Migräne mit Aura: Ursachen, Symptome und Behandlung

Die Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch anfallsartige Kopfschmerzen äußert. Bei etwa 15 bis 25 Prozent der Betroffenen kündigt sich die Migräne durch eine sogenannte Aura an. Diese Aura äußert sich durch neurologische Störungen, die meist visuelle, sensible oder sprachliche Funktionen beeinträchtigen. Obwohl die genauen Ursachen der Migräne mit Aura noch nicht vollständig geklärt sind, gibt es verschiedene Faktoren, die eine Rolle spielen können.

Was ist eine Migräne mit Aura?

Die Migräne mit Aura ist eine Migräneform, die sich durch das Auftreten von neurologischen Symptomen, der Aura, vor oder während der Kopfschmerzphase auszeichnet. Die Aura-Symptome dauern in der Regel zwischen 5 und 60 Minuten an und können verschiedene neurologische Funktionen betreffen.

Wie äußert sich eine Aura?

Die Aura kündigt die Migräne an und dauert meist höchstens 60 Minuten. Sie kann auch ohne nachfolgende Migräne auftreten. Die „Aura“ ist ein Phänomen, das Mediziner nach Aurora, der römischen Göttin der Morgenröte, benennen. Denn ähnlich wie die aufsteigende Sonne den Tag einleitet, kündigen Wahrnehmungsstörungen die bevorstehende Kopfschmerzphase an.

Typische Symptome einer Aura

Typische Symptome einer Migräne-Aura sind Sehstörungen in Form von Flimmersehen, die von den Patientinnen als Blitze, Punkte, Zacken- oder wellenförmige Bewegungen wahrgenommen werden und die sich meist langsam über das Gesichtsfeld ausbreiten. Häufig kommt es auch zu fleckförmigen Ausfällen des Gesichtsfeldes, das heißt Patientinnen sehen nur noch einen Teil der Umwelt oder einer Person. Weitere, seltenere Symptome sind vorübergehende Sprachstörungen oder Sensibilitätsstörungen, sehr selten auch Lähmungen einer Körperhälfte.

Insgesamt kommt bei etwa einem Drittel der Migräne-Betroffenen eine Aura vor. Es handelt sich also nicht um eine Seltenheit. Die Migräne mit Aura weist die gleichen Symptome auf wie eine Migräne ohne Aura. Der Unterschied besteht also nur in der Aura selbst. Die „Aura“ entsteht vor der eigentlichen Migräne. Dabei kommt es mitunter zu weiteren Symptomen als Vorboten der Migräne.

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Kortikale Symptome

Die kortikalen Symptome betreffen vor allem den Kortex des Gehirns. „Kortex“ bedeutet Rinde, hier ist also besonders die Hirnrinde betroffen. Zu den Symptomen der kortikalen Aura gehören:

  • Flimmerskotom: Die Aura beansprucht besonders häufig die Sehrinde. Betroffene sehen ein Flimmern, das von der Mitte des Gesichtsfeldes nach außen wandert. Dadurch beeinträchtigt die Migräne mit Aura das Sehen.
  • Negatives Skotom: Ein negatives Skotom ist ein Gesichtsfeldausfall. Manchmal kann man in bestimmten Bereichen des Blickfeldes gar nichts mehr sehen. In anderen Fällen ist nur eine Seite des Gesichtsfeldes betroffen, also rechts oder links, die verschwommen gesehen wird. Die Grenze zwischen dem verschwommenen und dem klaren Bereich ist deutlich erkennbar für die Patientinnen und Patienten. Die Ausprägung des negativen Skotoms ist sehr individuell.
  • Positives Skotom: Bei einem positiven Skotom nehmen die Betroffenen gezackte Linien wahr, die das Flimmerskotom umgeben oder ausfüllen. Das kann für den Patienten oder die Patientin sehr schwierig zu beschreiben sein. Besser greifbar wird die Wahrnehmung, wenn man Betroffene fragt, ob die Abgrenzung des Flimmerns vielleicht gezackt erscheint.
  • Lichtblitze: Lichtblitze (Photopsien) sind unterschiedlich stark ausgeprägt und finden sich im Gesichtsfeld an allen Stellen. Sie erscheinen sehr kurz, verschwinden wieder und tauchen an anderer Stelle erneut auf. Betroffene beschreiben eine Art Blitzregen, da die Lichtblitze während der Aura immer wieder und plötzlich im Gesichtsfeld auftreten.
  • Grelle Farbwahrnehmung: Betroffene sehen Farben plötzlich intensiver und stechender. Die verschiedenen Farben wirken oft so grell, dass diese Farbwahrnehmung als sehr störend empfunden wird.
  • Sensibilitätsstörungen: Sensibilitätsstörungen äußern sich unter anderem als Kribbeln und Taubheit (Parästhesien). Viele Betroffene können die Symptome besonders am Anfang der Erkrankung nicht richtig einordnen. Bei einer Migräne mit Aura treten Sensibilitätsstörungen fast immer auf.
  • Aphasie: Aphasie bedeutet, dass die Patienten und Patientinnen während der Aura nicht richtig sprechen können. Entweder fallen ihnen die Worte nicht ein, sodass ihre Äußerungen keinen Sinn ergeben. Oder die Betroffen wissen zwar, was sie sagen möchten, können die Wort aber nicht aussprechen (artikulieren).

