein EEG zum Nachweis epilepsietypsicher Veränderungen durchgeführt werden. Das Fehlen von epilepsietypischen Potenzialen schließt aber eine Epilepsie nicht aus und der Nachweis solcher Potenziale ist nicht beweisend für das Vorliegen einer Epilepsie. Bei 15 bis 20 % aller Krampfanfälle handelt es sich nicht um epileptische, sondern um psychogene nicht epileptische Anfälle.
Für weitere Untersuchungen wird ein EEG, also ein Elektroenzephalogramm, durchgeführt. Damit werden die Hirnströme untersucht, welche Auskunft über den Krampfanfall geben können. Zusätzlich führt man auch oft ein MRT, Magnetresonanztomographie, durch.
Behandlung von Krampfanfällen
Die Behandlung von Krampfanfällen hängt von der Ursache ab. Bei akuten symptomatischen Anfällen, die durch Sauerstoffmangel verursacht werden, steht dieBehandlung des Sauerstoffmangels im Vordergrund. Dies kann durch Sauerstoffgabe, Beatmung oder die Behandlung der zugrunde liegenden Ursache (z. B. Asthmaanfall) erfolgen.
Bei Epilepsie werden in der Regel Medikamente, sogenannte Antiepileptika, eingesetzt. Diese Medikamente können die Häufigkeit und Schwere von Anfällen reduzieren, aber sie heilen die Epilepsie nicht.
Ein epileptischer Anfall, der maximal zwei Minuten dauert, kann nicht unterbrochen werden. Hier geht es vor allem darum, den Patienten z.B. durch eine entsprechende Lagerung vor Selbstverletzungen zu schützen und die Atemwege offen zu halten (falls möglich Entfernung von Zahnersatz, aber keine Applikation von Gegenständen in den Mundraum). Dauert ein epileptischer Anfall länger als fünf Minuten droht ein Status epilepticus, der immer einen lebensbedrohlichen Notfall darstellt.
Auch von Laien und Rettungssanitätern einsatzbar sind Diazepam rektal (10-20 mg rektal, ggf. wiederholen, max. ca. 30 mg), die nasale Gabe von Midazolam (noch nicht offiziell zugelassen) oder Midazolam buccal (5-10 mg, ggf. wiederholen, max. ca. 20 mg, nur bis zum 18. Lebensjahr zugelassen). Durch den Notarzt muss nach Legen eines geeigneten Zugangs eine i.v. Erstbehandlung erfolgen und eine rasche Zuweisung des Patienten in eine neurologische Klinik veranlasst werden, die ggf. eine Eskalationstherapie sicherstellen kann. Empfohlen wird als Erstbehandlung die intravenöse Gabe von Lorazepam (0,05 mg/kg i.v. Erfolgt beim generalisierten Status epilepticus die Ersttherapie innerhalb von 30 Minuten, gelingt die Anfallskontrolle fast immer. Patienten im Status epilepticus benötigen rasche Therapie - vor allem prästationär.
Erste Hilfe bei einem Krampfanfall
Epileptische Anfälle äußern sich oft unterschiedlich und Betroffene fühlen sich danach verunsichert oder ängstlich. Es ist enorm hilfreich ihnen in diesem Zeitpunkt beizustehen und Sicherheit zu geben. Auch während dem Anfall gibt es viele verschiedene Erste Hilfe Maßnahmen, die beachtet werden müssen. Neben dem Entfernen von gefährlichen Gegenständen im Umfeld, ist es auch wichtig auf den Kopf des Betroffenen zu achten. Es kann helfen unter den Kopf einen weichen Gegenstand, wie eine Jacke oder ein Kissen, zu legen und dann den Betroffenen nicht mehr zu berühren und abzuwarten, bis der Anfall vorüber ist. Dem Betroffenen sollten auf keinen Fall Gegenstände als Beißkeil in den Mund gesteckt werden, um zu verhindern, dass man sich auf die Zunge oder Backen beißt. Auch nach dem Anfall sollte man bei der Person bleiben. Es dauert einige Zeit, bis die Person wieder ganz zu sich kommt und sie braucht zunächst Orientierung. Handelt es sich um einen Anfall in der Öffentlichkeit, ist es wichtig Schamgefühle zu beachten und zu vermeiden. Es kann durchaus sein, dass sich mehrere Menschen aufgrund des Anfalls ansammeln und der Betroffene sich beispielsweise vor der Masse ungewollt eingenässt hat. Es ist wichtig während einem Anfall auf die Uhr zu schauen, um zu beobachten, wie lange der Anfall dauert. In der Regel beginnt der Anfall plötzlich und endet nach wenigen Minuten. Sitzt die Kleidung durch die Krampfposition des Betroffenen zu eng am Hals, hilft es diese zu lockern. Nach einem solchen Anfall muss man unbedingt kontrollieren, ob die Atemwege frei sind. Um die Atemwege zu sichern, sollte der Patient in die Bauch- oder stabile Seitenlage gedreht werden. Manche Betroffene haben ein extra Notfallmedikament bei sich, welches Begleitpersonen während einem Anfall einsetzen können. Sobald der Anfall länger dauert, kann man das Medikament in Tablettenform in die Wangentasche legen oder als Creme mit einer kleinen Tube in den After spritzen. Das Medikament beendet den Anfall dann. In vielen Fällen dauert ein Anfall nur wenige Minuten und die Betroffenen sind danach wieder voll funktionsfähig. Handelt es sich um einen großen Anfall, muss immer ein Notarzt gerufen werden. Ist der Arzt zur Stelle hilft eine genaue Schilderung des Krampfanfalles.
