Krämpfe als Anzeichen von Parkinson: Ein umfassender Überblick

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch den Verlust von Dopamin produzierenden Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Obwohl Zittern oft als das bekannteste Symptom gilt, manifestiert sich Parkinson auf vielfältige Weise, und Krämpfe können ein wichtiges, aber oft übersehenes Anzeichen sein. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Krämpfen im Zusammenhang mit Parkinson, von den frühen Anzeichen bis hin zu den Behandlungsmöglichkeiten.

Frühe Anzeichen und subtile Hinweise

Die Parkinson-Erkrankung beginnt oft schleichend und unscheinbar. Viele Symptome werden zunächst von Angehörigen und Freunden bemerkt, seltener von den Betroffenen selbst. Im Frühstadium der Erkrankung nehmen die Betroffenen eher wahr, dass sich Arme und Beine schwerfälliger bewegen lassen. Vielleicht dauert das Aufstehen oder Hinsetzen plötzlich länger als früher. Dadurch wird mehr Zeit für alltägliche Vorgänge wie Waschen, Anziehen, Einkaufen oder Kochen benötigt, was gerade bei älteren Menschen häufig für eine ganz normale Alterserscheinung gehalten wird.

Ein Bericht aus der "Ärzte Zeitung" schildert den Fall eines 41-jährigen sportlichen Mannes mit Schulterhartspann, bei dem zunächst nicht an eine neurologische Erkrankung gedacht wurde. Erst als ein leichter Tremor an einer Hand bemerkt wurde, erfolgte die Überweisung an einen Neurologen. Dieser Fall verdeutlicht, wie wichtig es ist, bei persistierenden Verspannungen oder Schmerzen, die vor allem im Schulter-Nackenbereich auftreten, genauer hinzuschauen.

Dr. Petra Lenzen, Allgemeinärztin, betont, dass man die Patienten herumlaufen und sich bewegen lassen sollte und sie nicht nur im Sitzen untersucht. Dabei können subtile Bewegungsauffälligkeiten wie ein einseitiges Armschwingen, eine leicht nach vorne gebeugte Körperhaltung, ein schlurfender Gang oder sehr kleine Schritte auffallen. Wichtig ist, dass diese Symptome, wie auch ein Tremor, anfangs meist nur einseitig auftreten.

Motorische und nicht-motorische Symptome

Die Parkinson-Krankheit manifestiert sich durch eine Vielzahl von Symptomen, die in motorische und nicht-motorische Symptome unterteilt werden können.

Lesen Sie auch: Alles über Zehenkrämpfe

Motorische Symptome

Die Hauptsymptome der Parkinson-Krankheit sind:

  • Bradykinese: Verlangsamte Bewegung
  • Tremor: Zittern, oft im Ruhezustand
  • Rigor: Steifheit der Muskeln
  • Posturale Instabilität: Gleichgewichtsstörungen

Weitere motorische Symptome sind:

  • Mikrographie: Verkleinerung der Schrift
  • Hypophonie: Leise Sprache
  • Maskengesicht: Verminderte Mimik
  • Freezing: Plötzliche Gangblockaden

Nicht-motorische Symptome

Neben den motorischen Symptomen treten bei Morbus Parkinson auch nicht-motorische Symptome auf, die die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten teils erheblich beeinträchtigen können. Dazu gehören:

  • Riechstörung: Verlust des Geruchssinns
  • Schlafstörungen: Ein- und Durchschlafprobleme, REM-Schlaf-Verhaltensstörung
  • Verstopfung: Beeinträchtigung der Darmtätigkeit
  • Blasenprobleme: Häufiger Harndrang
  • Kognitive Einschränkungen: Gedächtnisverlust, Konzentrationsprobleme
  • Depressionen: Traurigkeit, Irritabilität, Dysphorie
  • Apathie: Teilnahmslosigkeit
  • Orthostatische Hypotonie: Plötzlicher Blutdruckabfall beim Stehen

Krämpfe als Dystonie

Starke Muskelkrämpfe können bei Patienten mit M. Parkinson auch dyston sein und auf eine nicht ausreichende dopaminerge Therapie deuten. Diese sind ein häufiges Merkmal der Parkinson-Krankheit.

Was ist eine Dystonie?

Dystonie ist die Bezeichnung für unkontrollierbare und manchmal schmerzhafte Muskelkrämpfe, die durch falsche Signale aus dem Gehirn verursacht werden. Diese Spasmen erzeugen wiederholte Verdrehungen und anhaltende Muskelkontraktionen, die zu anormalen Bewegungen und Haltungen führen können. Dystonie ist eine anerkannte Erkrankung und betrifft auch viele Patienten, die nicht an M. Parkinson leiden.

Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Unterleibskrämpfen und Blähungen

Es gibt viele verschiedene Formen der Dystonie. Zum Beispiel können Menschen, die eine bestimmte genetische Mutation erben, im Kindesalter eine Dystonie entwickeln. Eine weitere häufige Form der Dystonie ist die „aufgabenspezifische Dystonie“, bei der die Muskelkrämpfe durch eine bestimmte Aktivität ausgelöst werden, wie z.B. das Schreiben, das schmerzhafte Muskelkontraktionen in den Händen verursacht (Schreibkrampf). Aber Dystonie kann auch ein Symptom oder ein Zeichen für andere Erkrankungen wie Parkinson sein.

