Das Herz-Jesu-Krankenhaus Hiltrup bietet ein breites Spektrum an neurologischen Behandlungen an, wobei ein besonderer Fokus auf der Parkinson-Krankheit liegt. Die Neurologische Klinik ist eine der größten in Westfalen-Lippe und versorgt jährlich eine große Anzahl stationärer und ambulanter Patientinnen und Patienten.
Struktur der Neurologischen Klinik
Die Neurologische Klinik des Herz-Jesu-Krankenhauses Hiltrup verfügt über eine umfassende Struktur zur Behandlung neurologischer Erkrankungen:
- Bettenkapazität: 86 Planbetten, einschließlich einer zertifizierten regionalen Stroke Unit mit zehn Betten.
- Intensivstation: Interdisziplinär geführt.
- Ambulanzen: Privat-, Notfall- und Spezialsprechstunden (Botulinumtoxin, Immunglobuline, monoklonale Antikörper).
- Neuropsychologische Ambulanz: Diagnostik, Beratung und Therapie (privat).
- Neurophysiologisches Labor: EEG, Doppler-Duplexsonographie, EMG/ENG, Evozierte Potentiale.
- Neurosonologisches Labor.
- Abteilung für Klinische Neuropsychologie.
- Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie.
- Hauseigenes Liquorlabor.
- Neuroradiologische Diagnostik: CT/MRT.
Die technische Ausstattung entspricht modernsten Anforderungen, und die Abteilung ist als Ausbildungsstätte für verschiedene neurophysiologische Verfahren anerkannt.
Parkinson-Behandlung im Fokus
Die Parkinson-Krankheit ist eine der häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen und stellt einen Behandlungsschwerpunkt der Neurologischen Klinik dar.
Die Parkinson-Pandemie
Die Parkinson-Krankheit ist die neurologische Erkrankung mit den weltweit am schnellsten ansteigenden Patientenzahlen. Weltweit litten im Jahr 2016 schon 6,1 Millionen Menschen an der Parkinson-Krankheit. Bis zum Jahr 2030 wird von einer Verdopplung dieser Zahl ausgegangen. Wegen dieser Entwicklung wird auch von einer „Parkinson-Pandemie“ gesprochen. Nach aktuellen Schätzungen sind in Deutschland derzeit etwa 400000 Menschen erkrankt.
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Moderne Therapieansätze
Die moderne medikamentöse Parkinsontherapie bietet Patient*innen in allen Stadien der Erkrankung differenzierte Therapieoptionen, hierzu gehören neben oralen und transdermalen Wirkstoffen auch intensivierte Therapien wie subkutane oder intestinale Infusionstherapien sowie die tiefe Hirnstimulation.
Individualisierte Therapieberatung
Im Vordergrund der modernen Parkinsontherapie steht daher neben der korrekten Diagnosestellung die individualisierte Therapieberatung bezüglich der vorliegenden motorischen und nicht-motorischen Symptome jedes einzelnen Patienten.
Interdisziplinäre Versorgung
Diese Komplexität und Multidimensionalität macht eine zwischen verschiedenen Versorgern abgestimmte, interdisziplinäre und Patientenzentrierte Versorgung unabdingbar.
Das Herz-Jesu-Krankenhaus Hiltrup bietet verschiedene therapeutische Möglichkeiten für Patienten mit Parkinson-Krankheit oder Parkinsonsyndromen an:
- Videounterstützte Parkinsontherapie: Ermöglicht eine individuelle Anpassung der Medikamente im Alltag der Patienten.
- Parkinsonkomplextherapie: Ein intensiver, interdisziplinärer Behandlungsansatz, der auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert und ständig an das klinische Bild des Patienten angepasst wird.
- Stationäre Therapie: In Phasen akuter Verschlechterung der Symptomatik.
- Beratung und Schulung: Durch zertifizierte Parkinson Nurses.
- Einstellung auf alle invasiven Pumpentherapien: Apomorphin (u.a.)
