Charité Neurologie Muskelambulanz: Umfassende Informationen für Patienten und Angehörige

Die Charité Neurologie bietet an ihren verschiedenen Standorten (CCM, CVK, CBF) spezialisierte Muskelambulanzen an, die sich der Diagnostik, Behandlung und Betreuung von Patienten mit einem breiten Spektrum an Muskelerkrankungen widmen. Diese Hochschulambulanzen arbeiten eng mit Hausärzten und einweisenden Fachärzten zusammen, um eine umfassende und langfristige Betreuung zu gewährleisten.

Leitsymptome und Folgeerscheinungen von Muskelerkrankungen

Muskelerkrankungen umfassen hunderte verschiedener Ätiologien. Typische Beschwerden der Patienten sind:

  • Muskelhypotonie
  • Muskelschwäche
  • Motorische Entwicklungsverzögerung
  • Erhöhung der Kreatininkinase-Werte im Blut
  • Muskelschmerzen
  • Sensibilitätsstörungen

Häufige Folgeerscheinungen dieser Erkrankungen sind:

  • Gehverlust
  • Gelenkfehlstellungen
  • Wirbelsäulenverkrümmungen
  • Schluck- und Atemprobleme
  • Herzrhythmusstörungen oder Kardiomyopathie (in manchen Fällen)

Interdisziplinäre und multiprofessionelle Betreuung

In der neuromuskulären Sprechstunde der Charité werden Patienten und ihre Familien von einem interdisziplinären und multiprofessionellen Team betreut. Dieses Team besteht aus:

  • Kinderärzten mit Schwerpunkt Neuropädiatrie
  • Spezialisierten Therapeuten aus den Bereichen:
    • Psychologie
    • Physiotherapie
    • Ergotherapie
    • Sprachtherapie
    • Heilpädagogik
    • Sozialpädagogik

Neben der rein medizinischen Expertise bietet das Team auch Beratung zu:

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  • Hilfsmitteln
  • Orthopädietechnik
  • Spezialisierten Therapieformen
  • Schule, Ausbildung und anderen sozialrechtlichen Aspekten

Die Betreuung erstreckt sich derzeit auch über das 18. Lebensjahr hinaus. Das Muskelzentrum der Charité ist durch die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke e.V. und das Europäische Referenznetzwerk (EURO-NMD) zertifiziert. Ansprechpartner für dieses Krankheitsbild sind Dr. Claudia Weiß und Dr.

Diagnostisches und therapeutisches Spektrum

Die Muskelambulanzen der Charité bieten ein breites Spektrum an diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten, um Patienten mit Muskelerkrankungen bestmöglich zu versorgen. Dazu gehören:

  • Differentialdiagnostische Einordnung der Beschwerden: Eine sorgfältige Analyse der Symptome, um die zugrunde liegende Ursache der Muskelerkrankung zu identifizieren.
  • Weiterführende Diagnostik (ambulant und stationär): Umfassende Untersuchungen zur Abklärung der Diagnose, einschließlich:
    • Liquor- und allgemeine Labordiagnostik
    • Elektrophysiologische Verfahren (NLG & EMG)
    • Radiologische Untersuchungen (z.B. MRT von Gehirn, Wirbelsäule oder Muskel)
    • Muskelbiopsien (in Zusammenarbeit mit dem Institut für Neuropathologie)
    • Genetische Untersuchungen (in Zusammenarbeit mit dem Institut für Humangenetik)
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Enge Kooperation mit anderen Fachbereichen der Charité, wie:
    • Klinik für Kardiologie
    • Pneumologie
    • Orthopädie
    • Rheumatologie
    • Dermatologie
    • Neuropädiatrie
  • Symptomorientierte Behandlung: Linderung der Beschwerden und Verbesserung der Lebensqualität der Patienten durch:
    • Medikamentöse Therapien
    • Physiotherapie, Ergotherapie und Atemtherapie
    • Hilfsmittelversorgung (z.B. Gehhilfen, Orthesen)
    • Botulinumtoxin-Therapie (bei bestimmten Indikationen)
  • Teilnahme an klinischen Studien: Möglichkeit zur Teilnahme an innovativen Forschungsprojekten zur Entwicklung neuer Therapieansätze.

