Unterleibsschmerzen sind ein weit verbreitetes Problem bei Frauen, können aber auch Männer betreffen. Sie äußern sich als Schmerzen im unteren Teil des Bauches, zwischen den Hüftknochen, den seitlichen Leisten, dem Nabel und dem Schambereich. Die Ursachen für Unterleibsschmerzen sind vielfältig und können von den Geschlechtsorganen, der Harnblase, den Harnleitern, dem Darm, Muskeln oder Knochen ausgehen. Die Schmerzen können akut oder chronisch sein und im Verlauf des Menstruationszyklus variieren. Als akut werden Schmerzen bezeichnet, die weniger als drei Monate andauern.
Häufigkeit von Unterleibsschmerzen
Unterleibsschmerzen sind ein häufiger Grund für Arztbesuche bei Frauen. Es gibt jedoch keine genauen Angaben zur Häufigkeit.
Akute Unterleibsschmerzen: Ursachen und Symptome
Akute Unterleibsschmerzen entwickeln sich oft innerhalb weniger Stunden oder Tage. Einige häufige Ursachen sind:
- Harnwegsinfekte: Eine bakterielle Infektion der Schleimhaut von Harnblase und Harnröhre führt zu vermehrtem Harndrang und Brennen beim Wasserlassen. Es können auch Schmerzen im Bereich der Harnblase und Blut im Urin auftreten.
- Fehlgeburt (Spontanabort): Eine Fehlgeburt beginnt oft mit starken, menstruationsähnlichen Schmerzen und einer Blutung, die reichlich geronnenes Blut enthält. Sie erfolgt meist in der 6. bis 12. Schwangerschaftswoche.
- Geplatzte Eierstockzyste (Ovarialzyste): Zysten sind mit Flüssigkeit gefüllte Blasen an den Eierstöcken. Sie können bluten oder platzen, was akute, aber oft mäßige Schmerzen verursacht. Größere Zysten können sich mitsamt dem Eierstock um sich selbst drehen, was starke, akute Schmerzen verursacht, besonders bei Bewegung.
- Blinddarmentzündung (Appendizitis): Die Schmerzen verlagern sich von der Bauchnabelgegend in den unteren, rechten Teil des Bauchs. Betroffene bekommen Fieber und fühlen sich krank. Weitere Symptome sind Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung oder Durchfall.
- Unterleibsentzündung (Salpingitis/Adnexitis, PID): Diese Erkrankung tritt häufig bei jungen, sexuell aktiven Frauen auf. Sie kommt oft schleichend mit Schmerzen oder Druckempfindlichkeit im unteren Bauchbereich, vermehrtem Ausfluss, Blutungsstörungen und Fieber.
- Entzündung in einer Ausstülpung des Dickdarms (Divertikulitis): Die Divertikelkrankheit kann bei älteren Personen entstehen und zu Stuhlveränderungen und wiederkehrenden Unterbauchschmerzen führen. Die Schmerzen treten jedoch auf der linken Bauchseite auf.
- Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter (Extrauteringravidität): Die befruchtete Eizelle befindet sich außerhalb der Gebärmutter, meistens im Eileiter. Typische Anzeichen sind Unterleibsschmerzen, Ausbleiben der Menstruation und geringe Blutungen aus der Scheide.
- Komplikationen bei Muskelknoten der Gebärmutter (Myom): Ein Myom kann sich drehen, sodass die Blutzufuhr gestoppt und Schmerzen verursacht werden.
- Harnsteine/Nierensteine: Diese lösen starke, kolikartige Flankenschmerzen aus, die in Leiste und Unterbauch ausstrahlen können, häufig begleitet von Übelkeit und Erbrechen.
- Muskelschmerzen in der Bauchdecke
Chronische Unterleibsschmerzen: Ursachen und Symptome
Chronische Unterleibsschmerzen dauern länger als drei Monate an oder treten wiederholt auf. Einige häufige Ursachen sind:
- Muskelknoten der Gebärmutter (Myome): Sie kommen bei 30 % aller Frauen über 40 Jahren vor. Die häufigsten Symptome sind übermäßig starke und lang anhaltende Periodenblutungen (Menorrhagien), Zwischenblutungen (Metrorrhagien), Menstruationsschmerzen, Harndrang, Probleme bei der Blasenentleerung, gestörter Stuhlgang.
