Die Schließung der Neurologie in Kirchen und die Auswirkungen auf die regionale Versorgung

Die Schließung der Neurologie am DRK Krankenhaus Kirchen hat weitreichende Folgen für die neurologische Versorgung der Bevölkerung in Kirchen und Umgebung. Diese Entscheidung der DRK Trägergesellschaft Süd-West, die erst vor vier Jahren im Jahr 2020 etablierte Fachabteilung zu schließen, hat zu großer Besorgnis in der Region geführt. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe der Schließung, die unmittelbaren Konsequenzen und die potenziellen Lösungsansätze, um die neurologische Versorgung der Bevölkerung weiterhin zu gewährleisten.

Die Schließung der Neurologie in Kirchen

Die Schließung der Neurologie in Kirchen ist Teil einer umfassenderen Umstrukturierung der DRK-Krankenhäuser in der Region. Nachdem bereits bekannt wurde, dass das Krankenhaus in Altenkirchen offenbar entgegen erster Pläne nur noch ein MVZ sowie eine Kinder- und Jugendpsychiatrie behalten wird, sind die Nachrichten aus Kirchen ein weiterer Rückschlag für die medizinische Versorgung im ländlichen Raum. Laut Aussage der DRK Trägergesellschaft Süd-West vom 17. Juli ist man nun auch in Kirchen gezwungen, Veränderungen vorzunehmen. Die wohl einschneidendste Veränderung ist die Schließung der Fachabteilung der Neurologie. Bis Ende der Woche sollen alle Mitarbeiter, welche von der Schließung der Neurologie in Kirchen betroffen sind, informiert werden.

Ursachen und Hintergründe

Die Gründe für die Schließung der Neurologie sind vielfältig und komplex. Zum einen spielen wirtschaftliche Faktoren eine Rolle, da die DRK-Krankenhäuser mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Die Insolvenz des DRK-Krankenhauses in Kirchen und die damit verbundenen Restrukturierungsmaßnahmen sind ein deutliches Zeichen dafür. Zum anderen gibt es auch strukturelle Probleme im Gesundheitssystem, die insbesondere ländliche Krankenhäuser betreffen. Dazu gehören Personalmangel, hohe Kosten und eine unzureichende Finanzierung.

Ein Rundschreiben von Dr. Erik Becker, Obmann der Kreisärzteschaft, an alle Ärzte im Kreis Altenkirchen verdeutlicht die angespannte Situation im Krankenhaus Kirchen. Demnach sei die Abteilung der Gastroenterologie personell so massiv ausgedünnt, dass nur noch eine Notfallversorgung von Patienten möglich sei. Geplante Untersuchungen und Aufnahmen seien derzeit auf Eis gelegt und nicht möglich. Außerdem könnten aktuell durch Personalmangel nur knapp die Hälfte der Betten belegt werden.

Auch die Urologie hängt in der Luft. "Nachdem zielführende Gespräche mit einem Siegener Krankenhaus vom MVZ Urologie Kirchen geführt wurden, wurden diese kurzfristig von der DRK Trägergesellschaft in Mainz ohne eine neue Perspektive aufzuzeigen, gestoppt. Gerade die Urologie in Kirchen ist für die ambulante Versorgung weit über den Oberkreis absolut unabkömmlich, da hier sehr viele Tumorpatienten und chronisch kranke urologische Patienten dauerhaft versorgt werden müssen", so die Kreistagsfraktion der FDP.

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Reaktionen und Besorgnisse

Die Schließung der Neurologie in Kirchen hat in der Bevölkerung und bei politischen Entscheidungsträgern große Besorgnis ausgelöst. Die FDP-Kreistagsfraktion im Kreis Altenkirchen äußerte bereits vor Bekanntwerden der Schließung der Neurologie die große Sorge, dass es im Krankenhaus Kirchen nach wie vor einige Unklarheiten und Unsicherheiten gebe.

Selbst Landrat Dr. Peter Enders äußerte sich kurzfristig aus seinem Urlaub heraus zu den besorgniserregenden Informationen zur weiteren Dezimierung des Standorts Altenkirchen: "Für mich ist damit eine Grenze überschritten worden, zumal auch aus dem Umfeld des Krankenhauses in Kirchen sehr beunruhigende Nachrichten zu uns durchdringen", so der Landrat. Enders erinnert daran, dass Minister Hoch erst vor wenigen Monaten die stationäre Versorgung in der Region als gesichert eingestuft habe. Da sei die Ausgangslage aber noch eine ganz andere gewesen.

