Menstruelle Migräne: Ursachen, Symptome und Behandlung von zyklusbedingten Kopfschmerzen

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Laut einer Erhebung des Robert Koch-Instituts aus dem Jahr 2020 leiden in Deutschland fast 15 Prozent der Frauen an Migräne, während es bei Männern nur 6 Prozent sind. Ein besonderes Problem für viele Frauen ist die menstruelle Migräne, die in der Zeit um die Periode herum auftritt. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Kreislaufproblemen, Übelkeit, Zyklus und Migräne, um Betroffenen ein besseres Verständnis und mögliche Lösungsansätze zu bieten.

Migräne und Kopfschmerzen - Was ist der Unterschied?

Es ist wichtig, zwischen verschiedenen Arten von Kopfschmerzen zu unterscheiden. Spannungskopfschmerzen sind häufig, aber weniger stark als Migräne. Sie werden oft als dumpf und drückend beschrieben und können den ganzen Kopf oder nur einzelne Bereiche betreffen. Leichte Spannungskopfschmerzen erfordern meist keine Behandlung, während stärkere Schmerzen mit rezeptfreien Schmerzmitteln behandelt werden können. Migräne hingegen ist durch starke, pulsierende Kopfschmerzen gekennzeichnet, die oft von Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit begleitet werden.

Ursachen für Migräne bei Frauen

Die genauen Ursachen für Migräne sind bis heute nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und verschiedenen Triggerfaktoren eine Rolle spielt. Zu den bekannten Triggern gehören Stress, emotionale Belastungen, veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus, Alkohol und Zigaretten. Bei Frauen spielen hormonelle Schwankungen im Monatszyklus eine zusätzliche Rolle als Risikofaktor für menstruelle Migräne.

Hormonelle Schwankungen und Migräne

Besonders zum Ende des Monatszyklus sind Frauen oft von heftigen Kopfschmerzen betroffen. Die Migräne tritt dann während der Periode auf - zwischen zwei Tage vor bis zwei Tage nach der Regelblutung. Neben dem abfallenden Hormonspiegel zum Ende des Monatszyklus spielt auch das Neuropeptid CGRP eine Rolle. CGRP ist ein körpereigener Entzündungsbotenstoff, der die Blutgefäße im Gehirn stark erweitert und dadurch Kopfschmerzen verursachen kann.

Eine Studie der Charité - Universitätsmedizin Berlin hat gezeigt, dass betroffene Frauen während der Menstruation besonders große Mengen an CGRP bilden. Dies könnte erklären, warum Migräneattacken vor oder während der Menstruation oft länger und intensiver sind. Während einer Schwangerschaft bleiben Migräneattacken bei vielen Frauen hingegen aus, und nach den Wechseljahren verschwinden sie bei vielen, aber nicht allen Frauen ganz.

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Symptome der menstruellen Migräne

Hormonell bedingte Migräne tritt bei den meisten Frauen kurz vor, während oder nach der Periode auf. Zu den typischen Symptomen zählen:

  • Kopfschmerzattacken, die mehrere Tage anhalten können
  • Oft einseitiger, pulsierender oder pochender Schmerz
  • Mittlere bis starke Schmerzen, die bei Aktivität zunehmen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht, Gerüchen und Geräuschen

Manche Frauen erleben die menstruelle Migräne auch mit einer Aura. Dies sind neurologische Ausfallerscheinungen und Störungen, die kurz vor der Migräneattacke auftreten. Dazu zählen Sehstörungen wie Lichtblitze, Sprachstörungen, Missempfindungen, Lähmungen oder Schwindel.

Behandlung von Kopfschmerzen während der Periode

Frauen, die mit heftigen Migräneanfällen rund um ihre Menstruation kämpfen, sollten dies mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen. Die Migräne selbst ist nicht heilbar, aber die Kopfschmerzen und begleitenden Symptome können behandelt werden. Akute menstruell bedingte Migräneattacken werden genauso behandelt wie andere Migräneattacken. Dabei liegt der Fokus auf einer möglichst effektiven und individuellen Schmerzlinderung.

Medikamentöse Behandlung

Bei starken Beschwerden helfen Medikamente, um den Anfall zu unterbrechen und durchzustehen. Dazu zählen Schmerzmittel wie ASS, Ibuprofen oder die Kombination aus ASS, Paracetamol und Koffein, die möglichst am Anfang der Attacke eingenommen werden sollten. Darüber hinaus gibt es auch spezielle Migränemittel wie Triptane. Helfen diese Medikamente nicht, werden sie nicht vertragen oder können sie aus anderen Gründen nicht eingenommen werden, können auch sogenannte CGRP-Inhibitoren in Betracht gezogen werden. Opioide sollten nicht verwendet werden.

Es ist wichtig zu beachten, dass ein übermäßiger Gebrauch von Schmerzmitteln dazu führen kann, dass Kopfschmerzen chronisch werden. Deshalb sollte die Einnahme von Medikamenten immer mit den behandelnden Expertinnen und Experten abgeklärt werden.

