Sterbende Menschen, insbesondere Krebspatienten, durchlaufen in der Regel einen Sterbeprozess, der sich in verschiedene Phasen unterteilt, sofern der Tod nicht abrupt eintritt. Dieser Prozess kann in Rehabilitations-, Terminal- und Finalphasen unterteilt werden, die jeweils mit spezifischen Symptomen einhergehen. Es ist wichtig zu verstehen, dass nicht jeder Sterbeprozess gleich verläuft und die Anzeichen individuell variieren können.
Einführung in den Sterbeprozess
Wenn Menschen aufgrund des natürlichen Alterungsprozesses oder einer schweren Krankheit, wie Krebs, im Sterben liegen, durchlaufen sie einen Sterbeprozess. Im Gegensatz zu einem plötzlichen Tod erstreckt sich dieser über einen längeren Zeitraum. Der natürliche Sterbeprozess wird in drei Phasen unterteilt, die mit unterschiedlichen Symptomen einhergehen. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass nicht jeder Sterbeprozess gleich verläuft und sich die Symptome in den unterschiedlichen Phasen nicht zwangsläufig gleich äußern.
Die Phasen des Sterbeprozesses
1. Rehabilitationsphase
In der Rehabilitationsphase beginnt der natürliche Sterbeprozess mit einer Krankheit, die letztendlich tödlich verläuft. Die Krankheit schreitet voran und sterbende Menschen werden oft allmählich pflegebedürftig. Trotz fortgeschrittenem Krebs können sich viele Menschen in dieser Phase vergleichsweise gut fühlen, ihren Alltag meistern und Pläne machen. Eine ärztliche Begleitung und regelmäßige Behandlungen sind jedoch notwendig, um die Krankheit zu stabilisieren.
2. Terminalphase
Die Terminalphase beginnt, wenn die Krankheit ein Stadium erreicht hat, in dem keine Heilung mehr prognostiziert werden kann und sich das Krebswachstum nicht mehr aufhalten lässt. In dieser Phase verschlechtert sich die körperliche Verfassung zunehmend und neue Symptome und Beschwerden können auftreten. Die Behandlung muss dann immer wieder angepasst werden. Diese Phase kann Wochen oder wenige Monate dauern. Ein enger Kontakt zu den behandelnden Ärzten ist notwendig, und viele Betroffene benötigen mehr Unterstützung im Alltag. In dieser Phase sollte geklärt werden, wie die weitere Behandlung aussehen soll und wie die Pflege organisiert werden kann.
3. Finalphase
Der eigentliche, körperliche Sterbeprozess beginnt in der Finalphase, in der Regel in den letzten 48 Stunden vor dem Tod. Wenn im Sterben liegende Menschen nur noch wenig sprechen und viel schlafen, ist das oft ein erstes Anzeichen für den Beginn des körperlichen Sterbeprozesses. Der Stoffwechsel fährt herunter, Hunger- und Durstgefühl lassen nach, und die Durchblutung wird schlechter, was zu einer Austrocknung des Körpers führt. Die Atmung wird flacher und unregelmäßiger. In dieser Phase lassen die Körperfunktionen insgesamt nach, und das Gesicht eines Sterbenden ist oft sehr blass, besonders im Bereich des Mundes und der Nase.
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Symptome in der letzten Lebensphase
In der letzten Lebensphase können verschiedene Symptome auftreten, die für Betroffene und Angehörige belastend sein können. Es ist wichtig zu wissen, dass diese Beschwerden nicht ungewöhnlich sind und behandelt werden können.
Häufige Symptome
- Schmerzen: Schmerzen sind eines der häufigsten und belastendsten Symptome. Sie können durch die Grunderkrankung, Begleiterkrankungen oder durch eingeschränkte Beweglichkeit entstehen. Die Behandlung erfolgt meist mit starken Medikamenten wie Opiaten.
- Angst: Angst ist ein häufiges und ernstzunehmendes Symptom am Lebensende. Sie kann sich durch Unruhe, Aggression, Rückzug oder körperliche Reaktionen äußern.
- Depression: Eine unheilbare Krankheit und das nahende Lebensende können die Stimmung drücken. Wenn Symptome wie niedergedrückte Stimmung, Schlafstörungen, Hoffnungslosigkeit oder vermindertes Interesse ausgeprägt sind und lange anhalten, sollte ein Arzt informiert werden.
- Schlafstörungen: Schlafstörungen sind bei Menschen mit schweren Erkrankungen sehr häufig. Die Ursachen können vielfältig sein, und es gibt Medikamente, die helfen können.
- Unruhe: Starke Unruhe zeigen z.B. schwerstkranke Menschen, die sich nicht mehr klar orientieren können oder nicht mehr ansprechbar sind. Zuwendung und Zeit können helfen.
- Atemnot: Atemnot kann durch Sauerstoffmangel oder zu viel Kohlenstoffdioxid im Körper entstehen. Es ist wichtig, die betroffene Person zu beruhigen und die Konzentration auf eine gleichmäßige Atmung zu lenken.
- Übelkeit und Erbrechen: Übelkeit, Würgereiz und Erbrechen schränken die Lebensqualität stark ein. Eine angenehme Raumatmosphäre, gute Mundpflege und kleine Mahlzeiten können die Beschwerden lindern.
- Verstopfung: Mehr als die Hälfte der Palliativpatienten leidet unter Verstopfung. Die Behandlung kann schwierig sein, da verschiedene Ursachen eine Rolle spielen können.
- Juckreiz: Juckreiz in der Sterbephase ist selten, dafür aber sehr quälend. Kratzen sollte vermieden werden, da es den Juckreiz verschlimmert.
