Die Parkinson-Krankheit, auch bekannt als Schüttellähmung, ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Obwohl sie nicht heilbar ist, können verschiedene Behandlungen helfen, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen und die Symptome zu lindern. Ein häufiges und oft schmerzhaftes Symptom bei Parkinson sind Muskelkrämpfe. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Krämpfen bei Parkinson und stellt verschiedene Behandlungsansätze vor.
Frühe Anzeichen und Symptome von Parkinson
Die Parkinson-Krankheit beginnt oft schleichend mit unspezifischen Beschwerden. Typische frühe Symptome sind:
- Schmerzhafte Muskelverspannungen, meist einseitig an den oberen Extremitäten
- Schmerzen im Nacken-Schultergürtelbereich, die sich besonders nach dem Aufwachen häufen
- Verstopfung
- Depressive Verstimmungen
- Schlafstörungen
- Beeinträchtigung des Geruchssinns (tritt oft vier bis sechs Jahre vor den ersten motorischen Störungen auf)
- Starke Ermüdbarkeit, Kraftlosigkeit und Leistungsabfall
- Verlangsamung der Körperbewegungen
- Veränderung im Gangbild oder der Körperhaltung
- Feine Bewegungsstörungen der Hände (zeigen sich bei alltäglichen Handlungen wie Zuknöpfen von Kleidungsstücken, Zähneputzen oder Zubereiten von Nahrung)
- Unregelmäßiges, zittriges und kleiner werdendes Schriftbild
- "Maskengesicht" (Verlust des Gesichtsausdrucks und der Mimik)
Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome nicht immer eindeutig sind und oft von der Umwelt früher bemerkt werden als von den Betroffenen selbst. Summieren sich diese Anzeichen, sollte ein Neurologe die Ursache abklären, da eine frühzeitige Diagnose und Behandlung für den weiteren Verlauf der Erkrankung von großer Bedeutung sind.
Muskelkrämpfe bei Parkinson: Ursachen und Charakteristika
Muskelkrämpfe sind ein häufiges Problem bei Parkinson-Patienten. Sie können durch verschiedene Faktoren verursacht werden:
- Medikamentenschwankungen: Treten Muskelkrämpfe und Schmerzen nur hin und wieder über den Tag verteilt auf, handelt es sich wahrscheinlich um Symptome im "Off". Diese nehmen im Verlauf der Erkrankung durch die Wirkungsschwankungen der Medikamente häufig zu. Typisch sind beispielsweise starke Symptome am Morgen nach dem Erwachen, die nach der Medikamenteneinnahme nachlassen.
- Rigor: Der Rigor, auch Muskelsteifheit genannt, ist eines der Hauptsymptome der Parkinson-Krankheit. Er beschreibt den Kontrollverlust über ganze Muskelgruppen, wobei die Anspannung von Streck- und Beugemuskeln der Gliedmaßen dauerhaft erhöht ist. Dies erschwert die Ausführung von Bewegungen erheblich und kann zu Missempfindungen und Schmerzen infolge eingeklemmter Nerven führen. Die Symptome des Rigors nehmen bei passiven Bewegungen zu. Ein wesentlicher Unterschied zur Spastik ist, dass beim Rigor der spürbare Widerstand durch die erhöhte Muskelanspannung unabhängig von der Geschwindigkeit der Bewegungsausführung besteht.
- Dystonie: Dystonie bezeichnet unkontrollierbare und manchmal schmerzhafte Muskelkrämpfe, die durch falsche Signale aus dem Gehirn verursacht werden. Diese Spasmen erzeugen wiederholte Verdrehungen und anhaltende Muskelkontraktionen, die zu anormalen Bewegungen und Haltungen führen können. Dystonie kann auch ein Symptom oder ein Zeichen für Parkinson sein. Studien haben gezeigt, dass Menschen mit einer seltenen vererbten Form von Parkinson, verursacht durch Veränderungen in einem Gen namens PARKIN, nicht nur dazu neigen, Parkinson-Symptome in einem jüngeren Alter zu entwickeln, sondern auch Dystonien.