Wichtige Maßnahmen bei einem Krampfanfall:
- Ruhe bewahren
- Gefährliche Gegenstände entfernen
- Kopf schützen
- Atemwege freihalten (stabile Seitenlage)
- Nicht festhalten oder Gegenstände in den Mund stecken
- Dauer des Anfalls beobachten
- Bei Bedarf Notarzt rufen
Schlafapnoe und Epilepsie
Fast ein Drittel der Menschen mit Epilepsie leidet möglicherweise an einer nicht diagnostizierten Schlafapnoe. Grundsätzlich ist Schlafapnoe durch nächtliche Atempausen oder Fälle von abnorm niedriger Atmung während des Schlafs gekennzeichnet. Jede Atempause, die als Apnoe bezeichnet wird, dauert mindestens zehn Sekunden bis mehrere Minuten. Sie tritt 5 bis 30 Mal oder mehr pro Stunde auf. Wenn sich der Schlaf vertieft, werden Ihre Atemwege blockiert. Ihr Gehirn erkennt den daraus resultierenden Sauerstoffmangel und Sie wachen - meist mit einem lauten Schnarchen - auf und beginnen wieder zu atmen. Sie leiden unter Schlafapnoe? Dieser Zyklus wird die ganze Nacht wiederholt und es gibt keinen hochqualitativen Schlaf. Dies liegt daran, dass synchronisierter Schlaf mit nicht schnellen Augenbewegungen (NREM) Krampfanfälle begünstigt. Die häufigsten Beschwerden bei Schlafapnoe sind übermäßige Tagesmüdigkeit und häufiges Erwachen. Auch Symptome wie Zähneknirschen, Mundtrockenheit, morgendliche Kopfschmerzen, erektile Dysfunktion, Gedächtnisstörungen und Schnarchen treten auf. 30% der Patienten mit medizinisch refraktärer Epilepsie haben Anfälle die durch Schlafapnoe verursacht werden. Es überrascht nicht, dass eine norwegische Studie mit 794 Epilepsie-Patienten folgendes ergab: die häufigsten Auslöser für Anfälle sind emotionaler Stress, Schlafentzug und Müdigkeit. Für Menschen mit Epilepsie ist ein gesunder Schlaf unerlässlich, um Krampfanfälle wirksam unter Kontrolle zu halten. Für diejenigen mit Epilepsie sind Schlafstörungen ein zweischneidiges Schwert. Epilepsie stört den Schlaf und Schlafentzug verschlimmert die Epilepsie. Bei Schlafapnoe wir trotz der normalen Signale zum Einatmen, kein Atemzug gemacht.
Die unmittelbaren Auswirkungen der Schlafapnoe auf Ihren Körper hängen davon ab, wie lange die Atemnot anhält. Sauerstoffentsättigungen können Anfälle auslösen, auch wenn keine Epilepsie vorliegt. Und wenn Sie an Epilepsie leiden, kann der durch Apnoe verursachte Sauerstoffmangel Krampfanfälle auslösen, die zuvor durch Medikamente gut kontrolliert worden waren. Umgekehrt beeinträchtigen einige Antiepileptika die Kontinuität des Schlafs. Eine Polysomnographie bringt den Übeltäter ans Licht. Wenn es sich tatsächlich um eine Schlafapnoe handelt, werden die Anfälle verschlimmert. Das CPAP-Gerät erzeugt den erforderlichen Luftdruck, um Ihre Atemwege im Schlaf offen zu halten.Es handelt sich um eine Gesichtsmaske aus Kunststoff, die über einen flexiblen Schlauch mit einem kleinen CPAP-Gerät am Krankenbett verbunden ist. Obwohl die CPAP-Therapie bei der Verringerung von Apnoen äußerst wirksam und billiger als andere Behandlungen, empfinden es einige Menschen als äußerst unangenehm. Tatsächlich weigern sich viele Menschen, die Therapie fortzusetzen, oder versäumen es, ihre CPAP-Geräte nachts zu benutzen, insbesondere auf lange Sicht. Es gibt jedoch komfortablere CPAP-Gesichtsmasken. Sie sind in verschiedenen Formen, Größen und Materialien erhältlich, um eine wirksame Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe zu gewährleisten. Es geht vielmehr darum, die Maske zu finden, die am besten zu Ihnen passt.