- Endometriose: Das gleiche Schleimhautgewebe, das sich im Inneren der Gebärmutter befindet, kommt auch an Stellen außerhalb der Gebärmutter oder in der Gebärmutterwand vor. Das häufigste Symptom sind starke Menstruationsschmerzen (Dysmenorrhö).
- Reizdarmsyndrom: Die Betroffenen haben wiederkehrende Beschwerden in Form von wechselnden Verdauungsstörungen, Bauchschmerzen und Blähungen.
- Verstopfung (Obstipation): Sie führt zu Völlegefühl und Schmerzen beim Stuhlgang.
- Sexuelle Gewalt: Dies ist eine mögliche Ursache für Unterleibschmerzen, entweder infolge physischer Gewalteinwirkung oder psychischer Reaktionen.
- Verwendung einer Spirale: Dies kann in bestimmten Fällen zu chronischen oder wiederkehrenden Schmerzen führen.
- Interstitielle Zystitis: Dies ist eine chronisch entzündliche, nichtbakterielle Erkrankung der Harnblase. Die Erkrankung führt zu starken Schmerzen im Bereich der Harnblase und beim Wasserlassen.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Bei starken oder anhaltenden Schmerzen im Unterleib sollte man eine Arztpraxis aufsuchen. Ein Arzt sollte auch immer dann konsultiert werden, wenn zu den Unterleibsschmerzen weitere Symptome dazukommen:
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- Fieber
- Erbrechen
- Übelkeit
- Stuhlverhalt
- harte und angespannte Bauchdecke
- Blut im Stuhl oder Blut im Urin
- niedriger Blutdruck bei schnellem Puls
Diagnose von Unterleibsschmerzen
Die Ärztin/der Arzt wird zunächst eine Anamnese erheben und Fragen zu den Schmerzen stellen:
- Wie lange haben Sie schon Schmerzen?
- Wie sind die Schmerzen entstanden?
- Beschreiben Sie die Schmerzen.
- Wo genau tut es Ihnen weh?
- Wie stark sind die Schmerzen?
- Strahlen die Schmerzen aus? Wohin?
- Wann war die letzte Menstruation? Sind Sie schwanger?
- Haben Sie Fieber?
- Haben Sie verstärkten Ausfluss?
- Haben Sie Blutungen?
- Haben Sie häufig Probleme bei der Blasenentleerung? Brennt es beim Wasserlassen?
- Haben Sie Durchfall oder Verstopfung?
- Leiden Sie an Übelkeit und/oder Erbrechen?
- Hat man bei Ihnen Muskelknoten in der Gebärmutter festgestellt?
- Stehen die Schmerzen im Zusammenhang mit der Menstruation?
- Haben Sie Schmerzen bei der Blasenentleerung oder beim Stuhlgang?
- Hatten Sie früher bereits Probleme mit dem Unterleib?
- Haben Sie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr?
- Haben Sie unregelmäßige Blutungen?
- Verwenden Sie eine Spirale?
Anschließend wird eine körperliche Untersuchung durchgeführt, bei der der Bauch abgetastet wird. Bei Frauen sollte auch eine gynäkologische Untersuchung erfolgen.
Weitere Untersuchungen können je nach den jeweiligen Umständen erforderlich sein:
- Schwangerschaftstest
- Blutuntersuchung auf Entzündungszeichen (u. a. CRP)
- Urinuntersuchung
- Ultraschalluntersuchung des Bauchraums
- Bauchspiegelung (Laparoskopie)
- Pap-Abstrich und Bakterienproben aus dem Unterleib
Behandlung von Unterleibsschmerzen
Die Behandlung von Unterleibsschmerzen richtet sich nach der Ursache. Bei bakteriellen Infektionen werden Antibiotika eingesetzt. Operationen können bei Blinddarmentzündung, Eileiterschwangerschaft oder anderen schwerwiegenden Erkrankungen erforderlich sein. Gegen akute Schmerzen können Schmerzmittel oder krampflösende Medikamente eingenommen werden.
