Wadenkrämpfe, insbesondere nachts im Ruhezustand, sind ein weit verbreitetes und oft schmerzhaftes Problem. Die plötzliche, unwillkürliche Kontraktion der Wadenmuskulatur kann die Nachtruhe erheblich stören und die Lebensqualität beeinträchtigen. Glücklicherweise gibt es viele Möglichkeiten, diese Krämpfe zu lindern und vorzubeugen.
Ursachen von Wadenkrämpfen
Die Ursachen für Wadenkrämpfe sind vielfältig und oft nicht eindeutig feststellbar. Meist ist ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren verantwortlich. Es gibt jedoch einige häufige Auslöser:
Idiopathische Wadenkrämpfe
Die häufigste Art von Wadenkrämpfen sind idiopathische Beinkrämpfe, bei denen keine Ursache bekannt ist. Mögliche Auslöser sind starke oder abnormale Belastung des betroffenen Muskels oder ein verminderter Blutzufluss.
Flüssigkeits- und Elektrolytstörungen
Eine Störung des Flüssigkeits- und Mineralstoffhaushalts, insbesondere ein Magnesiummangel, ist eine weitere mögliche Ursache. Magnesium wird vom Körper eingesetzt, um die Muskeln nach einer Kontraktion wieder zu entspannen. Fehlt der Mineralstoff, hat das für die Muskelkontraktion verantwortliche Calcium Übergewicht, es erregt die Nervenzellen und löst das unwillkürliche Zusammenziehen von Muskelpartien aus.
Erkrankungen
Bestimmte Erkrankungen wie die periphere arterielle Verschlusskrankheit („Schaufensterkrankheit“), Schilddrüsen- und Hormonstörungen, die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Parkinson oder das Restless-Legs-Syndrom können Wadenkrämpfe auslösen. Ebenso können nächtliche Wadenkrämpfe Symptom einer beginnenden Varikose bzw. Venenschwäche sein.
Lesen Sie auch: Alles über Zehenkrämpfe
Weitere Faktoren
Weitere mögliche Ursachen und Risikofaktoren für Wadenkrämpfe sind:
- Alter: Mit zunehmendem Alter nimmt die Häufigkeit von Muskelkrämpfen zu, insbesondere in den Beinen. Menschen über 60 Jahre haben ein deutlich höheres Risiko für Wadenkrämpfe.
- Medikamente: Bestimmte Medikamente, wie Diuretika, Statine, Asthmamedikamente und die Antibabypille, können Wadenkrämpfe begünstigen.
- Überlastung: Eine Überlastung der Muskeln am Tag, sei es durch Sport oder andere körperliche Aktivitäten, kann zu nächtlichen Wadenkrämpfen führen.
- Bewegungsmangel: Bewegungsmangel kann zu mangelnder Durchblutung und Nährstoffversorgung führen und somit Wadenkrämpfe begünstigen.
- Fehlstellungen: Fehlstellungen an Fuß oder Bein können ebenfalls eine Ursache sein.
- Schuhe: Unbequeme, gerade auch hohe Schuhe, da sie eine übermäßige Anspannung der Beinmuskulatur begünstigen.
- Kälte: Schwimmen in kaltem Wasser kann Wadenkrämpfe auslösen.
- Einseitige Belastung: Einseitige Belastung durch längeres Verharren in einer bestimmten Körperhaltung (z.B. langes Sitzen) kann ebenfalls zu Wadenkrämpfen führen.
- Alkohol: Trinkt man am Abend viel Alkohol, kann es sein, dass man in der Nacht von Bein- oder Fußkrämpfen heimgesucht wird.
Symptome von Wadenkrämpfen
Wadenkrämpfe treten oft plötzlich auf und können mit starken Schmerzen einhergehen, die jedoch nach einer akuten Phase (meist höchstens ein bis zwei Minuten) wieder deutlich nachlassen. Besonders häufig überraschen Wadenkrämpfe uns im Ruhezustand, vor allem nachts im Schlaf. Die Muskulatur fühlt sich hart an und schmerzt. Oft ist auch der Zehenbeuger, der ebenfalls an der Rückseite des Unterschenkels ansetzt, betroffen. Ist der Krampf an einer bestimmten Stelle einmal aufgetreten, kann diese Muskelpartie eine Krampfneigung entwickeln. In der Folge zieht sich immer wieder dieselbe Stelle zusammen.
