Die Krankengymnastik ZNS (KG-ZNS) ist ein wichtiger Bestandteil der neurologischen Rehabilitation. Sie umfasst verschiedene Behandlungskonzepte, die darauf abzielen, Bewegungsstörungen und andere neurologische Beeinträchtigungen zu verbessern. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendungsgebiete der KG-ZNS, die zugrunde liegenden Therapiekonzepte und gibt einen Überblick über den Behandlungsansatz.
Grundlagen der neurologischen Behandlung
Neurologische Behandlungsmethoden finden vor allem bei Erwachsenen und Kindern mit Störungen des zentralen Nervensystems (ZNS) Anwendung, also bei Erkrankungen des Gehirns und des Rückenmarks. Die neurologische Behandlung geht davon aus, dass alle menschlichen Bewegungsmuster seit der frühsten Kindheit im zentralen Nervensystem abgespeichert werden. Wenn eine Erkrankung dieses Muster verändert, können die Bewegungsabläufe also wieder hervorgerufen werden. Das heißt, dass sich der Körper wieder an bestimmte Bewegungsmuster “erinnert”.
Therapiekonzepte der KG-ZNS
Innerhalb der Physiotherapie haben sich zwei Therapiekonzepte der KG-ZNS besonders etabliert:
- Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation (PNF)
- Bobath-Therapie
Beide Konzepte verfolgen das Ziel, die Bewegungsfähigkeit und Selbstständigkeit der Patienten zu verbessern.
Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation (PNF)
Bei dieser Behandlungsmethode verstärkt der Therapeut durch dreidimensionale Bewegungen des Patienten alle äußeren sowie inneren Reize des betroffenen Körperabschnitts. Dabei wird die vollständige Wiederherstellung der Bewegungsmuster angestrebt. Ist das nicht mehr möglich, entwickelt der Therapeut mit dem Patienten eine ähnliche Bewegung, die dem gleichen Ziel dient.
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Bobath-Konzept
Im Unterschied zu anderen Konzepten gibt es in der Bobath-Therapie keine standardisierten Übungen. Im Vordergrund stehen individuelle und alltagsbezogene therapeutische Aktivitäten, die den Patienten in seinem Tagesablauf begleiten. Das Konzept basiert auf der Plastizität des zentralen Nervensystems, also der Fähigkeit, nach einem Trauma Bewegungsabläufe wieder neu erlernen zu können.
Wer darf mit KG-ZNS-Konzepten behandeln?
Verschiedene neurologische Behandlungsformen sind Teil der physiotherapeutischen Berufsausbildung. Nach dem Abschluss des Staatsexamens müssen die Physiotherapeuten mindestens ein Jahr mit mindestens 30 Wochenstunden in einer Einrichtung gearbeitet haben. Die Weiterbildung zum Thema neurologische Behandlungen wählt der/die Therapeut/in dann selbst. Alle neurologischen Behandlungstechniken sind von den Krankenkassen zugelassen. Sie teilen sich eine Überschrift im Heilmittelkatalog, KG-ZNS.
Die KG-ZNS ist demnach eine Zusammenfassung mehrerer neurologischen Behandlungskonzepte. Neurologische Patienten/innen können sich ausschließlich demnach von fortgebildeten Physiotherapeuten auf ärztliches Rezept behandeln lassen. Die Fachärzte, die am häufigsten neurologische Behandlungen verschreiben, sind Neurologen, Rehabilitationsmediziner und Orthopäden. Da in der Regel ein langer Behandlungszeitraum anstehen kann, sind auch einige Hausärzte dazu bereit, sie bei ihrer Behandlung zu unterstützen.
Anwendungsgebiete der KG-ZNS
Es ist etwas irreführend, dass die KG-ZNS nur zur Behandlung von zentralen Beeinträchtigungen geeignet ist. Medizinisch trennt man das Zentralnervensystem (Hirn und Rückenmark) von dem peripheren Nervensystem (Alle Nerven, die nach dem austreten, aus der Wirbelsäule im Körper verlaufen). Ärzte/innen und Therapeuten/innen trennen die zwei Bereiche in ihrer Therapie nicht. Alle neurologischen Erkrankungen können mit der KG-ZNS gut behandelt werden.
Die KG-ZNS findet Anwendung bei einer Vielzahl neurologischer Erkrankungen, darunter:
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- Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
- Morbus Parkinson
- Multiple Sklerose (MS)
- Querschnittslähmungen
- Schlaganfall
- Schädel-Hirn-Trauma
- Zentrale Bewegungsstörungen
- Zerebralparesen
- Lähmungen
- Polyneuropathien
- Fußheberparesen / Fußheberschwächen
Ist die KG-ZNS schmerzhaft?
Alle neurologischen Behandlungsformen der KG-ZNS sind schmerzfrei. Viel mehr müssen sie schmerzfrei sein. Gerade bei zentralen Störungen unseres Nervensystems kann es durch Schmerzen zu Krämpfen oder noch gravierender zu Spastiken kommen. Die Spastiken behindern erheblich die Therapie und verhindern das der/die Patient/in seine/ihre Übungen korrekt ausüben kann.
Ebenfalls ist es möglich, dass das gestörte Nervensystem Schmerzen verstärkt weitergibt oder in manchen Fällen gar nicht. Wenn der/die Patient/in Schmerzen nicht mehr wahrnimmt, kann es sogar gefährlich werden. Es ist möglich, dass Verletzungen an Haut, Muskulatur oder Skelett nicht wahrgenommen werden. Schmerzen sind also zu jeder Zeit zu vermeiden.
Ziele der KG-ZNS
Die KG-ZNS verfolgt eine Vielzahl von Zielen, die individuell auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten des Patienten abgestimmt sind. Dazu gehören:
- Verbesserung der motorischen Fähigkeiten und der Koordination
- Reduktion von Spastik und anderen Muskeltonusstörungen
- Förderung der Sensibilität und des Körpergefühls
- Schmerzlinderung
- Verbesserung der Selbstständigkeit im Alltag
- Erhaltung und Verbesserung der Lebensqualität
Der Behandlungsablauf
Die KG-ZNS beginnt in der Regel mit einer umfassenden physiotherapeutischen Untersuchung, bei der die individuellen Defizite und Ressourcen des Patienten erfasst werden. Auf dieser Grundlage wird ein individueller Behandlungsplan erstellt, der die spezifischen Ziele und Maßnahmen festlegt.
Die Behandlung selbst kann eine Vielzahl von Techniken und Übungen umfassen, die auf die spezifischen Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten sind. Dazu gehören beispielsweise:
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- Mobilisationsübungen
- Kräftigungsübungen
- Gleichgewichtsübungen
- Koordinationsübungen
- Gangschulung
- Alltagstraining
Die Behandlung erfolgt in der Regel in enger Zusammenarbeit mit anderen Therapeuten, Ärzten und Angehörigen.
Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit
Eine erfolgreiche Behandlung von neurologischen Erkrankungen erfordert in der Regel eine enge Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen. Neben der Physiotherapie können auch Ergotherapie, Logopädie, Neuropsychologie und andere Fachbereiche in die Behandlung einbezogen werden.
Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht eine ganzheitliche Betrachtung des Patienten und eine optimale Abstimmung der verschiedenen Therapieansätze.
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