Eine Parkinson Nurse unterstützt die Patienten und ist von der Deutschen Parkinson Vereinigung (DPV), der Deutschen Parkinson Gesellschaft (DPG) und dem Kompetenznetzwerk Parkinson (KNP) zertifiziert.
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Parkinsonzentrum Münster-Osnabrück (PaMOS)
Komplexe Fälle werden dabei im Rahmen von regelmäßigen klinikübergreifenden Fallkonferenzen besprochen. Auch erfolgt eine gemeinsame Beratung von Patientinnen und Patienten bei speziellen Fragestellungen, z.B.
Ambulante Videotherapie
Als eines von wenigen Zentren in Deutschland ist unsere Neurologische Klinik für die ambulante Videotherapie zugelassen. Parkinsonpatient:innen können über vier Wochen im häuslichen Umfeld durch mehrfache Videoaufzeichnungen über den Tag medikamentös eingestellt werden. Die Einstellung erfolgt in Zusammenarbeit zwischen dem niedergelassenen Neurologen und dem Chef- bzw. Oberarzt der Klinik.
Ermächtigungsambulanz zur Behandlung von Patient:innen mit Bewegungsstörungen im fortgeschrittenen Stadium
Die Neurologische Klinik der Christophorus-Kliniken in Dülmen bietet auf Überweisung vom Neurologen eine ambulante Möglichkeit zur Behandlung von Patienten mit Bewegungsstörungen unter der KV-Ermächtigung der hierauf spezialisierten Ärzte an.
Hier können z. B. bei Patient:innen mit fortgeschrittenem M. Parkinson in Frage kommende Therapieoptionen wie z.B. die Tiefe Hirnstimulation, Einstellung auf eine Apomorphin-Pumpe oder auf eine Duodopa-Pumpe besprochen werden und im Verlauf eine ambulante Begleitung der gewählten Therapie erfolgen.
Forschungsschwerpunkte
Die Arbeitsgruppe befasst sich schwerpunktmäßig mit der Diagnostik und Therapie von parkinsonassoziierten Schluckstörungen. Da neurogene Dysphagien bei Parkinson-Syndromen häufig auftreten, besteht eine enge inhaltliche und personelle Kooperation mit der AG „Neurogene Dysphagie“ (Leitung: Univ.-Prof. Dr. med. Sonja Suntrup-Krüger). Im Zentrum unserer Arbeit stehen:
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- Die Detektion neuer Prädiktoren und Biomarker für das Auftreten von parkinsonassoziierten Dysphagien
- Die Entwicklung verfeinerter diagnostischer Untersuchungsprotokolle sowie die Evaluation innovativer Therapieansätze
Dabei nutzen wir verschiedene apparative Verfahren: So untersuchen wir mittels Magnetenzephalographie neuronale Korrelate der Dysphagie bei idiopathischen und atypischen Parkinsonsyndromen. Zudem verwenden wir die hochauflösende Manometrie, um krankheitsspezifische Störungsmuster insbesondere der ösophagealen Phase des Schluckaktes bei Bewegungsstörungen zu identifizieren. Dazu kooperieren wir mit der Klinik für Gastroenterologie am UKM. Weiterhin nutzt unsere AG seit Kurzem die endoskopische Evaluation des Schluckaktes, um die besonders relevante pharyngeale Phase genauer zu analysieren.
Aktuell bauen wir zwei weitere Forschungsschwerpunkte auf: die Evaluation der Wirksamkeit von Therapieansätzen mittels Tiefer Hirnstimulation sowie die Erforschung neurogenetischer Parkinsonsyndrome.
Zudem wird erforscht, wie sich die Zusammenarbeit von unterschiedlichen Behandlungsgruppen auf die Versorgung von Parkinson-Patienten im Münsterland auswirkt.
