Krankengymnastik nach Bobath bei Parkinson-Therapie: Ein umfassender Überblick

Die Krankengymnastik nach Bobath ist eine spezielle Therapieform, die in der Physiotherapie Anwendung findet, vor allem bei Patienten mit neurologischen Erkrankungen oder Schädigungen des zentralen Nervensystems (ZNS). Diese Methode zielt darauf ab, gestörte Bewegungsmuster zu analysieren und durch gezielte Übungen und Techniken neu zu trainieren. Im Fokus stehen die Verbesserung der Mobilität, des Gleichgewichts und der Koordination, um die Alltagsfähigkeiten der Betroffenen zu fördern. Der ganzheitliche Ansatz der Krankengymnastik nach Bobath wird individuell auf die Bedürfnisse jedes Patienten abgestimmt, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen.

Grundlagen des Bobath-Konzepts

Das Bobath-Konzept betrachtet jeden Menschen mit einer Schädigung des Nervensystems individuell und ganzheitlich. Es basiert auf der Annahme, dass das Nervensystem ein Leben lang lernfähig ist und dass nach einer Schädigung die Plastizität des Gehirns genutzt werden kann, um neue Kapazitäten zu aktivieren. Dies geschieht durch immer wiederkehrende Bewegungsmuster, die die Nervenbahnen umprogrammieren und den Patienten helfen, Bewegungen neu einzustudieren und mobiler zu werden.

Im Unterschied zu anderen Therapiekonzepten gibt es im Bobath-Konzept keine standardisierten Übungen. Stattdessen stehen individuelle und alltagsbezogene therapeutische Aktivitäten im Vordergrund, die den Patienten in seinem Tagesablauf begleiten. Die Bedürfnisse des Patienten, die sich aus seinem bisherigen Leben, seinem sozialen Umfeld und seinen Interessen ergeben, stehen im Mittelpunkt der therapeutischen Einflussnahme.

Anwendungsbereiche der Bobath-Therapie

Die Bobath-Therapie eignet sich besonders für Patienten nach Schlaganfall, mit Morbus Parkinson und Multipler Sklerose. Diese neurologischen Erkrankungen können zu Störungen bei der Kraftentwicklung der Muskulatur, der Aufnahme und Verarbeitung von Sinneseindrücken sowie zu einem veränderten Körperempfinden führen. Die Patienten sind häufig beeinträchtigt in ihrem Gleichgewicht und der Kontrolle über Haltung und Bewegung. Sie können Handlungen nur eingeschränkt planen und ausführen. Weiterhin können sie durch Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen sowie Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsdefizite in ihren Fähigkeiten zur Teilhabe am Leben beeinträchtigt sein.

Mit der Krankengymnastik nach Bobath werden gezielt Störungen des zentralen Nervensystems behandelt, um die Selbstständigkeit und Lebensqualität der Patienten zu erhöhen. Die Therapie fördert die Eigenaktivität und die Umorganisationsfähigkeit des Gehirns, wodurch gesunde Hirnareale Aufgaben übernehmen können, die eigentlich geschädigten Arealen zugeordnet waren. So ermöglichen Therapeuten den Patienten, alltägliche Aktivitäten neu zu erlernen.

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Ziele der Bobath-Therapie

Zentrales Ziel des Bobath-Konzeptes ist es, die Eigenaktivität des Patienten zu ermöglichen, zu fordern und zu fördern. Dies zielt auf eine effiziente Haltungs- und Bewegungskontrolle ab. Bei Menschen mit schwersten Behinderungen kann dies bedeuten, die Vitalfunktionen wie Herz-Kreislaufstabilität und Wachheit zu sichern. Außerdem erleichtert und unterstützt die Bobath-Therapie pflegerische Maßnahmen.

Übergeordnetes Ziel des Bobath-Konzepts ist, dass die betroffenen Personen die Beweglichkeit der beeinträchtigten Körperregionen verbessern und damit ihre Unabhängigkeit wieder erlangen. Ziel ist es, die Lebensqualität in einem eigenverantwortlichen selbstbestimmten Alltag wieder zu erlangen und Folgeschäden wie zum Beispiel Gelenkeinschränkungen und Schmerzen möglichst zu vermeiden. Der individuelle Lernweg des Betroffenen soll eine aktive Teilhabe am Leben ermöglichen.