Die Verbindung zwischen Dystonie und M. Parkinson

Es gibt noch viel über die Zusammenhänge zwischen Parkinson und Dystonie zu lernen, aber wir wissen, dass beide auf Fehlfunktionen der Gehirnstrukturen zurückzuführen sind. Diese Regionen sind für die Kontrolle unserer Bewegungen verantwortlich, und werden Basalganglien bezeichnet und haben viele Interaktion mit der Hirnrinde. Aktuell hat die Forschung begonnen, einige der möglichen genetischen Zusammenhänge zwischen den beiden Erkrankungen aufzudecken.

Studien haben gezeigt, dass Menschen mit einer seltenen vererbten Form von Parkinson, verursacht durch Veränderungen in einem Gen namens PARKIN, nicht nur dazu neigen, Parkinson-Symptome in einem jüngeren Alter zu entwickeln, sondern entwickeln auch Dystonien. Vor kurzem zeigte eine große Studie, das genetische Mutationen, die eine Form von Dystonie im Kindesalter verursachen, auch eine Rolle bei der Entwicklung von M. Parkinson spielen können.

Mutationen in einem Gen namens GCH1 führen zB zu einer starken Reduktion der Dopaminproduktion und verursachen Symptome, die in der Kindheit auftreten, oft im Alter von etwa sechs Jahren, einschließlich Dystonien in den unteren Gliedmaßen. Die Symptome sprechen sehr gut auf Levodopa-Medikamente an und werden daher als dopa-responsive Dystonie (DRD) bezeichnet.

In Familien mit DRD finden sich ältere Verwandte mit dem gleichen genetischen Defekt, die im Erwachsenenalter Parkinson-ähnliche Symptome entwickelten. Wenn diese Personen einen Gehirnscan bekommen, mit dem die Diagnostik von M. Parkinson unterstützt werden kann (DaTSCaN), sehen oft die Ergebnisse so aus, als hätten die Patienten eine typische Parkinson-Krankheit. Dies hat gezeigt, dass Mutationen in GCH1 nicht nur zu Dystonien im Kindesalter, sondern auch zu Parkinson im Erwachsenenalter führen können.

Lesen Sie auch: Magen-Darm-Krämpfe natürlich lindern

Diagnose von Parkinson

Die Diagnose von Parkinson ist nicht immer einfach, da viele andere Erkrankungen ähnliche Symptome verursachen können. Die Diagnose erfolgt in der Regel durch einen Facharzt für Neurologie.

Anamnese und körperliche Untersuchung

Die Diagnose erfolgt über eine ausführliche Krankengeschichte und eine körperlich-neurologische Untersuchung auf Basis der Symptome. Der Arzt achtet dabei besonders auf die typischen Parkinson-Symptome wie Tremor, Bradykinese, Rigor und posturale Instabilität.

Zusätzliche Untersuchungen

Zusätzlich zur Anamnese und körperlichen Untersuchung können weitere Untersuchungen durchgeführt werden, um die Diagnose zu sichern oder andere Erkrankungen auszuschließen. Dazu gehören:

  • Riechtest: Überprüfung des Geruchssinns
  • Ultraschalluntersuchung der Substantia nigra: Darstellung einer bestimmten Hirnregion
  • MRT: Magnetresonanztomographie des Gehirns
  • DAT-Scan: Darstellung der Dopamin-Transportermoleküle

Differentialdiagnose

Wichtig ist die gute klinische Beurteilung der Patienten, um andere Erkrankungen auszuschließen, die ähnliche Symptome verursachen können. Dazu gehören:

  • Essentieller Tremor (ET): Spezifische neurologische Bewegungsstörung noch ungeklärter Ursache
  • Normaldruckhydrozephalus (NPH): Klinisch durch eine Trias aus Gangstörung, Harninkontinenz und dementieller Entwicklung gekennzeichnet
  • Vaskuläres Parkinsonsyndrom (SAE): Im Rahmen einer chronischen Durchblutungsstörung
  • Sekundäre Parkinsonsyndrome: Durch Traumata, nach Enzephalitis, durch Tumor oder Intoxikation

Therapie von Parkinson

Obwohl die Parkinson-Krankheit nicht heilbar ist, gibt es verschiedene Therapieansätze, die die Symptome lindern und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern können.

Medikamentöse Therapie

Das älteste medikamentöse Therapieprinzip ist es, Dopamin zuzuführen - also den Botenstoff, der bei Parkinson-Betroffenen nicht mehr in ausreichender Menge vom Körper produziert wird. Das Mittel Levodopa ist bereits seit den frühen 70er Jahren zur Behandlung der Parkinson-Erkrankung zugelassen. Es verbessert die typischen Parkinson-Symptome wie das Zittern, die verlangsamten Bewegungen und die Steifheit der Muskeln.