Hirnstammaura

Eine besondere Auraform ist die Hirnstammaura. Hier ist besonders der hintere Anteil des Kopfes betroffen. Früher bezeichnete man die Migräne mit Hirnstammaura als „Migräne vom Basilaristyp“ oder „Basilarismigräne“, weil im hinteren Teil des Kopfes die Arteria basilaris verläuft. Bei der Migräne mit Hirnstammaura kommt es zu folgenden Symptomen während der Aura-Phase:

  • Beidseitige Gesichtsfeldausfälle oder Doppelbilder: Dieses Symptom betrifft als einziges Symptom der Hirnstammaura das Sehen. Flimmern oder Lichtblitze kommen bei der Hirnstammaura allerdings seltener vor.
  • Sprachstörungen (Dysarthrie): Diese Artikulationsstörung betrifft die Sprechwerkzeuge. Die Betroffenen wissen und verstehen zwar, was sie ausdrücken möchten, wegen einer Koordinationsstörung von Zunge, Lippen oder Kehlkopf kommt aber keine Lautbildung zustande.
  • Bewegungsstörungen (Ataxie): Bei einer Ataxie sind die Bewegungsabläufe und Koordinationsfähigkeiten gestört. Den Betroffenen gelingt es dann nicht, sich fortzubewegen oder alltägliche Aufgaben zu erledigen, weil der Körper nicht „gehorcht“.
  • Hörminderung: Einige Betroffene hören während der Aura-Phase schlechter als sonst. Tinnitus, also das Dauerpfeifen im Ohr, und Schwindel können begleitend auftreten. Weil das Vestibularorgan im Innenohr an diesen Symptomen beteiligt ist, gehen sie oft Hand in Hand.
  • Bewusstseinsstörungen: Bei einer Hirnstammaura treten manchmal Bewusstseinsstörungen auf. Das bedeutet nicht immer Ohnmacht: Auch eine verminderte Ansprechbarkeit ist eine Bewusstseinsstörung.

Keine motorischen Defekte: Die Ursache dieser Störungen ist nicht in der Motorik zu finden. Vielmehr betrifft das Problem die Koordination der einzelnen Körperteile, die normalerweise im Gehirn stattfindet.

Hemiplegische und retinale Migräne mit Aura

Zwei seltenere Formen der Migräne mit Aura sind die hemiplegische und die retinale Migräne.

Bei der hemiplegischen Migräne zeigt sich die Aura vor allem durch eine vorübergehende Muskelschwäche. Die Betroffenen sind während der Aura-Phase in ihren Bewegungen und im Alltag eingeschränkt.

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Das Kennzeichen der retinalen Migräne sind Sehstörungen, weil die Netzhaut (Retina) betroffen ist. Diese Sehstörungen betreffen allerdings immer nur ein Auge, nicht beide. Während der Aura-Phase sehen die Betroffenen dann einseitig verschwommen, vermindert oder gar nicht.

