Krampfanfälle bei Katzen können für Tierbesitzer sehr beängstigend sein. Dieser Artikel befasst sich mit den Ursachen, Symptomen, der Diagnose und den Behandlungsmöglichkeiten von Krampfanfällen bei Katzen, um Katzenbesitzern in dieser schwierigen Situation zu helfen.
Was sind Krampfanfälle?
Krampfanfälle sind ein Zeichen für eine vorübergehende Funktionsstörung des Gehirns. Bei einem Krampfanfall entladen sich im Gehirn unkontrolliert sehr viele Nervenzellen gleichzeitig. Obwohl der Begriff Epilepsie oft mit Krampfanfällen in Verbindung gebracht wird, sind nicht alle Krämpfe auf Epilepsie zurückzuführen.
Ursachen von Krampfanfällen bei Katzen
Es gibt verschiedene Ursachen für Krampfanfälle bei Katzen. Grundsätzlich wird zwischen idiopathischer (angeborener) und symptomatischer (erworbener) Epilepsie unterschieden.
Idiopathische Epilepsie
Nur etwa 20 % der Katzen leiden an einer genetischen (vererbten) Epilepsie. Die idiopathische Epilepsie ist eine neurologische Störung, bei der keine offensichtliche Ursache für die Anfälle gefunden werden kann. Man geht von einer genetischen Veranlagung aus.
Symptomatische Epilepsie
Bei den meisten Tieren tritt die Erkrankung erst im höheren Lebensalter durch verschiedene Ursachen auf. Die erworbene Epilepsie entsteht als Folge einer unzureichenden Sauerstoffversorgung oder durch Schäden im Nervengewebe. Die Ursachen einer erworbenen Epilepsie können sowohl inner- als auch außerhalb des Gehirns und Nervensystems liegen.
Lesen Sie auch: Überblick über Schmerzmittel zur Behandlung von Krämpfen
Intrakranielle Ursachen:
- Verletzungen des Gehirns: Verletzungen, Gehirntumore und Missbildungen der Gefäße im Gehirn können die Versorgung der Gehirnzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen stören und zu Krampfanfällen führen. Verletzungen und Gehirntumore können bei einer Computertomographie dargestellt werden.
- Entzündungen des Gehirns: Entzündungen der Nerven können auch durch Virusinfektionen verursacht werden. FIP (Feline Infektiöse Peritonitis) und Leukose führen zu einer Entzündung der Nervenfasern.
- Nekrose des Ammonshorns: Das Absterben von Neuronen in diesem Teil des Gehirns, der das Verhalten steuert, kann epileptische Anfälle auslösen.
- Stoffwechselerkrankungen: Durch eine Störung der Funktion von Leber und Niere sammeln sich vermehrt Stoffwechselendprodukte im Körper der Katze an.
- Infektionen: Bestimmte Grunderkrankungen, die bei jungen Katzen angeboren sein können wie Gefäßmissbildungen oder ein innerer Wasserkopf; Infektionen, die zu einer Hirnhautentzündung führen z.B mit Bakterien, Toxoplasmen oder Viren; Traumata; bei älteren Patienten kommen auch Tumore vor.
Extrakranielle Ursachen:
- Stoffwechselstörungen: Häufiger als Epilepsie kommen Stoffwechselstörungen, z.B. Nieren- oder Leberschäden, vor.
- Vergiftungen: Auch Vergiftungen mit Schneckenkorn oder Frostschutzmittel führen zu Krämpfen. Auch Vergiftungen, zum Beispiel durch Medikamente, lösen häufig Krampfanfälle aus. So werden etwa Arzneimittel mit dem Wirkstoff Permethrin z.B. gegen Ektoparasiten angewandt, sie dürfen bei Katzen jedoch nicht eingesetzt werden.
- Andere Erkrankungen: Liegt die Ursache für die Krampfanfälle außerhalb des Gehirns, so wird dies auch als extrazerebrale Epilepsie bezeichnet. Zu den möglichen Ursachen zählen Erkrankungen wie Niereninsuffizienz, Lebererkrankungen, Diabetes mellitus oder Schilddrüsenüberfunktion.
Symptome von Krampfanfällen bei Katzen
Die Symptome eines Krampfanfalls können je nach Ursache und Schweregrad variieren. Die Katze kann die Gewalt über ihren Körper oder Teile des Körpers verlieren. Die Muskulatur kann steif und hart werden oder unkontrolliert zucken. Die Katze kann bewusstlos, im Bewusstsein getrübt oder bei vollem Bewusstsein sein.