- Mundpilz (Soor): Palliativpatienten haben häufig einen weißlichen Belag im Mundraum, der beim Essen und Trinken brennt und schmerzt. Gegen Mundpilz hilft eine konsequente Mundpflege.
- Krampfanfälle: Krampfanfälle dauern nur wenige Sekunden bis Minuten, sind aber für die Betroffenen sehr belastend. Sie treten oft bei Menschen mit Hirnschädigungen auf.
- Verwirrtheit, Aggressivität, Wahnvorstellungen, starke Gefühlsschwankungen: Diese Symptome können plötzlich auftreten und schwanken oder bis zum Tod anhalten. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, persönliche Zuwendung und Entspannungsübungen können Abhilfe schaffen.
Behandlung von Symptomen
Es gibt viele Hilfen, die die Symptome lindern können. Schwerstkranke Menschen und Angehörige sollten mit dem Behandlungsteam sprechen. Palliativmediziner sind erfahren darin, Medikamente gezielt zu kombinieren, Nebenwirkungen zu vermeiden und die bestmögliche Wirkung zu erzielen. Neben Medikamenten gibt es auch viele soziale und pflegerische Maßnahmen, die lindern können.
Begleitung im Sterbeprozess
Es ist wichtig, sterbenden Menschen das Gefühl zu geben, nicht allein zu sein. Angehörige leisten oft Hilfe in Form von Sterbebegleitung, um den Sterbenden die letzten Wochen, Tage und Stunden des Lebens so angenehm wie möglich zu gestalten. Die Sterbebegleitung kann sowohl im gewohnten Umfeld zu Hause stattfinden als auch im Hospiz von professionellen Sterbebegleitern geleistet werden.
Unterstützung für Angehörige
Es ist für Angehörige und Freunde schwer, einen geliebten Menschen zu begleiten, der im Sterben liegt. Daher ist es verständlich, dass man sich wünscht, dieser würde am Leben bleiben. Wenn ein Krankheitsverlauf oder der natürliche Alterungsprozess weit vorangeschritten sind, ist der Todesfall jedoch nicht aufzuhalten. Es ist wichtig, sich einzugestehen, dass die Situation schwerfällt, und sich Unterstützung zu suchen.
Gesprächsführung
Wenn man über den Tod sprechen möchte, ist es hilfreich, auf Hinweise der betroffenen Person zu achten. Als Angehörige oder Freunde sollte man mutig sein, diese Hinweise aufzunehmen und zu zeigen, dass man für Gespräche bereit ist. Es ist wichtig, einen ruhigen, sicheren Ort für Gespräche zu wählen und die Grenzen der betroffenen Person zu respektieren.
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Palliativtherapie
Eine Palliativtherapie rückt den Menschen in den Mittelpunkt und konzentriert sich auf die Lebensqualität des Einzelnen. Sie umfasst Symptomlinderung, soziale und spirituelle Unterstützung sowie die Einbeziehung des Umfelds des Menschen. In Österreich gibt es eine abgestufte Hospiz- und Palliativversorgung, die von der hausärztlichen Betreuung bis hin zu spezialisierten mobilen Palliativteams reicht.
Fragen an das Palliativteam
Fragen an das Palliativteam sollten sich vorwiegend auf die Person beziehen, die an einer schweren Erkrankung leidet. Es ist wichtig, offen miteinander zu sprechen und Ängste und Sorgen anzusprechen.
Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht
Für wichtige medizinische Entscheidungen empfiehlt es sich, eine Patientenverfügung und/oder Vorsorgevollmacht zu errichten. Dies hilft, den mutmaßlichen Patientenwillen herauszufinden und Angehörige nicht zu überfordern.
Unterstützungsmöglichkeiten
Es gibt viele Möglichkeiten der Unterstützung, von finanzieller Hilfe durch Sozialarbeiter bis hin zu spiritueller Betreuung durch verschiedene Konfessionen. Selbsthilfegruppen können eine gute Möglichkeit sein, mit anderen Betroffenen zu sprechen.
Psychische Belastung für Angehörige
Das Begleiten von Palliativpatienten ist für Angehörige psychische Schwerstarbeit. Es ist wichtig, Hilfe zuzulassen, auch im psychischen Bereich, und sich Zeit für sich selbst zu nehmen.
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Umgang mit Überforderung
Es ist normal, sich überfordert und verzweifelt zu fühlen. Es ist wichtig, sich dies einzugestehen und sich die Unterstützung zu suchen, die einem persönlich weiterhilft.
Wohlbefinden der Angehörigen
Zum Wohlbefinden der Angehörigen kann man am besten beitragen, indem man fragt: "Was brauchst du? Was kann ich für dich tun?" Körperliche Nähe, Gespräche und kleine Überraschungen können helfen.
Was passiert im Körper kurz vor dem Tod?
In den letzten Stunden und Tagen vor dem Tod stellt der Körper langsam seine Funktionen ein. Organe wie Niere, Leber, Lunge und Herz schränken ihre Arbeit ein und geben schließlich ganz auf. Der Kreislauf zentralisiert sich, und das Blut zieht sich in den Körperkern zurück, um die inneren Organe mit Sauerstoff zu versorgen. Das Bewusstsein trübt sich ein, und der Sterbende wirkt verwirrt und desorientiert. Hunger- und Durstgefühl lassen nach, und die Atmung kann röchelnd oder brodelnd klingen.
Die Bedeutung von Zuwendung und Geborgenheit
Eine Grundkonstante im Sterbeprozess ist menschliche Zuwendung, Geborgenheit und Vertrauen. Es ist wichtig, sich um den Sterbenden zu kümmern und ihm das Gefühl zu geben, dass er nicht allein ist.
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