Johanniskraut: Wirkung, Anwendung und Wissenswertes für Nerven und Stimmung

Johanniskraut (Hypericum perforatum), auch bekannt als Tüpfel-Johanniskraut, Herrgottsblut oder Teufelsflucht, ist eine seit der Antike bekannte Heilpflanze mit vielfältigen Anwendungsgebieten. Besonders bekannt ist es für seine stimmungsaufhellende Wirkung, die bei leichten bis mittelschweren Depressionen eingesetzt wird. Aber auch bei nervösen Beschwerden, Hautproblemen und zur Förderung der Wundheilung findet Johanniskraut Anwendung.

Was ist Johanniskraut?

Johanniskraut gehört zur Familie der Johanniskrautgewächse (Hypericaceae) und umfasst weltweit etwa 400 Arten. In Europa sind etwa 60 verschiedene Arten heimisch, in Deutschland 11. Das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) bevorzugt sonnige, trockene Standorte mit mageren Böden und wächst gerne wild an Wegrändern, auf Wiesen, an Bahndämmen oder Waldrändern. Die Pflanze erreicht eine Höhe von 30 bis 100 cm und ist an ihren zweikantigen Stängeln, den gegenständig angeordneten, eiförmigen und getüpfelten Blättern sowie den goldgelben Blüten zu erkennen. Die Blütezeit erstreckt sich von Juni bis August, wobei die beste Erntezeit um den Johannistag (24. Juni) liegt.

Inhaltsstoffe und Wirkung

Die medizinisch wirksamen Pflanzenteile des Johanniskrauts sind die getrockneten Triebspitzen, bestehend aus Stängeln, Blüten und Blättern (Hyperici herba). Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen zählen:

  • Hypericin und Hyperforin: Diese Inhaltsstoffe sind hauptsächlich für die antidepressive Wirkung verantwortlich. Hyperforin hemmt die neuronale Aufnahme von Serotonin, Dopamin und Noradrenalin, wodurch diese Botenstoffe länger im Gehirn verfügbar sind.
  • Flavonoide: Sie wirken antioxidativ und entzündungshemmend.
  • Ätherische Öle: Sie wirken äußerlich kühlend und schmerzlindernd, innerlich beruhigend.
  • Gerbstoffe: Sie unterstützen die Verdauung und Hautgesundheit.

Johanniskraut wirkt schmerzlindernd, entzündungshemmend, beruhigend und stimmungsaufhellend. Es fördert die Wundheilung und kann bei verschiedenen Beschwerden Linderung verschaffen.

Anwendungsgebiete

Johanniskraut wird sowohl innerlich als auch äußerlich angewendet.

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Innerliche Anwendung

  • Depressionen: Johanniskraut wird hauptsächlich als pflanzliches Antidepressivum bei leichten bis mittelschweren Depressionen eingesetzt. Studien haben gezeigt, dass Johanniskraut bei leichten oder mittleren Depressionen besser stimmungsaufhellend wirkt als ein Placebo und sogar vergleichbar gut wie synthetische Antidepressiva. Bei schweren Depressionen ist die Wirkung von Johanniskraut nicht nachgewiesen. Um eine antidepressive Wirkung zu entfalten, müssen Johanniskraut-Präparate allerdings 600 bis 900 Milligramm Pflanzenextrakt enthalten.
  • Nervöse Unruhe und Schlafstörungen: Aufgrund seiner beruhigenden Eigenschaften kann Johanniskraut bei nervöser Unruhe, Einschlafproblemen und leichten Angstzuständen hilfreich sein.
  • Mentale Erschöpfung: Johanniskraut kann bei vorübergehend auftretenden mentalen Erschöpfungszuständen eingesetzt werden.
  • Magen-Darm-Beschwerden: Johanniskraut kann zur Linderung leichter Magen-Darm-Beschwerden eingenommen werden.

Johanniskraut kann in Form von Tee, Tinktur, Tabletten oder Kapseln eingenommen werden. Johanniskraut-Tee gilt als Stress-Killer und kann mehrmals täglich getrunken werden.

Äußerliche Anwendung

  • Hautverletzungen und Entzündungen: Johanniskrautöl (Rotöl) wird zur Behandlung von Sonnenbrand, leichten Verbrennungen, Schürfwunden, Ekzemen, entzündlichen Hauterkrankungen und zur Förderung der Wundheilung eingesetzt. Es wirkt entzündungshemmend, schmerzlindernd und beruhigend.
  • Muskel- und Nervenschmerzen: Johanniskrautöl kann bei Muskelverspannungen, Nervenschmerzen wie Hexenschuss, Trigeminusneuralgie oder Nackenverspannungen, Rheuma und Gicht Linderung verschaffen. Es entspannt die Muskulatur und beruhigt die Nerven.
  • Hautpflege: Johanniskrautöl wird zur Pflege von spröder Haut eingesetzt und kann bei Narbenbildung und Wundliegen (Dekubitus) vorbeugend wirken.

