Afterkrämpfe: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Afterkrämpfe, auch bekannt als Proctalgia fugax, sind plötzliche, krampfartige Schmerzen im Bereich des Enddarms und der Beckenbodenmuskulatur. Sie können sehr intensiv sein und die Betroffenen stark beeinträchtigen. Obwohl sie in der Regel harmlos sind, können sie beängstigend sein und die Lebensqualität erheblich mindern.

Symptome von Afterkrämpfen

Die Symptome von Afterkrämpfen sind charakteristisch:

  • Plötzlicher Beginn: Die Schmerzen treten plötzlich und ohne Vorwarnung auf.
  • Intensität: Die Schmerzen sind oft sehr stark und werden als krampfartig, stechend oder ziehend beschrieben.
  • Lokalisation: Die Schmerzen sind im Enddarm lokalisiert, können aber auch in den Unterbauch, das Becken und den Rücken ausstrahlen.
  • Dauer: Die Krämpfe dauern in der Regel nur wenige Sekunden bis zu 30 Minuten, können aber auch länger anhalten.
  • Begleiterscheinungen: In einigen Fällen können Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Schweißausbrüche und Kreislaufprobleme auftreten.
  • Häufigkeit: Die Häufigkeit der Anfälle ist unvorhersehbar und kann von Person zu Person variieren. Manche Menschen erleben nur gelegentlich einen Krampf, während andere häufiger betroffen sind.
  • Zeitpunkt: Viele Betroffene berichten von einer Häufung der Krämpfe in der Nacht.

Ursachen von Afterkrämpfen

Die genauen Ursachen von Afterkrämpfen sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch verschiedene Theorien und Risikofaktoren, die in Betracht gezogen werden:

  • Muskelspasmen: Man geht davon aus, dass Krämpfe oder Spasmen in der glatten Muskulatur des Enddarms und der Beckenbodenmuskulatur eine Rolle spielen.
  • Sauerstoffmangel: Krämpfe der Muskulatur sind oft auf einen Sauerstoffmangel im Gewebe zurückzuführen. Die Tatsache, dass Afterkrämpfe vorzugsweise nachts auftreten, könnte mit dem in der nächtlichen Ruhe herabgesetzten Sauerstoffgehalt des Körpers zusammenhängen.
  • Hämorrhoiden: Vergrößerte Hämorrhoiden können zu einem Blutstau und einer sauerstoffarmen Situation im Enddarmbereich führen, was Spasmen der Muskulatur begünstigen kann.
  • Enddarmerkrankungen: In seltenen Fällen können Enddarmerkrankungen wie Analfissuren oder Analprolaps Afterkrämpfe auslösen.
  • Verstopfung: Starkes Pressen beim Stuhlgang aufgrund von Verstopfung kann die Muskulatur im Analbereich überlasten und Krämpfe verursachen.
  • Psychosomatische Faktoren: Stress und psychische Belastungen können ebenfalls eine Rolle spielen.
  • Hormonelle Einflüsse: Frauen sind doppelt so häufig von Afterkrämpfen betroffen wie Männer. Viele berichten über vermehrte Krämpfe um die Zeit der Regelblutung herum.
  • Beckenbodenschwäche: Eine schwache Beckenbodenmuskulatur kann das Auftreten von Afterkrämpfen begünstigen.
  • Analverkehr: Traumata oder Verletzungen im Analbereich durch Analverkehr können ebenfalls zur Entstehung von Afterkrämpfen führen.
  • Entzündungen: Unterschwellige Entzündungen im Analbereich, die man kaum bemerkt, können auslösend sein.

Diagnose von Afterkrämpfen

Die Diagnose von Afterkrämpfen basiert in erster Linie auf der Beschreibung der Symptome durch den Patienten. Eine körperliche Untersuchung, einschließlich einer Inspektion des Analbereichs und einer digital-rektalen Untersuchung, kann durchgeführt werden, um andere mögliche Ursachen für die Beschwerden auszuschließen. In einigen Fällen können weitere Untersuchungen wie eine Ultraschalluntersuchung, eine Anoskopie oder eine Rektoskopie erforderlich sein, um Enddarmerkrankungen oder andere Erkrankungen des Beckenbodens auszuschließen.

Differentialdiagnosen

Es ist wichtig, Afterkrämpfe von anderen Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen zu unterscheiden. Dazu gehören:

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  • Analfissur: Ein Riss in der Schleimhaut des Analkanals, der starke Schmerzen beim Stuhlgang verursacht.
  • Hämorrhoiden: Erweiterte Venen im Analbereich, die zu Blutungen, Juckreiz und Schmerzen führen können.
  • Analvenenthrombose: Ein Blutgerinnsel in einer Vene in der äußeren Analregion, das meist mit akuten Schmerzen einhergeht.
  • Analprolaps: Eine Vorstülpung von Analschleimhaut aus dem Anus.
  • Mastdarmvorfall (Rektumprolaps): Eine Vorstülpung des Mastdarms durch den Anus.
  • Prostatitis: Eine Entzündung der Prostata, die Schmerzen im Beckenbereich verursachen kann.
  • Sexuell übertragbare Infektionen: Können zu einer Entzündung im Enddarm (Proktitis) führen.
  • Reizdarmsyndrom (RDS): Eine funktionelle Darmerkrankung, die mit Bauchschmerzen, Blähungen und verändertem Stuhlgang einhergeht.
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED): Erkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, die Entzündungen im Magen-Darm-Trakt verursachen können.