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Triptane

Triptane sind Medikamente, die speziell für die Behandlung von Migräne entwickelt wurden. Sie verengen gezielt die Blutgefäße in den Hirnhäuten und unterbrechen damit den Migräneanfall. Dabei wirken sie nicht nur gegen die Schmerzen, sondern auch gegen Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Die Medikamente sind als Tabletten, Zäpfchen, Nasenspray und Injektion erhältlich. Bei anderen Kopfschmerzarten sind sie meist wirkungslos.

Nicht-medikamentöse Methoden

Viele Frauen haben bei leichten Beschwerden positive Erfahrungen mit nicht-medikamentösen Methoden gesammelt. Dazu gehören:

  • Rückzug: Bei einem akuten Migräneanfall kann es helfen, sich zurückzuziehen, idealerweise in einen ruhigen, abgedunkelten Raum.
  • Bewegung: Ob Radfahren, Joggen oder Schwimmen - probieren Sie aus, was Ihnen guttut.
  • Entspannungstechniken: Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder Yoga können helfen, mit Stress besser umzugehen.

Vorbeugung von Perioden-Kopfschmerzen

Es ist bekannt, dass bestimmte Auslöser eine Migräne begünstigen können. Folgende Tipps können helfen, Migräneattacken vorzubeugen oder sie abzuschwächen:

  • Kurz vor und während der Periode auf Alkohol verzichten.
  • Auf einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus achten. Also möglichst zur selben Zeit ins Bett gehen und aufstehen. Auch ausreichend Schlaf ist wichtig.
  • Stress vermeiden.
  • Ausdauersportarten wie Radfahren, Joggen oder Schwimmen haben sich als wirksam bei der Vorbeugung von Migräne erwiesen.
  • Das Führen eines Kopfschmerzkalenders kann helfen, auslösende Faktoren zu erkennen und den Erfolg der eingesetzten Medikamente zu bewerten.

Menstruationsbeschwerden und PMS

Neben der Migräne können auch andere Menstruationsbeschwerden und das prämenstruelle Syndrom (PMS) eine Rolle spielen.

Primäre und sekundäre Regelschmerzen

In der Medizin unterscheidet man zwischen primären und sekundären Regelschmerzen. Primäre Regelschmerzen werden durch die Kontraktion der Gebärmutter ausgelöst. Dabei spielen Prostaglandine eine wichtige Rolle. Dies sind hormonähnliche Botenstoffe (Gewebshormone), die bewirken, dass sich die Gebärmuttermuskulatur zusammenzieht, um die Schleimhaut zu lockern. Das löst wiederum die typischen Unterleibsschmerzen aus.

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Sekundäre Regelschmerzen werden nicht durch Kontraktionen der Gebärmutter, sondern durch eine Krankheit verursacht. Krankhafte Veränderungen des Beckens (Gebärmutterentzündung, Myome oder Polypen) führen ebenfalls zu Regelschmerzen. Die Krankheit Endometriose ist häufig die Ursache für sekundäre Regelschmerzen. Dabei handelt es sich um ein gutartiges Wachstum der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutterhöhle. Dieses geht häufig mit starken Schmerzen einher.

Prämenstruelles Syndrom (PMS)

Die Tage, bevor die Regelblutung einsetzt, können mit Beschwerden einhergehen. Der Sammelbegriff für die Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen, Bauchschmerzen und das Spannungsgefühl in den Brüsten ist PMS. Die Symptome und ihre Intensität sind nicht bei jeder Frau gleich. Manche spüren nur leichte Schmerzen, während andere zu dieser Zeit kaum aus dem Bett kommen.

Typische physische und psychische PMS-Symptome:

  • Physische PMS-Symptome: Kreislaufbeschwerden, Heißhunger UND Appetitlosigkeit, Spannungsgefühl in den Brüsten, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Wasseransammlungen im Gewebe, Übelkeit, Migräne, Müdigkeit, Erschöpfungszustände, Unterbauchkrämpfe.
  • Psychische PMS-Symptome: Gesunkenes Selbstwertgefühl, Angstzustände, Aggressionen, Stimmungsschwankungen, grundloses Weinen, starke Antriebslosigkeit, Depressionen.

Ursachen des PMS

Was genau die Ursachen für PMS sind, konnte bisher noch nicht abschließend geklärt werden. Allerdings haben die Expertinnen und Experten einige Vermutungen. Manche Experten glauben, dass PMS etwas damit zu tun hat, dass der Körper in der zweiten Zyklushälfte (nach dem Eisprung) eine hormonelle Umstellung durchläuft. Außerdem hat man beobachtet, dass die Wahrscheinlichkeit von PMS steigt, wenn der Körper in der zweiten Hälfte des Zyklus entweder zu viel oder zu wenig vom Gelbkörperhormon Progesteron erzeugt. Eine andere Ursache von PMS vermuten Forscherinnen und Forscher im Anstieg des Hormons Prolaktin in der zweiten Zyklushälfte, der zum Beispiel zu Wassereinlagerungen im Gewebe führen könnte.