Epilepsie im Kindes- und Jugendalter
Bei vielen Kindern und Jugendlichen lässt sich eine Epilepsie gut behandeln. Manchmal legt sich die Erkrankung nach einigen Jahren ganz, dann treten keine Anfälle mehr auf. Es gibt aber auch Epilepsien, die ein Leben lang bleiben und kaum auf Medikamente ansprechen.
Epileptische Anfälle können sich ganz unterschiedlich zeigen: Manche dauern nur Sekunden und machen sich kaum bemerkbar, andere lösen starke Krämpfe aus, zum Teil am ganzen Körper. Bei Kindern werden die Symptome anfangs oft falsch gedeutet: zum Beispiel eine kurze „Abwesenheit“ als Tagtraum oder leichte Zuckungen als Schluckauf.
Etwa 0,5 % aller Kinder und Jugendlichen haben eine Epilepsie. Leichtere Formen sind kaum einschränkend. Dagegen kann eine Epilepsie mit häufigen Anfällen ein Kind und seine Familie stark belasten. Dann ist neben der medizinischen Behandlung auch eine Unterstützung im Alltag sehr wichtig. Die häufigsten Anfälle im frühen Kindesalter sind Fieberkrämpfe. Die meisten der betroffenen Kinder haben aber keine Epilepsie, da sie nur bei Fieber einen Anfall haben. Etwa 3 % aller Kinder bekommen bis zum 7.
Viele Epilepsieformen beginnen bereits in der Kindheit und halten bis ins Erwachsenenalter an. Die Symptome sind zwar individuell unterschiedlich, hängen aber nicht vom Lebensalter ab. Es gibt jedoch spezielle Epilepsiearten, die im Kindes- und Jugendalter auftreten und danach nicht mehr.
Bei Kindern wie bei Erwachsenen gilt: Manche Epilepsien haben keine erkennbare Ursache, andere sind durch eine Hirnschädigung, Stoffwechselkrankheiten oder genetische Faktoren bedingt. Epilepsien werden bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen auch ähnlich diagnostiziert und behandelt.
Beispiele für Epilepsieformen im Kindes- und Jugendalter:
- Absence-Epilepsie: Dabei ist das Kind während eines Anfalls für wenige Sekunden abwesend. Es wird blass, hat einen starren Blick und reagiert nicht auf Ansprache. Zusätzlich kann es mit den Lidern zucken, die Augen verdrehen oder den Kopf nach hinten legen. Solche kurzen Abwesenheiten (Absencen) können bis zu hundert Mal am Tag auftreten.
- Rolando-Epilepsie: Während des Anfalls zuckt eine Gesichtshälfte, manchmal auch ein Arm oder ein Bein. Es kann auch zu Kribbeln, Taubheitsgefühlen, Sprech- und Schluckstörungen oder vermehrtem Speichelfluss kommen. Dabei ist das Kind in der Regel bei Bewusstsein. Die Anfälle treten meist beim Einschlafen oder Aufwachen auf.
- Juvenile myoklonische Epilepsie: Sie zeigt sich erstmals in der Pubertät. Zu den Anfällen mit Muskelzuckungen und mitunter ausfahrenden Arm- und Schulterbewegungen kommt es meist morgens nach dem Aufwachen. Manchmal knicken auch die Beine ein.
- West-Syndrom: Diese schwere Epilepsieform beginnt fast immer im Säuglingsalter. Während eines Anfalls beugt und streckt sich der ganze Körper des Kindes, die Nacken-, Hals- und Rumpfmuskulatur verkrampft ruckartig. Die Anfälle treten ebenfalls meist kurz nach dem Aufwachen oder beim Einschlafen auf.