Es gibt verschiedene Phasen eines Krampfanfalls:
- Vorbereitungsphase: In der Vorbereitungsphase ist das Verhalten der Katze bereits verändert. Die Tiere ziehen sich zurück oder suchen die Nähe des Menschen. Die Prodromalphase ist die Phase, in der sich ein epileptischer Anfall bei der Katze ankündigt. Sie kann Stunden oder Tage dauern.
- Aura: Die Phase wenige Sekunden vor dem Anfall wird als Aura bezeichnet. In dieser Phase zeigen viele Katzen ein stärkeres Verlangen nach Nähe zum Besitzer.
- Iktus (Anfall): Beim Grand Mal fällt die Katze um. Alle Muskeln krampfen. Die Beine sind steif und führen rudernde Bewegungen aus. Die Katze wird bewusstlos. Speichel rinnt aus dem Mund, die Zunge hängt heraus. Eventuell tritt in dieser Phase Erbrechen auf. Kot und Harn wird unkontrolliert abgesetzt. Bei einem Grand Mal kann die Katze ihre Umgebung nicht wahrnehmen. Die Beine rudern, Speichel rinnt aus dem Mund.Meistens zeigen die Katzen während eines Anfalls nur untypisches Verhalten. Sie springen ohne Grund in die Luft oder laufen orientierungslos durch die Wohnung. Die Pupillen sind stark erweitert. Ohrspitzen und Vibrissen (Schnurrhaare) zittern aufgrund der Erregung stark.
- Postiktale Phase: Die Katze erlangt das Bewusstsein wieder. Sie beginnt sich zu erholen. Es dauert einige Minuten, bis wieder eine komplette Orientierung möglich ist. Nach einem Anfall sind viele Katzen orientierungslos oder wirken „fremd“. Das liegt daran, dass das Gehirn noch Zeit braucht, um wieder in seinen Normalzustand zu finden. In der Erholungsphase sind viele Tiere aggressiv. Ist der Anfall überstanden, tritt die postiktale Phase ein. Diese kann sich ebenfalls unterschiedlich äußern.
Nicht jeder epileptische Anfall verläuft jedoch wie der andere. Als Cluster- oder Serienanfall bezeichnet der Mediziner das Auftreten von zwei oder mehr epileptischen Anfällen innerhalb von 24 Stunden. Der Status epilepticus definiert einen epileptischen Anfall, bei dem die Katze mehr als fünf Minuten das Bewusstsein verliert. Wie oben erwähnt kann auch aus einem Serienanfall ein Status epilepticus werden, wenn die Katze zwischen den einzelnen Anfällen das Bewusstsein nicht wiedererlangt.
Weitere Symptome können sein:
- Sie bleibt erstarrt stehen und schaut ins Nichts.
- Sie springen ohne Grund in die Luft oder laufen orientierungslos durch die Wohnung.
- Die Pupillen sind stark erweitert.
- Ohrspitzen und Vibrissen (Schnurrhaare) zittern aufgrund der Erregung stark.
- Starrer Blick: Manche Katzen starren zu Beginn eines Anfalls einen willkürlichen Punkt an.
- Erbrechen, unkontrollierbarer Harn- und Kotabsatz: Wenn die Katze die Kontrolle über Blase und Schließmuskel verliert, kann es passieren, dass sie uriniert oder Kot absetzt.
- Blind- und Taubheit, Desorientierung: Nach einem epileptischen Anfall können Katzen orientierungslos und unkoordiniert wirken.
Diagnose von Krampfanfällen bei Katzen
Krämpfe sind immer ein Notfall, in dem tierärztliche Hilfe unerlässlich ist! Wenn Ihre Katze einen Krampfanfall hat, sollten Sie sie so schnell wie möglich zu einem Tierarzt bringen.
Lesen Sie auch: Calcium vs. Magnesium bei Muskelkrämpfen
Beim Praxisbesuch erfragt der Tierarzt die genauen Umstände sowie die Symptome und das Verhalten der Katze vor, bei und nach dem Anfall. Hilfreich bei der Bestandsaufnahme sind zeitliche Protokollierungen und Beobachtungen: Wie lange hat der Anfall gedauert? Welche Symptome hat die Katze gezeigt? Unter welchen Umständen kam es dazu?
