Eine Magen-Darm-Grippe, medizinisch als Gastroenteritis bezeichnet, ist eine Entzündung der Schleimhäute im Magen-Darm-Trakt. Meist wird diese Magen-Darm-Entzündung von Viren oder Bakterien verursacht, die man mit Nahrungsmitteln oder Getränken aufnimmt. Besonders häufig erkranken Babys und Kleinkinder daran. Während der ersten drei Lebensjahre machen Kinder etwa ein bis zweimal im Jahr eine Magen-Darm-Infektion durch. Ebenso erkranken ältere Menschen öfter an der Magen-Darm-Grippe. Auch wenn der Begriff „Grippe“ im Namen der Erkrankung vorkommt, ist eine Magen-Darm-Grippe eine ganz andere Krankheit als die klassische Grippe (Influenza). Für beide Erkrankungen sind jeweils andere Erreger verantwortlich.
Was ist eine Magen-Darm-Grippe?
Die Magen-Darm-Grippe - medizinisch als Gastroenteritis bezeichnet - ist eine infektiöse Erkrankung, bei der es zu einer Entzündung der Schleimhäute in Magen und Dünndarm kommt. In der Regel ist die Gastroenteritis eine akut verlaufende Erkrankung, die durch verschiedene Erreger ausgelöst werden kann. Der Begriff Gastroenteritis setzt sich aus dem griechischen „gastro“ für Magen, „enteron“ für Darm und der Endung „itis“ für Entzündung zusammen.
Ursachen: Wie entsteht eine Magen-Darm-Grippe?
Häufig wird eine Magen-Darm-Grippe von Viren oder Bakterien hervorgerufen. Bei Kindern sind oft die sehr ansteckenden Noroviren oder Rotaviren Auslöser der Erkrankung. Sind Bakterien Ursache des Infekts, ist dies oft auf Erreger wie Campylobacter-Bakterien, Salmonellen oder spezielle Escherichia coli-Bakterien zurückzuführen. Die bakteriellen und viralen Erreger greifen die Schleimhaut im Magen-Darm-Trakt an und gelangen über den Mund in den Magen, wandern weiter durch den Darm und vermehren sich dort. Anschließend werden sie mit dem Kot ausgeschieden.
Personen mit einem geschwächten Immunsystem sind besonders anfällig für die Erreger einer Magen-Darm-Grippe. Dazu zählen Kinder, ältere Menschen, AIDS-Kranke, aber auch Patienten, die sich einer Chemotherapie unterziehen oder immunsupprimierende Medikamente einnehmen. Erkranken diese Personengruppen an einer Gastroenteritis, ist zudem auch das Risiko eines komplizierten Krankheitsverlaufs größer.
Ansteckungswege:
- Schmierinfektion: In den meisten Fällen erfolgt eine Ansteckung mit Magen-Darm-Grippe über eine Schmierinfektion. Dabei gelangen die mit dem Stuhl ausgeschiedenen Erreger aufgrund mangelnder Hygiene (zum Beispiel durch nicht gewaschene Hände nach dem Toilettengang) auf Lebensmittel, Türklinken, Lichtschalter oder andere Objekte. Von dort aus können die Krankheitserreger in den Mund und dann in Magen und Darm einer anderen Person gelangen. Die Ansteckung über diesen fäkal-oralen Weg ist unter anderem dann möglich, wenn ein gesunder Mensch infizierte Gegenstände berührt und sich anschließend mit der Hand ins Gesicht und an den Mund fasst.
- Tröpfcheninfektion: Mit einer Magen-Darm-Grippe kann man sich ebenfalls über den Weg einer Tröpfcheninfektion anstecken. Einige Erreger, wie beispielsweise Noroviren, können sich zusätzlich auch über die Luft verbreiten. Sie schweben, eingeschlossen in winzigen Tröpfchen, in der Umgebungsluft, wenn Erkrankte sie entweder beim Sprechen, Husten oder Niesen ausgeschieden haben. Atmen gesunde Menschen dies ein, können sie ebenfalls erkranken.