Phasen einer Migräneattacke

Eine Migräne verläuft in bis zu fünf Phasen, die nicht alle Patientinnen und Patienten bei einer Attacke durchlaufen muss:

  1. Prodromalphase: Noch vor der Migräne mit Aura kündigt sich diese bei etwa 30 Prozent der Migränepatienten durch weitere Vorboten an. Hierzu gehören beispielsweise Heißhunger oder ein Appetitverlust, Übelkeit, Nackenschmerzen oder Stimmungsschwankungen. Dieses Prodrom dauert zwischen 4 Stunden und mehreren Tagen.
  2. Auraphase: 15 bis 20 Prozent der Patientinnen und Patienten sind von einer Aura vor den eigentlichen migränetypischen Kopfschmerzen betroffen. Die Auraphase dauert, je nach Auratyp, zwischen 5 Minuten und 72 Stunden an. Die meisten Betroffenen erleben während dieser Zeit visuelle, neurologische oder motorische Störungen, die nach der Auraphase wieder verschwinden, bspw. Störungen im Gesichtsfeld.
  3. Migränephase: In der Migränephase erleiden die Patientinnen und Patienten die für eine Migräne typischen einseitigen oder beidseitigen Kopfschmerzen, die mittelstark oder stark pochen und pulsieren. Zusätzlich können Übelkeit und Erbrechen sowie eine Überempfindlichkeit auftreten. Manche Menschen erleben nur eine Auraphase ohne Kopfschmerzen, andere nur leichte Kopfschmerzen. Doch in den meisten Fällen fallen diese derart stark aus, dass diese den Alltag der Betroffenen stark einschränkt oder diese ihrem Alltag gar nicht mehr nachgehen können.
  4. Auflösungsphase: In dieser Phase lassen die Symptome zunehmend nach.
  5. Erholungsphase: Die letzte Phase ähnelt der Prodromalphase. Die Betroffenen fühlen sich angeschlagen und benötigen Zeit, um sich vollständig von ihrer Migräne mit Aura zu erholen.

Ursachen der Migräne mit Aura

Die Ursachen für Migräne mit Aura sind, wie auch bei der Migräne ohne Aura, bisher noch nicht abschließend erforscht. Sehr wahrscheinlich ist jedoch, dass Menschen mit Migräne eine Überempfindlichkeit der Nervenzellen in der Hirnrinde aufweisen. Im Rahmen einer Attacke kommt es zu einer verstärkten Erregung von Nervenzellen, insbesondere des Trigeminusnervs, der für die Schmerzwahrnehmung im Gesicht hauptverantwortlich ist. Aber was ist mit der Aura? Wie kommt es zu den Wahrnehmungsstörungen? Auch darüber herrscht bisher noch keine Klarheit. Im Vergleich zur Migräne ohne Aura wurde bei Migräne-Patienten mit Aura jedoch eine verminderte Hirndurchblutung in bestimmten Hirnarealen festgestellt. Dementsprechend könnte ein Sauerstoffmangel in betroffenen Hirnregionen für die Aura-Symptome verantwortlich sein. Grundlage dieser Störung ist vermutlich ein genetischer Defekt.

Die Symptome der Migräne-Aura entstehen vermutlich durch eine Erregungswelle, die über die Hirnrinde läuft und zu einer vorübergehenden Störung führt.

Häufige Ursachen und Auslöser sind:

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  • Genetische Faktoren: Das Risiko von einer Migräne mit oder ohne Aura betroffen zu werden, erhöht sich, wenn Verwandte ebenfalls unter regelmäßigen Migräneattacken leiden. Forschende konnten bereits Genvarianten ausmachen, die zu einem erhöhten Risiko führen. Da nicht alle Familienmitglieder dieselbe Migräneform erleben, gehen Forschende davon aus, dass sich hinter einer Migräne mehr als eine Kopfschmerzerkrankung verbergen könnte.
  • Biochemische und neurologische Faktoren: Die Forschung im Bereich der biochemischen und neurologischen Faktoren ist noch unvollständig, neue Erkenntnisse wurden zuletzt durch bildgebende Verfahren möglich. Eine komplexe Wechselwirkung zwischen neurochemischen Gehirnprozessen, einer gesteigerten neuronalen Erregbarkeit und einer Dysregulation der Neurotransmitter könnten als Ursache für ein erhöhtes Risiko einer Migräne mit oder ohne Aura verantwortlich zeichnen. Auch Östrogen kann zu einer Migräneattacke führen. Mit diesem Hormon lässt sich auch die deutlich höhere Erkrankungsrate bei weiblichen Personen erklären.
  • Umweltbedingte Faktoren: Sinnesüberreizungen, bestimmte Lebensmittel wie Rotwein, Hunger, Stress oder Schlafmangel, Kopfverletzungen und Nackenschmerzen können ebenfalls zu einer Migräne mit oder ohne Aura führen.
  • Nervenaktivität: An der Nervenaktivität im Gehirn kann man erkennen, wie die Aura entsteht: Wenn eine Nervenzelle „übererregt“ wird, entsteht eine sogenannte Streudepolarisation. Diese Erregung findet zuerst in nur einem Hirnbereich statt. Von dort aus breitet sich diese Depolarisation wie eine Welle auch in andere Areale des Gehirns aus. Dort nimmt die Nervenaktivität dann ab.
  • Foramen ovale - seltene, aber mögliche Ursache: Die Migräne mit Aura kann in seltenen Fällen auch auf einen genetischen Defekt des sogenannten Foramen ovale zurückzuführen sein. Das Foramen ovale ist ein kleines Loch im kindlichen Herz, das während der Schwangerschaft für die Blutversorgung des Ungeborenen sorgt. Normalerweise verschließt sich dieses Loch von alleine nach der Geburt, aber nicht bei allen Menschen.