Depressive Verstimmungen vor der Periode

Einige Frauen leiden in den Tagen vor den Tagen besonders hart unter Niedergeschlagenheit und depressiven Verstimmungen. Diese Form der Niedergeschlagenheit nennt man prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS). Untersuchungen zeigen, dass PMDS durch ein Zusammenspiel von Hormonen und dem Hippocampus ausgelöst wird. Die Hormone Östrogen und Progesteron beeinflussen den Serotoninspiegel. Ist der Serotoninspiegel niedrig, kann es sein, dass man müde, aggressiv oder niedergeschlagen ist.

Tipps gegen PMS

  • Yoga wirkt beim prämenstruellen Syndrom ausgleichend und beruhigend.
  • Mönchspfeffer-Präparate (Apotheke), aber auch Vitamin-B6-reiche Lebensmittel wie Hülsenfrüchte oder Avocados tragen zum Ausgleich des hormonellen Gleichgewichts bei.
  • An die frische Luft gehen - Vitamin D, das der Körper durch Sonnenstrahlen bildet, verringert PMS-Beschwerden.

Heißhunger auf Schokolade vor der Periode

Vor dem Einsetzen der Periode haben viele Frauen einen richtigen Heißhunger auf Schokolade, Chips & Co. Keine Sorge, das ist vollkommen normal und leicht zu erklären. Der Appetit auf ungesunde und kohlenhydratreiche Dinge hat drei Hauptursachen: den Hormonspiegel, die Stimmungsschwankungen und den Stoffwechsel.

Stimmungsschwankungen vor und nach der Periode

Auch hier vermutet man die Ursache im Östrogen- und Serotoninhaushalt. Kurz vor der Blutung sind beide auf einem Tiefstand. Bewegung hilft, da beim Sport verschiedene Glückshormone ausgeschüttet werden.

Vitalstoffe und Mikronährstoffe bei PMS

Eventuell kann das Einnehmen von Vitamin D, Magnesium oder Calcium helfen. Zuvor sollte aber eine Blutuntersuchung zur Vitamin-B-Bestimmung gemacht werden. Durch Mönchspfeffer lassen sich PMS-Symptome auf natürliche Weise nachweislich lindern. Alkohol entzieht dem Körper wichtige Mineralstoffe und Vitamine, welche er bei PMS-Symptomen benötigt. Außerdem erhöht Alkohol das Risiko für PMS, wie Studien zeigen.

Weitere Möglichkeiten zur Linderung von PMS-Schmerzen

  • Regelmäßige körperliche Aktivität
  • Keinen Kaffee trinken
  • Nicht rauchen
  • Yoga machen
  • Autogenes Training
  • Heiße Bäder
  • Massagen
  • Ausreichender Schlaf

Weitere Ursachen von Migräneanfällen

Neben hormonellen Faktoren können auch andere Ursachen zu Migräneanfällen führen:

  • Histaminreiche Ernährung / DAO-Mangel: Histaminreiche Lebensmittel wie Rotwein, Schokolade, Käse, Bananen, Erdbeeren usw. können Migräneanfälle auslösen. Eine histaminarme Diät in Verbindung mit der Einnahme des Enzyms DAO vor einer Mahlzeit kann bei vielen Betroffenen die Migräne deutlich vermindern.
  • Serotoninmangel: Bei einem Migräneanfall kann es zu einem Serotoninmangel kommen.
  • Mangel an Magnesium: Auch ein Magnesiummangel kann ein Auslöser für Migräne sein.
  • Mangel an Q10: Betroffene leiden häufiger an einem Q10 Mangel.
  • Überschuss an Noradrenalin: Es wurden erhöhte Noradrenalin Werte kurz vor einer Migräneattacke festgestellt.
  • Starke Blutzuckerschwankungen: Neuere Studien zeigen, dass der Zuckerstoffwechsel eine tragende Rolle bei der Entstehung von Migräne spielen kann.

Michaela's Geschichte und ihr Notfallplan

Michaela, die Gründerin von Histaminikus, litt viele Jahre unter heftigen Migräneattacken. Ihre individuellen Ursachen waren hormonelle Dysbalancen durch die Einnahme der Pille, die Überlastung der Leber, Schlafmangel, enorme Stress-Situationen sowie stark histamintriggernde Nahrungsmittel wie Schokolade, Bananen oder Erdbeeren.

Ihr Notfallplan bei ersten Symptomen:

  1. Direkt 2 Basics (Quercetin, Calcium und Magnesium, Vitamin C) einnehmen.
  2. Einen hohen Einlauf mit ca. 1 Liter lauwarmen Wasser machen.
  3. Eine Stunde nach dem Basics eine HistaPrevent® (Vitamin C, B6) einnehmen.
  4. Sich in ein abgedunkeltes Schlafzimmer legen, die Augen schließen und ganz sanfte Entspannungsmusik hören.
  5. Zwischendurch immer wieder Wasser trinken.

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