- Tierische Produkte: Es gibt auch Magen-Darm-Grippe-Erreger, die vom Tier auf den Menschen übergehen. Dazu zählen unter anderem Salmonellen oder EHEC (Enterohämorrhagische Escherichia coli). Eine Ansteckung erfolgt dann vorrangig über kontaminierte Tierprodukte wie rohe Eier, zum Beispiel im Tiramisu oder in Mayonnaise, oder rohe Milch. Werden diese Nahrungsmittel nicht wie vorgeschrieben gekühlt, können sich die Erreger stark vermehren und Krankheiten auslösen.
- Parasiten: Auch bestimmte Parasiten können Magen-Darm-Grippe verursachen. So ist zum Beispiel die Amöbenart Entamoeba histolytica Auslöser der Amöbenruhr. Allerdings tritt die Krankheit vorranging in tropischen und subtropischen Regionen auf. Ein weiterer parasitärer Erreger, der hauptsächlich Durchfall auslöst, ist Giardia Lamblia. Bei der Erkrankung spricht man von Giardiasis.
Symptome: Welche Beschwerden treten bei Magen-Darm-Grippe auf?
Die Symptome einer Magen-Darm-Grippe setzen zumeist plötzlich ein und können sehr belastend sein. Zu den häufigsten Beschwerden zählen wässriger Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und krampfartige Bauchschmerzen. Diese treten oft kombiniert auf und gehen mit einem allgemeinen Krankheitsgefühl einher. Insgesamt gilt: Treten mehrere dieser Beschwerden gemeinsam und plötzlich auf, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Gastroenteritis vor. Das gilt besonders, wenn weitere Fälle im persönlichen Umfeld bekannt sind oder generell ein erhöhtes Ansteckungsrisiko besteht, etwa bei Berufen mit viel direktem Personenkontakt.
Lesen Sie auch: Alles über Zehenkrämpfe
Je nach Erreger und individueller Verfassung können zusätzlich Fieber, Kopfschmerzen und ein ausgeprägtes Schwächegefühl auftreten.
Typische Magen-Darm-Symptome
Bei einer Gastroenteritis besiedeln und schädigen Krankheitserreger den Verdauungstrakt. Auf diesen Bereich fokussieren sich daher bei Magen-Darm-Grippe die Symptome:
- Übelkeit und Erbrechen: Übelkeit und Erbrechen können in der akuten Phase einer Magen-Darm-Grippe massiv sein. Manche Betroffenen müssen sich mehrmals pro Stunde übergeben. Die Schleimhaut von Magen und Darm ist bei einer Gastroenteritis derart gereizt, dass der Körper nichts bei sich behalten kann. Das ist mitunter sehr kräftezehrend, vor allem auch, weil enorme Mengen an Flüssigkeit und Salzen (Elektrolyte) mit dem Erbrechen (und auch dem Durchfall) verloren gehen.
- Durchfall: Beim Durchfall reizen die flüssige Stuhlkonsistenz und das häufige Abwischen die Haut am After. In ungünstigen Fällen entzündet sich die Region sogar.
- Bauchkrämpfe und Bauchschmerzen: Meist begleiten den Durchfall Bauchkrämpfe und Bauchschmerzen, die intervallartig auftreten. Nach dem Toilettengang lassen diese Krämpfe oft für eine Weile nach.
Allgemeine Magen-Darm-Grippe-Symptome
Zu den oben beschriebenen typischen Magen-Darm-Symptomen kommen für gewöhnlich noch allgemeine Krankheitszeichen - also Beschwerden, die nicht charakteristisch für eine bestimmte Erkrankung sind. So kann bei einer Magen-Darm-Grippe auch Fieber auftreten - ein Symptome, das man häufiger von Erkältung und grippalen Infekten kennt.
Diagnose: Wie wird eine Magen-Darm-Grippe festgestellt?