Diagnose von Rigor
Der Rigor kann durch verschiedene Tests erkannt werden:
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- Kopffalltest: Der Kopf der liegenden Patientinnen und Patienten wird angehoben und anschließend losgelassen, um zu prüfen, ob er oder sie in das Kopfkissen fällt.
- Armpendeltest: Beurteilung des Mitschwingens der Arme beim Gehen.
- Zahnradphänomen: Hierbei versuchen die Ärztinnen und Ärzte, den Arm der Patientinnen und Patienten zu bewegen, zum Beispiel an Ellenbogen oder Handgelenk. Durch den Rigor ist dies nur ruckartig und in kleinen Abständen möglich, als könnte die Bewegung jeweils nur bis zum Einrasten des Gelenks in der nächsten Kerbe eines imaginären Zahnrads ausgeführt werden.
Behandlung von Muskelkrämpfen und Rigor bei Parkinson
Die Behandlung von Muskelkrämpfen und Rigor bei Parkinson zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Es gibt verschiedene Ansätze:
- Anpassung der Parkinson-Medikamente: Symptome im Off sollten nicht durch kurzfristige Maßnahmen wie Schmerztabletten behandelt werden. Eine Anpassung der Parkinson-Medikamente kann helfen, Wirkungsschwankungen zu reduzieren. Es gibt speziell für die Nachtstunden entwickelte Medikamente mit verzögerter Wirkung. In der Nacht, wenn das Einschlafen nicht wieder gelingen will, ist die Einnahme eines Bedarfsmedikaments möglich. Änderungen und Anpassungen der Medikamente müssen natürlich vorher mit den behandelnden Ärzt*innen abgesprochen werden. Für die Behandlung von Dystonien kann die Verwendung von schnell wirkenden oder länger wirkenden Medikamenten wirksam sein, wenn Menschen eine Dystonie vor allem dann entwickeln, wenn ihre Parkinson-Medikamente nachlassen.
- Physiotherapie: Bei der Physiotherapie werden Bewegungen großräumig und schwungvoll durchgeführt, um die Beweglichkeit zu erhalten oder zu verbessern. Dehnungsübungen vorab sind dabei wichtig. Eine weitere Möglichkeit der Physiotherapie ist die Vibrationstherapie, die auch zu Hause durchgeführt werden kann. Regelmäßiges Training und gezielte Übungen können die Missempfindungen und Verkrampfungen reduzieren. Große Bewegungen und häufige Wiederholungen sind dabei besonders effektiv.
- Ergotherapie: Die Ergotherapie kann helfen, den Umgang mit Hilfsmitteln zu erlernen und somit die Selbstständigkeit zu erhalten. Ergotherapeutinnen beraten Betroffene auch in Bezug auf ihr Wohn- und Arbeitsumfeld und überdenken zusammen mit den Patientinnen tägliche Abläufe neu. Dazu gehört es etwa, Stolperfallen wie Teppiche und Schwellen zu entfernen und Haltegriffe im Bad, bei der Toilette oder vor Türen anzubringen.
- Botulinumtoxin-Injektionen: Eine mögliche Behandlungsmethode ist das Injizieren von Botulinumtoxin, da es bei beiden Erkrankungen eine schnelle Wirkung zeigt und die Muskelanspannung reduziert.
- Tiefe Hirnstimulation: Chirurgische Verfahren, die bereits bei Parkinson eingesetzt werden, wie z.B. die Tiefenhirnstimulation, helfen nachweislich bei Dystonien sehr gut. Die Tiefe Hirnstimulation eignet sich für Parkinson-Patient*innen, die bereits längere Zeit behandelt werden und bei denen die Therapie Komplikationen hervorruft, die sich nicht ausreichend mit Medikamenten verbessern lassen.