Diagnose von Wadenkrämpfen
Die Diagnose beginnt mit einem ausführlichen Gespräch über Häufigkeit, Tageszeit und genaue Lokalisation der Krämpfe. Ergänzend erfolgt eine körperliche Untersuchung, in der Beweglichkeit, Muskeltonus und Reflexe geprüft werden. Oft geben diese ersten Schritte bereits wertvolle Hinweise auf die zugrunde liegende Ursache.
Blutuntersuchung
Ein Blutbild liefert Aufschluss über den Elektrolytstatus (insbesondere Magnesium, Kalium, Kalzium), den Blutzucker, Leber- und Nierenwerte sowie gegebenenfalls Hinweise auf Stoffwechsel- oder Schilddrüsenerkrankungen.
Elektromyogramm (EMG)
Ein Elektromyogramm (EMG) misst die elektrische Aktivität der Muskeln und zeigt uns, ob eine Übererregbarkeit oder Fehlsteuerung der Nerven vorliegt.
Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Unterleibskrämpfen und Blähungen
Bildgebende Verfahren
Häufig kommen bildgebende Verfahren wie der Doppler-Ultraschall zum Einsatz, um die Durchblutung der Gefäße zu prüfen. Für die erweiterte Untersuchung werden oft MRT- oder CT-Untersuchungen durchgeführt.
Sofortmaßnahmen bei akutem Wadenkrampf
Eine Sofortmaßnahme bei nächtlichen Wadenkrämpfen ist, den Muskel zu massieren und vorsichtig zu dehnen. Die meisten Menschen reagieren schon instinktiv richtig. Sie dehnen die schmerzende Wadenmuskulatur, indem sie die Zehenspitzen im Liegen oder Sitzen in Richtung des Körpers strecken. Im Stehen kann man das betroffene Bein nach hinten strecken und die Ferse fest auf den Boden drücken.
Weitere Sofortmaßnahmen sind:
- Wärme: Eine warme Dusche oder eine auf die betroffene Stelle gelegte Wärmflasche können hilfreich sein.
- Bewegung: Aufstehen und ein paar Schritte laufen kann helfen, den Krampf zu lösen.
- Massage: Massieren Sie die verkrampfte Muskulatur vorsichtig mit den Händen.
Behandlung von Wadenkrämpfen
Die Behandlung richtet sich immer nach der Ursache. Bei starken Beschwerden kann eine medikamentöse Therapie sinnvoll sein, zum Beispiel mit Magnesium oder Chininsulfat. Es ist jedoch ratsam, bei hartnäckigen oder häufig wiederkehrenden Muskelkrämpfen einen Arzt aufzusuchen, bevor Sie sich nach einer Selbstdiagnose rezeptfreie Präparate aus einer Drogerie oder Apotheke holen.
Magnesium
Bei einem nachgewiesenen Magnesiummangel oder Kaliummangel kann eine gezielte Substitution sinnvoll sein, diese kann entweder ambulant oder stationär stattfinden.
Lesen Sie auch: Magen-Darm-Krämpfe natürlich lindern
Venostasin® retard
Produkte wie Venostasin® retard können Wadenkrämpfe mithilfe von Inhaltsstoffen wie dem Rosskastaniensamen-Trockenextrakt lindern.
Behandlung von Grunderkrankungen
Bei neurologischen Erkrankungen als Ursache muss sich die Behandlung nach der Erkrankung richten. Sind Durchblutungsstörungen wie die pAVK verantwortlich, können Medikamente zur Verbesserung der Durchblutung oder Blutverdünner eingesetzt werden. Bei Thrombosen ist eine gerinnungshemmende Behandlung erforderlich, während bei neurologischen Ursachen wie Polyneuropathien oder Bandscheibenvorfällen entzündungshemmende Schmerzmittel oder Physiotherapie hilfreich sein können.
Prävention von Wadenkrämpfen
Regelmäßige Bewegung und Dehnung der Waden verschaffen dementsprechend oft schon Linderung und sind zugleich eine gute Präventionsmaßnahme. Es gibt eine Reihe von Maßnahmen, die sich bis 2025 als besonders wirksam erwiesen haben.