In jedem Fall lohnt es sich herauszufinden, ob es spezielle Trigger für die Migräne bei einem selbst gibt, die man dann vermeiden kann.

Triggerfaktoren

Zusätzlich gibt es bestimmte Trigger, die eine Migräne mit Aura auslösen können:

  • Stress
  • Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Reizüberflutung
  • Wetter bzw. Wetterwechsel
  • Bestimmte Lebens- und Genussmittel
  • Unterzuckerung durch unregelmäßige Mahlzeiten
  • Hormonelle Veränderungen

Bestimmte innere und äußere Faktoren, so genannte Trigger, können bei entsprechender Veranlagung eine Migräne begünstigen. Jeder Migräne-Patient kann durch Selbstbeobachtung und konsequente Führung eines Kopfschmerz-Tagebuchs/Kalenders seine verschiedenen, persönlichen Auslöser ermitteln:

  • Wechselnder Schlaf-Wach-Rhythmus (z.B. zu viel oder zu wenig Schlaf)
  • Unregelmäßigkeiten im Tagesablauf - Unterzuckerung/Hungerzustand (z.B. aufgrund des Auslassens von Mahlzeiten)
  • Hormonveränderungen, z.B. während des Zyklus (Eisprung oder Menstruation) bzw. aufgrund der Einnahme von Hormonpräparaten (z.B. Anti-Baby-Pille, bei Beschwerden der Wechseljahre oder zur Osteoporose-Vorsorge)
  • Stress in Form körperlicher oder seelischer Belastungen - Migräne tritt meist in der Entspannungsphase danach auf
  • Verqualmte Räume
  • Bestimmte Nahrungsmittel - z.B. Schokolade, Käse, Zitrusfrüchte, Alkohol (Rotwein!)
  • Äußere Reize wie (Flacker)Licht, Lärm oder Gerüche
  • Wetter- und Höhenveränderungen (Föhn, Kälte etc.)
  • Starke Emotionen, z.B. ausgeprägte Freude, tiefe Trauer, heftige Schreckreaktion, Angst
  • evtl. Medikamente z.B.

Diagnose

Die Diagnose einer Migräne mit Aura sollte bei einem Arzt oder einer Ärztin erfolgen. Diese untersuchen den Patienten bzw. die Patientin körperlich und neurologisch und können hierzu auch bildgebende Verfahren wie die Computertomografie (CT) und die Magnetresonanztomografie (MRT) oder eine Spinalpunktion (Lumbalpunktion) zur Entnahme von Nervenwasser einsetzen. Ob es sich wirklich um eine Aura handelt, kann im Zweifelsfall nur ein Arzt oder eine Ärztin feststellen. Bei vermeintlichen Auren mit visuellen Störungen des Gesichtsfelds könnte es sich ebenfalls um eine Augenerkrankung oder Durchblutungsstörung der Augen und des Gehirns handeln, bei motorischen und Sprachstörungen wie bei einer retinalen Migräne könnte auch ein Schlaganfall vorliegen.

Bei der Diagnose von Migräne mit Aura müssen Ärzte andere mögliche Ursachen ausschließen. Das ist wichtig, weil eine Sehstörung zum Beispiel auch ein Indiz für eine Durchblutungsstörung oder Augenerkrankung sein kann. Besonders problematisch ist die Abgrenzung zum Schlaganfall, da Symptome wie Taubheitsgefühl oder Sprachstörungen auch für einen Schlaganfall sprechen können.