Weitere neurologische Schwerpunkte
Neben der Parkinson-Behandlung deckt die Neurologische Klinik ein breites Spektrum weiterer neurologischer Erkrankungen ab:
- Schlaganfälle: Die Klinik verfügt über eine zertifizierte Stroke Unit und nimmt aktiv am Schlaganfallregister Nordwestdeutschland teil. Schlaganfallpatienten erhalten auf unserer zertifizierten Stroke Unit eine Behandlung nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG). Schlaganfallpatient:innen werden notfallmäßig von ärztlichen und pflegerischen Spezialisten aufgenommen und innerhalb kurzer Zeit alle erforderlichen Untersuchungen wie eine Bildgebung des Kopfes oder ein Ultraschall der hirnversorgenden Arterien veranlasst. Ein Schwerpunkt liegt hier in der engen Zusammenarbeit mit der Abteilung für Kardiologie in der Suche nach möglichen Quellen eines Gerinnsels. Seit Januar 2021 führen wir Thrombektomien in unserem Hause durch. Darüber hinaus besteht weiterhin eine enge Kooperation, u. a.
- Multiple Sklerose (MS): Die Klinik ist anerkanntes MS-Zentrum der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) und verfügt über eine DMSG-zertifizierte MS-Schwester. Ermächtigungsambulanz zur Behandlung von Patienten mit hochaktiver Multiple Sklerose. Das therapeutische Spektrum zur Behandlung der schubförmigen Multiplen Sklerose wird ständig erweitert.
- Epilepsie: EEG Videoüberwachung, z.B. zur speziellen Epilepsieabklärung.
- Neuromuskuläre Erkrankungen: Schwerpunktmäßige Behandlung, die Klinik ist Teil des von der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke e.V. zertifizierten „Muskelzentrum Ruhrgebiet“. Prof. Dr. Kley ist Sprecher des durch die DGM zertifi zierten Neuromuskulären Zentrums Ruhrgebiet.
- Demenzen.
- Schwindel: Umfassende Diagnostik und Therapie verschiedener Schwindelformen.
- Kopfschmerzen.
- Chronische Schmerzen: Multimodale Schmerztherapie.
- Meningitis.
Diagnostisches Angebot
Die Klinik bietet ein breites diagnostisches Spektrum:
- Elektroencephalographie (EEG) einschl. 24 Stunden Video-EEG.
- Elektroneurographie zur Nervenuntersuchung.
- Elektromyographie zur Untersuchung der Muskeln.
- Evozierte Potentiale (VEP, FAEP, SEP, MEP).
- Doppler-Duplexsonographie der hirnversorgenden Gefäße.
- Ultraschallrestharnbestimmung.
- Psychometrische Verfahren.
- Schlafapnoe-Screening.
- Prüfung des Gleichgewichts.
- Hirnstammdiagnostik (FAEP, OOR, Trigeminus-SEP).
- Untersuchung der Funktion des N. facialis.
- Untersuchung der neuromuskulären Überleitung.
- Ultraschalldiagnostik der hirnversorgenden Gefäße mittels Doppler- und farbkodierter Duplexsonographie und Bestimmung der zerebrovaskulären Reservekapazität sowie Mikroemboliedetektion.
- Umfassende radiologische Möglichkeiten zur Diagnostik des Nervensystems mit MRT einschließlich MR-Angiographien, CT einschließlich CT-Angiographien und CT-Myelographien, digitale Subtraktionsangiographien, Szintigraphie und native Röntgendiagnostik.
Interdisziplinäres Team
Ein Team aus hochqualifizierten Fach- und Assistenzärzten behandelt die ganze Bandbreite neurologischer Erkrankungen nach neuesten medizinischen Erkenntnissen. Das Team der Klinik für Neurologie setzt sich neben dem Chefarzt aus Oberärzten, Fachärzten, Assistenzärzten, sowie einem ca. 25-köpfigen Team aus fachlich geschulten Pflegekräften zusammen. Unterstützung erfahren diese durch speziell ausgebildete Physio- und Ergotherapeuten sowie Logopäden. Neurochirurgische Operationen werden in enger Zusammenarbeit mit der Uni-Klinik und dem Clemens-Hospital in Münster, der Uniklinik Essen und dem Vest-Klinikum Recklinghausen durchgeführt.
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