Nach der Anamnese folgt eine allgemeine klinische Untersuchung. So gibt es beispielsweise die Möglichkeit, das Blut zu untersuchen oder Nervenwasser zu entnehmen, um dieses auf Entzündungen im Bereich von Hirn und Rückenmark zu prüfen. Verletzungen und Gehirntumore können bei einer Computertomographie dargestellt werden. Mit einem EEG (Elektroencephalogramm) kann das Zentrum der Epilepsie im Gehirn exakt lokalisiert werden. Bildgebende Verfahren (Röntgen, CT, MRT) sind hilfreich, wenn es darum geht, innere Verletzungen, Tumore oder andere strukturelle Anomalien ausfindig zu machen.
Besteht der Verdacht, dass der epileptische Anfall eine extrazerebrale Ursache hat, kann möglicherweise deren Behandlung Linderung verschaffen. Trotzdem lässt sich bei gut 20 Prozent der Epilepsiefälle bei Katzen keine konkrete organische Ursache ermitteln.
Erste Hilfe bei einem Krampfanfall
Trotzdem ist Ruhe besonders wichtig, denn wenn sie die Katze unter Stress setzen, können sich die Krämpfe verstärken. Achten Sie darauf, dass sich Ihr Tier nicht verletzen kann. Legen Sie sie auf den Boden und räumen Sie alles beiseite, woran sich die Katze stoßen könnte. Um den Krampfanfall nicht zu verstärken, müssen laute Geräusche, Lichtblitze und grelles Licht vermieden werden. Sobald sich ein epileptischer Anfall durch Veränderungen des Verhaltens ankündigt, solltest Du Deine Katze in einen ruhigen Raum bringen und auf den Boden setzen.
Da Katzen während eines Anfalls unkontrolliert zubeißen können, solltest Du diese nicht anfassen. Sichere die Umgebung des Tieres und warte den Iktus ab. Versuche, das Tier mit Gewalt zu beruhigen, sollten unterlassen werden, da hierbei auch für den Besitzer eine nicht unerhebliche Verletzungsgefahr durch das krampfende Tier entstehen kann.
Lesen Sie auch: Vorbeugung von Handkrämpfen während des Schlafs
Filme den Anfall und zeige das Video bei dem nächsten Besuch Deinem Tierarzt. Sowohl Ihrer Katze auch als Ihrem Tierarzt helfen Sie am meisten, wenn Sie den Anfall möglichst als Video dokumentieren. Um dem Tierarzt oder der Tierärztin möglichst konkret Auskunft über Dauer und Verlauf geben zu können, sollte der epileptische Anfall dokumentiert werden. Es scheint nicht viel zu sein, was man während eines epileptischen Anfalls tun kann.
Dann machen Sie alles für einen schnellen Transport zum Tierarzt bereit. Dazu gehört auch ein Anruf, ob die Praxis im Augenblick besetzt ist, andernfalls müssen Sie sich an den tierärztlichen Notdienst wenden. Schließlich transportieren Sie die Katze in einem vertrauten, dunklen und weich ausgepolsterten Korb zum Tierarzt. Versuchen Sie aber bitte nicht, die Katze noch während des Anfalls zu Ihrem Veterinär zu transportieren. Sie werden diesen in der Regel nicht vor Ende des Anfalls erreichen.
Bringe die Katze umgehend zum (Notfall-)Tierarzt. Dieser verabreicht als Akutmaßnahme in der Regel ein muskelentspannendes Mittel, gegebenenfalls eine Zuckerlösung und kontrolliert die Blutparameter.
Nach einem Anfall sind viele Katzen orientierungslos oder wirken „fremd“. Das liegt daran, dass das Gehirn noch Zeit braucht, um wieder in seinen Normalzustand zu finden. In dieser Phase solltest Du besonders ruhig bleiben und Deine Katze nicht bedrängen - selbst, wenn sie plötzlich faucht oder Dich nicht erkennt. Nach einem epileptischen Anfall braucht die Katze unbedingt Ruhe.
Behandlung von Krampfanfällen bei Katzen
Allgemein gilt, dass Epilepsie eine nicht heilbare Erkrankung ist. Deswegen ist es Ziel der Therapie, Häufigkeit und Schwere der epileptischen Anfälle zu reduzieren, um der Katze zu mehr Lebensqualität zu verhelfen.
Welche Therapieform zum Einsatz kommt, richtet sich hier immer nach der zugrundeliegenden Ursache. Wenn es sich um eine sekundäre Epilepsie handelt, besteht die einzige Chance in der Behandlung der zugrundeliegenden Erkrankung. So erfordern bakterielle Infektionen beispielsweise die Gabe eines wirksamen Antibiotikums.