Spezialisierung und Schwerpunkte

Die Muskelambulanzen der Charité sind auf die Behandlung verschiedener Arten von Muskelerkrankungen spezialisiert, darunter:

  • Myotone Dystrophie Typ I und Typ II und kongenitale Myotonien
  • Muskeldystrophien (z.B. Duchenne-Becker-Muskeldystrophie, Gliedergürteldystrophien, Fazioskapulohumerale Muskeldystrophie)
  • Toxische Myopathien (z.B. Myopathie bei Statintherapie und anderen Medikamenten)
  • Immunologisch bedingte Muskelkrankheiten (z.B. Dermato-/Polymyositis, Einschlusskörpermyositis)
  • Erkrankungen der neuromuskulären Übertragung (z.B. Myasthenia gravis, kongenitale Myasthenien, Paraneoplastische Myasthenie)
  • Metabolische Myopathien (z.B. Mitochondriopathien, Lipid- und Glykogenmyopathien)
  • Myopathien bei neurogenen Erkrankungen (z.B. spinale Muskelatrophie, Amyotrophe Lateralsklerose, Neuropathien)
  • Strukturmyopathien

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Betreuung von Patienten mit entzündlichen Muskelerkrankungen (Myositis). Diese seltenen autoimmun-entzündlichen Erkrankungen der Muskulatur erfordern eine interdisziplinäre Diagnostik und Behandlung, die in enger Zusammenarbeit mit der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie erfolgt.

Forschung und Innovation

Die Charité Neurologie ist aktiv in der Erforschung von Muskelerkrankungen und beteiligt sich an nationalen und internationalen Forschungsprojekten. Zu den Forschungsschwerpunkten zählen:

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  • Charakterisierung von Mechanismen muskulärer Erkrankungen
  • Identifizierung von Biomarkern zur Diagnose und Prognose von Muskelerkrankungen (z.B. Neurofilament Light Chain, NfL)
  • Entwicklung neuer Therapieansätze für Muskelerkrankungen, einschließlich kausaler Therapien

Die Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie an der Charité ist an den Standorten Berlin-Mitte, Berlin-Steglitz und Berlin-Wedding vertreten und behandelt jährlich über 8.000 neurologische Fälle stationär.

Neurofilament Light Chain (NfL) als Biomarker bei ALS

Die Klinik für Neurologie an der Charité beteiligt sich an einem Forschungsprogramm zum Biomarker Neurofilament Light Chain (NfL) bei Amyotropher Lateralsklerose (ALS). NfL ist ein Protein, das bei Schädigung von Nervenzellen freigesetzt wird und im Serum oder Nervenwasser (Liquor) gemessen werden kann.

Bedeutung von NfL bei ALS:

  • ALS-Progressionsmarker: Ein erhöhter NfL-Wert ist statistisch mit einer erhöhten ALS-Progression verbunden, während ein geringerer NfL-Wert als günstiger prognostischer Faktor gilt.
  • Prognoseabschätzung: Die NfL-Analyse trägt dazu bei, eine bessere Prognoseabschätzung für den individuellen Verlauf der ALS zu treffen.
  • Therapiemonitoring: Für einige genetische Medikamente (z.B. Tofersen bei SOD1-Mutationen, ION363 bei FUS-Mutationen) konnte eine schnelle und deutliche Abnahme der NfL-Serumkonzentration gezeigt werden.

Wichtige Hinweise zu NfL:

  • Kein Diagnosemarker: Eine alleinige NfL-Messung kann keine Diagnose einer ALS stellen.
  • Eingeschränkte Sensitivität und Spezifität: Ein normaler NfL-Wert schließt die Diagnose einer ALS nicht aus, und ein erhöhter NfL-Wert kann auch bei anderen neurologischen Erkrankungen auftreten.
  • Interpretation im Zusammenhang mit anderen Faktoren: Die Interpretation der NfL-Serumkonzentration ist nur im Zusammenhang mit anderen Prognosefaktoren der ALS sinnvoll und aussagekräftig.