Ernährung
Eine ausgewogene Ernährung spielt eine Schlüsselrolle bei der Vorbeugung von Wadenkrämpfen. Besonders wichtig ist die ausreichende Zufuhr von Magnesium, Kalium und Calcium. Experten raten zu magnesiumreichen Lebensmitteln wie Vollkornprodukten, Nüssen und grünem Gemüse.
Flüssigkeitszufuhr
Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Trinken wir nicht genug, kann unser Körper Nährstoffe nicht richtig transportieren. Dehydrierung ist insbesondere auch bei Sportlern und bei Hitze ein Risiko. Mindestens 1,5 Liter Wasser oder andere kalorienfreie Getränke wie Tee sollte es täglich sein. Bei hohen Belastungen ist Apfelsaftschorle ideal oder auch Wasser, dem etwas Salz zugesetzt ist.
Sportliche Aktivitäten
Regelmäßige körperliche Betätigung kann das Risiko von Wadenkrämpfen senken. Sportmediziner empfehlen, vor dem Training die Muskulatur aufzuwärmen und die Belastung dem individuellen Fitnesszustand anzupassen. Bei intensiven Workouts ist es ratsam, isotonische Getränke zu sich zu nehmen, um den Elektrolythaushalt auszugleichen.
Dehnübungen
Nehmen Sie sich vor dem Schlafengehen ein paar Minuten Zeit, um Ihre Waden- und Oberschenkelmuskulatur jeweils dreimal für zehn Sekunden zu dehnen, indem Sie die Fersen kräftig nach unten durchdrücken. Regelmäßige Dehnübungen, besonders vor dem Schlafengehen, können nächtliche Krämpfe reduzieren.
Lifestyle-Anpassungen
Zur Prävention gehören auch Änderungen im Alltag. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist ebenfalls wichtig, da Dehydrierung ein häufiger Auslöser für Krämpfe ist. In einigen Fällen kann die Einnahme von Magnesium-Präparaten sinnvoll sein, sollte aber mit einem Arzt abgesprochen werden.
Kalte Wadenwickel
Kalte Wadenwickel oder Wechselduschen sind bewährte Hausmittel bei venös bedingten Wadenkrämpfen. Die Kälte bewirkt eine Kontraktion der Venen, wodurch die Venenklappen besser schließen und der Blutrückfluss zum Herzen verbessert wird. Dies reduziert Stauungen und damit auch die nächtlichen Krämpfe.
Hochlagern der Beine
Das Hochlagern der Beine kann helfen.
Venengymnastik
Regelmäßige Venengymnastik ist ebenfalls hilfreich.
Kompressionsstrümpfe
Das Tragen von Kompressionsstrümpfen tagsüber kann ebenfalls helfen.
Begleitsymptome bei Venenschwäche
Geschwollene Beine (Ödeme) und Besenreiser sind typische Begleitsymptome, die auf eine venöse Ursache der Wadenkrämpfe hindeuten. Diese Symptomkombination zeigt, dass die Venen ihrer Aufgabe nicht mehr optimal nachkommen. Weitere Hinweise sind schwere, müde Beine am Abend, Spannungsgefühle, Juckreiz an den Unterschenkeln und eine Verschlimmerung der Beschwerden bei Wärme. Wenn diese Symptome zusätzlich zu den Wadenkrämpfen auftreten, sollte eine Venenuntersuchung beim Phlebologen erfolgen.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Meist ist die Ursache jedoch harmlos. So können schon eine ungünstige Schlafposition oder eine Überanstrengung der Beinmuskulatur zu Krämpfen führen. Nur selten stecken ernsthafte Erkrankungen wie Nierenprobleme, neurologische Störungen oder Muskelerkrankungen dahinter. Einen Arzt sollten Sie dann kontaktieren, wenn die Muskelkrämpfe gehäuft auftreten, sie länger als ein paar Sekunden anhalten oder wenn sie sich nicht einfach durch Dehnen auflösen lassen. Dann könnten sie ein Anzeichen für eine Stoffwechsel- oder Nervenerkrankung sein. Auch wenn die Krämpfe mit anderen Symptomen wie Schwellungen, Rötungen oder Wärmeentwicklung einhergehen, ist ein Arztbesuch ratsam. Bei wiederholten nächtlichen Krämpfen oder wenn die Krämpfe Ihre Lebensqualität beeinträchtigen, sollten Sie ebenfalls medizinischen Rat einholen.
tags: #krampfe #im #fussgelenk #nachts