Ablauf der Bobath-Therapie

In der ersten Sitzung erhebt der Therapeut einen ausführlichen Eingangsbefund und erstellt einen persönlichen Therapieplan. Bei der Krankengymnastik nach Bobath wird durch gezielte Behandlungstechniken an der Verbesserung von Bewegungsfolgen und -übergängen sowie von Gleichgewichtsreaktionen und der Körperwahrnehmungen gearbeitet. Eine Sitzung dauert in der Regel 30 Minuten.

Die Bobath-Therapie sieht keine strikten Therapievorgaben und starren Übungsabläufe vor. Alle Übungen werden in den Tagesablauf integriert. So lernen die Patienten, die versehrten Körperteile wieder in alltäglichen Situationen wie Körperpflege, Essen sowie das An- und Ausziehen mit einzubeziehen. Ist die pflegebedürftige Person halbseitig gelähmt, empfiehlt sich die sogenannte Lagerung nach Bobath.

Lagerung nach Bobath

Das Bobath-Konzept sieht verschiedene Lagerungen vor. Bei der Lagerung auf der betroffenen Seite stimuliert der Auflagedruck die beeinträchtigten Körperpartien. Die nicht betroffene Seite kann aktiv benutzt werden. Bei der Lagerung auf der nicht betroffenen Seite kann sich der Muskeltonus entspannen. Die betroffenen Personen fühlen sich meist wohler, weil sie ihre Lage aktiv mitgestalten können.

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Das stabile Sitzen im Bett hilft Menschen mit geringer Rumpfstabilität, wieder ein Gefühl für den eigenen Körper zu bekommen und den Kreislauf zu trainieren. Das Sitzen im Stuhl am Tisch stabilisiert Muskeltonus und Kreislauf. Außerdem ist es ein wichtiger Schritt zurück in ein soziales Leben. Bei jeder Lagerung sollte die Unterlage relativ hart sein, weil dann der Auflagedruck stärker stimuliert. Für die Angehörigen ist es außerdem wichtig, dass sie möglichst stabil liegen oder sitzen.

Mobilisation und Waschen nach Bobath

Mobilisation nach Bobath wird auch Transfer nach Bobath genannt. Dabei sollen die Angehörigen die Patienten aktiv in sämtliche Positionswechsel mit einbeziehen. Es beginnt mit einfachen unterstützenden Bewegungsabläufen, zum Beispiel dem Aufsetzen im Bett.

Eine gute Möglichkeit, die Körperwahrnehmung von Patienten mit starken körperlichen Einschränkungen zu fördern, ist das Waschen nach Bobath. Beim Waschen nach Bobath arbeiten Sie stets von der gesunden zur kranken Seite hin. Beim Bobath-Konzept kommt es auf die richtigen Handgriffe an - egal ob Sie Ihren Angehörigen sicher aus dem Bett in den Rollstuhl bewegen oder seinen Körper waschen wollen.

Bobath-Therapie im Alltag

Ziel eines jeden Bobath-Trainings ist, dass die Patienten trotz ihrer Erkrankung so viel Selbstständigkeit wie möglich zurückerlangen. Geeignet für die Gestaltung des ADL-Trainings sind neben der Körperpflege, das An- und Ausziehen, die Nahrungsaufnahme, aber je nach Mobilität auch der eigenständige Toilettengang.

Damit das Bobath-Konzept funktioniert, müssen alle an der Pflege beteiligten Personen an einem Strang ziehen. Zusammen müssen Sie Ihren pflegebedürftigen Angehörigen während des gesamten Tagesablaufs an die Übungen heranführen. Es ist ratsam, sich mit einem Physiotherapeuten zu beraten, der auf Bobath spezialisiert ist.

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Bobath und Vojta in der Pflege

In der Altenpflege kann die Krankengymnastik nach Vojta eine gute Ergänzung zum Bobath-Konzept sein. Hierbei aktivieren Physiotherapeuten die natürlichen menschlichen Bewegungsmuster über verschiedene Druckpunkte. Dadurch lassen sich Symptome wie beispielsweise Spastizität lindern und Bewegungsniveaus verbessern. Der Unterschied zu Bobath: Vojta soll angeborene Bewegungsmuster aktivieren, Bobath schafft neue Verknüpfungen im Gehirn.