Erste-Hilfe-Tipps bei Unterleibsschmerzen
Schmerzen im Unterleib, hinter denen keine ernsthafte Erkrankung steckt, kann man meist selbst lindern oder komplett auflösen. Zum Beispiel, wenn die Beschwerden aufgrund von Blasenproblemen, der Menstruation, einer Verstopfung oder bei Blähungen auftreten.
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- Kräutertee trinken: Bei Harnwegsinfektionen werden beispielsweise Tees aus Bärentrauben- oder Birkenblättern empfohlen. Bei Darmproblemen können Tees aus Fenchel, Anis und Kümmel sowie Pfefferminztee Linderung verschaffen. Bei Schmerzen während des Zyklus helfen oft Kamillen- oder Melissentee.
- Wärmflasche auf den Unterbauch legen: Wärme wirkt entspannend und ist insbesondere bei krampfartigen Beschwerden wirkungsvoll.
- Ein warmes Bad nehmen: Das warme Wasser wirkt wohltuend auf den Körper und kann Unterleibsschmerzen lindern.
- Den Bauch massieren: Eine sanfte Massage oder behutsames Streichen im Uhrzeigersinn über die schmerzende Bauchregion kann ebenfalls Linderung herbeiführen.
- Krampflösende Medikamente oder Schmerzmittel einnehmen: Bei starken Menstruationsbeschwerden hilft unter anderem Ibuprofen.
- Leicht verdauliche Nahrungsmittel aufnehmen: Rühren die Schmerzen von den Verdauungsorganen her, sollte nur leichte Kost gegessen werden. Zum Beispiel Haferbrei, Zwieback oder Reis. Außerdem viel Tee oder Wasser trinken.
Homöopathie bei Unterleibsschmerzen
Da Unterleibsschmerzen unterschiedliche Ursachen haben können, muss zur Linderung der Beschwerden die individuelle Symptomatik genau berücksichtigt werden. Am besten lässt man sich von einem erfahrenen Homöopathen beraten.
Akupunktur bei Unterleibsschmerzen
Laut Traditioneller Chinesischer Medizin kann Akupunktur Blockaden im Energiefluss des Körpers lösen. So sprechen beispielsweise Patienten mit Menstruationsschmerzen und PMS (Prämenstruelles Syndrom) häufig gut auf die Behandlung an.
Unterleibsschmerzen bei Kindern
Kinder leiden häufig an Bauch- bzw. Unterbauchschmerzen. Oft steckt keine ernste Krankheit dahinter, denn wenn zu viel Süßigkeiten, zu fett oder einfach zu viel gegessen wurde, kann das zu Verdauungsproblemen führen. Blähungen oder Verstopfungen resultieren dann daraus. Die Beschwerden lassen sich mit Tees aus Fenchel, Anis und Kümmel oder einer Wärmflasche lindern.
Immer wiederkehrende Bauchschmerzen sollten unbedingt von einem Arzt untersucht werden. Denn die Symptome können auch von einer Blinddarmentzündung oder einer Nierenbeckenentzündung verursacht werden. Auch psychische Belastungen wie Angst, Druck und Sorgen, können sich bei Kindern als Schmerz äußern.
Unterleibsschmerzen in der Schwangerschaft
Häufig verspüren Frauen während der Schwangerschaft ein leichtes Ziehen im Unterleib. Krampfartige Unterleibsschmerzen können dabei von den sogenannten Mutterbändern ausgehen. Aber auch ein träger Darm kann während der Schwangerschaft Schmerzen im Unterleib auslösen und bei den betroffenen Frauen zu Verstopfung und Blähungen führen.
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Plötzlich auftretende, heftige Unterleibsschmerzen, die auch länger anhalten, sind dagegen in der Schwangerschaft immer ein Alarmzeichen und sollten sofort in der Klinik abgeklärt werden.
Psychische Ursachen von Unterleibsschmerzen
Belastungssituationen machen sich häufig als körperliche Schmerzen in verschiedenen Körperregionen bemerkbar. Solche Schmerzen bezeichnet man als psychosomatisch (mit-)bedingte Schmerzen. Die entsprechende Erkrankung nennt man „somatoforme Schmerzstörung“.