Besteht der Verdacht auf Epilepsie, muss Deine Katze von Deinem Tierarzt auf geeignete Medikamente eingestellt werden. Erfolgt keine Behandlung, gewöhnen sich die Nervenzellen des Gehirns an die höhere Aktivität während des epileptischen Anfalls. Bei jedem weiteren Anfall erfolgt eine stärkere Reaktion bis ein Status Epilepticus eintritt. Deine Katze erlangt ihr Bewusstsein nicht wieder.
Rät der Tierarzt zur medikamentösen Langzeitbehandlung, stehen Präparate mit Wirkstoffen wie Phenobarbital und Diazepam zur Verfügung, deren Dosierung wiederum individuell eingestellt werden muss. Treten die Anfälle in kürzeren zeitlichen Abständen auf, können diese durch Antiepileptika, wie Phenobarbital oder Diazepam unterdrückt werden. Die Medikamente müssen lebenslang verabreicht werden, da eine Heilung nicht möglich ist.
Bei seltenen, leichten Anfällen kann eine homöopathische Therapie versucht werden. Carduus Marianus D6 und Lycopodium D6 unterstützen die Stoffwechselfunktion des Gehirns und der Leber. Sensible Tiere können auch mit Causticum D 30 behandelt werden.
Anpassungen in der Ernährung und den Haltungsbedingungen sind ein weiterer therapeutischer Ansatz, um die Anzahl und Intensität der epileptischen Anfälle zu verringern. Die Katze sollte in einem möglichst vertrauten, ruhigen Umfeld leben und strukturierte Abläufe haben. Veränderungen können Stress verursachen, den es bei Epilepsie zu vermeiden gilt. Geht es um Spezialdiäten, liegt der Fokus häufig auf einem hohen Fettanteil und wenig Kohlenhydraten. Allerdings lässt sich hier in Sachen Wirksamkeit nichts pauschalisieren.
Medikamente
Relativ gebräuchlich - vor allem bei angeborener Epilepsie - ist die Gabe von Medikamenten wie Phenobarbital, das die Aktivität bestimmter Gehirnareale eindämmt. Es wird oft zusammen mit Kaliumbromid verabreicht, um die Wirksamkeit zu verstärken.
Antiepileptika können wie alle anderen Medikamente von Katzen unterschiedlich vertragen werden. Zudem gibt es mögliche Nebenwirkungen, beispielsweise gesteigerten Appetit, gesteigerten Durst, Schläfrigkeit, Hyperaktivität oder Ataxie. Werden Antiepileptika auf den gesundheitlichen Zustand der Katze angepasst, sind sie jedoch weitgehend sicher.
Chirurgie, Bestrahlung und Chemotherapie
Seltener kommt es zu chirurgischen Eingriffen, wobei diese durchaus in Erwägung gezogen werden können, wenn beispielsweise eine Missbildung oder strukturelle Wucherung ursächlich für die Epilepsie ist. Bei Tumoren können auch eine Bestrahlung oder Chemotherapie infrage kommen.
Vorbeugung von Krampfanfällen bei Katzen
Wirklich verhindern lässt sich Epilepsie bei Katzen leider nicht. Was genetische Prädispositionen betrifft, so sollte man bei der Zucht und Anschaffung von Katzen darauf achten, dass die Elterntiere gesund und nicht durch Epilepsie belastet sind.
Gifte außerhalb der Reichweite der Katze aufbewahren. Gesundheitschecks beim Tierarzt dienen der frühzeitigen Entdeckung von Stoffwechselstörungen und der Vorbeugung von Krämpfen.
Nicht zuletzt sollte auf den Einsatz parfümierter Raumsprays sowie von Kerzen verzichtet werden.
Leben mit einer Katze mit Epilepsie
Es ist wichtig, eine Katze mit Epilepsie engmaschig zu betreuen und regelmäßig durchchecken zu lassen, um ihren Zustand im Blick zu behalten und die Therapiemaßnahmen gegebenenfalls anzupassen. Eine Katzenkrankenversicherung ist in dem Fall eine große Hilfe.
Mit der richtigen Behandlung können Katzen mit Epilepsie ein relativ normales Leben führen. Es ist am besten, Katzen mit Epilepsie nicht über längere Zeiträume ohne Aufsicht zu lassen.