In der Regel genügt ein ärztliches Gespräch, um die Magen-Darm-Grippe zu diagnostizieren. Entscheidend sind die geschilderten Beschwerden, deren Beginn und Dauer sowie mögliche Kontakte zu anderen Erkrankten. Auch Informationen über kürzlich durchgeführte Reisen oder den Verzehr von vermutlich kontaminierte Lebensmitteln können Hinweise auf die Ursache geben.
Eine körperliche Untersuchung dient dazu, den Allgemeinzustand der erkrankten Person einzuschätzen und mögliche Anzeichen für Austrocknung (Dehydration) zu erkennen - etwa trockene Schleimhäute, eine geringe Urinmenge oder Kreislaufprobleme.
Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Unterleibskrämpfen und Blähungen
Bei mildem Verlauf und typischen Symptomen ist in der Regel keine weitere Diagnostik notwendig. Bestehen jedoch schwere Beschwerden, droht eine Dehydration oder ist der Verlauf unklar, kann eine Stuhluntersuchung sinnvoll sein.
Therapie: Was hilft bei einer Magen-Darm-Grippe?
Die Behandlung konzentriert sich auf den Ausgleich des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts des Körpers. Ruhe, eine angepasste Ernährung und gegebenenfalls medizinische Betreuung unterstützen die Genesung.
Flüssigkeitsverlust und Elektrolytmangel ausgleichen
Patienten sollten viel Tee (ohne Zucker) oder stilles Wasser trinken. Säfte oder Limonaden eignen sich aufgrund ihres hohen Zuckergehalts nicht. Von dem altbekannten Hausmittel, Salzstangen mit Cola-Getränken zu sich zu nehmen, raten Fachleute ab. Auch diese Kombination enthält zu viel Zucker und ersetzt nicht alle Salze, die der Körper durch die Erkrankung verliert. Kinder unter fünf Jahren sollten diese Diät auf keinen Fall bekommen.
Um den Elektrolytmangel zu beheben, empfehlen Ärzte, auf sogenannte orale Rehydratationslösungen (ORL) aus der Apotheke zurückzugreifen. Sie enthalten Zucker und Salze in der notwendigen Zusammensetzung. Dies ist gerade für Kinder sinnvoll, die unter schwerem Durchfall und Erbrechen leiden. Ein hoher Elektrolytmangel kann für sie nämlich lebensgefährlich werden. Bei schwerer Austrocknung und wenn Patienten durch die Krankheit gefährdet sind, muss die Flüssigkeitszufuhr über eine Infusion direkt in die Vene erfolgen. Patienten werden dazu im Krankenhaus behandelt.
Ernährung bei Magen-Darm-Grippe
Können Patienten nach kurzer Krankheitsphase bereits wieder kleine Mengen an Nahrung aufnehmen, ist es meist nicht notwendig, den Mangel an Elektrolyten durch ein entsprechendes Elektrolytpulver auszugleichen. Kranke sollten versuchen, sobald es ihr Zustand zulässt, wieder zu essen. In der akuten Phase ist zum Beispiel eine Brühe gut geeignet. Nach und nach können dann auch Zwieback, Brot, Reisgerichte, Hafer- oder Grießbrei sowie Nudeln verzehrt werden. Meiden sollte man hingegen fetthaltige Speisen.
Lesen Sie auch: Magen-Darm-Krämpfe natürlich lindern
Medikamente bei Magen-Darm-Grippe
Medikamente gegen Durchfall (Loperamid, Kohletabletten) sollten grundsätzlich sehr zurückhalten eingesetzt werden. Die Mittel hemmen zwar die Darmtätigkeit und damit den ständigen Stuhldrang, allerdings verzögert sich so auch die Ausscheidung der Erreger und ihrer Gifte. Die Erkrankungsdauer kann sich dadurch verlängern. Die Mittel sollten immer nur kurzfristig genommen werden. Beispielsweise auf Reisen oder wenn man längere Zeit keine Toilette aufsuchen kann. Für Kinder und auch Erwachsene kann der Wirkstoff Racecadotril die Dauer des Durchfalls reduzieren.