Johanniskrautöl wird auf die betroffenen Stellen aufgetragen und sanft einmassiert. Es kann auch als Massageöl verwendet werden.

Johanniskrautöl selbst herstellen

Johanniskrautöl lässt sich einfach selbst herstellen:

  1. Frische Johanniskrautblüten und junge Früchte (ca. 50 Gramm) an einem sonnigen Tag ernten.
  2. In ein Schraubverschlussglas geben und mit 200 Gramm hochwertigem Olivenöl auffüllen.
  3. Etwa sechs Wochen in der Sonne ziehen lassen und regelmäßig gut schütteln.
  4. Anschließend durch ein Tuch abseihen und in einer dunklen Flasche aufbewahren.

Dosierung und Anwendungshinweise

Die Dosierung von Johanniskraut hängt von der Art des Präparats und dem Anwendungsgebiet ab. Es ist wichtig, die Dosierungsanleitung auf der Packungsbeilage zu beachten oder sich von einem Arzt oder Apotheker beraten zu lassen.

  • Johanniskraut-Extrakt (Kapseln/Tabletten): 300-900 mg pro Tag, aufgeteilt in 1-3 Dosen.
  • Johanniskraut-Tee: 2-3 Tassen täglich (2 Teelöffel getrocknetes Kraut pro Tasse).
  • Johanniskrautöl: Äußerlich angewendet, je nach Bedarf.

Johanniskraut sollte über mehrere Wochen regelmäßig eingenommen werden, um eine spürbare Wirkung zu erzielen. Bei ausbleibender Besserung sollte ein Arzt konsultiert werden.

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Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Johanniskraut hat zwar weniger Nebenwirkungen als synthetische Antidepressiva, aber sie sind nicht zu unterschätzen.

  • Lichtempfindlichkeit: Johanniskraut kann die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen. Daher sollten während der Einnahme von Johanniskraut-Präparaten intensive Sonnenbäder, Solarienbesuche und Höhensonne vermieden werden. Es ist ratsam, einen hohen Sonnenschutz zu verwenden.
  • Magen-Darm-Beschwerden: In seltenen Fällen kann es zu Übelkeit, Durchfall oder anderen Magen-Darm-Beschwerden kommen.
  • Müdigkeit oder Unruhe: Zu Beginn der Einnahme kann es vorübergehend zu Müdigkeit oder Unruhe kommen.
  • Allergische Reaktionen: In seltenen Fällen können allergische Hautreaktionen auftreten.

Johanniskraut kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eingehen. Es kann die Wirksamkeit von bestimmten Antidepressiva, blutverdünnenden Mitteln, Immunsuppressiva, Krebsmedikamenten, der Antibabypille und anderen hormonellen Verhütungsmitteln beeinträchtigen. Vor der Einnahme von Johanniskraut-Präparaten sollte daher unbedingt ein Arzt oder Apotheker konsultiert werden, um mögliche Wechselwirkungen abzuklären.

Kontraindikationen

Johanniskraut sollte nicht eingenommen werden bei:

  • Bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Johanniskraut oder anderen Inhaltsstoffen.
  • Gleichzeitiger Einnahme von bestimmten Medikamenten (siehe Wechselwirkungen).
  • Schweren Depressionen (hier ist die Wirksamkeit von Johanniskraut nicht nachgewiesen).

Schwangere und Stillende sollten Johanniskraut nur nach Rücksprache mit einem Arzt einnehmen. Bei Kindern unter 12 Jahren wird die Anwendung von Johanniskraut nicht empfohlen.

Johanniskraut im Vergleich zu anderen Stimmungsaufhellern

Johanniskraut ist nicht die einzige Pflanze mit stimmungsaufhellender Wirkung. Hier ein Vergleich mit anderen bekannten Alternativen:

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  • Ashwagandha: Besonders gut gegen Stress und Angst, aber nicht direkt antidepressiv.
  • Rosenwurz (Rhodiola rosea): Steigert Energie und Konzentration, wird oft bei Erschöpfung eingesetzt.
  • Safran: Zeigt in Studien antidepressive Effekte, ist aber deutlich teurer als Johanniskraut.
  • Baldrian & Passionsblume: Fördern Entspannung, wirken aber nicht so stark stimmungsaufhellend wie Johanniskraut.

Johanniskraut ist besonders für Menschen geeignet, die ihre Stimmung langfristig stabilisieren wollen, während andere Pflanzen oft eher kurzfristige Effekte haben.

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