Behandlung von Afterkrämpfen

Die Behandlung von Afterkrämpfen zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Häufigkeit der Anfälle zu reduzieren. Da die Ursachen oft unklar sind, ist die Behandlung in der Regel symptomatisch.

Akutbehandlung

Während eines akuten Anfalls können folgende Maßnahmen helfen:

  • Wärme: Eine Wärmflasche oder ein warmes Sitzbad können die Muskeln entspannen und die Schmerzen lindern.
  • Massage: Eine sanfte Massage des Analbereichs oder des Beckenbodens kann helfen, die Muskeln zu entspannen.
  • Entspannung: Entspannungsübungen wie Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen und die Muskeln zu entspannen.
  • Medikamente: In einigen Fällen können entkrampfende Medikamente (Spasmolytika) oder Schmerzmittel Linderung bringen.

Vorbeugende Maßnahmen

Um Afterkrämpfen vorzubeugen, können folgende Maßnahmen hilfreich sein:

  • Regelmäßiger Stuhlgang: Achten Sie auf eine ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend Flüssigkeitszufuhr und regelmäßige Bewegung, um Verstopfung zu vermeiden.
  • Beckenbodentraining: Stärken Sie Ihre Beckenbodenmuskulatur durch gezielte Übungen.
  • Stressmanagement: Finden Sie Wege, um Stress abzubauen, z. B. durch Entspannungsübungen, Sport oder Hobbys.
  • Sitzbäder: Regelmäßige warme Sitzbäder können helfen, die Muskeln zu entspannen und die Durchblutung im Analbereich zu fördern.
  • Magnesium und Kalzium: Einige Betroffene berichten von einer Linderung der Beschwerden durch die Einnahme von hochdosierten Magnesium- und Kalziumpräparaten.
  • Vermeidung von Reizungen: Vermeiden Sie übermäßige Reinigung des Analbereichs und aggressive Einläufe.
  • Behandlung von Grunderkrankungen: Lassen Sie eventuell vorhandene Enddarmerkrankungen oder andere Erkrankungen des Beckenbodens behandeln.
  • Psychotherapie: Bei psychosomatischen Ursachen kann eine Psychotherapie hilfreich sein.

Medikamentöse Behandlung

  • Salben und Zäpfchen: Es gibt eine Vielzahl von Salben und Zäpfchen, die zur Linderung von Afterkrämpfen eingesetzt werden können. Diese enthalten in der Regel entzündungshemmende oder krampflösende Substanzen, die den Schließmuskel entspannen und die Heilung fördern. Zu den häufig verwendeten Medikamenten gehören:
    • Nitro-Salben (Nitroglycerin): Diese Salben wirken durch die Entspannung der Schließmuskulatur und verbessern die Durchblutung der betroffenen Region, was die Heilung unterstützt. Sie können jedoch Kopfschmerzen als Nebenwirkung verursachen.
    • Kalziumkanalblocker (z.B. Diltiazem): Diese Medikamente wirken ebenfalls durch die Entspannung des Schließmuskels und haben weniger Nebenwirkungen als Nitroglycerin-Salben.
    • Lokale Anästhetika: Salben mit schmerzstillenden Substanzen wie Lidocain können kurzfristig zur Schmerzlinderung eingesetzt werden, sollten aber nicht über längere Zeit angewendet werden.
  • Botox-Injektionen: Botulinumtoxin (Botox) ist ein Neurotoxin, das die Muskeln entspannen kann. Bei der Behandlung von Afterkrämpfen wird Botox direkt in den Schließmuskel injiziert, um den Muskelkrampf zu lösen und den Druck auf die Fissur zu verringern. Dies fördert die Heilung, da der reduzierte Muskeltonus die Durchblutung verbessert und die Belastung der Schleimhaut verringert. Die Wirkung von Botox hält in der Regel mehrere Monate an, und viele Patienten berichten von einer deutlichen Linderung der Symptome. Diese Methode wird insbesondere bei chronischen Afterkrämpfen eingesetzt, die auf konservative Behandlungen nicht ansprechen.

Operative Behandlung

In seltenen Fällen, wenn konservative und minimalinvasive Behandlungen nicht erfolgreich sind, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden.

  • Laterale Sphinkterotomie: Bei diesem Eingriff wird ein Teil des inneren Schließmuskels durchtrennt, um den Muskeltonus zu verringern und die Heilung zu ermöglichen. Dieser Eingriff wird in der Regel unter Vollnarkose oder Lokalanästhesie durchgeführt und ist sehr effektiv.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:

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  • Die Schmerzen sehr stark sind oder länger als 30 Minuten anhalten.
  • Die Krämpfe häufig auftreten oder sich verschlimmern.
  • Begleitsymptome wie Blutungen, Fieber, Übelkeit oder Erbrechen auftreten.
  • Sie sich unsicher sind, ob es sich tatsächlich um Afterkrämpfe handelt.
  • Die Beschwerden Ihre Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Ein Arzt kann die Ursache der Beschwerden abklären und eine geeignete Behandlung empfehlen.

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