- Weitere medikamentöse Behandlungen: Es gibt eine Reihe von verschiedenen Medikamenten, die verwendet werden können, um die Muskeln zu entspannen. Ergänzend kann eine medikamentöse Behandlung mit einem Sympatomimetikum wie zum Beispiel Midodrin erfolgen.
- Hausmittel und Selbsthilfemaßnahmen: Manchmal können sich die Symptome mit einem warmen Bad oder mit Massagen bessern. Ergänzende Therapien wie Yoga. Physiotherapie oder Gymnastik können auch helfen.
Tipps für den Alltag
- Führen Sie ein Lockerungsprogramm am Morgen durch, das große Bewegungen und häufige Wiederholungen beinhaltet.
- Geben Sie dem Körper gezielte Befehle, die große Bewegungen fördern (z.B. "Gehe große Schritte!").
- Bringen Sie Ihre Arme in Schwung und laufen Sie Treppen.
- Verwenden Sie Reminder, um sich daran zu erinnern, die Muskeln zu lockern und große Bewegungen zu machen.
- Machen Sie kleine Mikrobewegungen, um die Durchblutung zu fördern und die Grundanspannung zu reduzieren.
- Spannen Sie Ihre Muskulatur während einer Aktivität immer wieder gezielt an und entspannen Sie sie.
- Integrieren Sie große Bewegungen, lange und häufige Wiederholungen, sowie Sport und Bewegung in die tägliche Routine.
Schlafstörungen bei Parkinson
Schlafstörungen sind ein sehr häufiges Problem bei der Parkinson-Erkrankung. Etwa 90 % der Menschen mit Parkinson haben Probleme mit dem Ein- oder Durchschlafen.
Ursachen für Schlafstörungen:
- Parkinson-Symptome (Steifigkeit, Zittern)
- Medikamente
- Restless-Legs-Syndrom (RLS)
- REM-Schlaf-Verhaltensstörung
- Tagesschlaf
- Nebenwirkungen von Medikamenten
- Negative Gedanken /„Sorgenkreisen“
- Probleme mit der Blasenentleerung
Tipps für besseren Schlaf:
- Schlafhygiene:
- Einschlafroutine entwickeln (entspannendes Bad, Kräutertee)
- Schlafzimmer als Ort der Entspannung gestalten (niedrige Temperatur)
- Kaffee, schwarzer Tee und Alkohol vor dem Schlafengehen vermeiden
- Abendmahlzeit nicht zu schwer und nicht zu spät einnehmen
- Regelmäßige sportliche Aktivität im Tagesverlauf
- Anpassung der Medikamente: In dieser Situation kann eine Anpassung der Parkinson-Medikamente vor dem Schlafengehen sinnvoll sein. Es gibt speziell für die Nachtstunden entwickelte Medikamente mit verzögerter Wirkung.
- Entspannungsverfahren: Autogenes Training oder Achtsamkeitsübungen können dabei helfen, die negativen Denkschleifen zu unterbrechen und zur Ruhe zu kommen.
- Probleme mit der Blasenentleerung: In bestimmten Fällen können Medikamente eingesetzt werden, die den Harndrang reduzieren. Manchmal ist es auch hilfreich, die Trinkmenge in der Stunde vor dem Schlafengehen zu reduzieren.
Weitere wichtige Aspekte bei Parkinson
- Soziales Leben: Unternehmen Sie alles, was Sie vorher auch getan haben, solange es für Sie körperlich machbar ist. Schließlich ist sozialer Kontakt nicht nur eine der wichtigsten Quellen zum Schöpfen von Energie, sondern bietet auch Ablenkung und Freude.
- Kommunikation: Manche Situationen sind nicht nur für Sie, sondern auch für Ihre Angehörigen und Freunde Neuland. Daher ist es wichtig, dass beide Seiten bestmöglich miteinander kommunizieren.
- Sprachtherapie: Zu einer der wirksamsten und am besten untersuchten sprachtherapeutischen Ansätze bei Parkinson zählt das Lee Silverman Voice Training das dem Motto „Denken Sie laut!“ folgt.
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