Behandlung der Migräne mit Aura

Eine Migräne mit Aura kann zwar nicht geheilt, aber mit einigen Maßnahmen gut behandelt werden:

  • Auslöser der Migräne und/oder der Aura meiden
  • Frühzeitig schmerzlindernde Medikamente einnehmen
  • Medikamentöse Behandlung: Schmerzmittel, Mittel gegen Übelkeit, Triptane, Steroide. Das Ziel ist, die Anfälle in ihrer Intensität zu mindern und die Häufigkeit einzudämmen.

Zur Behandlung der Migräne mit Aura werden dieselben Medikamente wie bei einer Migräne ohne Aura eingesetzt. Leichte Migräne-Anfälle lassen sich häufig gut mit Paracetamol, Ibuprofen, Aspirin und ähnlichen Schmerzmitteln behandeln. Bei Unwirksamkeit dieser Medikamente kann man spezielle Migränemittel, die so genannten Triptane einsetzen. Diese Medikamente hemmen die Botenstoffe oder Neurotransmitter, die während der Migräne-Attacke freigesetzt werden und unterbrechen dadurch die Attacke. Wichtig bei einer Migräne mit Aura ist, dass Triptane erst nach Abklingen der Aura-Symptome eingenommen werden sollten.

Insgesamt kommt bei etwa einem Drittel der Migräne-Betroffenen eine Aura vor. Es handelt sich also nicht um eine Seltenheit.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen

Folgende Maßnahmen können den Krankheitszustand der Betroffenen verbessern:

  • Stress reduzieren: Entspannungstechniken wie Yoga, Qi Gong oder Meditationen können Stress reduzieren und das Risiko auf eine durch Stress ausgelöste Migräneepisode reduzieren.
  • Tagebuch führen: In einem Tagebuch können die Patientinnen und Patienten die Häufigkeit, Dauer, den Zeitpunkt und weitere Faktoren wie mögliche Auslöser und Behandlungsergebnisse protokollieren. Dies kann sie dabei unterstützen, ihre Migräneattacken langfristig besser zu kontrollieren und beispielsweise Auslöser für die Migräne zu vermeiden.
  • Technische Geräte: Inzwischen können auch Geräte, die am Handgelenk, der Stirn oder am Hinterkopf bestimmte Nerven stimulieren, Migräneanfälle lindern oder verhindern.

Welche Verhaltensweisen im Alltag und nicht-medikamentöse Maßnahmen können das sein, die einer Migräne mit Aura wirksam vorbeugen? Dazu gehören regelmäßiger Ausdauersport wie beispielsweise Joggen, Schwimmen, Radfahren, die Anwendung von Entspannungstechniken wie zum Beispiel Yoga, progressive Muskelrelaxation und autogenes Training oder Biofeedback-Techniken. Auch psychologische, zum Beispiel so genannte verhaltenstherapeutische Verfahren können helfen, insbesondere wenn auch eine Depression oder eine Angststörung bestehen. Wenn man solche nicht-medikamentösen Maßnahmen regelmäßig anwendet, merkt man dann, dass die Migräne weniger häufig auftritt und Attacken weniger schwer verlaufen.

Medikamentöse Prophylaxe

Außerdem kann man die Migräne mit Aura auch vorbeugend behandeln. Wenn diese Maßnahmen nicht reichen, können verschiedene Medikamente zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt werden. Dazu gehören Blutdruckmittel wie Betablocker, Antidepressiva, die auch in der Behandlung von Schmerzen gut wirksam sind, und bestimmte Mittel, die eigentlich gegen Epilepsie wirken, die aber auch in der Behandlung einer Migräne wirksam sind.

Seit einigen Jahren gibt es eine neue Behandlung mit so genannten Antikörpern gegen einen bestimmten Botenstoff, das so genannte CGRP, das während des Migräne-Anfalls ausgeschüttet wird. Antiköper sind Proteine, die diesen Botenstoff abfangen bzw. dessen Wirkung an den Nervenzellen und Hirngefäßen vermindern können.

In der Prophylaxe von Migräne mit Aura helfen haben sich vor allem die Medikamente Lamotrigin, Flunarizin und Topiramat bewährt.