Weitere Medikamente, die zur Behandlung von Parkinson eingesetzt werden, sind:

  • Dopaminagonisten: Substanzen, die dem Botenstoff Dopamin sehr ähnlich sind
  • Monoaminooxidase-B-Hemmer (MAO-B-Hemmer): Stoppen den Abbau von Dopamin im Gehirn
  • Adenosin-Rezeptor-Antagonisten und COMT-Inhibitoren: Überbrücken die Wirklücke bei Levodopa bis zur nächsten Gabe
  • Decarboxylasehemmer: Werden mit Levodopa zusammen gegeben

Invasive therapeutische Verfahren

An invasiven therapeutischen Verfahren stehen die Behandlung mit einer Dopamin- oder Apomorphinpumpe oder eine tiefe Hirnstimulation zur Verfügung. Bei der Dopaminpumpe wird flüssiges Medikament über eine Sonde durch die Bauchhaut hindurch in den oberen Dünndarm geleitet. Bei der Apomorphinpumpe wird das Medikament über die Bauchhaut in das Unterhautfettgewebe verabreicht.

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die tiefe Hirnstimulation, also das Einsetzen eines Hirnschrittmachers. Die tiefe Hirnstimulation wird bereits seit vielen Jahren erfolgreich durchgeführt. Dem Patienten werden in einem chirurgischen Eingriff Elektroden in das Gehirn implantiert. Durch elektrische Stimulation dieser Elektroden werden dann die Parkinsonsymptome unterbunden.

Nicht-medikamentöse Therapien

Unterstützend werden sogenannte nicht medikamentöse Therapien eingesetzt, wie Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie. Einige Dinge können Patientinnen und Patienten auch selbst tun, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Dazu gehören:

  • Körperliches Training und Krankengymnastik (Physiotherapie)
  • Ergotherapie
  • Logopädie
  • Sportliche Betätigung
  • Ausreichend Schlaf
  • Mediterrane Ernährung
  • Soziales Leben mit vielen Kontakten
  • Gespräche und gemeinsame Aktivitäten wie z.B. Tanzen

Behandlung von Dystonie bei Parkinson

Wie bei so vielen Aspekten der Parkinson-Krankheit gibt es keinen „Einheitsansatz“ für die Behandlung von Dystonien, aber es gibt eine Reihe von Optionen, die hilfreich sein können:

  • Anpassung der Parkinson-Medikamente: Dies kann die Verwendung von schnell wirkenden oder länger wirkenden Medikamenten umfassen, die wirksam sein können, wenn Menschen eine Dystonie vor allem dann entwickeln, wenn ihre Parkinson-Medikamente nachlassen.
  • Manchmal können sich die Symptome mit einem warmen Bad oder mit Massagen bessern.
  • Ergänzende Therapien wie Yoga. Physiotherapie oder Gymnastik können auch helfen.
  • Es gibt eine Reihe von verschiedenen Medikamenten, die verwendet werden können, um die Muskeln zu entspannen, und in einigen Fällen Botulinumtoxin (Botox) Injektionen können hilfreich sein.
  • Eine Operation wegen Dystonie ist nicht üblich, kann aber in Betracht gezogen werden, wenn Sie nicht auf eine medikamentöse Behandlung ansprechen. Chirurgische Verfahren, die bereits bei Parkinson eingesetzt werden, wie z.B. die Tiefenhirnstimulation, helfen nachweislich bei Dystonien sehr gut.

Vielversprechende neue Behandlungsmöglichkeiten

Einer der interessantesten neuen Ansätze, die derzeit für die Dystonie erforscht werden, ist die nicht-invasive Hirnstimulation mittels transkranieller Magnetstimulation (TMS) und transkranieller Gleichstromstimulation (tDCS). Bei diesen Therapien wird eine Magnetspule über dem Schädel/oder peripher über betrofenen Muskeln gelegt und dazu verwendet, einen kleinen magnetischen oder elektrischen Impuls schmerzlos zu applizieren.

Leben mit Parkinson

Die Diagnose Parkinson stellt Patienten und Angehörige zunächst vor viele Herausforderungen und Fragen. Es ist wichtig, sich umfassend über die Erkrankung zu informieren und sich professionelle Unterstützung zu suchen.

Kommunikation und soziale Interaktion

Die Kommunikation über die Erkrankung mit der Familie und dem Partner/der Partnerin sollte gesucht werden. Sportliche Betätigung, Reisen, Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und der Arbeit werden, je nach individueller Symptomatik, sogar ausdrücklich empfohlen.

Ein Sozialleben mit vielen Kontakten, Gespräche und gemeinsame Aktivitäten können der Entwicklung einer Demenz entgegenwirken.

Umgang mit Begleiterkrankungen

Eine Parkinson-Erkrankung kann weitere Erkrankungen Depressionen, Angststörungen und Demenz nach sich ziehen. Auf Parkinson spezialisierte Neurologinnen und Neurologen erkennen eine Depression oder Angststörungen frühzeitig und können eine Behandlung beginnen. Die besteht in der Regel aus einer medikamentösen Therapie mit Antidepressiva und einer Psychotherapie, für die Betroffene zu einem Psychotherapeuten oder Psychologen überweisen werden.

tags: #krampfe #anzeichen #parkinson