Verläuft die Magen-Darm-Grippe unkompliziert, ist eine Therapie mit Medikamenten nicht notwendig. Zudem gibt es gegen viele virale Erreger keine spezifischen Wirkstoffe. Im Fall einer bakteriell verursachten Infektion kann jedoch eine antibiotische Therapie die Erkrankungsdauer verkürzen. Ein Antibiotikum sollte bei einer Gastroenteritis nur in bestimmten Fällen gegeben werden. Gegen Symptome, wie Übelkeit und Erbrechen, kann der Arzt sogenannte Antiemetika verordnen. Bei krampfartigen Bauchschmerzen hilft beispielsweise das Spasmolytikum Butylscopolamin.
Hausmittel
Die Symptome einer akuten Magen-Darm-Infektion können auch mithilfe von bewährten Hausmitteln gelindert werden. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn die Erkrankung keinen schweren Verlauf nimmt und frei von Komplikationen ist.
- Das hilft gegen Durchfall: Flohsamenschalen und Leinsamen sind sogenannte Quellstoffe. Nimmt man einen Quellstoff zusammen mit ausreichend viel Wasser ein, quillt er im Darm auf. Der Stuhl nimmt insgesamt an Volumen zu und verfestigt sich etwas. Das ist bei akutem Durchfall oft hilfreich, denn festerer Stuhl benötigt länger, um den Darm zu passieren. Während des Aufquellens werden außerdem Bakterien und Giftstoffe umhüllt und anschließend gemeinsam mit dem Stuhl ausgeschieden.
- Kräutertees zur Linderung von Beschwerden: Teezubereitungen aus Heilkräutern können zahlreiche Beschwerden lindern. So beruhigen Fenchel- und Kamillentee den Magen-Darm-Trakt und sind außerdem entzündungshemmend. Teesorten mit hohem Anteil an Gerbstoffen wirken zusammenziehend auf die Schleimhaut im Darm und können auf diesem Weg gegen Durchfall helfen. Das sind beispielsweise Heidelbeertee (aus getrockneten Beeren), Brombeerblättertee sowie grüner und auch schwarzer Tee.
- Wärme hilft bei Krämpfen: Wenn Patienten unter Bauchkrämpfen leiden, hilft häufig Wärme. Wohltuend sind eine Wärmflasche oder ein warmes Kirschkernkissen.
- Probiotika unterstützen den Heilungsprozess: Studien deuten darauf hin, dass die Einnahme von Probiotika die Dauer von Durchfall verkürzen kann. Auch die häufigen Toilettengänge lassen sich während der Durchfallerkrankung deutlich reduzieren.
Vorbeugung: Wie lässt sich eine Magen-Darm-Grippe vermeiden?
Magen-Darm-Infektionen lassen sich zwar nicht vollständig verhindern, das Ansteckungsrisiko kann aber gesenkt werden. Besonders durch regelmäßiges Händewaschen mit Wasser und Seife - etwa nach dem Toilettengang, vor dem Essen und nach Kontakt mit Erkrankten.
In Haushalten mit Betroffenen sollten, wenn möglich, separate Toiletten genutzt werden. Handtücher, Bettwäsche und Kleidung werden idealerweise bei mindestens 60 Grad gewaschen. So lässt sich die Zahl an übertragbaren Keimen deutlich reduzieren. Erkrankte sollten zudem keine Mahlzeiten für andere zubereiten, für Beschäftigte im Lebensmittelbereich besteht sogar ein gesetzliches Tätigkeitsverbot.
Beim Kochen im Alltag gilt generell: auf Sauberkeit achten, Fleisch und Fisch ausreichend erhitzen und frische Lebensmittel hygienisch verarbeiten. Auf Reisen - besonders in Regionen mit niedrigem Hygienestandard - empfiehlt es sich, nur geschältes oder gegartes Obst und Gemüse zu essen, auf Eiswürfel zu verzichten und kein Leitungswasser zu trinken.
Für Säuglinge empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Impfung gegen Rotaviren.