  • Lamotrigin ist eigentlich ein Antiepileptikum. Normalerweise wird es Patienten mit Epilepsie oder bipolaren Störungen verordnet. Wird Lamotrigin in der Migräne-Prophylaxe eingesetzt, spricht man von einer sogenannten „off-label“-Anwendung. Das heißt, dass das Mittel zwar ursprünglich nicht für dieses Krankheitsbild vorgesehen war, aber aufgrund seiner Wirksamkeit trotzdem eingesetzt wird. Lamotrigin sorgt dafür, dass die Natrium- und Calciumkanäle von Nervenzellen inaktiviert werden. Diese Inaktivierung führt dazu, dass die Nervenzelle weniger gut erregbar ist. Weil die Aura-Symptome durch übermäßige Erregung der Nerven entstehen, kann Lamotrigin durch die Hemmung der Erregbarkeit diesen Prozess schwächen. Das lindert die Aura-Symptome.
  • Flunarizin ist ein Calciumantagonist, also ein Gegenspieler von Calcium. Wie genau Flunarizin wirkt, ist bislang nicht eindeutig geklärt. Experten sind sich aber einig, dass Flunarizin die Wirkung von Calcium schwächt. Das wiederum verhindert die Übererregbarkeit der Nervenzellen, die zur Aura-Symptomatik führt.
  • Topiramat ist ebenfalls ein Antiepileptikum. Zusätzlich wird es vielfach zur Migräne-Prophylaxe eingesetzt. Topiramat wirkt im Wesentlichen über drei Mechanismen: Es hemmt die Natriumkanäle und senkt so die Erregung der Nervenzellen. Außerdem hemmt Topiramat die AMPA-Typen von Glutamatrezeptoren, was ebenfalls zu einer geringeren Erregbarkeit der Nervenzellen führt. Der dritte Mechanismus besteht in der Stärkung von GABA, einem körpereigenen Hemmstoff, der die Erregbarkeit der Nervenzellen zusätzlich einschränkt. Weil die Aura-Symptomatik auf der übermäßigen Erregung der Nervenzellen beruht, lindert Topiramat die Beschwerden wirksam.

Verlauf und Prognose

Das Ziel ist, die Anfälle in ihrer Intensität zu mindern und die Häufigkeit einzudämmen. Das lässt sich vor allem erreichen, indem man die Auslöser meidet. Trotz aller Maßnahmen kann die Migräne dennoch immer wieder auftreten. Doch jeder Anfall bildet sich wieder zurück. Das betrifft sowohl die Aura selbst als auch die Migräne.

Dauer des Migräne-Anfalls

Wie lange ein Anfall andauert, ist unterschiedlich, aber im Allgemeinen sind die Anfälle vorübergehend. Patientinnen und Patienten können die Anfallsphasen mithilfe von vorbeugenden Maßnahmen und einer entsprechenden Behandlung zwar verkürzen, doch auch ohne Behandlung bilden sich die Symptome nach einer gewissen Zeit wieder zurück.

Häufigkeit und Intensität

Bei einigen Betroffenen nimmt die Häufigkeit der Anfälle mit der Zeit zu oder ab. Diese Phasen sind individuell und je nach Auslöser unterschiedlich: Manche haben im Sommer mehr Anfälle, andere im Winter. Manchmal hängen Häufigkeit und Intensität auch nicht vom Wetter, sondern vom Stress ab. Weil die Auslöser verschieden sind, lohnt sich ein Migräne-Tagebuch. So kann man die persönlichen Trigger identifizieren und versuchen, den Alltag danach auszurichten.

Ist die Migräne mit Aura gefährlich?

In den meisten Fällen ist Migräne mit Aura nicht gefährlich. Die Erkrankung schränkt allerdings das Leben mitunter sehr ein. Das ist für die Betroffenen oft belastend. Hier lohnt sich ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt über sinnvolle Therapieoptionen.

Sind die Bewusstseinsstörungen, die während der Aura-Phase auftreten können, stark ausgeprägt, müssen Sie das ernst nehmen. Lassen Sie sich unbedingt ärztlich beraten.

Sollten Sie Symptome einer Migräne mit Aura zeigen, ohne zuvor eine Migräneattacke erlebt zu haben, sollten Sie einen Arzt beziehungsweise eine Ärztin aufsuchen. Dies insbesondere, falls Sie unter Taubheitsgefühlen, Sprach- oder Sehstörungen leiden, da diese auch auf einen medizinischen Notfall wie einen Schlaganfall hinweisen können.

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