Terminvereinbarung und Kontaktaufnahme

Um einen Termin in einer der Muskelambulanzen der Charité zu vereinbaren, ist in der Regel eine Überweisung durch einen neurologischen Facharzt erforderlich. Die Kontaktdaten und Sprechzeiten der einzelnen Ambulanzen können der Charité-Webseite entnommen werden.

Wichtige Unterlagen für den Sprechstundentermin:

  • Überweisungsschein für die Neurologie (aktuelles Quartal)
  • Versichertenkarte
  • Medikamentenplan
  • Unterlagen zur medizinischen Vorgeschichte (Arztbriefe)
  • Radiologische Originalaufnahmen auf CD, insbesondere Untersuchungen von Gehirn, Wirbelsäule oder Muskel (falls außerhalb der Charité behandelt)

Weitere neurologische Angebote der Charité

Neben den Muskelambulanzen bietet die Charité Neurologie ein breites Spektrum an weiteren Spezialsprechstunden und Ambulanzen für verschiedene neurologische Erkrankungen, darunter:

  • Epilepsieambulanz: Diagnostik und Behandlung von Epilepsie, Beratung zu Epilepsiechirurgie, Fahreignung, Empfängnisverhütung, Schwangerschaft und Stillzeit.
  • Gedächtnisambulanz: Diagnostik und Behandlung von Demenz und kognitiven Störungen (z.B. Alzheimer-Demenz, Lewy-Body-Demenz, Frontotemporale Demenz (FTD)), neuropsychologische Demenz Diagnostik, Lumbalpunktion zur Bestimmung von Demenzbiomarkern.
  • Kopfschmerzzentrum: Behandlung und Betreuung von Patienten mit Kopf- und Gesichtsschmerzen.
  • Spezialambulanz für Multiple Sklerose und andere chronisch-entzündliche Erkrankungen des zentralen Nervensystems.
  • Sprechstunde für Bewegungsstörungen: Behandlung von Parkinson-Syndrom, Dystonien, Tremor-Erkrankungen, Chorea Huntington und anderen Bewegungsstörungen, Beratung zur Tiefen Hirnstimulation (THS, DBS).
  • Schlafambulanz: Diagnostik und Behandlung von Schlafstörungen, Verhaltensauffälligkeiten im Schlaf, Narkolepsie, Syndrom der unruhigen Beine (Restless legs-Syndrom) und Störungen in der Abfolge des Schlaf-Wach-Rhythmus.
  • Neuroonkologische Sprechstunde: Behandlung von Tumorerkrankungen des Gehirns und Rückenmarks sowie Tumoren des peripheren Nervensystems, erblichen Tumorprädispositionssyndromen und unerwünschten Nebenwirkungen der Tumortherapie.
  • Aufnahmesprechstunde: Betreuung von Patienten mit allen neurologischen Krankheitsbildern vor und nach ihrem stationären Aufenthalt in der Klinik.
  • Sprechstunde für funktionelle Bewegungsstörungen: Diagnostische Klärung, integrierte neuro-psychosomatische Beurteilung und individuelle Therapieplanung bei Verdacht auf funktionelle Bewegungsstörungen.
  • Sprechstunde für Beschwerden nach Virusinfektionen: Behandlung von neurologischen Beschwerden, die nach viralen Infektionserkrankungen wie Influenza oder Ebstein-Barr-Virus (EBV) auftreten.
  • Schlaganfall-Sprechstunde: Behandlung von Schlaganfällen (Infarkte und Blutungen im Gehirn) und Erkrankungen der Halsschlagadern.

Neurologische Praxis Dr. O. Wengert und Dr. K.

Ergänzend zu den Angeboten der Charité gibt es auch niedergelassene neurologische Praxen wie die von Dr. O. Wengert und Dr. K., die eine neurologische Versorgung nach aktuellem Wissensstand und mit fachlicher Schwerpunktsetzung anbieten. Diese Praxen richten sich in der Regel an Privatversicherte und Selbstzahler. Ein Vorteil dieser Praxen ist die Möglichkeit einer individuellen Betreuung und die Festlegung der Untersuchungszeit entsprechend dem zu untersuchenden Problem.

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