Das Klinikum Siegen übernimmt Verantwortung

Als Reaktion auf die Schließung der Neurologie am DRK Krankenhaus Kirchen hat das Klinikum Siegen angekündigt, seine Klinik für Neurologie und Neurogeriatrie ab dem 01. August 2024 um zehn zusätzliche Betten zu erweitern. Diese Entscheidung hat das Klinikum Siegen getroffen, um eine neurologische Versorgung der Patienten aus Kirchen und Umgebung reibungslos mit der kurzfristigen Schließung der Abteilung zum 31. Juli sicherzustellen.

„Wir übernehmen Verantwortung für die neurologische Versorgung der Region und darüber hinaus“, erklärt Prof. Dr. Martin Grond, Ärztlicher Direktor am Klinikum Siegen und Chefarzt der Klinik für Neurologie und Neurogeriatrie. „Bereits vor der Gründung der Fachabteilung für Neurologie in Kirchen im Jahr 2020 haben wir die Patienten aus der Region neurologisch versorgt“, erläutert Grond. Es handle sich somit nicht um eine völlig neue Situation für das Klinikum Siegen. Auch die Regionale Stroke Unit des Kirchener Krankenhauses sei bereits seit den 90er Jahren der Überregionalen Stroke Unit des Klinikums Siegen zugeordnet. Diese Verantwortung habe man bis heute stets wahrgenommen.

„Erst kürzlich hat das Gesundheitsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen im Rahmen der Krankenhausplanung unserem Klinikum die Verantwortung für die neurologische Versorgung, inklusive der Versorgung von Schlaganfallpatienten zugesprochen. Möglich wird dieser Schritt nur durch die sehr gute personelle Besetzung der Klinik für Neurologie am Klinikum Siegen. So können die zusätzlichen Patientinnen und Patienten sowohl medizinisch als auch therapeutisch und pflegerisch auf hohem Niveau versorgt werden.

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„Besonders wichtig ist uns zu betonen, dass es durch die Aufnahme weiterer Patienten aus Kirchen und Umgebung zu keinerlei Einschränkungen für die Patienten aus unserer Region kommt. Die entsprechenden Kapazitäten sind im Klinikum vorhanden.

Weitere Lösungsansätze und Perspektiven

Neben der Ausweitung der Kapazitäten am Klinikum Siegen gibt es weitere Bemühungen, die medizinische Versorgung in Kirchen und Umgebung zu sichern. Der Kreis Altenkirchen hat mit der Diakonie in Südwestfalen einen Vertrag ausgearbeitet, damit sie als neuer Träger das insolvente DRK-Krankenhaus in Kirchen und die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Altenkirchen bald übernehmen könne. Darüber müsse der Kreistag aber noch abstimmen, so Enders. Daher sei die nächste Sitzung auf den 16. Juni vorverlegt worden.

Mit der Übernahme werde endlich Sicherheit für die Mitarbeitenden und die Menschen in der Region geschaffen, sagt Diakonie-Geschäftsführer Josef Rosenbauer. Denn die Diakonie plane, das medizinische Angebot am Standort Kirchen in Zukunft zu erweitern. Fachbereiche, die im Laufe der Jahre eingestellt worden seien, könnten dann wieder aufgenommen werden, sagt Rosenbauer. Das betrifft demnach die Abteilungen Urologie, Neurologie und das Schlaganfallzentrum.

Im März hatte der Kreistag beschlossen, den neuen Träger mit fast 16 Millionen Euro zu unterstützen, unter anderem um die Verluste bis zur Übernahme des insolventen Krankenhauses auszugleichen. Inzwischen sei aber klar geworden, dass die nötigen Ausgaben für die Bereiche Bau, IT und Medizintechnik höher seien, als damals angenommen, sagt Landrat Peter Enders. Zu genauen Zahlen wolle er aber vor der Kreistagssitzung noch keine Angaben machen. Außerdem sei noch nicht klar, wie viel Geld das Land für einzelne Maßnahmen zuschießen werde, sagt Enders. Diese und weitere offene Fragen könnten jetzt aber auf Grundlage des Vertragsentwurfs geklärt werden.

Das Klinikum Siegen möchte auch gerne im Bereich der Urologie Verantwortung für die Bevölkerung in Kirchen übernehmen und führte daher bereits in der Vergangenheit Gespräche zur Übernahme des Kassensitzes der MVZ Praxis für Urologie in Kirchen. Das Klinikum Siegen verfügt über eine große urologische Kompetenz und möchten diese gerne weitertragen, um für die Patientinnen und Patienten in Kirchen eine sichere Anlaufstelle zu schaffen.

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„Wir befinden uns schon seit Langem in Gesprächen mit der DRK-Trägergesellschaft Süd-West, was die medizinische Versorgung in den Bereichen der Neurologie und Urologie angeht und bieten hier auch weiterhin unsere Unterstützung an. Wie die konkrete Ausgestaltung der weiteren Versorgung aussieht werden die nächsten Wochen zeigen.

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