Behandlungsmöglichkeiten bei Epilepsie im Kindes- und Jugendalter
Die Behandlung von Epilepsie bei Kindern und Jugendlichen umfasst in der Regel Medikamente, aber auch andere Therapieansätze können in Betracht gezogen werden:
- Medikamentöse Therapie: Die meisten Epilepsiemedikamente für Erwachsene werden auch bei Kindern eingesetzt. Einige davon sind für Kinder zugelassen, andere nicht. Wird auf letztere zurückgegriffen, können sie nur im Rahmen eines Off-Label-Use verschrieben werden - das heißt, außerhalb der eigentlichen Zulassung.
- Ketogene Diät: Bei schwer behandelbaren Epilepsien empfehlen Ärztinnen und Ärzte manchmal eine bestimmte Ernährungsform - die ketogene Diät. Dabei werden nur wenig Kohlenhydrate und stattdessen vor allem Fette aufgenommen.
- Epilepsiechirurgie: Eine Operation kommt infrage, wenn sich eine belastende Epilepsie nicht gut mit Medikamenten behandeln lässt. Sie ist nur möglich, wenn die Anfälle von einer ganz bestimmten Stelle im Gehirn ausgehen (fokale Epilepsie). Anfälle, die das gesamte Gehirn erfassen (generalisierte Epilepsie), können nicht operativ behandelt werden.
- Vagusnerv-Stimulation: Dabei wird eine Elektrode links am Hals eingepflanzt und mit einem kleinen Gerät verbunden, das im Brustbereich unter der Haut eingesetzt wird. Das Gerät sendet über die Elektrode elektrische Impulse an den Vagusnerv und weiter ans Gehirn. Diese Impulse sollen bestimmte Gehirnaktivitäten hemmen und dadurch Anfällen vorbeugen.
Status Epilepticus
Der Status epilepticus ist einer der häufigsten lebensbedrohlichen Notfälle in der Neurologie. Nur länger als fünf Minuten dauernde Anfälle oder Anfallsserien sollten zu einer Akutmedikation führen. Status Epilepticus ist ein gefährlicher Angriff, der nicht von alleine aufhört. Es betrifft nicht nur Menschen mit Epilepsie. Jeder kann es bekommen und das Risiko steigt mit dem Alter.
Status Epilepticus verhindert eine normale Atmung. Das Gehirn kann durch Sauerstoffmangel dauerhaft geschädigt werden.Sie können den Status Epilepticus stoppen, indem Sie Anfallsmedikamente verabreichen.Geschwindigkeit ist wichtig. Je früher der Patient Medikamente bekommt, desto kürzer ist die Periode des Sauerstoffmangels im Gehirn.
Status Epilepticus wird durch die Verabreichung von Anfallsmedikamenten gestoppt. Da die Person mit dem Status Epilepticus bewusstlos ist und Krämpfe hat, kann das Medikament nicht normal eingenommen werden.Stattdessen wird das Arzneimittel in der Regel in wässriger Lösung entweder über das Rektum oder über die Mundschleimhäute verabreicht - je nach Art des Medikaments.Am häufigsten werden Midazolam oder Diazepam verwendet. Beide Medikamente können sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen angewendet werden. Alternativen können Phenytoin oder Fosphenytoin sein.Es ist auch üblich, Sauerstoff durch eine Maske zu verabreichen, um den Sauerstoffmangel im Gehirn auszugleichen.Mit Status Epilepticus müssen Sie ins Krankenhaus eingeliefert werden.
Geburtsasphyxie
Akute Sauerstoffversorgungsstörungen des Fetus können durch eine Kompression der Nabelschnur, ein vorzeitiges Ablösen der Plazenta oder einen Gebärmutterriss entstehen und sind in der Regel gut an den typischen klinischen Begleiterscheinungen erkennbar. Ein allmählich während des Geburtsverlaufes entstehender Sauerstoffmangel ist diagnostisch dagegen ein sehr viel größeres Problem. Beide Formen des Sauerstoffmangels können zu einer Geburtsasphyxie führen. Sie ist die häufigste Todesursache während der ersten vier Wochen nach der Geburt (Neonatalperiode) und macht während dieses Zeitraums etwa 25 Prozent der kindlichen Todesfälle aus. Überlebt das Kind die Geburtsasphyxie, führt sie häufig zu einer hypoxischen Enzephalopathie und schweren Entwicklungsstörungen, die bisher nur in einem kleinen Teil der betroffenen Neugeborenen verhindert werden können. Die bisher wirksamste Behandlung ist das gezielte Absenken der Körpertemperatur (therapeutische Hypothermie), das aber in weniger als 50 Prozent der Fälle ausreichend wirksam ist. Als Mechanismen der Hirnschädigung durch Geburtsasphyxie werden vor allem entzündliche Prozesse im Gehirn (Neuroinflammation), oxidativer Stress und andere Ursachen von Neurodegeneration diskutiert.
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