Impfungen sind ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsvorsorge und schützen vor zahlreichen Infektionskrankheiten. Moderne Impfstoffe haben ein gutes Sicherheitsprofil, dennoch sind sie wie jedes Medikament nicht frei von Nebenwirkungen. Zu den möglichen, aber seltenen Nebenwirkungen gehören Krampfanfälle. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Krampfanfällen nach Impfungen, unterscheidet zwischen Impfreaktionen und -komplikationen und gibt Hinweise, wann ärztlicher Rat eingeholt werden sollte.
Impfreaktion oder Impfkomplikation?
Es ist wichtig, zwischen normalen Impfreaktionen und schwerwiegenderen Impfkomplikationen zu unterscheiden. Impfreaktionen sind Ausdruck der erwünschten Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem Impfstoff und klingen in der Regel nach wenigen Tagen komplett ab. Typische Beispiele sind Rötungen, Schwellungen und Schmerzen an der Impfstelle sowie Allgemeinreaktionen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen oder Unwohlsein.
Impfkomplikationen hingegen sind Beschwerden, die über das übliche Maß einer Impfreaktion hinausgehen und in einem zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung stehen. Ein ursächlicher Zusammenhang sollte dabei als gesichert oder überwiegend wahrscheinlich gelten. Beispiele hierfür sind Fieberkrämpfe bei Kleinkindern oder allergische Reaktionen.
Ursachen von Krampfanfällen nach Impfungen
Krampfanfälle nach Impfungen können verschiedene Ursachen haben:
- Fieberkrämpfe: Bei Säuglingen und Kleinkindern können Impfungen Fieber auslösen, was wiederum zu Fieberkrämpfen führen kann. Fieberkrämpfe treten typischerweise bei viralen Infekten auf und sind meist harmlos, können aber das Kind und seine Eltern verängstigen. Das Risiko für Fieberkrämpfe ist beispielsweise nach der MMR-Impfung (Masern, Mumps, Röteln) in der zweiten Woche nach der Impfung leicht erhöht.
- Genetische Prädisposition: Eine genomweite Assoziationsstudie in Dänemark hat Genvarianten entdeckt, die das Risiko von Fieberkrämpfen nach MMR-Impfungen erhöhen. Die Studie identifizierte zwei Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNP), die signifikant mit Fieberkrämpfen nach MMR-Impfung assoziiert waren. Eine SNP befand sich in der Nähe des Gens IFI44L, das zu einer Gruppe von Interferon-stimulierenden Genen gehört, die in die angeborene Immunantwort gegenüber Viren eingreift. Die zweite SNP wurde in der Nähe von CD46 gefunden, das einen Faktor kodiert, der das Complement-System hemmt.
- Impfstoffbestandteile: Prinzipiell sind allergische Reaktionen gegen jeden Impfstoffbestandteil möglich, beispielsweise gegen Verstärkerstoffe, Konservierungsmittel oder Kulturmedien. Schwere allergische Reaktionen sind jedoch extrem selten.
- Zufälliges Zusammentreffen: Gesundheitliche Beschwerden nach einer Impfung müssen nicht unbedingt durch die Impfung verursacht sein, sondern können auch zufällig zeitlich mit dieser zusammenfallen. So kann ein Kind zum Zeitpunkt der Impfung bereits einen Infekt ausbrüten, der anschließend ausbricht.
Krampfanfälle nach COVID-19-Impfung
Auch im Zusammenhang mit COVID-19-Impfungen wurden Krampfanfälle gemeldet. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) erfasst diese Fälle als Ereignisse von besonderem medizinischem Interesse. Die Melderaten sind jedoch sehr gering.
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Epilepsie und Impfung
Eine Epilepsie ist keine grundsätzliche Kontraindikation für Impfungen. Insbesondere für Kinder mit Epilepsie sind Impfungen wichtig, da schwere Infektionskrankheiten wie Masern ein hohes Risiko für Folgeerkrankungen mit sich bringen. Es ist jedoch wichtig, jede Impfung individuell mit einem Facharzt zu besprechen, um Nutzen und Risiken abzuwägen.
Mögliche Symptome
Krampfanfälle können sich unterschiedlich äußern. Typische Anzeichen sind:
- Bewusstseinsverlust
- Verkrampfung des Körpers
- Zuckungen der Gliedmaßen
- Speichelfluss
- Einkoten oder Einnässen
Was tun bei einem Krampfanfall?
Wenn jemand einen Krampfanfall erleidet, ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und folgende Maßnahmen zu ergreifen:
- Sorgen Sie für eine freie Atemwege.
- Schützen Sie den Kopf des Betroffenen vor Verletzungen.
- Lockern Sie beengende Kleidung.
- Versuchen Sie nicht, den Krampf zu unterdrücken.
- Bleiben Sie bis zum Ende des Anfalls beim Betroffenen.
- Rufen Sie bei einem erstmaligen Krampfanfall oder bei einem Anfall, der länger als fünf Minuten dauert, den Notruf.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
In den meisten Fällen sind Impfreaktionen harmlos und klingen von selbst wieder ab. Es gibt jedoch Situationen, in denen ärztlicher Rat eingeholt werden sollte:
- Bei ungewöhnlichen oder starken Beschwerden nach der Impfung
- Bei Verdacht auf eine Impfkomplikation
- Bei Auftreten von Krampfanfällen
- Wenn Sie unsicher sind, ob die Beschwerden mit der Impfung zusammenhängen
Meldepflicht von Impfkomplikationen
In Deutschland sind Ärzte verpflichtet, Verdachtsfälle von Impfkomplikationen dem Gesundheitsamt zu melden. Dieses leitet die Meldung an das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) weiter, wo sie geprüft wird. Auch Patienten können Verdachtsfälle direkt an das PEI melden.
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Impfschaden
Von einem Impfschaden spricht man, wenn nach einer korrekt durchgeführten Impfung eine bleibende gesundheitliche oder wirtschaftliche Schädigung auftritt, die über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgeht. Ob die Schädigung tatsächlich durch die Impfung verursacht wurde, untersucht das Versorgungsamt im jeweiligen Bundesland.
Fazit
Krampfanfälle nach Impfungen sind eine seltene, aber mögliche Nebenwirkung. In den meisten Fällen handelt es sich um Fieberkrämpfe, die harmlos sind. Es ist wichtig, zwischen normalen Impfreaktionen und schwerwiegenderen Impfkomplikationen zu unterscheiden und bei ungewöhnlichen Beschwerden ärztlichen Rat einzuholen. Moderne Impfstoffe sind sicher und wirksam, und der Nutzen einer Impfung überwiegt in der Regel das Risiko von Nebenwirkungen deutlich.
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