Bobath-Therapie bei Parkinson

Bei der Behandlung von Parkinson-Patienten zielt die Bobath-Therapie darauf ab, die spezifischen motorischen Defizite und Bewegungseinschränkungen, die mit der Krankheit einhergehen, zu adressieren. Dazu gehören beispielsweise:

  • Rigidität (Muskelsteifheit): Bobath-Techniken können helfen, die Muskelsteifheit zu reduzieren und die Beweglichkeit zu verbessern.
  • Tremor (Zittern): Obwohl Tremor schwer zu beeinflussen ist, können bestimmte Lagerungen und Bewegungsstrategien helfen, die Auswirkungen des Tremors auf die Funktionalität zu minimieren.
  • Bradykinese (Verlangsamung der Bewegungen): Durch gezielte Übungen und Bewegungsanleitungen können Patienten lernen, Bewegungen effizienter auszuführen und die Bewegungsgeschwindigkeit zu erhöhen.
  • Posturale Instabilität (Gleichgewichtsstörungen): Das Bobath-Konzept legt großen Wert auf die Verbesserung des Gleichgewichts und der Stabilität, um Stürze zu verhindern.

Die Bobath-Therapie bei Parkinson wird immer individuell an die Bedürfnisse und Fähigkeiten des Patienten angepasst. Sie kann Elemente wie Gangschulung, Gleichgewichtstraining, Übungen zur Verbesserung der Feinmotorik und Strategien zur Bewältigung von Alltagssituationen umfassen.

Vorteile der Bobath-Therapie

Im Vergleich zur klassischen Krankengymnastik bieten Bobath und PNF einen entscheidenden Vorteil: Sie setzen gezielt an den individuellen Fähigkeiten und Bewegungsmustern an. Statt nur Symptome zu behandeln, fördern diese Konzepte aktiv die Wiederherstellung von Funktionen - etwa beim Greifen, Gehen oder Aufstehen. So trainieren Therapeuten gemeinsam mit den Patienten nicht nur einzelne Muskeln, sondern ganze Bewegungsabläufe, die im Alltag wirklich gebraucht werden. Diese alltagsnahe Herangehensweise macht Bobath und PNF besonders wirksam - vor allem bei komplexen neurologischen Störungen, bei denen klassische Übungen oft nicht ausreichen.

Die Bobath-Therapie bietet eine Vielzahl von Vorteilen für Patienten mit neurologischen Erkrankungen:

  • Individuelle Anpassung: Die Therapie wird individuell an die Bedürfnisse und Fähigkeiten jedes Patienten angepasst.
  • Ganzheitlicher Ansatz: Das Bobath-Konzept berücksichtigt den gesamten Menschen und seine Lebensumstände.
  • Förderung der Eigenaktivität: Die Therapie zielt darauf ab, die Eigenaktivität des Patienten zu fördern und seine Selbstständigkeit zu erhöhen.
  • Alltagsbezug: Die Übungen und Techniken werden in den Alltag integriert, um die Funktionalität im täglichen Leben zu verbessern.
  • Schmerzlinderung: Durch die Verbesserung der Bewegungsmuster und die Reduzierung von Muskelverspannungen können Schmerzen gelindert werden.
  • Verbesserung der Lebensqualität: Durch die Steigerung der Selbstständigkeit und die Verbesserung der körperlichen Funktionen kann die Lebensqualität der Patienten deutlich verbessert werden.

Kostenübernahme und Beantragung

Bobath-Therapie kann von Haus- oder Fachärzten verordnet werden. Die Kosten trägt in der Regel die Krankenkasse. Für die Therapie benötigen Sie eine Verordnung/ein Rezept von Ihrem Arzt (Haus- oder Facharzt). Sieht Ihr Arzt eine Notwendigkeit für die Behandlung, erfolgt die Abrechnung über die Krankenkasse. Wenn Sie selbst noch weitere Therapien in Anspruch nehmen möchten, kann Ihr Arzt Ihnen ein Privatrezept ausstellen. Dann zahlen Sie die Behandlung selbst. Die Kosten dafür können Sie beim Therapeuten erfragen.

Für Patienten und Patientinnen mit Pflegegrad 3 oder 4 ist die Nutzung eines Taxischeins möglich - sprechen Sie den Therapeuten gern darauf an.

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